Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Friedensbewegung fordert: "Die Waffen nieder!", denn Krieg löst keine Probleme

Abschlusskundgebung des diesjährigen Frankfurter Ostermarsch unter dem Motto "Krieg löst keine Probleme. Die Waffen nieder – 2014 so aktuell wie 1914" auf dem Frankfurter Römerberg
Abschlusskundgebung des diesjährigen Frankfurter Ostermarsch unter dem Motto "Krieg löst keine Probleme. Die Waffen nieder – 2014 so aktuell wie 1914" auf dem Frankfurter Römerberg
Gießen | Auch in diesem Jahr nahmen wieder Friedensfreundinnen und Friedensfreunde aus Gießen und Mittelhessen am Ostermarsch in Frankfurt teil, der diesmal unter dem Motto Krieg löst keine Probleme. Die Waffen nieder – 2014 so aktuell wie 1914 stand.

Mit dem Zug und der U-Bahn ging es von Gießen zum US-Amerikanischen Generalkonsulat in der Gießener Straße in Frankfurt, wo einer der sechs Sternmärsche zum Frankfurter Römerberg startete. Ulrich Breuer, Betriebsrat beim Hessischen Rundfunk (HR) und Mitglied des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hielt hier eine kurze, aber gute Auftaktrede, die er später auf der großen Abschlusskundgebung vor rund 3.000 Teilnehmern wiederholen sollte.

Begrüßt wurden die "Ostermarschierer" auf dem Römerberg von Horst Schmitthenner (ehemaliges geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall), der darauf verwies, dass 100 Jahre nach Beginn des Ersten und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wieder neue Kriege gefordert würden bzw. ihnen das Wort geredet werde. Dies sei falsch und obszön. Auf der Münchener "Sicherheitskonferenz" hätten Bundespräsident Gauck, "Bundeskriegsministerin"
Mehr über...
Ulrich Breuer (1)Ukraine-Konflikt (4)Ostermarsch (25)Monika Knoche (1)Krieg (102)Horst Schmitthenner (1)Geheimdienste (2)Friedensbewegung (32)Flüchtlinge (166)Datenspionage (1)Abrüstung (14)
von der Leyen und Bundesaußenminister Steinmeier mehr Engagement Deutschlands in der Welt gefordert, notfalls auch militärisch. Dabei sei Deutschland schon seit dem "Kosovo-Krieg" 1999 wieder Kriegsmacht. Statt neuer Kriege bedürfe es jedoch der Abrüstung und verstärkten internationalen Zusammenarbeit.

Redner auf der von Schmitthenner moderierten Kundgebung waren neben Ulrich Breuer, Monika Knoche (Ver.di-Bundessekretärin und ehemalige Bundestagesabgeordnete von Bündnis'90/Die Grünen (1994-2002) und Linkspartei (2005-2009)), Ulrich Schaffert (Pfarrer der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Frankfurt) sowie Christoph Kleine (NoTroika Rhein-Main).

