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Jubiläum für Knochenfresser

Bartgeier im Frankfurter Zoo
Bartgeier im Frankfurter Zoo
Gießen | Exakt ein halbes Jahr, seit dem 11.September 2008, bewohnt das Bartgeierpärchen seine Voliere im Frankfurter Zoo.
Die Artenbezeichnung "Geier" löst zunächst meist eine gewisse Abneigung in den Menschen aus und könnte damit eine Ignoranz hervorrufen, die hier weit gefehlt wäre. Ausgewachsene Bartgeier haben ein kontrastreiches Körpergefieder. Die Oberseite ist grauschwarz. Kopf, Hals und die Körperunterseite sind weiß bis rostrot und erwecken den Eindruck von Plüsch.

In den Alpen waren die Bartgeier früher als „Lämmergeier“ verschriehen und wurden als vermeintliche Viehdiebe gnadenlos verfolgt und schließlich ausgerottet. Bereits drei Jahre vor der Gründung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und des Zoos wurde 1855 der letzte Bartgeier in Deutschland erlegt. Die Greifvögel gehören mit fast drei Metern Flügelspannweite zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Ihr Lebensraum erstreckt sich von den Bergregionen Südeuropas bis nach China. Mit einer Unterart sind sie auch in Afrika vertreten. Ihren Namen verdanken sie den auffälligen borstenartigen schwarzen Federn, die dem Bartgeier über dem Schnabel hängen. Die Augen sind von einem roten Skleralring umgeben, die Intensität des Rots spiegelt die Stimmung des Vogels wider. Je erregter er ist, desto leuchtender ist dieser Skleralring.

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Seine Nahrung besteht zu 80 % aus Knochen von gefallenen Tieren und Aas. Ein ausgewachsenes Tier benötigt täglich zwischen 250 bis 400 Gramm Knochen. Um die Knochen zu zerkleinern, lassen Bartgeier diese aus großer Höhe auf Felsen fallen, um schlundgerechte Stücke zu erhalten.

1978 starteten zahlreiche Naturschutzorganisationen und Zoos für den Bartgeier eines der größten, längsten und aufwendigsten Wiederansiedlungsprogramme der Welt. 1986 wurden die ersten Tiere aus den Nachzuchten freigelassen und 1997 flog „Phönix“ als der erste im Freiland geschlüpfte Bartgeier aus. Nach mehr als 100 Jahren begannen die Bartgeier wieder erfolgreich in den Alpen zu brüten. Die ZGF hat das Projekt von Anfang an gefördert und bisher rund eine Million Euro investiert. „Dass es gelingt, eine ausgerottete Art zurückzubringen, ist ein seltener Glücksfall“, kommentiert Dr. Christof Schenck, Geschäftsführer der ZGF.
Die Frankfurter Bartgeier stammen aus dem nach dem verstorbenen früheren Zoodirektor und Präsidenten der ZGF, Richard Faust, benannten Zuchtzentrum im Österreichischen Haringsee. Gründer dieses Zentrums ist der Österreicher Hans Frey, der auch im Rahmen des Österreichischen Erhaltungszucht-Programms (EEP) das gesamte Nachzuchtnetzwerk und das Wiederansiedlungsprojekt steuert.
Mit der Übernahme der beiden beim Einzug in den Frankfurter Zoo elf und neun Jahre alten Vögel reiht sich nun auch der Frankfurter Zoo in dieses Netzwerk ein. „Wir hoffen sehr“, so Stefan Stadler, Vogelkurator des Zoos, „dass auch unser Paar schon bald mit der Zucht beginnt. Die Bartgeier sind auch Ausdruck der verstärkten Kooperation zwischen ZGF und Zoo. „Die gezeigten Tiere sind Botschafter für ihre inzwischen wieder wild lebenden Artgenossen und für das Wiederan-siedlungsprojekt. Wir wollen damit bei unseren Besuchern auch für die Unterstützung des Projektes werben“, betont Zoodirektor Niekisch, der gleichzeitig Vizepräsident der ZGF ist.

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Ich war einmal ein stolzes Tier
Wenn ich es richtig sehe, sind dies die Überreste von einem Schwan....
Gut getarnt

Kommentare zum Beitrag

Sabine Glinke
5.278
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 11.03.2009 um 19:04 Uhr
Großartige Tiere, so hübsch gefärbt. Muss dringend mal wieder in den Frankfurter Zoo, habe die beiden noch gar nicht persönlich kennengelernt.
Dr. Tim Mattern
654
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 11.03.2009 um 20:00 Uhr
Da war ich am Sonntag, aber wir mussten leider die Großvolieren auslassen, weil wir spät dran waren.
Übrigens flogen in den letzten Jahren immer wieder "wilde" Geier aus Frankreich und Spanien im Sommer über Deutschland. Für die sind die Hygienevorschriften und Tierkörperbeseitigungsgesetze ziemlich übel. Aber es gibt Initiativen, die sich darum kümmern, dass durchziehende Geier bei uns auch satt werden können.
Sabine Glinke
5.278
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 11.03.2009 um 23:05 Uhr
Und was für Geier waren das? Etwa auch Bartgeier?
Wolfgang Heuser
8.551
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 12.03.2009 um 08:01 Uhr
Informativer Bericht über diese Geierart im Frankfurter Zoo!
Dr. Tim Mattern
654
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 12.03.2009 um 11:55 Uhr
Hauptsächlich Mönchs- udn Gänsegeier, soweit ich weiß. Müsste den Artikel aus "Vögel" nochmal raussuchen.
Tara Bornschein
7.379
Tara Bornschein aus Reiskirchen schrieb am 12.03.2009 um 16:31 Uhr
Hallo Matthias,
ein sehr aufschlussreicher Beitrag über diese interessant aussehende Geierart !
Gruß Tara
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Matthias Kahl

von:  Matthias Kahl

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Matthias Kahl
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