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Das Verdauungssystem in westlicher und chinesischer Sicht

Gießen | Im Mittelalter war das Sprichwort "Der Tod lauert im Gedärm" traurige Realität. Schon damals wurde der Einfluss des Verdauungssystems auf die Gesundheit erkannt. Die Kräutermedizin entwickelte ein umfangreiches Arsenal von Verdauungshilfen, die beruhigend, stimulierend, entspannend und beruhigend wirken. Im Gegensatz zu modernen Arzneimitteln, die meist nur zur Beruhigung der Magensäure dienen oder abführend wirken, beinhalten Kräuter Stoffe, die den Wind vertreiben, Stimulantien für Leber und Bauchspeicheldrüse, krampflösende Substanzen und auch Antibiotikaähnliche Wirkstoffe, um die Magen- und Darmflora zu regulieren und die Immunabwehr zu stärken. Die moderne Medizin analysiert den Verdauungsapparat nach seiner Funktion, Enzyme lösen Nährstoffe aus der Nahrung, die vom Körper aufgenommen und dann wieder ausgeschieden werden. Die Leber spielt hier die Rolle einer Chemiefabrik, die Fette und gelöste Stoffe weiterverarbeitet. Kräutermedizin ergänzt diese Betrachtungsweise mit den Inhaltsstoffen in der Nahrung. Kalte Nahrung im Winter birgt die Gefahr einer Verkühlung des Magens, gegrilltes Fleisch im Sommer vergrößert die innere Hitze.
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Verdauung (1)chinesische Medizin (8)
In der chinesischen Medizin sind Magen und Milz die Hauptorgane der Verdauung. Die Funktionsweise der Milz unterscheidet sich in der Betrachtungsweise von der westlichen Sicht. Nach chinesischem Verständnis ist die Milz wichtig für die Verdauung und die Entwicklung der Muskeln. Sie verarbeitet die Nahrungsbestandteile zur "Essenz" und transportiert diese dann durch den Körper. Ist die Lebenskraft (qi) der Milz stark, so funktioniert die Verdauung reibungslos und der Körper bleibt gesund. Ist die Verdauung gestört, so bleibt das Gewebe unterernährt. Auch ist die Milz verantwortlich für den Wassertransport in die Nieren.
Partnerorgan der Milz ist der Magen. Seine Rolle ist die Aufnahme und Verdauung von Nahrung und er ist gleichzeitig Speicher von Nahrung und Wasser. Das Magen qi startet die Verdauung, ein schwaches qi kann die Nahrung nicht in den Dünndarm weiterleiten, sie sammelt sich im Magen an.
In der chinesischen Vorstellungswelt gibt es noch ein anderes Verdauungskonzept, der "Dreifach-Erwärmer" (San Jiao), der ein bloßes Kanalsystem darstellt, der den inneren Weg der Verdauung und des Wasserhaushalts regelt. Er besteht aus 3 Komponenten: den oberen, den mittleren und den unteren Erwärmer. Der mittlere Erwärmer ist eng mit den Funktionen von Magen und Milz verbunden.

Magenverstimmung und Gastritis
In westlicher Sichtweise werden Magenbeschwerden oft auf Lebensmittelvergiftung, Alkoholkonsum oder fette Speisen zurückgeführt. In der TCM spielt die Qualität des Essens auch eine große Rolle, wichtiger ist aber die Aufdeckung der zugrundeliegenden Schwäche oder des Ungleichgewichts bei wiederkehrender Erkrankung.
Für moderne Kräuterkundige ist die Verdauung ein zentraler Punkt der Gesundheit: schlechte Verdauung ruft nicht nur Verstopfung oder Durchfall hervor, sie äußert sich auch in Erscheinungen wie Hautkrankheiten oder arthritischen Beschwerden. Heutzutage macht man sich oft Gedanken über Nahrungsmittelunverträglichkeiten in unserem durch Umweltgifte geschädigten Lebensraum. Symptome wie Blähungen, Muskelschmerzen und Nervenschädigungen treten auf. Nahrungsmittelunverträglichkeit kann Allergien auslösen, die äußerlich in juckenden Hautausschlägen und Schwellungen, aber auch innerlich "maskiert" auftreten können. Ekzeme und Asthma sind typische allergische Reaktionen, wie auch Verdauungsbeschwerden, Migräne, Trägheit und Durchfall.
In der chinesischen Medizin betrachtet man Magenbeschwerden und Verdauungsprobleme als Schwäche des Milz qi. Schwäche der Milz führt zur Ansammlung von Schleim, weil die geschädigte Milz den trüben Schleim nicht mehr vom klaren Schleim trennen kann. Die Symptome sind abhängig vom Ort der Schleimansammlung. Im Magen bewirkt der Schleim Übelkeit und Erbrechen, staut er sich in der Lunge, erzeugt er Husten und Kurzatmigkeit, im Herz kommt es zu geistiger Verwirrtheit, Koma oder Delirium. Die Schwäche der Milz, das schwache Magen qi oder auch ein yang Mangel der Milz sind häufig Ursachen extremer Schleimansammlung, was zu schlechtem Appetit führt, Blähungen im Unterbauch, Unwohlsein, Müdigkeit, dünnflüssige Stühle oder auch Durchfall. In der westlichen Medizin würde man diese Symptome mit "Reizdarmsyndrom" am besten umschreiben, hier sind nervöser Magen oder auch Magengeschwüre häufig.
Kräuter wie Yamswurzel, Pfefferminze, Lotussamen, schwarzer Pfeffer und Sandelholz stärken die Milz, wärmen den Magen und führen zur Harmonisierung des Magen-Darm-Traktes.