Monika Knoche sprach in Ihrer Rede über den Ukraine-Konflikt und die Rolle Deutschlands in diesem Punkt. So stehe Deutschland an der Seite von EU und Nato aktiv im Kampf um eine neue Weltordnung bei dem es um die Durchsetzung der ökonomischen und geostrategischen Interessen des Westens gehe. Ziel der alten sowie der neu aufstrebenden Wirtschaftsmächte sei die Sicherung des ungehinderten Zugangs zu Bodenschätzen und Absatzmärkten. Die in verschiedenen Regionen der Welt entstehenden neuen Militärbündnisse würde eine neue Aufrüstung mit sich bringen. Nötig sei daher eine neue
Auftakt mit den Gießener Friedensaktivisten vor dem US-Generalkonsulat in der Gießener Straße
Auftakt mit den Gießener Friedensaktivisten vor dem US-Generalkonsulat in der Gießener Straße
Weltwirtschaftsordnung, da die bestehenden globalen Ungerechtigkeiten ein Hauptgrund für die vielen Krisen und Konflikte seien. Die Exportstärke Deutschlands gehe mit einer gleichzeitigen Verelendung anderer Länder in Europa und der Welt einher. Das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP würde dazu führen, dass zukünftig alleine Unternehmen und Konzerne bestimmen, wo es langgeht und die Demokratie vollständig zerstört werde. Es entstünde ein uneingeschränktes Diktat der Märkte.
Die Bevölkerung in Deutschland solle wieder an Krieg als Normalzustand der Politik gewöhnt werden, so Knoche in ihrer Rede weiter. Auch wenn es den klassischen Ost-West-Konflikt nicht mehr gebe, so seien die alten Feindbilder noch da und würden wieder reaktiviert. Russland wolle nicht länger als Verlierer des kalten Krieges dastehen, so dass dessen Reaktion auf die Situation in der Ukraine verständlich sei, auch wenn sie wisse, dass Russland ebenfalls ein imperialistischer Staat sei. Verständnis habe sie auch für die Reaktion der Bevölkerung in der Ostukraine, da die Menschen wüssten, dass eine Julia Tymoschenko oder ein Vitali Klitschko den Menschen keine neuen Freiheiten und Wohlstand bringen. Sowohl Russland als auch die USA seien in den
Ulrich Breuer (Betriebsrat beim HR und Mitglied des AK Vorratsdatenspeicherung) sprach auf der Auftaktkundgebung vor dem US-Generalkonsulat
Ulrich Breuer (Betriebsrat beim HR und Mitglied des AK Vorratsdatenspeicherung) sprach auf der Auftaktkundgebung vor dem US-Generalkonsulat
Konflikt verstrickt, bei dem es um Macht und Einfluss in der Region und der Welt gehe. Während der ex. Außenminister Guido Westerwelle für seine Enthaltung bei der UN-Abstimmung über den Libyen-Einsatzes 2011 als Weichei tituliert werde und Frau von der Leyen neue Militäroffensiven im Kopf habe, sei eine Verteidigung der Kultur des Friedens und eine Reform der UN nötig. Die Friedensfrage sei globale ökologische, ökonomische und auch klimapolitische Frage sowie Gerechtigkeitsfrage, lautete das Fazit von Knoche.

