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Jägervereinigung Oberhessen startet Auswilderungsprojekt für heimischen Uhu

Junguhu im Alter von 8 Wochen
Junguhu im Alter von 8 Wochen
Gießen | Die Jägervereinigung Oberhessen e. V. bringt den Uhu zurück nach Oberhessen. In enger Zusammenarbeit mit der Greifvogelwarte Feldatal startete der Verein Ende Juni ein Auswilderungsprojekt, mit dem die einst fast ausgerottete größte europäische Eule in Mittelhessens Wäldern angesiedelt werden soll. Ziel des Projektes ist es zum einen, eine durch die Verfolgung des Uhus unbesetzte Nische im Lebensraum Wald wieder zu füllen. Zum anderen wollen die Jäger der rasanten Zunahme von Fuchs und Waschbär entgegenwirken.
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war der „König der Nacht“ vom Aussterben bedroht. Die Menschen bekämpften den Uhu, sie sahen in ihm einen Nahrungskonkurrenten und Unglücksbringer, sein Ruf galt als böses Ohmen. Es hieß, wenn man die sogenannte Adlereule mit ausgebreiteten Flügeln an Scheunentore nagele, schütze dies die Gebäude vor Blitzschlag und Verzauberung.

Längst ist man eines Besseren belehrt. Heute weiß man, dass der Uhu als Beutegreifer eine wichtige Rolle in der heimischen Fauna spielt. „Seit Anfang der 1970er-Jahre unternimmt man in Deutschland Bemühungen zur Wiederansiedlung des Uhus, die
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inzwischen auch Erfolge zeigen“, sagt Helmut Nickel, 1. Vorsitzender der Jägervereinigung Oberhessen e. V. „Dahinter steckt allerdings viel Engagement und ein hoher Zeitaufwand. Die Erfolge sind nur möglich durch die künstliche Aufzucht, Auswilderung und eine Bewachung der Brutplätze.“ Zudem eigne sich nicht jeder Uhu zum Auswildern. Die Jägervereinigung Oberhessen e. V., speziell ihr Ausschuss für Naturschutz und Biotoperhaltung, arbeitet bei dem aktuellen Auswilderungsprojekt in engem Schulterschluss mit der Greifvogelwarte Feldatal. Wo genau die Uhus in Kürze in die freie Wildbahn entlassen werden, bleibt vorerst geheim. „Die Vögel sollen sich von Neugierigen unbehelligt in ihre neue Umgebung einleben können“, erklärt Nickel. Geplant ist, zunächst zwei Uhus auszuwildern und ihnen je nach Projekterfolg weitere folgen zu lassen.

Mit einer Größe von 60 bis 75 cm und einer Flügelspannweite von bis zu 1,80 m ist der Uhu der größte europäische Eulenvogel. Die Jagdzeit des Beutegreifers reicht von der Dämmerung bis zum Sonnenaufgang. Er schlägt beispielsweise Krähen, Ratten, Mäuse, Feldhasen, Jungfüchse und eben auch Waschbären. „Waschbären wie auch Füchse haben hierzulande außer Infektionen keine natürlichen Feinde mehr“, betont Nickel. „Ihre Populationen nehmen deshalb stetig zu, was sich wiederum nachteilig auswirkt auf die Bestände ihrer jeweiligen Beutetiere, seien es Hasen, Bodenbrüter oder Singvögel.“

Hinzu kommt ein Hygieneproblem. Denn gerade der eigentlich aus Nordamerika stammende Waschbär sucht gerne die Nähe von Menschen: Er macht sich auf Dachböden und in Gärten breit, hinterlässt dabei neben Sachschäden beträchtliche Mengen Kot, in denen sehr häufig Spulwürmer zu finden sind. Über Flöhe, Läuse und Zecken in ihrem Fell können Waschbären Infektionskrankheiten auf Haustiere, Nutztiere und auch Menschen übertragen. Sie sind also nicht nur possierlich anzusehen – sie stellen mittlerweile ein ernstzunehmendes Problem dar.

„Wir Jäger stehen in der Verantwortung, die Populationen von Fuchs und Waschbär in Grenzen zu halten“, sagt Nickel. „Was kann es da Sinnvolleres für uns geben, als ‚Helfer’ einzusetzen und damit gleichzeitig einen positiven Beitrag zum Artenschutz zu leisten?“ Im Gegensatz zum Uhu ließen sich andere Wildtiere in Deutschland nicht mehr ohne Weiteres auswildern. Dies gelte vor allem für Großraubwild wie Bär und Wolf, das den Menschen meide und daher große, störungsfreie Waldgebiete benötige. „Bei Tieren, deren Lebensraum aufgrund von Landschaftsveränderungen und einer hohen Siedlungsdichte nicht mehr existiert, ergibt eine Auswilderung schlichtweg keinen Sinn“, unterstreicht er.

