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Hermann Vogel (1895 - 1974) - ein Gießener Professor, der vom Nationalsozialismus abrückte und aus der SS austrat. (NS-Protagonisten und ihre Schicksale, 1)

Hermann Vogel, 1932 (Bildarchiv Univ. Archiv Gießen)
Hermann Vogel, 1932 (Bildarchiv Univ. Archiv Gießen)
Gießen | von Bruno W. Reimann

Cento Verlag
Biebertal 2014

ISBN-978-3-935668-15-6
14,00 € +3 € Versandkosten
zu beziehen über: cento-verlag@online.de

Die Studie fand bei den beiden Söhnen von Prof. Vogel, Dr. Hans-Jochen Vogel und Ministerpräsident a.D. Prof. Dr. Bernhard Vogel, trotz der für sie nicht einfachen Thematik, ein anerkennendes und positives Echo.

Inhalt

Vorwort
Kurzvita von Professor Hermann Leonhard Max Vogel (1895 - 1974)
Hermann Vogel über sich selbst in einem Lebenslauf
Hermann Vogels Vater: der Professur für Tierzucht Leonhard Vogel
Hermann Vogels Sohn Hans-Jochen Vogel
Hans-Jochen Vogel über seine Nazi-Zeit
Hans-Jochen Vogel über sein Elternhaus
Hermann Vogel über seine politischen Aktivitäten in einem Lebenslauf
Hermann Vogel in Göttingen
Hermann Vogel in Gießen
Vogel und sein Ausscheiden aus der SS auf eigenen Wunsch
Nach 1945
Das Internierungslagerlager Darmstadt
Spruchkammer-Urteil 1947
Vogels Kampf um Wiedereinstellung
Fazit




aus dem Vorwort:

Unter "Protagonisten des Nationalsozialismus" verstehe ich diejenigen, die bereits vor 1933, in welcher Form
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Universität Gießen (21)Universität (96)Professor Leonhard Vogel (1)Professor Hermann Vogel (1)Hans-Jochen Vogel (1)Bernhard Vogel (1)
auch immer,für den Nationalsozialismus eingetreten sind. Das kann sich in Parteieintritten, Teilnahme an den Reichsparteitagen, öffentlichen Bekenntnissen u. ä. widerspiegeln. In diesem Sinne war der Privatdozent Dr. Hermann Vogel, der 1934 eine Vertretungsprofessur an der Gießener Universität übernahm und 1935 zum ordentlichen Professor ernannt wurde, ein NS-Protagonist. Vogel war 1932 in die Partei eingetreten.

Die politischen Lebensläufe der NS-Protagonisten waren durchaus auch unterschiedlich. Viele blieben bei der Stange, steigerten sich sogar in ihrem Eintreten für die Nationalsozialismus, andere distanzierten sich, gingen in die "innere Emigration". Bei einigen wenigen wurde diese Distanz auch in der politischen Umwelt bemerkt. Bei dem Professor für Tierzucht Vogel ist in den Jahren 1935 eine Wende eingetreten, nicht nur nach der Erinnerung seines damals 9 Jahre alten Sohnes Hans-Jochen Vogel, dem späteren SPD-Politiker, auch in der Wahrnehmung der SS, der Vogel seit 1933 angehörte. Er rückte vom Nationalsozialismus ab und stellte den Antrag, aus der SS auszuscheiden. Diese stellte im Hinblick auf Vogel fest: "nicht genügende weltanschauliche Klarheit". Seinem Gesuch auf Ausscheiden wurde schließlich stattgegeben; seine soziale Existenz wurde trotz des mit Risiken behafteten Schritts nicht gefährdet. Vogel blieb bis 1945 Professor. Vogel ist als Gießener Professor, im Gegensatz zu dem in Gießen von Stadt und Universität geehrten Nazi Otto Eger, weder privat noch öffentlich für den Nationalsozialismus eingetreten.