Zweiter Redner war der HR-Betriebsrat Ulrich Breuer, der in seiner Rede auf das Thema Datenschutz, die aktuelle US-Politik sowie den Einsatz von Kampf- und Spionagedrohnen einging und für den Whistleblower Edward Snowden Asyl in Deutschland forderte. Erfreut zeigte sich Breuer, dass der Europäische Gerichtshof in einer rechtskräftigen Entscheidung unter Bezugnahme auf Artikel 8 der EU-Grundrechtecharta die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung gekippt und diese für unzulässig erklärt habe. Bereits seit der Verabschiedung der Notstandsgesetze 1968 würden in Deutschland die Grundrechte systematisch verletzt, da im Falle einer telefonischen Überwachung
Fronttransparent des Demonstrationszuges vom US-Generalkonsulat, einem der sechs Sternmärsche zum Römer
Fronttransparent des Demonstrationszuges vom US-Generalkonsulat, einem der sechs Sternmärsche zum Römer
der Betroffene über diese Maßnahme auch im Nachhinein nicht informiert werde und ihm kein Rechtsweg gegen seine Überwachung zustehe. Seit der Gründung der Bundesrepublik arbeiteten die Geheimdienste der BRD und der Westalliierten sehr eng zusammen. Eine effektive Kontrolle dieser Dienste sei aber nicht gegeben. Daher gebühre Edward Snowden für seine Enthüllungen und Aussagen sowie seine Hilfe bei der Verteidigung der Grundrechte ein großer Dank.
Breuer verwies auf der sog. Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. Dezember 1983 in dem es in Tz. 172 wörtlich heißt: "Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen aufzufallen. Wer damit rechnet, daß etwa die Teilnahme an einer Versammlung oder einer Bürgerinitiative behördlich registriert wird und daß ihm dadurch Risiken entstehen können, wird möglicherweise auf eine Ausübung seiner entsprechenden Grundrechte (Art 8, 9 GG) verzichten." Daher sei es gut, dass hier heute so viele Menschen ihr Grundrecht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit wahrgenommen hätten.
Demonstrationszug zum Römer
Demonstrationszug zum Römer
Die Zahl der sozialen Unruhen in der Welt nähmen immer mehr zu und hätten mittlerweile auch die reichen und wohlhabenden Regionen wie z.B. die City of London erfasst. Je mehr ein Staat über seine Bürger oder andere Regierungen wisse, um so mehr sei er in der Lage, deren Aktionen vorherzusehen und zu unterdrücken. Überwachung sei ein effektives Mittel um das eigene Volk und andere Länder zu kontrollieren und jeglichen Protest zu unterbinden. Daher sei zunehmender Widerstand gegen die immer mehr ausufernde Überwachung nötig. Die Bundesregierung und die EU forderte Breuer auf, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Großbritannien wegen der Datenspionage durch den Geheimdienst GCHQ einzuleiten, das SWIFT-Abkommen zur Übermittlung von Bankdaten an die USA aufzukündigen, die Verhandlungen zum transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP zu stoppen und alle Standorte der "Five Eyes" (Zusammenschluss zwecks Kooperation der Geheimdienste von Australien, Kanada, Neuseeland, Großbritannien und den USA) von den Datennetzen zu trennen. Alle von den Geheimdiensten betrieben Spionageeinrichtungen, die auch der Steuerung des Einsatz von Kampfdrohen dienen würden, müssten geschlossen werden. Statt den Überwachungsstaat weiter auszubauen, sollte die Informationsfreiheit gestärkt, die Produktion und der Einsatz von Kampfdrohnen weltweit geächtet und allen Betroffenen von Krieg und Verfolgung Schutz gewährt werden, so die abschließende Forderung von Breuer.

Demonstrationszug zum Römer
Demonstrationszug zum Römer
Pfarrer Ulrich Schaffert, der zusammen mit einer Kollegin im vergangenen Jahr spontan nach einem Gottesdienst 22 "Lampedusa-Flüchtlingen" Kirchenasyl gewährt hatte, forderte nicht nur die Waffen niederzulegen, sondern auch die todbringenden Grenzzäune an den EU-Außengrenzen niederzureißen. In seinen Ausführungen berichtete er über das Schicksal der Flüchtlinge, welche von Afrika über das Mittelmeer nach Spanien bzw. Italien geflohen seien und welche später wegen der Perspektivlosigkeit und den unwürdigen Zuständen von dort nach Deutschland weiter gereist seien. Vor dem Kirchenasyl hätten sie in Frankfurt unter der Untermainbrücke gelebt. Zwar sei ihnen eine große Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft aus allen Teilen der Bevölkerung und von vielen Gruppen in Frankfurt zuteil geworden, jedoch sei man frustriert über die kalte, menschenfeindliche EU-Gesetzgebung. Ziel der EU-Flüchtlingspolitik sei nämlich ausschließlich die Abwehr von Flüchtlingen, das Schicksal und die Lebensbedingungen der Menschen seien dabei völlig
Ein sehr guter Text des Liedermachers Franz-Josef Degenhardt zu den Kriegslügen, die der Bevölkerung jedes Mal aufgetischt werden
Ein sehr guter Text des Liedermachers Franz-Josef Degenhardt zu den Kriegslügen, die der Bevölkerung jedes Mal aufgetischt werden
egal. Trotz eines in Italien oder Spanien erworbenen EU-Aufenthaltstitels gelte für sie die Personenfreizügigkeit nicht. Trotz vorhandener Arbeitsplätze dürften diese Menschen hier nicht arbeiten. Die Dublin II-Verordnung, welche die Zuständigkeit des jeweiligen EU-Mitgliedstaates hinsichtlich von Asylverfahren regelt, müsse weg. In breiten Bündnissen müsse für ein neues, humanes Flüchtlingsrecht gestritten werden, wofür es mehr politischen Druck bedürfe, so Schaffert.

