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Willkommen an der JLU Gießen (V) – Wohnungsnot bekämpfen – aber wie?

Gießen | In aller Kürze: Wohnungsnot in Gießen und anderswo – Probleme fallen nicht vom Himmel – verfehlte Landes- und Stadtpolitik – was können wir zusammen dagegen tun – ein paar Tipps für die Wohnungssuche

Was ist mit das wichtigste für Erstsemester und Studierende, ja für die meisten Menschen überhaupt? Richtig! Eine Wohnung, ein Dach über dem Kopf zu finden. Und die sollte nicht zu klein sein, als Rückzugsort von (Uni)stress und Alltagshetze dienen, nicht zu weit draußen liegen, in der Nähe von Universität, Einkaufsmöglichkeiten und Infrakstruktur liegen und nicht zuletzt erschwinglich sein.

Halten wir fest: Eine tolle Wohnung ist schon die halbe Miete im Studium. Aber gerade im August und Septemeber werden in Universitätsstädten Wohnungen, zumal im Preissegment Studierender liegend regelmäßig knapp. Für viele, die sich die verbleibenden hochpreisigen Appartements dann nicht leisten können, mit ein Grund dafür eine andere Uni wählen zu müssen. Von wegen freie Studienplatzwahl.

Wohnraum als Geldanlage für das BIG MONEY…

Denn nicht nur Studierende brauchen Wohnungen. Auch andere haben sie
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“bitter nötig“. Allerdings nicht zum Wohnen. Miet-Haie, Hedgefonds, große Investoren und Privatleute suchen gerade in Zeiten billigen Geldes Mietshäuser, Eigentumswohnungen und Grundstücke als sichere Anlage – denn Wohnen müssen die Menschen immer. Gerade Studierende, die meistens ein regelmäßiges, kleines Einkommen haben und gerne in der Nähe ihrer Universität wohnen (wollen), erweisen sich da als Garantie für eine überbordende Nachfrage auch in kleineren Städten, wodurch dann auch das letzte Rattenloch noch seinen Käufer findet – und den oben genannten ordentlich Rendite einbringt. Genügend UND günstiger Wohnraum? Diese Überlegungen spielen bei Investition und Rendite so wenig eine Rolle wie Bewohnbarkeit und Zugang zur Infrastruktur.

Und während kaum neue Sozialwohnungen und Studierendenwohnheime gebaut werden, die durch ihre subventionierten Mieten die Preise auch im privaten Wohnungsmarkt drücken könnten bzw. überhaupt genügend Platz für die vielen neuen Studierenden bieten würden, verkaufen Städte, Gemeinden und Bundesländer lieber ihr Tafelsilber – z.B. eben Sozialwohnungen und städtische Baugesellschaften- , um schnell an Geld zu kommen und die leeren Kassen (allerdings sehr kurzfristig) aufzubessern.

Mit vorhersehbaren Folgen…

Die Folgen sind vorhersehbar und nicht nur in den überteuerten Großstädten zu erleben: Mieten in der Innenstadt explodieren, alteingessesene Mieter_Innen werden von potentiell wertvollen Grundstücken vertrieben und die Listen von Studierendenwohnheimen quellen über – 1800 Anfragen bei voller Belegung und 2900 Plätzen insgesamt - ohne dass die Nachfrage nach kostengünstigem und guten Wohnen befriedigt werden könnte. Ehemaliger Wohnraum wird für Büroräume und Prestigeobjekte zweckentfremdet.

Natürlich ist es da zu begrüßen, dass das Studentenwerk alles tut, um neuen Wohnraum zu schaffen. Aber damit es wirklich Druck auf den privaten Wohnungsmarkt ausüben könnte bräuchte es eben noch mehr als ein paar kleine Neubauten. Studiernde müssen in Containern, Kasernen und anderswo unterkommen: das Studentenwerk Gießen hat dafür extra noch mehr Feldbetten und Übergangsquartiere bereitgestellt wie im letzten Jahr. Oder lassen sich von Burschenschaften mit ihren konkurrenzlos billigen Zimmern in Lebensbund und konservative Nachwuchsorganisationen locken.