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Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
9.815
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 01.07.2014 um 08:10 Uhr
lasst doch den fuchs in ruhe ! Diese tiere kuemmern sich um ratten maeuse und vor allem um die viel zu vielen wildkanienchen. hat man den wieder angst das zu wenig hasenbraten auf den teller kommt ? Den ruf des uhu hat man nicht gefuerchtet. das ist der waldkautz dessen ruf die seele der neugeborenen rufen sollte. sein ruf aehnelt einem schnell gesprochenen komm mit, komm mit. den waldkautz machte man fuer den ploetzlichen kindstod verantwortlich. schaut euch doch mal die kanienchen an die in massen die boeschungen an der autobahn und der gleisanlagen untertunneln. Diese massen an kanienchen haben keine echten feinde und sterben meist an seuchen. da muss was geschehen . der uhu ist ein anfang , der Fuchs ist einer von den wenigen fressfeinden der Kanienchen. Aber der Fuchs wird verteufelt als huehnerschrecker und deshalb wird er gejagt. informiert lieber die gefluegelhalter ueber sichere staelle und lasst den kanienchen ihre fressfeinde. den uhu hat man fast ausgerottet weil er hasen jagt. der feldhase ist wohl damals wie heute beliebtes jagttier. jetzt merkt man aber welche wichtige rolle der Uhu hatte und versucht zu kitten.
Der Fuchs ist ebenfalls ein wichtiges kleines Raubtier das eine berechtigung in unseren waeldern und feldern hat.
Karl-Ludwig Büttel
3.701
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 01.07.2014 um 09:56 Uhr
Liebe Frau Freeman ich muss Ihnen leider etwas wiedersprechen. Ich wohne am Rande eines sehr großen Naturschutzgebietes. Dieses dient der Vogelwelt und ist ja auch sehr bekannt dafür. Die Mittlere Holoffaue mit den beiden Knappenseen. In diesem Gebiet ist eine Bejagung verboten. Seit diesem Verbot nehmen die Füchse, die Waschbären und die Nutria in einem erheblichen Umfang zu. Bis zu dieser Maßnahme gab es noch 6-7 Brachvogelpaare in diesem Gebiet. Dieser Vogel steht unter Naturschutz und kommt nur noch sehr selten vor. Die drei genannten Jäger Fuchs, Waschbär und Nutria kennen aber diese Naturschutzrichtlinien nicht und fressen für gewöhnlich gerne die Nester der Niederbrüter. Ergebnis: Keine Brachvögel mehr bei uns. Das die drei genannten keine natürlichen Feinde haben und deren Population in diesem Gebiet rasend zunimmt, zieht es die Tiere zur Nahrungsmittelsuche auch in die Wohngebiete. Die Schäden an Hauswänden, Dächern, Mülltonnen usw. sind überall zu sehen. Warum soll man dann nicht auf natürliche Weise wieder für einen Ausgleich sorgen und den UHU wieder ansiedeln. Alternativ wie von vielen bei uns im Ort gewünscht wäre das Aufheben des Jagdverbotes, da wäre mir persönlich der UHU schon lieber.
Des weiteren Frage ich mich wo immer noch die Märchen über die bösen Jäger herkommen. Ohne deren Pflege und Hege würde es schlimm bestellt sein bei uns auf dem Land. Ich bin weder Jäger noch Landbesitzer. Aber wie geschrieben sehe ich die Pflegeäcker und Pflegstreifen der Jäger und was dort einen Lebensraum bekommen hat. Treibjagden wie in meiner Jugend gibt es bei uns schon lange nicht mehr. Der Feldhase sitzt wieder jeden Tag im Garten die Rehe kommen vorbei. Die meisten getöteten Tiere sind doch mittlerweile sogenanntes Fallwild. Dem Straßenverkehr geschuldet. Jeder Radfahrer der durch den Wald radelt schadet der Natur mehr wie ein Jäger der sein Handwerk ordentlich ausübt. Sicherlich gibt es auch unter den Jägern immer noch negativ Beispiele. Aber Pauschalurteile halte ich gegenüber den Jägern gerade der jungen Generation nicht für angebracht.
Karl-Ludwig Büttel
3.701
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 01.07.2014 um 12:56 Uhr
Ich kenne dann wohl nur die Guten.
Karl-Ludwig Büttel
3.701
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 01.07.2014 um 17:47 Uhr
Sie haben sicherlich Recht.Bei uns nimmt der Fuchs aber unnatürlich zu, da er keinerlei natürliche Feinde hat.Das gefährdet viele andere Tiere die ja gerade in einem Vogelschutzgebiet geschützt werden sollen. Gegen ein normales Vorkommen gibt es ja auch nicht einzuwenden.
Nicole Freeman
9.815
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 01.07.2014 um 20:49 Uhr
ich habe nichts gegen die wieder ansiedlung des uhus. man sollte nur nicht vergessen das er wie der wolf und baer bis zur ausrottung in unseren waeldern gejagt wurde. Wie im Artikel geschrieben hat man in dem tier einen Nahrungskonkurenten gesehen. Nahrungskonkurenten sind anscheinend alle Raeuber die es im Wald gibt. Ein Baer der sich nach deutschland verirrt lebt nicht lange. Der Wolf wird ups mit einem Streunenden ach nein wildernden Hund verwechselt und natuerlich ist die Wildkatze leicht mit einer verwilderten hauskatze zu verwechseln. wie aber kann man ein weisses Pony fuer ein wildschwein halten. Wie kann es sein das bei einer Jagd vergessen wird hinweisschilder zu stellen die Wanderer und Radfahrer vor dem Gruenrock warnt und das bei einem Ausgeschriebenen Radwanderweg an der Lahn. Hegen und Pflegen oder
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