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Gesundheitsamt überprüft 118 Fußpflege-Praxen: Nur drei Praxen mit erheblichen Mängeln

Foto: Tanja Ritter/pixelio.de
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Gießen | Immer mehr Menschen besuchen eine Fußpflegepraxis. Den gegenwärtigen Hygienestandard von insgesamt 118 Praxen hat nun das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen überprüft. „Die Hygiene ist in den meisten Fällen gewährleistet“, fasst der zuständige Gesundheitsdezernent Dirk Oßwald das Ergebnis der umfangreichen, zweieinhalb Jahre dauernden Überprüfung zusammen. Erhebliche Mängel stellten die Prüfer lediglich in drei Praxen fest.

Wer sich in einer professionellen Fußpflegepraxis die Nägel schneiden und feilen sowie Nagelhaut, Hornhaut und oberflächige Hühneraugen entfernen lässt, vertraut auf einwandfreie hygienische Voraussetzungen. „Die Hygienevorschriften bei der Fußpflege sind in der Hessischen Infektionshygieneverordnung geregelt“, sagt Dr. Jörg Bremer, der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes und verantwortlich für die Überprüfung. Eine Infektionsübertragung sei über Flächen, Hände oder verwendete und unsachgemäß aufbereitete Instrumente möglich.

Das Gesundheitsamt hat insgesamt 118 Fußpflegepraxen aufgesucht. Geprüft wurden auch Fußpflegerinnen, die keine eigene Praxis haben, sondern ihre Tätigkeit mobil ausüben. Das sind immerhin 23 der 118, also fast 20 Prozent. Die Begehungen waren bei den Betreibern angemeldet. „Wir haben für die Überprüfung eigens eine Checkliste erstellt, um den gegenwärtigen Hygienestandard der Praxis zu erfassen“, berichtet Gesundheitsaufseherin Petra Zenz. „Was allerdings nicht von uns überprüft werden kann, ist die Qualität in der Ausführung der Fußpflege.“

Nach der Begehung wurde ein Bericht mit den festgestellten Hygienemängeln sowie erforderlichen Maßnahmen erstellt, um diese zu beseitigen. „Die Durchführung der Maßnahmen musste uns innerhalb einer bestimmten Frist schriftlich bestätigt werden“, erklärt sie weiter. In der Regel waren das vier Wochen. Die Mängel bezogen sich hauptsächlich auf nicht erfüllte formale Anforderungen, etwa wie einen Hygieneplan, den nur ein Viertel der Praxen vorweisen konnten, oder die Teilnahme an einem Sachkundekurs. Dauerhaft geschlossen werden musste aber keine der Praxen. Teilweise wurde jedoch die Ausübung der Tätigkeit untersagt, bis die erforderlichen Maßnahmen zur Einhaltung der Hygiene umgesetzt worden sind.

Nahezu alle Fußpflegerinnen (99,2 %) verfügten über ein so genanntes Zertifikat. Die Ausbildungsdauer variiert dabei zwischen drei Tagen und drei Wochen oder länger. Allerdings konnten nur weniger als 10 Prozent einen Nachweis über die Teilnahme an einem Sachkundekurs für Desinfektions- und Sterilisationsverfahren erbringen.

Foto: Astrid Borower/pixelio.de
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Größtenteils waren Präparate zur Haut- und Händedesinfektion sowie Antiseptika vorrätig. Zu selten allerdings war bekannt, dass eine Händedesinfektion unmittelbar vor jedem Eingriff und nach Ablegen der Einmalhandschuhe vorzunehmen ist. Viel Überzeugungsarbeit war notwendig, um verständlich zu machen, dass Händewaschen, welches nur vor Arbeitsbeginn, nach Arbeitsende und zwischenzeitlich nach Toilettenbesuchen empfohlen wird, nicht die Händedesinfektion ersetzen kann. Positiv hingegen wurde registriert, dass fast alle (96,6 %) bei ihrer Tätigkeit Einmalschutzhandschuhe verwenden.