Letzter Redner der Kundgebung war Christoph Kleine (Blockupy-Regionalgruppe "NoTroika Rhein-Main"), der über die für dieses Jahr geplanten Proteste gegen die EZB und die Bankenmacht sprach. So seien vom 05. bis 25. Mai 2014 internationale antikapitalistische Widerstandstage geplant. An jedem letzten Sonntag im Monat um 14.00 Uhr fänden am Baustellenzaun des EZB-Neubaus im Frankfurter Ostend sogenannte Zaunspaziergänge statt, zu denen alle Bürger herzlich eingeladen seien.
Auch den aktuellen Konflikt in der Ukraine sprach er kurz an. So würde weder von den USA und der EU noch von Russland beanstandet, dass es in der Ukraine einige Superreiche gebe, während die Masse des Volkes in großer materieller Not lebe. Die geplanten Hilfsmaßnahmen für die Ukraine seien eine Blaupause der in Griechenland und anderen europäischen Krisenländern angewandten Strategie. Die Beteiligung von Faschisten an der ukrainischen Regierung würde vom Westen bewusst in Kauf genommen, wenn nicht sogar gezielt gefördert. Der aufkommende Nationalismus führe zu neuen Spannungen zwischen den Volksgruppen.
Da der Krieg - und nicht nur der in bzw. um die Ukraine - hier beginne, müsse dieser auch hier gestoppt werden.

Musikalisch untermalt wurde die Ostermarschaktion von der Gruppe Politokk und dem Liedermacher Ernst Schwarz.

Abschlusskundgebung des diesjährigen Frankfurter Ostermarsch unter dem Motto "Krieg löst keine Probleme. Die Waffen nieder – 2014 so aktuell wie 1914" auf dem Frankfurter Römerberg
Auftakt mit den Gießener Friedensaktivisten vor dem US-Generalkonsulat in der Gießener Straße
Ulrich Breuer (Betriebsrat beim HR und Mitglied des AK Vorratsdatenspeicherung) sprach auf der Auftaktkundgebung vor dem US-Generalkonsulat
Fronttransparent des Demonstrationszuges vom US-Generalkonsulat, einem der sechs Sternmärsche zum Römer
Demonstrationszug zum Römer
Demonstrationszug zum Römer
Ein sehr guter Text des Liedermachers Franz-Josef Degenhardt zu den Kriegslügen, die der Bevölkerung jedes Mal aufgetischt werden
Eines der Symbole der Friedensbewegung
Eine der vielen Forderungen auf der Demo
Ankunft der Offenbacher Friedensfreunde auf dem Römer
Abschlusskundgebung des diesjährigen Frankfurter Ostermarsch unter dem Motto "Krieg löst keine Probleme. Die Waffen nieder – 2014 so aktuell wie 1914" auf dem Frankfurter Römerberg
Abschlusskundgebung des diesjährigen Frankfurter Ostermarsch unter dem Motto "Krieg löst keine Probleme. Die Waffen nieder – 2014 so aktuell wie 1914" auf dem Frankfurter Römerberg
Der Moderator der Kundgebung Horst Schmitthenner (l.) mit dem Liedermacher Ernst Schwarz
Monika Knoche (ex. MdB B'90/Grüne und Linkspartei) bei ihrer Rede auf der Abschlusskundgebung
Ulrich Breuer (Betriebsrat beim HR und Mitglied des AK Vorratsdatenspeicherung)
Ulrich Schaffert (Pfarrer der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Frankfurt)
Christoph Kleine (Blockupy-Regionalgruppe "NoTroika Rhein-Main")
Der Liedermacher Ernst Schwarz umrahmte die Veranstaltung musikalisch
ebenso wie die Gruppe Politokk
Abschlusskundgebung des diesjährigen Frankfurter Ostermarsch unter dem Motto "Krieg löst keine Probleme. Die Waffen nieder – 2014 so aktuell wie 1914" auf dem Frankfurter Römerberg

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

75 Jahre nach dem atomaren Massenmord: Hiroshima warnt!
Denkmal an das sog. Iller-Unglück in Hirschdorf bei Kempten (Allgäu)
65 Jahre Bundeswehr
Dieser Tage wurde – coronabedingt in kleinem Rahmen – das 65-jährige...

Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
11.295
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 26.04.2014 um 14:01 Uhr
Danke für das Lob. Aber ihre Kritik teile ich nicht! In der Tat, der Kapitalismus ganz allgemein, das System ist das Problem bzw. die Ursache, da ist schon richtig. Aber es gibt keine "guten" und keine schlechten Kapitalisten! Die Grenze verläuft auch nicht zwischen Völkern, sondern zwischen oben und unten! Daher ist eine Deutsche Bank oder ein Bundespräsident Gauck, der auf der sog. Münchener Sicherheitskonferenz dem Krieg das Wort redet, genau zu kritisieren wie andere Banken und Herrscher in der Welt, denen es nur um die Macht und den eigenen Profit geht.
Waren denn denn mal den Ostermarschaktionen der Friedensbewegung in Gießen (Ostersamstag) oder Frankfurt (Ostermontag vor Ort)? Welcher Organisation gehören Sie denn an? Und was haben sie gegen Gewerkschaften und Parteien, solange sich sich gegen Krieg und Kapitalismus aussprechen?
Christian Momberger
11.295
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 26.04.2014 um 18:40 Uhr
Danke für die Antwort. Mit "oben" und "unten" meine ich die Besitz- und Vermögensverhältnisse, ebenso wie die Machtverhältnisse. Es gibt Beherrschte und Herrscher, es gibt die, die über die Macht-, Finanz- und Produktionsmittel verfügen und die, die eben die, die darüber nicht verfügen, sondern eben am anderen Ende der "sozialen Skala" stehen.

Und für mich hat sich die Unterteilung in rechts und links ganz grundsätzlich noch lange nicht erledigt, auch wenn dies sicherlich in der ein oder anderen Frage nicht ganz so entscheidend sein mag. Aber wie stehen sie z.B. zu der Aussage "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!" und was halten Sie denn z.B. von NPD? Ist dies für sie eine faschistische Partei? Auch wenn die, wie einige andere rechte Gruppen, zuweilen Antikapitalistische und auch gegen neue Kriege gerichtete Parolen rufen und plakatieren, so ist sie mitnichten eine Partei, die den Kapitalismus abschaffen und sich gegen jeden neuen Krieg wendet. Noch vor kurzem sind alljährlich am Antikriegstag (01.09) in Dortmund rechtsextreme unter dem Motto "Nie weder Krieg! ... nach unserem Sieg!" aufmarschiert, dass doch klar zeigt, dass es hier mitnichten um Friedensfreunde handelt.
Mich würde mal interessieren, wie sie darüber denken? Denn hier zeigt sich schon, dass man aufpassen muss, wer für Frieden ruft und was er genau damit meint.

Wie beurteilen sie denn z.B. die Rolle aller Konfliktparteien in der Ukraine-Krise? Ist für Sie Russland ebenfalls ein imperialistischer Staat? Und ist es für Sie auch ein Unding, dass Faschisten in der Ukrainischen Regierung sitzen und der Westen dies Fördert oder zu mindestens gar toleriert. Sollten nicht gerade wir aufgrund unserer Geschichte uns entschieden dagegen stellen, wenn irgendwo Faschisten mit an die Macht kommen?

Oder was sagen Sie denn zum Thema Griechenland und den Spardiktaten der Troika? Wer ist für Sie an der Lage in Griechenland schuld? Sind es wirklich die "faulen Griechen", deren Löhne zu hoch sind? Oder kann es nicht auch sein, das wir als Exportweltmeister die anderen EU-Staaten mit unseren Exporten überschwemmen und die (Industrie)produktion in diesen Ländern zerstören?