Probleme der Leber
Die Leber ist das größte Organ des Körpers, nach moderner Auffassung arbeitet sie wie eine Chemiefabrik, sie filtert die Schadstoffe aus der Nahrung und macht brauchbare Substanzen für den Körper nutzbar. Die Leber ist auch die erste Verteidigungslinie des Körpers, sie filtert und speichert Schadstoffe und hindert sie daran, über den Blutweg in die Organe und in das Gehirn zu gelangen.
In unserer verschmutzten Welt bedeutet das einen ständigen Zustrom an Pestiziden, künstlichen Zusatzstoffen und genetisch modifizierten Produkten. Das kann auf Dauer zu einer Überlastung der Leber führen, die sich in Funktionsstörungen äußert. Hier werden stärkende und reinigende Kräuter eingesetzt, um die Leber zu entlasten. Eine schlechte Leberfunktion verursacht Verdauungsprobleme wie Verstopfung und Gelbsucht, auch Hautausschläge, arthritische Beschwerden und Kopfschmerzen können daraus resultieren.
In der Sichtweise der chinesischen Medizin speichert die Leber das Blut und regelt den Blutkreislauf. Sie ist eng mit dem weiblichen Menstruationszyklus verbunden, Probleme mit dem Zyklus werden mit leberstärkenden Kräutern behandelt. Die Leber kontrolliert auch den Fluss des qi. In der Leber befindet sich auch der Sitz der Seele, dieser Seelenbegriff entspricht dem westlichen Konzept der Seele. Im 5-Elemente-Zyklus ist die Leber mit Sehnen, Augen und Nägeln verbunden, ebenso mit dem Gefühl des Ärgers. Schmerzende Sehnen und Bänder, z.B. im Knie, können auf ein Leberproblem hindeuten. Starke gesunde unbd rosafarbene Fingernägel weisen auf ein gesundes Leber qi hin. Schlechtes Sehen ist ein Resultat von Blutmangel der Leber, Bindehautentzündung entsteht durch Wind-Hitze, die von außen in die Leber eindringt. Reizbarkeit und Ärger entstehen aus dem Ungleichgewicht der Leber.
Kräuter wie Berberitze, Gou Qi Zi (Goji-Beere), weiße Päonie, Löwenzahn und Eisenkraut wirken gegen Leberbeschwerden.

Verstopfung
Aus Sicht der westlichen Kräutertherapie ist Verstopfung mehr ein Symptom als eine Krankheit, die von falsche Ernährung, schlechter Verdauung oder unregelmäßigem Lebensstil herrühren kann. Als Heilmittel empfiehlt man oft Abführmittel, aber die Einnahme solcher Präparate über längere Zeit führt zu mehr Verstopfung und auch zur Aussackung des Darms.
Nach chinesischer Lehre ist übermäßige Hitze die Ursache für akute Verstopfung, wird die Verstopfung chronisch, so ist ein Mangel an yin oder eine Schwächung der Lebensenergie verantwortlich, sie tritt meist im Alter auf.
Heilkräuter für diesen Fall sind Cannabis und Rhabarber.

