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Immer schlimmere Fälle aus der Psychiatrie werden bekannt! Kritiker fordern Schließung geschlossener Abteilungen!

Demo am 28.1.2014: Am Eingang der Vitos-Klinik in der Licher Straße
Demo am 28.1.2014: Am Eingang der Vitos-Klinik in der Licher Straße
Gießen | Seit der kleinen Demonstration, die am 28.1.2014 durch Gießen zur Vitos-Psychiatrie in der Licher Straße in Gießen führte, steht das Telefon in der Projektwerkstatt nicht mehr still. Immer neue, schockierende Berichte über Fesselungen, tagelanges Einsperren in kleine Räume, Kontaktverbote und ständige verbale bis physische Übergriffe der Bewacher_innen im Arztdesign treffen im unabhängigen Politzentrum ein, seit sich dortige Aktive entschlossen, per demonstrativem Spaziergang die oft vergessenen Flächen am Rande von Gießen ins Licht der Öffentlichkeit zu holen. Jetzt erreichte ein Brief aus dem Inneren des Psycho-Gefängnisses das Haus in Saasen. „Es ist uns wichtig, den gesamten Inhalt zu veröffentlichen, auch wenn wir den Wahrheitsgehalt nicht überprüfen können“, begründet Aktivist Jörg Bergstedt den offensiven Umgang mit dem Schreiben und verweist auf etliche bereits nachgewiesene Rechtsbrüche und Übergriffe der Vitos-Kliniken in Gießen und Haina. „Wir haben hier ein Schreiben des Klinikchefs Müller-Isberner, in der er wörtlich schreibt, das Ob und Wie einer Behandlung würde allein vom Klinikpersonal bestimmt.
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Vitos (11)Psychiatrie (10)patientenverfügung (9)müller-isberner (1)Justiz (11)Dennis Stephan (5)
Patientenverfügungen würden nicht beachtet. Das ist klar gegen das Gesetz.“ Über die bisherigen Nachrichten sei er schockiert. „Das System der Zwangspsychiatrie wirkt irreparabel. Es muss abgeschafft werden, um die Gesellschaft zu zwingen, neu über den Umgang zwischen Menschen nachzudenken. Abweichung ist keine Krankheit!“ Mit gleichen Argumenten lehnt er auch schon länger Gefängnisse ab, die soziale Abweichung bestrafen würde, aber die legale Brutalität fördert.

Aktivist_innen aus der Projektwerkstatt rufen jetzt dazu auf, eine Aktionsgruppe aus Betroffenen und Interessierten zu bilden, um die Zwangspsychiatrie nicht wieder in die Vergessenheit geraten zu lassen. „Wir sollen Druck machen, bis solche Anstalten geschlossen werden!“ Kontaktmöglichkeiten bestehen über dasProjektwerkstatts-Telefon 06401-903283, per Mail (saasen@projektwerkstatt.de) und beim nächsten Prozess gegen den 4 Monate in der Vitosklinik gefangenen Dennis Stephan, der am Freitag, 14.2., aber 9.30 Uhr im Landgericht Gießen stattfindet.


Der Brief aus der Vitos-Klinik:
"wir sollen Ihnen aurichten Danke, ich habe Ausgang in die Stadt und ich schreibe Ihnen das im Auftrag von einigen Forensik Patienten! Ich darf meinen Freigang in die Stadt nicht gefährden
Demo auf dem Vitos-Gelände: Ein Brief eines Eingesperrten wird verlesen
Demo auf dem Vitos-Gelände: Ein Brief eines Eingesperrten wird verlesen
und schreibe ihnen aus dem Internetcafe Marktplatz. DANKE! DANKE!! Für die Demo, die hier von der Klinik nicht gerne gesehen wurden.Ein bischen Hoffnung bekommen wir, durch Ihren Einsatz. Wir sind nicht feige, wir werden dort drin nur tagelang fixiert und weggesperrt, falls wir nicht parieren und an einer DEmo haben wir nicht die geringst Chance teizunehmen. Sonst isoliert und zwangsgespritzt. vielen Dank für Ihren Einsatz!! Wir durften nicht mit Ihnen in Kontakt kommen, sonst wären wir weggesperrt worden und kommen nie wieder heraus. Man unterstellt uns von Seiten der Pfleger Straftaten die wir nicht begangen haben. Wir seien agressiv oder gewalttätig. kurz vor einer Anhörung wird es hier sehr schlimm, man übt Druck auf uns aus und behauptet Dinge über uns. Hier ist es ganz schwer herauszukommen. Medikamente werden einem aufgezwungen man hat hier keine Wahl. Sie geben uns durch Ihre Aktion Hoffnung. Bitte geben Sie uns nicht auf. Wir hoffen das sie den Brief bekommen. Wir worden überwacht am Tag der Demonstration, ob wir mit Ihnen in Kontakt treten. Diejenigen die weggesperrt sind haben nichts davon erfahren. Es wurde in der Arbeitstherapie unter vorgehaltener Hand weitergegeben.