Es gebe noch viel mehr wo man drüber reden könnte und feststellen würde, dass es nach wie vor eine berechtigte Unterscheidung zwischen rechten, deutsch-nationalen Kräften und dem internationalistischen Teil der Protestbewegung gegen das Herrschende System gibt.
Christian Momberger
11.295
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 27.04.2014 um 14:38 Uhr
Also auch wenn wir in vielen Punkten ähnlich oder auf einer Meinung liegen und Kritik an den Medien und ihrer Berichterstattung angebracht ist, so gibt es doch einige Punkte, die ich so nicht akzeptiere, bzw. wo ich sie noch mal nachdenken sollten.

>"Aber ich glaube das die Menschen der Ihrer Meinung nach "oben" sind auch nicht unbedingt glücklich sind, was auf dieser Erde so vor sich geht. Daher sollten wir uns nich auseinanderdividieren lassen, sondern als Menschen die im Grunde doch alle nur in Frieden mit Ihren Familien und Mitmenschen leben wollen auf Augenhöhe sprechen."

Sicherlich, auch die da oben sind mit der Welt wie sie ist nicht glücklich. Aber aus ganz anderen Gründen als das einfache Volk, die Arbeiterinnen und Arbeiter, die sozial Schwachen. Den Reichen und den Herrschenden gefällt es z. B. nicht, dass sie ihren Profit mit den Arbeitern teilen müssen und dass jetzt auch noch ein sog. Mindestlohn kommen soll. Ihn gefällt es nicht, dass sie nicht, dass neue Konkurrenten in Form aufstrebender Industrienationen und politischer Akteure auf der Weltbühne (so z.B. China) entstehen. Dem Vorstand der Deutschen Bank z.B. sind die Profite, die Gewinne des eigenen Unternehmens doch deutlich näher als alles andere. Die Menschen, die Situation der eigenen Arbeitnehmer und der von dem Handeln der Bank betroffenen Leute und Staaten auf der Welt interessiert sie nicht im geringsten. Denen kann das Vermögen, der Gewinn nicht schnell genug wachsen. Deshalb fangen sie ja auch an, immer wilder an den Börsen zu zocken, weitab von jedem realem Wert.
Die da oben haben nicht die Not bzw. Frage, wie sie ihr Leben finanzieren sollen, wie sie Miete, Essen, Bildung, Kultur, etc. sich leisten können, wenn man Ende des Geldes noch soviel Monat übrig ist. Die da oben fragen sich eher, wohin mit dem Geld auf das es möglichst schnell Wachse.

Und deswegen steht mir der Griechische oder US-Amerikanische Arbeiter auch näher als der Konzernchef im eigenen Land.

Definitionen des Faschismus gibt es schon einige, sehr gute und auch genaue. Gerade auch aus Wissenschaftler in unserem Land, wie z.B. dem kürzlich verstorbenen Marburger Politikwissenschaftler Reinhard Kühnl. Faschismus ist für mich u.a. eine besondere Herrschaftsform des Kapitalismus, der letzte Ausweg, wenn die bürgerliche Demokratie zur Machterhaltung des Kapitals nicht mehr funktioniert. Die NPD ist keine Bildungslücke, sie hat in unserem System eine klar bestimmte Rolle zu spielen, sonst wäre sie schon längst verboten. Warum hat man denn in einem rund fünf Jahre dauernden Verfahren (1951-56) das Bundesverfassungsgericht regelrecht dazu genötigt, die KPD um jeden Preis zu verbieten, während man die NPD 1964 ohne jegliche Bedenken zugelassen und seitdem keine wirklich ernsthaften versuche zu deren Verbot unternommen hat. Das Verfahren 2003 hätte erfolgreich sein können, wenn man den gewollt hätte. Aber man wollte nicht.

