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G8 - Druck und Stress statt ausgeglichener Schulzeit

Gießen | G8 - Jeder spricht davon, die Politik trichtert den Menschen durchweg die positiven Aspekte des Turbo Abiturs ein, doch wie wirkt sich das alles eigentlich auf die Schüler aus?
Ich selbst bin von G8 betroffen und werde nächstes Jahr mein Abitur nach 8 Jahren Gymnasium machen. Zunächst einmal bedeutet G8 für mich eines: Stress. Ich komme nach einem langen acht oder zehn Stunden Tag nach Hause - Erschöpft vom Lernen in der Schule muss ich dann entweder noch massenweise Hausaufgaben machen oder für ausstehende Klausuren lernen. Dies erfordert viel Aufwand und eine Menge Konzentration, ohne die man definitiv scheitert.
Die Folge davon ist, dass soziale Kontakte und Freizeit natürlich darunter leiden. Gerne würde ich unter der Woche etwas mit Freunden machen oder meinem Hobby Tennis nachgehen, aber mein Stundenplan und die ganze Lernerei lassen dies nicht zu. Während des Unterrichts merkt man ebenfalls, wie man durch die Themen hetzt, worunter sowohl Schüler, als auch Lehrer leiden. Das Eingehen auf spezifische Schüler fällt weg, jeder hat immer das ständige Drängen der Zeit im Hinterkopf. Doch was haben wir Schüler
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wirklich davon, wenn wir nach dem ganzen Stress ein Jahr früher mit der Schule fertig sind? Ich muss sagen, dass ich noch keine wirkliche Idee habe, wie meine berufliche Laufbahn nach meinem Abitur aussehen soll. Natürlich habe ich Vorstellungen, aber viel zu wenige, um wirklich eine Entscheidung für einen bestimmten Beruf oder Studiengang treffen zu können. Damit stehe ich nicht alleine da, die meisten meiner Mitschüler sind sich ebenfalls jetzt noch unsicher. Um wenigstens noch etwas Bedenkzeit zu haben, plane ich nach meinem Abitur für ein Jahr ins Ausland zu gehen, ein sogenanntes „gap year“. Diese Möglichkeit nehmen viele Schüler zur Entscheidungsfindung in Anspruch, bevor es an die völlig überfüllten Unis geht.
Natürlich muss ich hinzufügen, dass ich nie G9 hatte und somit keine Vergleichsmöglichkeit habe. Dennoch bin ich der Meinung, dass G8 zu wenig durchdacht und zu unausgereift ist. Doch die, die unter der übereilten Entscheidung der Politik zu leiden haben, sind ganz klar wir Schüler.

Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 15.07.2014 um 18:47 Uhr
Ihr erster Beitrag:
ein gutes Thema, ein guter Schreibstil.
Kompliment !
Über diesen ( unnötigen ) Stress höre ich viele Klagen - von Jugendlichen und deren Eltern !
Florian Schmidt
4.881
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 15.07.2014 um 21:13 Uhr
Gottchen, das bisschen Stress und der Schüler von heute knickt ein. Leistung brauchen wir, keine Bettnässer die nach ein bisschen Mehrarbeit gleich auseinanderfallen. wie soll das denn im Berufsleben werden, wollt ihr dann auch gleich die weiße Fahne hissen wenn es mal ein bisschen rauer zu geht?
G8 ist schon genau richtig, das bringt diese faule Generation auf die richtige Spur. Wenn die Herren sich heute schon ungeniert vorm Komiss drücken können müssen ihnen woanders die Werte eingefleischt werden.

So, ich geh mich jetzt ne Runde übergeben und freue mich, dass ich noch die Zeit hatte fürs Judo, Freunde zu treffen, Fußball zu spielen und trotzdem die Schule geschafft habe. Kinder und Schüler sind keine Maschinen die man einfach mit Wissen betanken sollte, Spaß an Bildung zu bewahren ist der Schlüssel. Es kann kein zufall sein, dass auch Jugendlich heute vermehrt an Herzattacken und Schlaganfällen leiden.