Bei drei Viertel der Praxen waren die räumlichen Gegebenheiten nicht zu beanstanden, im Gegensatz zur Aufbereitung von Instrumenten. Hier wurden zahlreiche Defizite festgestellt. Eine regelmäßige Dokumentationen des Prozesses, technische Wartungen oder mikrobiologische Kontrollen wurden größtenteils nicht durchgeführt. „Schwerpunktmäßig zielten unsere Forderungen deshalb darauf ab, die einzelnen Arbeitsschritte mit abschließender Desinfektion maximal zu optimieren“, sagt Petra Zenz.

In über der Hälfte der Praxen wurde Sterilgut zwar sachgemäß gelagert, in etwa jeder fünften Praxis wurden Einmalartikel, wie Schleifkappen, Hobel- und Skalpellklingen, jedoch in unzulässiger Weise mehrfach aufbereitet. 15 % der Praxen verwendeten Instrumente, bei denen deutlich Ablagerungen sichtbar waren. Diese Instrumente durften nicht weiter verwendet werden.

Die Flächendesinfektion erfolgte in den meisten Fällen (72 %) über eine Sprühdesinfektion, vorgeschrieben ist aber ein Scheuer-Wischverfahren. Eine Flächendesinfektion der Hände- und Hautkontaktflächen fand bei drei von fünf Praxen (60,2 %) nach jedem Kunden statt. Häufig wurden die Fußböden der Behandlungsräume routinemäßig desinfiziert. Für solche Fußböden ist am Ende eines Arbeitstages aber auch eine Feuchtreinigung ohne Zusatz von Desinfektionsmitteln in der Regel ausreichend.

Fast in jeder fünften Fußpflegepraxis (19,5 %) wurde unerlaubt Heilkunde ausgeübt. Dabei handelte es sich überwiegend um Behandlungen von Dornwarzen, Behandlungen von Infektionen mit antibiotischen Salben und Fußpilzbehandlungen. Da es sich bei diesen Tätigkeiten um erlaubnispflichtige Heilkunde handelt, wurde dies strikt untersagt.
„In der Regel zeigten sich die überprüften Personen sehr kooperativ, so dass es gelungen ist, ein funktionierendes Hygienemanagement in den Praxen zu etablieren“, fasst Petra Zenz ihre Erfahrungen zusammen.
Weitere Informationen über die Überprüfung und zum Thema Fußpflegepraxen sind bei Dr. Jörg Bremer erhältlich, Telefon: 0641 9390-1417, E-Mail: joerg.bremer@lkgi.de.

Foto: Tanja Ritter/pixelio.de
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Foto: Astrid Borower/pixelio.de
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Kommentare zum Beitrag

Peter Herold
26.465
Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.11.2013 um 15:47 Uhr
Werbung oder nicht?
Landkreis Gießen
8.817
Landkreis Gießen aus Gießen schrieb am 26.11.2013 um 17:30 Uhr
Nö. Nur eine beruhigende Nachricht für alle, die ohnehin schon zur Fußpflege gehen: Über hygienische Zustände müssen sie sich keine Sorgen machen.

Höchstens Werbung für unser Gesundheitsamt. ;-)
Landkreis Gießen
8.817
Landkreis Gießen aus Gießen schrieb am 26.11.2013 um 17:31 Uhr
:-) Danke, Frau Back!
Birgit Hofmann-Scharf
10.060
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 26.11.2013 um 20:20 Uhr
"dass eine Händedesinfektion unmittelbar vor jedem Eingriff und nach Ablegen der Einmalhandschuhe vorzunehmen ist."

Das überrascht mich jetzt aber auch, obwohl ich persönlich die Hände eher zu viel als zu wenig wasche.
Diese zusätzlichen antiseptischen Maßnahmen sah ich bisher noch nie bei der Fußpflege.
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