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"Brücke in den ersten Arbeitsmarkt"

Gießen | der OJA der IG Metall Verwaltungsstelle Mittelhessen, die DGB Jugend und die DGB Region Mittelhessen luden heute, den 4.8.2014 herzlich zur öffentlichen Namensgebung der neuen (gesperrten) Brücke über den Schwanenteich in der Eichgärtenallee in Gießen ein. Die Brücke erielt den Namen „Brücke in den 1. Arbeitsmarkt“.


Die Jury bestehend aus

Tobias Götz (Jugendsekretär IG Metall Mittelhessen)

Alexander Wagner (DGB Jugend Mittelhessen)

Klaus Zecher (DGB Kreisvorsitzender Gießen)

Ulrike Eifler (Gewerkschaftssekretärin DGB Mittelhessen)

und Ulf Immelt (Gewerkschaftssekretär DGB Mittelhessen)

begründet die Wahl wie folgt:


Immer wieder wird behauptet Leiharbeit sei eine Brücke in den 1. Arbeitsmarkt. Nun haben wir endlich die besagte Bücke entdeckt. Sie befindet sich hier in Gießen am Schwanenteich. Sie ist für Fußgänger und den Straßenverkehr gesperrt. Es handelt sich also um eine Brücke die man nicht überschreiten kann. Genauso verhält es sich mit der Leiharbeit als vermeintliche Brücke in den 1. Arbeitsmarkt.



Die jüngst veröffentliche Studie des IAB Hessen belegt, dass Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer keine relevant bessere Chance haben, in eine reguläre Beschäftigung zu kommen. Knapp die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse endet nach weniger als drei Monaten. Das bedeutet für die Betroffenen eine immer wiederkehrende Unsicherheit darüber, ob, wann und wo sie das nächste Mal arbeiten können. Somit wird eine stabile Lebensplanung, insbesondere für Familien unmöglich.



Erschwerend kommt für die Leiharbeiterinnen und -arbeiter hinzu, dass eine kurzfristige Beschäftigung in der Leiharbeit keinen neuen Anspruch auf Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung bewirkt. Daraus resultiert der sogenannte Drehtüreffekt zwischen Leiharbeit und Hartz IV. Jeder fünfte Leiharbeiter in Mittelhessen, der 2012 den Job verloren hatte, musste Hartz IV beantragen.



Die aktuellen Pläne des Bundesarbeitsministeriums zur Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes sehen vor, dass für Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter ab dem neunten Monat im Entleihbetrieb der Gleichbehandlungsgrundsatz gegenüber der Stammbelegschaft gilt. Ein Leiharbeitseinsatz soll außerdem auf maximal 18 Monate begrenzt werden. Laut der IAB-Analyse arbeiten aber nur 27,6 Prozent der leiharbeitsbeschäftigten länger als neun Monate im Entleihbetrieb – und sogar nur 14 Prozent länger als 18 Monate. Von den Plänen zur Reform der Leiharbeit würde daher ein Großteil der Beschäftigten deshalb gar nicht profitieren. Der DGB fordert "Equal Pay" ab dem ersten Einsatztag.



Leiharbeit ist in den letzten 10 Jahren im Zuge der Hartz-Reformen geradezu explodiert und zu einer festen Größe am Arbeitsmarkt geworden. Laut der Arbeitnehmerüberlassungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit hat sich die Zahl der Leiharbeitsbeschäftigten seit in Kraft treten der Hartz-Gesetzgebung 2003 auf ca. 800.000 verdreifacht. In Hessen gibt es zur Zeit ca. 60.000 Leiharbeiter. Das ist ein Beleg für DGB und IG Metall, dass Leiharbeit nicht nur zum Auffangen von Auftragsspitzen genutzt wird, sondern längst „Regelarbeit“ bedeutet.
(Text des DGB)

Auch die Bürgerinitiative war anwesend und begrüßte die Namensgebung dieser Sackgassenbrücke.


PS: Weitere Brückenbenennungen finden statt am

Di, 12. August, 11:00 Uhr in Bad Endbach-Hartenrod,

Sa,16. August um 11:00 Uhr in Kirchhain,

Do, 11. September, 15:30 Uhr in Niederohmen

Do, 25. September, 17:30 Uhr, in Schlitz.

