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„Plaudern bei Prinz“: Vorurteile und Realität des obdachlosen Lebens

Einige Mitglieder des Teams von "Plaudern bei Prinz".
Einige Mitglieder des Teams von "Plaudern bei Prinz".
Gießen | Auch in Gießen wie in jeder Stadt werden Obdachlose von vielen Vorurteilen umgeben und von den Fußgängern als „Penner“ und „Säufer“ vermieden.
Die Nichtsesshafteneinrichtung der Diakonie Gießen „Die Brücke“ kümmert sich um diese Menschen, bietet ihnen u.a. Beratung, Unterstützung bei verschiedenen Angelegenheiten, Duschgelegenheit und die Möglichkeit, die eigene Wäsche zu waschen, an.
Ein interessantes Projekt, das die Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaften Maxi Zahn, Lisa Schettel und Hannah Ruoff zusammen mit den Mitarbeiterinnen der „Brücke“ Sarah von Trott und Gertrud Monninger sowie mit der freiwilligen Teilnahme der Besucher der Einrichtung Gianni Berck, Patrick Heldt, Bernd Jungkunst, Heinz Kerb, Waldemar Mrukwa und Florian Schmidt entwickelt haben, soll die Öffentlichkeit anspornen, sich mit der Realität der Obdachlosen und den damit verbundenen Vorurteilen kritisch auseinanderzusetzen.
Das Team wollte zuerst ein Theaterstück über dieses Thema realisieren, hat sich aber dann für einen Film entschieden, der am Mittwoch, 23. Juli 2014, in den Räumlichkeiten der "Brücke" in der Dammstr. 4, vorgeführt
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wurde. In der etwa 30-minutigen Projektion wird die Talk-Show „Plaudern mit Prinz“ gezeigt, in der die Gäste sich über obdachlose und nichtsesshafte Menschen äußern, die gängigen Vorurteile zuspitzen und Lösungen vorschlagen. Die Meinungen sind so unterschiedlich wie die Gäste selbst. Einerseits beneidet der Journalist das freie Leben der Obdachlosen, er würde jedem sogar ein „freiwilliges Penner-Jahr“ empfehlen, um diese Ungebundenheit zu genießen. Andererseits werden diese Menschen als Gesundheitsgefahr („sie stinken“) vom Arbeitsberater gesehen, der mit ihnen beruflich zu tun hat. Der Politiker beklagt einen Mangel an Bürgersinn in dieser Lebensart und der Bürger findet, dass für die Obdachlosen schon zuviel Geld ausgegeben wird. Auch bei der Diskussion über eine Verbesserung der Situation können sich die Beteiligten nicht einigen: Der eine schlägt Lebensgutscheine für Kleidung und Lebensmittel für die wohnungslosen Menschen vor, der andere hält sie lediglich für Schmarotzer und wäre für die Zwangsarbeit als beste Lösung. Die fiktive Talk-Show zeigt also einen repräsentativen Querschnitt der Gesellschaft und der Stellungnahmen, die man oft in den Medien oder in alltäglichen Gesprächen hört.
Aber „Plaudern bei Prinz“
Zahlreiche Zuschauer konnten über die Obdachlosigkeit dank der Projektion überlegen und diskutieren.
Zahlreiche Zuschauer konnten über die Obdachlosigkeit dank der Projektion überlegen und diskutieren.
will noch tiefer gehen. Die Darstellung der Debatte wechselt sich mit Einblicken ins reale Leben der Schauspieler, die die Obdachlosigkeit jeden Tag an der eigenen Haut erleben, und in die dramatischen Zustände, die sie zu dieser Lage geführt haben. So erfahren die Zuschauer, dass die sogenannten „Penner“ ehemalige Geschäftsführer mit einem Studium hinter sich waren, deren Firma Konkurs machte, oder als Jugendliche das eigene Haus verlassen mussten, um aus der Gewalt in der Familie zu entkommen. Erfolglose Arbeitssuche und Schulden zwangen einige Menschen zu einem Leben auf der Straße, wenn sie die Miete einer Wohnung aus finanziellen Gründen nicht mehr bezahlen konnten, und eine turbulente Vergangenheit mit Drogen und Gefängnis beeinträchtigt die Chancen für ein neues Leben in der Gesellschaft.
Das Ergebnis des Filmprojektes besteht nicht nur in der Darstellung des obdachlosen Lebens aus der Außen- und Innenperspektive, sondern auch in der Miteinbeziehung einiger Besucher der „Brücke“ in einer kulturellen Tätigkeit, dank der sie ihr schauspielerisches Talent entdecken konnten.

Einige Mitglieder des Teams von "Plaudern bei Prinz".
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Zahlreiche Zuschauer konnten über die Obdachlosigkeit dank der Projektion überlegen und diskutieren.
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Kommentare zum Beitrag

361
Harry Weiß aus Gießen schrieb am 18.12.2014 um 12:39 Uhr
...wäre toll, wenn der Film nochmal bzw. öfter gezeigt würde...gerne auch im KINOPOLIS...das wäre eine schöne Aktion...
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von:  Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion

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Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion
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