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Gaza - die Verdammten dieser Erde

Gießen | Die Verdammten dieser Erde
Der ehemalige Politiker und Medienmanager, der Publizist Jürgen Todenhöfer, veröffentlichte am Sonntag auf seiner Facebook-Seite einen Text unter dem Titel »Gaza: Die Verdammten dieser Erde«:


Bitte vergeßt Gaza nicht! Vor allem jetzt, wo Netanjahus Bodentruppen Gaza endgültig zerbrechen sollen. Physisch und psychisch. Mit Panzern gegen die Eselswagen der Tunnelbauer! Es ist absurd. Weiß Netanjahu wirklich, was er tut? Hat er eine zu Ende gedachte Strategie? Oder ist er Gefangener seiner eigenen innenpolitischen Panikmache?

Ich bin kein Freund der Hamas. Und werde es nie sein. Ich kritisiere die Ideologie und die »Militärstrategie« der Hamas mit Nachdruck. Aber ich bin ein Freund der Palästinenser. Ich weigere mich, schweigend zuzusehen, wie ihre Rechte und ihre Würde mit Füßen getreten werden.

Natürlich hat Israel das Recht auf Selbstverteidigung. Gegen die sinnlose Ballerei der Hamas und anderer Widerstandsgruppen. Unter anderem durch die perfekte Flugabwehr »Iron Dome«. Aber Israel hat kein Recht darauf, Hunderte von Häusern dem Erdboden gleich zu machen, ganze Familien
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auszulöschen, Behindertenheime zu bombardieren, spielende Kinder am Strand und auf Dächern mit Raketen zu töten und Strandcafés in die Luft zu sprengen, in denen Jugendliche sich die Fußballweltmeisterschaft anschauen wollten. Gaza ist die Hölle auf Erden.

Netanjahu hat angekündigt, er werde die Hamas massiv schwächen. Doch er schwächt oder zerstört nicht die Hamas, sondern Gaza und seine Menschen. Völkerrechtlich sind die Bombenmassaker in Gaza Kriegsverbrechen. Keine Selbstverteidigung. Man darf ein Volk nicht kollektiv bestrafen. Das lernt ein Jurastudent in den ersten Semestern.

Am Donnerstag waren wir im israelischen Aschkelon. Einem der drei Hauptangriffsziele der palästinensischen Raketen. Der schwerste materielle Schaden, den Aschkelon nach Aussagen jüdischer Bürger im Krieg erlitten hatte, war die Zerstörung einer Gartensauna. Wir haben sie selbstverständlich besichtigt. Ich sehe und höre mir immer beide Seiten an. An anderen Orten Israels soll es allerdings auch schwerere Beschädigungen gegeben haben.

Nur ein minimaler Prozentsatz der zum Großteil selbst gebastelten Raketen aus Gaza durchdringt den »Iron Dome«, die sensationelle Raketenabwehr Israels. Netanjahu weiß das genau. Doch aus innenpolitischen Gründen erzeugt er trotzdem im eigenen Land eine fast groteske Angstpsychose. (…)

Noch in Tausenden von Jahren wird man sich die Geschichte der Gefangenen von Gaza erzählen. Dieses gedemütigten und entrechteten kleinen Volkes, das von einem benachbarten Herrenvolk in einem großen Käfig gehalten wurde. Dem das Herrenvolk den Strom abdrehte, wann es ihm gefiel. (...) Ewig wird man über die Schande von Gaza sprechen. Über die herablassende, respektlose Unterdrückung und Demütigung seiner Bevölkerung durch den Nachbarn Israel. Über das Versagen der Weltöffentlichkeit angesichts ihrer Behandlung als Menschen dritter Klasse. Jean Paul Sartre würde sagen als »Halbaffen«. (…) Jede Minute denke ich an die Menschen in Gaza, an die Verdammten dieser Erde. Am liebsten würde ich gleich wieder zu ihnen hinfahren.

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Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
4.314
Stefan Walther aus Linden schrieb am 22.07.2014 um 23:47 Uhr
Würde Israel das Gefängnis Gaza öffnen und die Besetzung aufgeben, dann würde es das derzeitige Problem gar nicht geben!
Und komme keiner mit "Antisemitismus", wer für das Recht der Palästinenser auf Freiheit und Selbstbestimmung eintritt, der ist weder ein Antisemit noch ein Freund islamistischer Kräfte, die auch nicht im Interesse des palästinensischen Volkes handeln. Und wer - wie Israel - behauptet, dass nur die Hamas sich gegen die Besatzung und den Krieg gegen das palästinensische Volk wehrt, der verbreitet ganz bewusst Lügen. Jedes Volk hat das Recht sich zu verteidigen wenn es angegriffen wird, so auch das palästinensische Volk.
Karl-Ludwig Büttel
3.528
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 23.07.2014 um 10:02 Uhr
Übereinstimmung Herr Walther.
Christian Momberger
11.030
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.07.2014 um 23:21 Uhr
Auch ich mag mich hier nur den Worten von Jürgen Todenhöfer und Stefan anschließen!
Michael Beltz
7.089
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 24.07.2014 um 17:13 Uhr
Völlig richtig Stefan, wer die Aggressionen Israles kritisiert, ist kein Antisemit. Wer die Regierung Frankreichs kritisiert, ist nicht als Antifranzose zu bezeichnen.
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von:  Frauke Weber

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