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Depression und Angst auf der Spur: Asylbewerber beteiligen sich an Studie zu psychischen Störungen

Ein persönliches Interview ist Teil der wissenschaftlichen Erhebung, wie Hanna Reich (vorn l.) und Ricarda Nater-Mewes von der Uni Marburg erklärten. Vertreter des Landkreises haben sich über den Zwischenstand des Projekts erkundigt.
Ein persönliches Interview ist Teil der wissenschaftlichen Erhebung, wie Hanna Reich (vorn l.) und Ricarda Nater-Mewes von der Uni Marburg erklärten. Vertreter des Landkreises haben sich über den Zwischenstand des Projekts erkundigt.
Gießen | Wenn Flüchtlinge bei uns in Deutschland ankommen, genügt es nicht, ihnen eine Unterkunft zu gewähren. Zwar ist ein Dach über dem Kopf mutmaßlich die größte Hilfe, die ihnen zunächst angeboten werden kann, häufig brauchen Asylsuchende aber auch seelischen Beistand. Die Erlebnisse vor und während der Flucht und die quälende Ungewissheit über ihre Zukunft erschüttern die Heimatlosen mitunter so sehr, dass sie psychologische Hilfe benötigen.

Wie sehr Asylbewerberinnen und –bewerber von traumatischen Veränderungen betroffen sind, möchte eine Studie der Philipps-Universität Marburg ermitteln, bei der sich der Landkreis Gießen beteiligt. Dazu sagte Sozialdezernent Dirk Oßwald: „Den Asylbewerbern, die im Landkreis Gießen leben, möchten wir bestmöglich helfen. Neben der Wohnstätte bieten wir deswegen auch Begleitung durch Sozialarbeiter, Sprachkurse und sogar Praktika und Arbeitsgelegenheiten an. Dass wir uns am Projekt der Uni Marburg beteiligen, war also fast selbstverständlich. Es zielt auf die Verbesserung der seelischen Gesundheit ab und leistet somit einen Beitrag für das Wohlergehen der Asylbewerber.“

Unter
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dem Arbeitstitel „Psychotherapeutische Erstversorgung von AsylbewerberInnen in Hessen“ ermitteln Wissenschaftler um Psychologin Dr. Dr. Ricarda Nater-Mewes, welchen Bedarf an psychotherapeutischen Hilfen Asylbewerber haben, und vermitteln die entsprechende Hilfe. Die Teilnahme an der Untersuchung ist freiwillig, sie erfolgt mittels computergestütztem Fragebogen und anschließendem Gespräch, wie Hanna Reich erläutert. Die Psychologin führt die Erhebung vor Ort in den Gemeinschaftsunterkünften durch – meist mit Dolmetscher, denn die Interviews können neben Deutsch und Englisch auch in Arabisch, Persisch und Kurdisch geführt werden.

Bislang wurden rund 50 Menschen zu ihren Erlebnissen und Belastungen befragt. Auch in Treis haben sich einige Männer und Frauen bereiterklärt, bei der Studie mitzumachen. Die Befragung zielt auf eine Reihe psychischer Störungen, die bei Flüchtlingen zu erwarten sind. Dazu zählen posttraumatische Belastungsstörung, andere Arten der Angststörungen, Depressionen, Suchterkrankungen sowie körperliche Symptome, die nicht auf eine organische Ursache zurückzuführen sind. Die ersten Ergebnisse bestätigen die Hypothese: Fast alle untersuchten Menschen zeigen Formen der nachgefragten seelischen Störungen. Dabei sind die Beeinträchtigungen so individuell wie die Probanden und ihre persönliche Geschichte. Verallgemeinerbare Rückschlüsse lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht ziehen, erläuterte Ricarda Nater-Mewes beim Termin in der Gemeinschaftsunterkunft Treis.

Erster Kreisbeigeordneter Dirk Oßwald hat sich gemeinsam mit Migrationsdezernent Dirk Haas vor Ort über den Sachstand der Studie erkundigt. Außerdem mit dabei: der betreuende Sozialarbeiter Jürgen David, Jörg Glasenhardt-Freymann, Leiter des Teams Asyl, sowie der Psychiatrie-Koordinator des Landkreises, Marco Auernigg. Für ihn war besonders interessant, dass im Rahmen des Projektes so genannte psychoedukative Gruppen angeboten werden, in denen Betroffene über Traumafolgestörungen aufgeklärt werden. In der Gesprächsrunde soll ihnen zudem eine erste Orientierung hinsichtlich der möglichen Behandlungsangebote geboten werden. Dieses Beratungsangebot möchte Marco Auernigg gern unterstützen und hat Hilfe bei der Organisation zugesagt.

Dirk Oßwald dankte den Wissenschaftlerinnen für ihre Hilfe, denn im Zuge der Erhebung finden viele Asylbewerberinnen und Asylbewerber Zugang zu ärztlicher Hilfe und psychologischer Betreuung. „Hoffentlich können Ihre Erkenntnisse die seelische Gesundheit und die psychotherapeutische Erstversorgung im Land verbessern“, gab er Ricarda Nater-Mewes und Hanna Reich mit auf den Weg.

Im Landkreis Gießen leben derzeit rund 800 Asylbewerber. Ungefähr 350 sind in den zwölf Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, die der Landkreis Gießen unterhält. Die Ungewissheit über die Zukunft verstärkt häufig die ohnehin belastende Situation der Asylbewerber. Eine zusätzliche psychologische Beratung ist daher willkommen, unterstrichen die Dezernenten des Landkreises Gießen abschließend.

Fragen zum Thema Asyl im Landkreis Gießen beantwortet Jörg Glasenhardt-Freymann (Telefon: 0641 9390-9468, E-Mail: joerg-glasenhardt-freymann.de). Ansprechpartnerin für allgemeine Fragen zum Projekt „Psychotherapeutische Erstversorgung von AsylbewerberInnen in Hessen“ ist Ricarda Nater-Mewes vom Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg (E-Mail: mewesr@uni-marburg.de). Für Teilnahmeinteressierte oder konkrete Fragen zur Teilnahme ist Hanna Reich die richtige Ansprechperson (Telefon: 06421 28-24025, E-Mail: hanna.reich@staff.uni-marburg.de).

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