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Der Berliner Marco Kunz verbreitet "Lust auf Lyrik" - Lesung im Künstlerhof zum grünen Bären

Gießen | Marco Kunz, Jahrgang 1974, Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, bisher schon mit zahlreichen Gedichtveröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien vertreten, unter anderem im Jahrbuch der Lyrik und in der Atlanta Review, stellt seinen ersten eigenen Gedichtband vor: "Gezeitenrhythmus in HD" - Eine Reise durch die persönliche Erfahrungswelt im Rhythmus der Gezeiten, durch Ängste, Schmerzen und Neurosen, Erinnerungen und Hochgefühle, nicht immer nüchtern, aber immer konkret und tiefenscharf. Die Gedichte führen in die Berliner U-Bahn, zum Sonnenaufgang an den Strand von Rhodos, zu den Enten an einen stillen masurischen See und ganz weit in die eigene Vergangenheit und das Innere des Weltwahrnehmungsapparats, nie in der Verzweiflung und Desillusion steckenbleibend, sondern immer wieder erstehend wie Phönix aus der Pisse.

Formal bieten die Gedichte ein breites Spektrum: Von der klassischen gereimten Strophenform über freirhythmische kristalline Formen und Montagetechniken unter der Verwendung von Plakat- und Zeitungstexten bis hin zum narrativen slam-artigen Langgedicht und zum Haiku.
Dies alles ist im ersten Band der Independent-Literatur-Reihe "edition scardanelli" zu lesen.
Mehr über...
scardanelli (1)Rhodos (3)masurische See (1)Marco Kunz (1)Künstlerhof zum grünen Bären (12)Junges Literaturforum (1)Jahrbuch der Ly (1)Berlin (147)Atlanta Review (1)
Nach der Lesung aus diesem Buch verkauft und signiert der Autor gerne frisch gedruckte Exemplare - deutlich günstiger als bei amazon - und dann wird gefeiert, mit jiddischem Tango, finnischem Rock, Bob Dylan und noch viel mehr Musik ...

Die Lyrik-Lesung findet am Donnerstag, 14. August 2014, um 18:30 im www.künstlerhof-zum-grünen-bären.de in 35753 Greifenstein OT Allendorf, Ulmer Straße 4 statt. Zu den Gedichten von Marco Kunz werden "erlesene" Weine sowie
Mineralwasser und kleine Knabbereien kredenzt.

Der Eintritt ist frei.
*
Hier drei Kostproben aus dem Werk von Marco Kunz:

Intro

Mit sechs Bio-Eiern und einem Broccoli
auf ihrem Schoß
saß sie mir in der U-Bahn
gegenüber

Er stand am S-Bahn-Brückenrand
mit E-Gitarre umgehängt, Verstärker
vor den Füßen und
spielte einen Blues

In Lichtenberg: Vibrator zu laut Polizei kommt
schrie die Schlagzeile, am Kiosk
ausgehängt

Schöneberg. Feinherb. Berliner Pilsener
posaunte hemmungslos das
Großplakat

Neben mir im Bus der Mann
erzählte seinem Gegenüber:
Da gibts ja auch überall
Zusatzversicherungen für sowas, für
Zähne, Augen und so

Und über allem wölbte sich
der blaue Himmel
und mittendrin
du selbst mit deinem
Weltwahrnehmungsapparat, mit
deinem Atem, deinem Blick,
der Linse und den Bildsensoren,
hochauflösend, tiefen-
scharf

Rhodos, Strand, Augenblicksschmelze
(für meinen Sohn Paul Philipp)

Rauschende felsige Weite,
blaues ägäisches Meer,
weiß ragen Häuser zur Seite,
weiß wogt die Gischt hin und her &

Glitzerndes Blau in der Ferne,
buntes Gekiesel davor,
Lachen kommt aus der Taverne
immer das Rauschen im Ohr &

Zeit dehnt sich, Zeit wird elastisch,
tickt nicht mehr, rauscht nur noch an
Augenblicksschmelze und plastisch
formt sich ein Bild dann und wann

Was Sinn macht,

Junges Atist am Ende
vielleicht nur das
Banale: Geruch von
regennassem Teer im Mai ein
Augenblick, ge-
lebt, gerochen was
willst du mehr, was
kannst du mehr?

Die großen Ziele, furcht-
bar öde, nur
Sprit zum Brennen,
Weiterfahren

Die Lyrik ist das Poetische schlechthin. Sie rangiert im unendlichen Abstand von der übrigen Literatur. Sie ist die feinste und reizvollste Blüte der Dichtung. Sie ist Magie. Jedes Wort ist Beschwörung. Der Dichter ist ein Zauberer. Seine Sprache will keine Mitteilung. Oft ist sie so dunkel, daß sie der Dichtende selbst nicht versteht. Seine Bilder sind Chiffre. Richtigkeit, Deutlichkeit, Vollständigkeit, Reinheit, Ordnung sind nicht das Ziel der Lyrik. Sie ist oft bloß wohlklingend, dabei ohne allen Sinn und Zusammenhang. Höchstens einzelne Strophen sind verständlich. Sonst sind es oft nur Bruchstücke, aus den verschiedensten Elementen zusammengesetzt. Ich möchte fast sagen, das Chaos muß in jeder Dichtung durchschimmern.

Novalis (1772 - 1801), eigentlich Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg, deutscher Lyriker

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von:  Helmut Dr. Scharf

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