Das sollten Sie wissen, der Klinikleiter Müller Isberner sagt manchen von uns: " das Gesetz bin ich"!!! Die Leute die hier sich zu wehr setzen haben keine Chancen mehr. Uns glaubt keiner. Sozialministerim antwortet nicht Petitionsausschuß ebenfalls nicht, denn wir gelten hier als bekloppt. Wir werden gezwungen Pillen zu fressen, ansonsten 0,0 Chancen eine Stufe zu bekommenn. Das bedeutet keine Kontakt zu anderen und keinen Hofgang. Schon gar nicht Entlassung zu denken.

Bitte geben sie uns nicht auf viele Grüße vom Maßregelvollzug und vergesst uns nicht."

Demo am 28.1.2014: Am Eingang der Vitos-Klinik in der Licher Straße
Demo am 28.1.2014: Am... 
Demo auf dem Vitos-Gelände: Ein Brief eines Eingesperrten wird verlesen
Demo auf dem... 
Eindrücke der Demo auf dem Vitos-Gelände
Eindrücke der Demo auf... 
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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
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Martin Wagner aus Gießen schrieb am 12.02.2014 um 08:31 Uhr
Schwieriges Thema - ohne Zweifel.

Richtig ist immer "eine Aktionsgruppe aus Betroffenen und Interessierten zu bilden". Denn es ist nun mal so, dass - wenn überhaupt - in der Politik nun mal nur Organisierte gehört (und vielleicht auch in Veränderungsprozesse "eingebunden") werden.

Es steht mir sicher nicht zu besserwisserich Tipps zu geben. Aber ich gehe davon aus, dass zu diesem Thema der Frontverlauf in den Auseinandersetzungen von Anfang an klar ist.

Auf der anderen Seite stehen die Berufsverbände der im Gesundheitswesen Tätigen (vielleicht einzelne Berufstätige oder auch Ehrenamtliche ausgeschlossen) und die "üblichen Verdächtigen" des Staatsapparates in unverbrüchlicher Einheit zusammen.

"Viel Feind - viel Ehr" ist nicht "mein Ding". Ich selber kämpfe eher in gesellschaftlichen Bereichen (durchaus gegen die selben Personen, wie ich das aussdrücke "des herrschenden Blockes") in denen die Erfolgsaussichten (vermeintlich) etwas höher sind. Aber es spricht nichts dagegen in die Reihen der Gegner zu versuchen ein Spaltkeil rein zu bekommen.

Vielleicht wäre es ein erster Ansatzpunkt zu versuchen mit dem schwächste Glied der anderen Seite, der Gewerkschaft, welche für die Pfleger und andere nichtärztlichen Beschäftigten zuständig ist, in Kontakt zu kommen.

Natürlich ist "global" gesehen in der BRD die Gewerkschaft immer noch eine der Hauptstütze des kapitalistischen Systems. Aber - so glaube ich vor Ort beobachten zu können - fortschritllichen und linke Gewerkschaftler gelingt es immer mehr den Einfluss von der Partei, welche angeblich für die Sache der Arbeiter kämpft, zurück zu drängen.
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