Wie stehen Sie denn zu den alljährlichen Demos der Rechten zum Antikriegstag in Dortmund? Sind da für Sie auch Friedensfreunde, die nicht anderes wollen als Frieden? Für mich sind und bleiben das Nazis, die eben nicht für Frieden, sondern für ein neues Großdeutschland, für ein 4. Reich eintreten. Frieden kann es nach denen erst dann geben, wenn wir die Welt regieren und alle Staaten unterjocht haben.

Manchmal habe ich den Eindruck, sie stimmen mir einfach nur so zu und schreiben das schnell runter, damit ich glauben soll, wir sind auf einer Linie. Wie beurteilen sie denn die Politik Russland? Ist das für Sie auch ein imperialistisches Land? Und was schlagen Sie denn vor im Kampf gegen alte und neue Nazis in Deutschland und anderen Ländern?

Und was die Medienkritik anbelangt, so ist es doch deren Ziel, das System zu stützen und die Menschen abzulenken, in die Irre zu führen, ihnen alles fortschrittliche auszureden und zu verteufeln. Da geht es nicht nur oder in erster Linie um die Montagsdemos. Daht es auch noch um ganz andere Dinge, wie z.B. dem Punkt, dass viele Menschen durchaus den Sozialismus für die bessere Alternative halten. Aber das ja nicht sein, von daher muss alles was links ist verteufelt werden. Der Antikommunismus ist nicht erst sit Adenauer Staatsdoktrin in der BRD.

Wenn Sie bereit sind, sich dem Kampf gegen das System und damit auch gegen die eigene Herrschaftselite im Land zu kämpfen, gerne. Aber wie auf den diesjährigen Ostermärschen mehrfach zu recht ausgesprochen wurde: "Der Krieg beginnt hier vor der Haustür!" Also stoppen wir ihn hier, in dem wir gegen Rüstungsexporte, gegen die Auslandseinsätze der BW, gegen die Werbung der BW an Schulen und auf dem Hessentag kämpfen. Wie stehen Sie denn zu den Punkten? Was sagen die neuen Friedensfreude denn dazu? Finde sie es gut, dass die BW auf dem Hessentag sich präsentieren darf und um Nachwuchs werben darf?
Christian Momberger
11.295
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 28.04.2014 um 23:01 Uhr
Hier noch ein guter, passender Artikel aus der JW: http://www.jungewelt.de/2014/04-26/065.php
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Christian Momberger

von:  Christian Momberger

offline
Interessensgebiet: Gießen
Christian Momberger
11.295
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Mitgliederversammlung fällt Corona-Pandemie zum Opfer
Aufgrund der Corona-Pandemie hat der Regatta-Verein Gießen 1954 e.V....
108. Internationale Gießener Pfingstregatta abgesagt!
Die 108. Internationale Gießener Pfingstregatta wird nicht...

Veröffentlicht in der Gruppe

Bündnis gegen Rechts Gießen

Mitglieder: 30
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Neuausgabe "Signale aus der Zelle" ab sofort erhältlich
Vor 20 Jahren starb die Gießener Kommunistin und Antifaschistin Ria...
Uniklinikum: Gegen Asklepios kampfbereit
Seit der Privatisierung des Uniklinikums Gießen/Marburg (UKGM) vor 15...
Weitere Gruppen des Beitrags:

Weitere Beiträge aus der Region

Marburgs Hanna Reeh wird nach mehrwöchiger Pause voraussichtlich in Keltern wieder dabei sein. Foto: Laackman/PSL
BC Marburg reist zum Pokalsieger
Endlich elf! Toyota 1. Damen-Basketball-Bundesliga: Rutronik...
Mauersegler, der vermutlich von einer Katze attackiert worden war.
Funkkolleg "Mensch und Tier" startet am 5.12.2020
Das Funkkolleg ist eine im Medienverbund mehrerer Rundfunkanstalten...
Das neue Antidiskriminierungsnetzwerk (AdiNet) in Mittelhessen
Das AdiNet (Antidiskriminierungsnetzwerk) Mittelhessen ist die...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.