Im Gegensatz zu vielen Professoren (z.B. Eger), die dem Nationalismus bis zum bitteren Ende die Stange gehalten haben, hat Vogel nach 1945 ein schweres Schicksal zu tragen gehabt. Er wurde als Professor entlassen, fast 20 Monate inhaftiert. Im Urteil der Spruchkammer wurde er als "Mitläufer" eingestuft, was Zweifel an der Berechtigung der langen Haft aufkommen läßt. Diese Einstufung wurde später, auch aufgrund der Leumundszeugnisse von dezidierten Nazi-Gegnern, auf dem Wege eines Gnadengesuchs abgemindert ("Entlasteter"). Nach Verabschiedung des "Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Artikel 131 des Grundgesetzes fallenden Personen" am 11.Mai 1951 wurde Vogels Wiederverwendung im öffentlichen Dienst von der Liebig-Hochschule 1952 anerkannt. Mit der Anerkennung der Wiederverwendung war aber nicht ein Rechtsanspruch verbunden, wieder in die alte Stelle einzurücken, aus der einer entlassen worden war. Vogels ehemaliger Lehrstuhl war besetzt, eine andere Tätigkeit, die seinem Status angemessen gewesen wäre, konnte und w o l l t e ihm die Gießener Hochschule nicht anbieten. Von einer anderen Hochschule/Universität in der Bundesrepublik bekam Vogel keinen Ruf mehr auf eine Professur. Wie mir Bernhard Vogel mitteilte, erhielt sein Vater "bald nach Ende des Krieges einen Ruf" an die Universität Greifswald, den er "aus verständlichen Gründen" ablehnte. Er hatte also nie wieder ein Lehramt inne. 1960 wurde ihm, nach einer Phase des "Überganggeldes", der Status einer Emeritus zugewiesen und er bekam Emeritenbezüge.

Vogel hat für sein temporäres Eintreten für den Nationalsozialismus von 1932 bis 1935, vor allem an der Göttinger Universität, an der er bis 1935 arbeitete, einen hohen Preis bezahlen müssen.

Kurzvita von Professor Hermann Vogel (1895 - 1974)

Militärisch und politisch: Kriegsfreiwilliger in einem Artillerieregiment vom 23.12.1914 - 24.1.1920 (zuletzt Oberleutnant), 22.4.1919 - 1.7.1920 Freikorps Epp und bayerische Schutzbrigade 21, Zeitfreiwilliger 1919-1920.
Vogel trat am 1.5.1932 NSDAP (Nr. 1 095 244) in die NSDAP ein. Er war ab November 1933 Hauptschulungsleiter im Abschnitt IV des Rasse- und Siedlungsamtes der SS (13.5.1933 SS-Anwärter, 20.7.1933 SS-Mann), 30.5.1934 SS-Rottenführer, 9.11.1934 SS-Unterscharführer.
Vogel war seit Herbst 1933 Leiter des Göttinger NS-Dozentenbundes, Gauführer des Reichsbundes Deutscher Diplom-Landwirte im Gau, Süd-Hannover Braunschweig (NS-Arbeitsgemeinschaft), 1. Vorsitzender des Landwirtevereins Hannover.

Vogel über sich selbst in einem Lebenslauf:

„Nach dem Krieg nahm ich als Angehöriger des Freikorps v. Epp (1868-1846) an den Kämpfen im Ruhrgebiet und zum Sturz der Räterepublik in Bayern teil.“ Das Freikorps Epp war mit seinen 700 Mann an der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt. Während des Kapp-Putsches stürzte das Freikorps Epp gemeinsam mit den rechtsradikalen Einwohnerwehren Georg Escherichs die sozialdemokratische Regierung Hoffmann und beteiligte sich an der Einsetzung der rechten Regierung Kahr.

beruflich: 1924 Assistent, November 1934 Vertretungsprofessur an der Universität Gießen, 1935 nichtbeamteter a.o. Professor, 1935-1945 ordentlicher Professor an der Universität Gießen

Hermann Vogel hatte zwei Söhne, Hans-Jochen Vogel (geb. 1926) und Bernhard Vogel (geb. 1932); der eine wurde SPD-Politiker, der andere CDU-Politiker.

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von:  Bruno W. Reimann

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