 
 

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Kommentare zum Beitrag

Wolfgang Schwarz
153
Wolfgang Schwarz aus Gießen schrieb am 04.08.2014 um 17:54 Uhr
guter Artikel. Bin nur mal gespannt, wielange das Schild hängen wird. Denn wenn sie angepisst werden, reagieren sie mitunter schnell. Jedenfalls schneller als mit den Antworten auf die noch immer offenen Fragen den Caterer betreffend. Oder hab ich was verpasst.
Peter Herold
26.282
Peter Herold aus Gießen schrieb am 04.08.2014 um 18:20 Uhr
Jetzt hat die Brücke endlich den passenden Namen gefunden. Es ist ohnehin ein Schildbürgerstreich eine Brücke zu bauen für viel Geld und dann einfach zu sperren. Wer sich das ausgedacht hat;-(
Jutta Skroch
12.673
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 04.08.2014 um 18:22 Uhr
Die Akteure haben ihr Schild schlauerweise gleich nach der Aktion wieder mitgenommen, denn es war schon aufwendig gestaltet gewesen. Da wäre es schade ums Geld gewesen.
Birgit Hofmann-Scharf
10.038
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 04.08.2014 um 19:29 Uhr
Ja, absolut genialer Name und Maßnahme - nun macht die Sperrung sogar Sinn.