Sehr guter Artikel und besser als alles Schwurbel BlaBla unserer Bildungspolitiker.
Christoph Schäfer
785
Christoph Schäfer aus Gießen schrieb am 16.07.2014 um 11:53 Uhr
Wir haben seiner Zeit an der RHS für die Beibehaltung der G9 gekämpft, als die damalige Kultusministerin Wolf G8 allen Schulformen ausgenommen der integrierten Gesamtschulen ohne Rücksicht auf den Willen von Schülern, Eltern und Lehrern aufzwingen wollte. Letztendlich haben wir durch den Umstand "gewonnen", dass die CDU bei der Wahl gnadenlos abgestraft wurde und das Thema anschließend wieder "liberalisiert" wurde. Dennoch hat G8 viele Schülerkarrieren ruiniert und tut es noch, was wir an den vielen Aufnahmeanträgen von G8 Gescheiterten an der RHS ablesen konnten. Viele waren nach Aussagen der Stufenleiter nicht einmal mehr "realschultauglich". Bei der Fülle mussten zudem viele Anträge mangels Kapazitäten negativ beschieden werden.
Auch viele Burnouts bei der Lehrerschaft gehen sicher auf das Konto von G8, welches die Schule nur als "Wurmfortsatz" der Wirtschaft begreift und freies Lernen und Denken garnicht erst aufkommen lassen will. Denn wer Zeit zum Nachdenken hat könnte sich ja zum künftigen Revolutionär entwickeln oder gar die ganze kapitalistische Konsumgesellschaft in Frage stellen.
Zum Glück konnte ich mit allen meinen drei Kindern G8 vermeiden. Sie haben alle ein ordentliches Abitur gemacht und gehen ihren Weg, auch wenn sie vielleicht keine große Karriere machen.
Ich habe nicht bemerkt, dass ihnen ein Jahr fehlt, eher, dass sie eines gewonnen haben.

Ein Tipp für Sie als Schülerin ohne oberlehrerhaft wirken zu wollen: Konzentrieren Sie sich nicht allzu exklusiv auf die künftige Berufswahl. Wichtig ist vielmehr sich zu einem in sich ruhenden "ganzen" Menschen zu entwickeln, welcher nicht ständig (bange) in die Zukunft blickt sondern selbstbewusst in der Gegenwart steht. Alles weitere findet sich, sie werden sehen.
Christian Momberger
11.270
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 16.07.2014 um 17:48 Uhr
Ich kann mich dem Lob bezüglich des Artikels nur anschließen. Es ist ein wichtiges Thema!
Und der Kommentar von Herr C. Schäfer ist absolut richtig! Besser hätte ich es auch nicht sagen können. Es geht hier, wie bei so vielem um die Verwertungslogik des Kapitals und es soll verhindert werden, dass die Schüler zu selbstständig, kritisch denkenden und handelnden Menschen werden.

Bei dem Kommentar von Florian Schmidt war ich beim lesen des erste Absatzes völlig entsetzt und dann beim lesen des Zweiten festzustellen, dass das vorherige Ironie war. Er hat völlig recht mit dem was zum Thema G8 und Vereine bzw. G8 und Gesundheit schreibt. Die Vereine klagen über Nachwuchsmangel und fehlende Bereitschaft zu ehrenamtlichen Engagement und G8 ist eine der Ursachen davon.

Ich plädiere dafür, G8 ganz schnell vollständig abzuschaffen und sich auch mal über die Dreigliedrigkeit des Schulsystems, über die immer noch sehr extrem Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft und dem Geldbeute nachzudenken!
6
Yvonne Christoph aus Lollar schrieb am 22.07.2014 um 10:52 Uhr
Ich kann dem Beitrag nur zustimmen. Ich selber bin 4 Jahre in Bayern auf einem G8 Gymnasium zur Schule gegangen, und habe einige negative Erfahrungen gemacht. Ich hatte bereits in der 5 Klasse 2 mal die Woche bis zu 10 Stunden Unterricht gehabt, neben lernen und Hausaufgaben machen, war eigentlich keine Zeit mehr für Hobbys oder Freunde treffen. Wenn man mal eine Frage hatte, fragte man gar nicht mehr den Lehrer, denn da bekamm man als Antwort: "Ich kann dir das jetzt nicht erklären, wir müssen schauen, dass wir mit dem Stoff weiter kommen. Schau dir das was du nicht verstehst zu Hause nochmal an." Und das, obwohl wir fast jede Stunde ein neues Thema angefangen haben.
Mittlerweile besuche ich ein G9 Gymnasium in Hessen. Ich habe um einiges mehr Freizeit, kann mrinen Hobbys nachgegen und Freunde treffen, obwohl ich auch hier lernen muss und Hausaufgaben mache. Auch kann ich jeder Zeit fragen stellen, wenn ich msl etwas nicht verstanden habe. Ich kann für mich persönlichen sagen, dass es eine sehr gute Entscheidung war, von G8 auf G9 umzusteigen.
Hallo Lieber Leser
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von:  Alina Schmitt

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