Krieg den Hütten, Friede den Palästen?

In Gießen ist das nicht anders. Anstatt den sozialen Wohnungsbau zu pushen und/oder dem Studentenwerk mehr Geld und kostengünstige Baugrundstücke in guter Lage zu überlassen, lobt die Stadt z.B. lieber private Wohnbaugesellschaften, die überteuerte Appartements und oben erwähnten Investoren ordentlich Rendite anbieten. Zynisch nach dem Sozialrevolutionär und Dramatiker benannt vermietet die Unternehmensgruppe “Georg-Büchner-Appartements” an Studierende und pries dieselben bis vor kurzem als perfekte Einnahmequelle für Anleger an, die sich die Wohnungen kaufen könnten, um sie anschließend wieder zu vermieten und jungen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Was ist zu tun?

Aber was können wir als Studierende, was kann der sds.dielinke Gießen dagegen unternehmen? Wie können wir für bezahlbaren und genügend vorhandenen Wohnraum sorgen?

Erstmal: Allein kriegen war das sicher nicht hin. Zum Glück gibt es in Gießen, bundes- und hessenweite Initativen, deren Forderungen wir uns gerne zu Eigen machen und mit denen wir gerne zusammenarbeiten wollen. In den nächsten Wochen und Monaten sind da einige Aktionstage, Demonstrationen und Veranstaltungen geplant, auf die wir euch gerne hinweisen möchten. Vor Ort hat sich im Vorfeld der Land- und Bundestagswahl das Gießener Wohnraumbündnis gegründet, welches mehr sozialen Wohnungsbau und innovativere Stadtplanung fordert.

Darüber hinaus wollen wir folgende Forderungen an die Stadt Gießen und das Land herantragen.

1. Zweckentfremdungssatzung erlassen – Wohnraum erhalten

Es muss dafür gesorgt werden, dass im Stadtrat eine Zweckentfremdungssatzung erlassen wird, damit jeder Abbruch, jeder Leerstand und jede Nutzungsänderung von Wohnraum genehmigungspflichtig wird. So kann verhindert werden, dass Wohnraum aus spekulativen Gründen leersteht oder zweckentfremdet wird.


2. Sozial gerechte Bodennutzung einführen

Private Investoren müssen vom Stadtrat dazu verpflichtet werden, mindestens 50 Prozent Sozialwohnungen auf dem jeweiligen Baugebiet zu errichten und sich an der Finanzierung der Infrastruktur des Baugebiets zu beteiligen.


3. Förderung genossenschaftlicher und selbstverwalteter Wohnprojekte

Die Stadt muss bereits bestehende selbstverwaltete Wohnprojekte unterstützen und neue Projekte anregen. Selbstverwaltete und genossenschaftliche Projekte sind ein gutes Mittel bezahlbaren Wohnraum zu erhalten bwz. zu schaffen und Wohnraum davor zu schützen zum Spekulationsobjekt zu verkommen


4. AStA aus Gießen und die Landes-ASten Konferenz sollen Appell starten

Die neue Landesregierung sollte aufgefordert werden, dem Studentenwerk sowie den städtischen Bau-Gesellschaften mehr Geld für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Die ASten als Sprachrohr der Studierendenschaft sowie dabei eine besondere Verantwortung in den verschiedenen landes- und lokalen Bewegungen das Thema auch über die Wahlen hinaus am Leben zu halten.


5. Übrigens sind wir der Meinung, das Makler vom Vermieter bezahlt werden sollte, immerhin hat der ihn ja beauftragt.

Und noch ein paar Tipps für die Wohnungssuche, denn neben immoscout, WG-Gesucht und dem ganzen Mist gibt es auch noch andere Möglichkeiten an eine Bleibe zu kommen…

Wohnbörse des AStA:
http://wohnboerse.asta-giessen.de/index.php?art=WG

Auf facebook:
https://www.facebook.com/groups/527961037251653/?fref=ts

https://www.facebook.com/groups/251439521652437/?fref=ts

Und Leute, passt auf euch auf, lasst euch nicht über den Tisch ziehen und überprüft eure Mietverträge. Z.B. auf http://www.studenten-wg.de/mietrecht.html oder auf http://www.mieterverein-giessen.de/files_Infomaterial_1.html gibt es da Tipps. Gerade Studierende werden oft über den Tisch gezogen. Und ja, an den schwarzen Brettern IN der Uni findet ihr auch noch einiges (vgl.: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/wohnungssuche-ein-blick-aufs-schwarze-brett-lohnt-sich-immer-noch-12538980.html).

