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Buchbesprechung: Dipl. Ing. Gunther Grabowski. Ach, du liebes Deutsch!

Gießen | Dieses Buch ist für all diejenigen gedacht, die sich über die fortschreitende Anglisierung unserer Sprache so ihre Gedanken machen. Auf ironische und witzige Weise, mit vielen anschaulichen Beispielen, zahlreichen Fotos und Cartoons karikiert Grabowski den modernen Sprachgebrauch des Deutschen. Er gibt all jenen neuen Zündstoff, die den schleichenden Verfall der deutschen Sprache bemerken und dagegensteuern wollen.
Schon der zweideutige Titel "Ach, du liebes Deutsch!" ist Programm: in liebenswerter Weise wird der gedankenlose Umgang des Einzelnen mit der geliebten Muttersprache aufgezeigt und angemahnt. Dabei ist das Buch beileibe keine dröge Lektüre. Mit unzähligen Beispielen beleuchtet der Autor äußerst vergnüglich den Sprachalltag.
Das "Denglische", Deutsch mit englischen Sprachbrocken, oder Verballhornungen englischer Wörter (man denke nur an das "Handy", das im Englischen mobile phone heisst), wird ebenso treffend karikiert, wie auch der "Okayismus", überall - passend oder unpassend - ein "okay" einzuschieben. Klar, okay? Hauptsache es klingt wortgewandt, weitgereist und man zeigt, das man voll im Trend
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liegt und kein Bauerntölpel mehr ist. Zum "Denglisch" gibt es im englischen Sprachraum das Pendant - das "Franglais" (französisch-englische Sprachmischung), das dort eine nie versiegende Quelle von Spott und Hohn ist. Im Gegensatz zu den Deutschen herrscht nämlich in England und Frankreich Sprachpurismus und eine geschärfte Wahrnehmung des Sprechers für die Feinheiten der eigenen Sprache, die als Ausdruck des Nationalstolzes gilt. Die Entwicklung der deutschen Sprache wurde und wird - im Gegensatz zu Frankreich (Academie Francaise!) - niemals staatlich gesteuert, so dass hierzulande die bunte Vielfalt verschiedener kultureller Einflüsse ungehindert wirken kann.
Die rasche Ausbreitung des Einflusses der englischen Sprache ist natürlich vor allem gesellschaftlich bedingt. Unter Jugendlichen ist ihre Akzeptanz durch Schule, Medien und Internet weit verbreitet. Das Englische erscheint durch seinen einfachen Satzbau, die einsilbigen Ausdrücke (o.k., cool, hi), ihre gleichzeitige Mehrdeutigkeit und universale Anwendbarkeit modern. Dagegen wirkt die eigene Sprache mit umfangreicher Grammatik und schwerfälligem Satzbau unflexibel und altmodisch. Neue technische Entwicklungen werden sowieso nur noch auf Englisch publiziert, die ehemalige Wissenschaftssprache Deutsch hat schon lange ausgedient.
Grabowski beweist, dass durch die Bevorzugung des Fremdworts vor dem Ausdruck der eigenen Sprache nur eine scheinbare Treffsicherheit und Genauigkeit erreicht wird. Im Gegenteil: die inhaltliche Vielfalt geht verloren. Das zeigt er klar am Beispiel der englischen Präposition "by", die mittlerweile 10 deutsche Sprachvarianten ersetzt hat. Junge Mode by Behringer, Hörgeräte by Jahnke.
Weitere interessante Phänomene, wie das "Deppen´s Markenzeichen", die inflationäre Verwendung des "coach", "Halloween", Discountdeutsch, Kiezdeutsch, Jugendsprache, Lehnwörter und Neusprech sind auch Themen des Buches. Wer sich für die Neuzugänge der deutschen Sprache interessiert, wird sich bestimmt mit diesem schmalen Bändchen anfreunden.
So schließt der Autor sein Buch auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge: einerseits ist die Fähigkeit der deutschen Sprache, ohne staatliche Eingriffe neue Einflüsse aufzunehmen und zu integrieren ihr Lebenselixier und ihr Jungbrunnen, andererseits aber liegt es in der Verantwortung der Muttersprachler, ihre Vielfalt auch sinnvoll einzusetzen.
Die Lektüre dieses Bändchens regt zum Nachdenken an, verführt zum Schmunzeln und schärft das eigene Bewusstsein für die Schönheit der deutschen Sprache, deren Ausdrucksmöglichkeiten es neu zu entdecken und zu erhalten gilt.
"Ach, du liebes Deutsch!" von Dipl. Ing. Gunther Grabowski ist im Juli 2013 im FB Verlag Deutsche Sprache Paderborn unter der ISBN 978-3-942-409-32-2 erschienen.

Kommentare zum Beitrag

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Heinz-Dieter Lipp aus Langgöns schrieb am 20.10.2013 um 11:24 Uhr
Ein lesenswertes Buch, dass zur Nachdenklichkeit, teilweise zur Fassungslosigkeit sowie zum Schmunzeln anregt.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Antje Holzhauer

von:  Antje Holzhauer

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Antje Holzhauer
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