Danke für den Artikel, Martina !
Uli Kraft
2.185
Uli Kraft aus Gießen schrieb am 04.08.2014 um 20:13 Uhr
Wolfang, nein, Du hast nichts verpasst, die Fragen sind noch offen.
Allerdings war von Gewerkschaftsvertretern zu vernehmen, dass möglicherweise 'zeitnah' mit Antworten zu rechnen sei (was auch immer dies heißen mag).
Christian Momberger
10.949
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 04.08.2014 um 22:16 Uhr
Auch finde es eine gute und richtige Aktion. Danke Martina, dass Du darüber hier berichtet hast. War denn sonst noch Presse anwesend?
Und auch finde, das Schild hätte da hängen bleiben sollen.
Martina Lennartz
5.052
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 04.08.2014 um 23:06 Uhr
Das Schild wurde aus verschiedenen Gründen anschließend wieder abmontiert. Zum einen war klar, dass das Schild nicht lange hängen bleiben würde. Zum anderen war das Schild teuer und wird jetzt für die weiteren Aktionen-siehe oben-verwendet. Anzeiger und Allgemeine waren zugegen.
Bernhard Kröger
377
Bernhard Kröger aus Gießen schrieb am 04.08.2014 um 23:45 Uhr
:)
Dietmar Jürgens
1.252
Dietmar Jürgens aus Gießen schrieb am 05.08.2014 um 08:31 Uhr
Leider wurde nur das Schild abmontiert. Schade!! :-)
Peter Herold
26.282
Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.08.2014 um 08:41 Uhr
Womit er recht hat ......
Christian Momberger
10.949
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 05.08.2014 um 19:23 Uhr
Ja, da ist was dran Dietmar.
Uli Kraft
2.185
Uli Kraft aus Gießen schrieb am 05.08.2014 um 21:13 Uhr
Nein - ich kenne Eure Hintergedanken, ihr habt gleich die ganze Brücke im Sinn. Dieses architektonische Highlight, welches doch ein solcher Zugewinn für die Gewässergüte darstellt? Nein, bitte nicht ;-)
Ich möchte erleben, wie diese Brücke mit Siemens-Lufthaken gesichert wird, wenn der 'marode Uferweg/Deich' saniert wird und dann das Auflager weggebaggert wird. ;-)
Christian Momberger
10.949
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 05.08.2014 um 21:27 Uhr
Klasse Uli, der ist wieder mal köstlich.
Uli Kraft
2.185
Uli Kraft aus Gießen schrieb am 05.08.2014 um 21:35 Uhr
Aber man könnte das Brückenwiderlager mit 2-3 Baggern unterfüttern. Sorry, das gehört nicht zum Thema des Beitrags.
Ach Frau Back, die BI und mit ihr eine Reihe Gießener Bürger hat nicht dieSanierung verhindert, sondern die unumstößliche Abholzung!
Peter Herold
26.282
Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.08.2014 um 22:30 Uhr
Sie sind durchschaut Frau Back. Da hilft Ihr Gesichtsausdruck, soll wohl Lachen sein, nicht darüber hinweg = ?
Peter Herold
26.282
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.08.2014 um 08:32 Uhr
Sie mit Ihren Sprüchen sind manchmal schon ermüdend
Dietmar Jürgens
1.252
Dietmar Jürgens aus Gießen schrieb am 10.08.2014 um 22:02 Uhr
Frau Back, ich dachte, Sie hätten mich verstanden! Weg mit dem häßlichen Ding!! Ob 2 oder 3 Brücken spielt doch keine Rolle mehr. Das Fährgeschäft ist gefährdet. Ist denn kein Verlass auf Sie??
Peter Herold
26.282
Peter Herold aus Gießen schrieb am 11.08.2014 um 04:09 Uhr
O:-) zum letzten Satz
Martina Lennartz
5.052
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 11.08.2014 um 05:23 Uhr
Wenn das Gelände Ende des Jahres-oder Anfang des nächsten-(wir wollen mal optimistisch sein) wieder für jeden frei zugänglich sein wird, wird sie in "Brücke in Hartz 4" umbenannt.
Uli Kraft
2.185
Uli Kraft aus Gießen schrieb am 11.08.2014 um 20:54 Uhr
wieso sollte 'das Ding' beleuchtet sein, da kommt doch nach Einbruch der Dunkelheit keiner hin, geschweigedenn tagsüber.
Und wieso die Eile - die Beleuchtung am THM-Platz wurde doch auch erst vor 2 Wochen fertig, nachdem sie im Frühjahr tlw. wieder abgebaut wurde.
@ Martina - hast Du das Namensschild schon in Auftrag gegeben?
Ich kenne einen Schildermaler, der hat noch Kapazitäten frei - der fertigt Schilder sogar 'fehlerfrei' an ;-)
Rüdiger Schäfer
739
Rüdiger Schäfer aus Gießen schrieb am 21.08.2014 um 00:28 Uhr
Leiharbeit ist keine gute Brücke zum Arbeitsmarkt.
Das ist unbestritten.
Für die Arbeitgeber bereits Schnee von gestern.
Denn sie haben verstärkt die Werksverträge entdeckt.
Als wirksames Instrument zur Kostensenkung.
Diese Werksverträge - wie auch die Menschen ohne jegliche Arbeit -
gehen den Gewerkschaften anscheinend ganz am Arsch vorbei.
Schließlich alles keine Gewerkschaftler.
Stefan Walther
4.184
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.08.2014 um 22:50 Uhr
Einspruch = es gibt zahlreiche arbeitslose engagierte Gewerkschafter, u.a. bei ver.di organisiert als "Erwerbslose", z.B. mit Sitz und Stimmrecht in verschiedenen Gremien.... richtig aber auch, dass der Schwerpunkt der Gewerkschaftsarbeit immer die betriebliche Arbeit sein muss ( und wenn das manchmal auch schwer zu vermitteln ist ). Warum? = relativ einfach zu beantworten = die gewerkschaftliche Kampfkraft kann in erster Linie ( nicht ausschließlich, aber in erster Linie ) im betrieblichen gewerkschaftlichen Kampf entfaltet werden.
Ist doch hier ein guter Ansatz von Gewerkschaftern ( ich war dort, war eine gute Aktion, vor allem auch weil es über die Gewerkschaften hinaus ging, u.a. durch MitstreiterInnen der BI ) wenn sie sich solcher Themen annehmen.
Und es gilt immer noch der - alte - Spruch = "Wir sind die Gewerkschaft!" auf die Führung, auf die Gewerkschaftsbosse schimpfen... und sich dann evt. noch nicht mal selbst in der Gewerkschaft organisieren... aber von aussen kritisieren? Die Gewerkschafter akzeptieren so etwas nicht, ich auch nicht.
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