Durchfall
Wie die Verstopfung, so ist auch Durchfall ein Symptom, keine Krankheit. In der westlichen Sicht wird Durchfall oft mit kurzfristigen Verstimmungen in Verbindung gebracht: Magen-Darm Beschwerden, Magenentzündung, Lebensmittelvergiftung oder auch als Begleiterscheinung einer chronischen Krankheit wie Colitis ulcerosa oder Reizdarmsyndrom. In klassischer Behandlung wird der Durchfall durch Medikamente gestoppt, während man in der Kräutermedizin den Durchfall als willkommene Gelegenheit der Darmreinigung von schädlichen Toxinen ansieht und zusammenziehende und beruhigende Kräuter verabreicht, um di entzündete Darmschleimhaut zu beruhigen.
In der TCM betrachtet man den Durchfall als entweder Überschußsyndrom oder als Mangelsyndrom. Der Überschuss entsteht durch die Feuchte-Hitze, die sich in Magen, Milz und dem Dickdarm sammelt. Hier wird sie mit kühlenden und austrocknenden Kräutern therapiert. Der Durchfall aufgrund von einem Mangelsyndrom entsteht durch die Schwäche des qi oder einen yang Mangel, der in Nieren und Milz auftritt.
Die Kräuter der Wahl sind hier: Muskatnuss, Rhabarber, Rose und Weißdorn.

Aufstoßen und Blähungen
Aufstoßen und Sodbrennen, Völlegefühl im Magen und Flatulenzen werden aus westlicher Sicht den falschen Nahrungsmitteln zugeschrieben, zu hastigem Essen, zu enger Kleidung oder Stress. Antazida, Magensäurehemmer, sind hier das Mittel der Wahl. Ein ganzheitlicher Ansatz betrachtet mehr die Ernährungsgewohnheiten und den Lebensstil, verwendet beruhigende und die Verdauung normalisierende Kräuter.
In der TCM resultieren Aufstoßen und Blähungen aus dem qi Mangel der Milz und des Magens. Das Essen wird nur ungenügend verdaut und di Körpersäfte und das Wasser zirkulieren nur langsam. Behandelt man diese Symptomatik nicht sofort, kann sich daraus ein chronischer Zustand entwickeln. Mit Kräutern wi Kamille, Ingwer, Muskatnuss, Klee, Fenchel, Pfefferminze und Kardamom kann man helfend eingreifen.

Diabetes und Überzuckerung
Diabetes bezeichnet man allgemein als Versagen der Bauchspeicheldrüse, genügend Insulin zu produzieren, damit die Zuckermoleküle in der Nahrung aufgespalten werden können. Zuviel Zucker in der Nahrung beeinflusst die Zuckerspeicher der Leber und der Muskeln. Ein hoher Zuckergehalt im Blut regt die Produktion von mehr Insulin an, was wiederum zu einer Überarbeitung der Bauchspeicheldrüse führt, und damit zu hohen Schwankungen im Blutzuckerspiegel. Symptome wie Hunger, Schwindel, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Gedächtnisstörungen, Sehstörungen, Panikattacken und unruhige Gliedmaßen treten auf. Süßigkeiten bringen schnelle Erleichterung.
In der chinesischen Medizin hängt Diabetes mit dem Wasserkreislauf des Körpers zusammen, oft wird eine Schwäche des Nieren yin dafür verantwortlich gemacht. Die Behandlung erfolgt durch stärkende und energieliefernde Kräuter, z.B. Wermutkraut, Myrte, Knoblauch, Ginseng, Brennessel, Kamille, Löwenzahn, Hopfen und Lakritze.

Gesundheitstipps
In der westlichen galenisch geprägten Medizin halfen im Sommer kalte Speisen und im Winter warme Speisen bei der Ausgleichung der klimatischen Verhältnisse.
Im Osten, wo die Temperaturschwankungen viel extremer sind, wurden für den Winter kalte Nahrungsmittel und für den Sommer heiße gewürzte Speisen empfohlen, um den Körper in Harmonie mit seiner Umgebung zu bringen und die Temperaturunterschiede nicht zu groß werden zu lassen.

Energetisch "warme" Nahrungsmittel:
Mandeln, brauner Zucker, Kirschen, Huhn, Lauch, Datteln, Knoblauch, Ingwer, grüner und roter Paprika, grüne Zwiebeln, Schinken, Linsen, Minze, Senf, Kresse, Lammfleisch, Pfirsiche, Pfeffer, Himbeeren, Shrimps, Sojaöl, Sonnenblumenkerne, Walnüsse, Wein, Schnaps.

Energetisch "kalte" Nahrungsmittel:
Äpfel, Bambussprossen, Bananen, Pilze, Muscheln, Krebse, Gurken, Endivien, Grapefruit, Eisbergsalat, Mango, Birnen, Kakifrucht, Algen, Erdbeeren, Tofu, Tomaten, Wasserkastanien, Wassermelonen.

Energetisch "neutrale" Lebensmittel:
Aprikosen, Rindfleisch, rote Bete, Karotten, Sellerie, Mais, Eier, Honig, weißer Reis, Kartoffeln, Kürbis, weißer Zucker.

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von:  Antje Holzhauer

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Antje Holzhauer
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