Weitere Artikel und Infos über unsere aktuellen Information erhaltet ihr hier: http://sdsdielinkegiessen.wordpress.com/

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.306
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 13.11.2013 um 09:38 Uhr
Vielen Dank für diesen informaativen Artikel.

Ganz kurz zu folgender Passage:

"Erstmal: Allein kriegen war das sicher nicht hin. Zum Glück gibt es in Gießen, bundes- und hessenweite Initativen, deren Forderungen wir uns gerne zu Eigen machen und mit denen wir gerne zusammenarbeiten wollen. In den nächsten Wochen und Monaten sind da einige Aktionstage, Demonstrationen und Veranstaltungen geplant, auf die wir euch gerne hinweisen möchten. Vor Ort hat sich im Vorfeld der Land- und Bundestagswahl das Gießener Wohnraumbündnis gegründet, welches mehr sozialen Wohnungsbau und innovativere Stadtplanung fordert."

Richtig, zu deren letzten Aktion ist hier in der Onlineausgabe ein Artikel erschienen.

http://www.giessener-zeitung.de/linden/beitrag/83514/wohnungspolitischer-stadtrundgang-30082013/

Wer aktiv an dem Giessener "Ableger" des bundesweit agierenden Bündnisses "umFAIRteilen" teilnehmen will (z.B. mal in eine Sitzung "reinschnuppern" möchte), sollte mal im DGB-Haus anrufen, denn dort werden die Aktivitäten koordiniert.
Thoralf Trundilson
233
Thoralf Trundilson aus Gießen schrieb am 13.11.2013 um 12:41 Uhr
These: Umverteilt (bzw. rückverteilt) von oben nach unten wird erst dann, wenn über Wochen mehrere Millionen Menschen regelmäßig auf die Straße gehen. Das hat es aber seit Kriegsende in D nicht gegeben.
Martin Wagner
2.306
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 13.11.2013 um 18:37 Uhr
kurz zu Herrn Trundilson:

Stimme ihrer These zu 100 Prozent zu. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Viele Menschen in der BRD "arbeiten" daran. Auch sie sind dazu eingeladen, da mit zu machen.

Übrigens, heute kam die Einladung zum nächsten Treffen des Giessener "Ableger" des Bündnisse "umFAIRteilen" ins Haus:

Donnerstag, 21. Nov. ab 19 Uhr im Cafe Amelie (das ist im Gewerkschaftshaus unten in Parterre)

... TO gibt es sicher bei giessen@dgb.de ....
Stefan Walther
4.190
Stefan Walther aus Linden schrieb am 13.11.2013 um 22:44 Uhr
Jetzt bin ich aber wirklich ( positiv ) überrascht = hier wird aus den 3 Artikeln von Engels "Zur Wohnungsfrage" zitiert, und dann auch noch eines der Kernzitate, Respekt!
Nun, dann sollte man auch nicht zu große Hoffnungen verbreiten was die "Lösung" der Wohnungsfrage im kapitalistischen System betrifft.
Martin Wagner hat das Bündnis Umfairteilen angesprochen. Die Mitstreiterinnen und Mitstreiter freuen sich auch über tatkräftige Unterstützung durch Mitglieder der Linkspartei, vor allem über solche mit diesem Anspruch ( Engels-Zitat :-)).
Richtig Herr Trundilson, nur die "Millionen Menschen" werden etwas verändern und nicht die selbsternannten "Führer" oder die so genannten "Volksvertreter" in den Parlamenten.... aber wie ist dieses Ziel zu erreichen, so muss man doch die Frage stellen, Kritik allein hat noch nie weiter geholfen, da ist jede(r) gefragt sich aktiv einzubringen.
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