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Die Ursprünge der heutigen Medizin

Gießen | Die heutige Medizin, so wie wir sie kennen, ist eine vergleichsweise moderne Erfindung der letzten 30 Jahre. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts basierte unsere Medizin auf den Theorien der alten Griechen und wurde "Galenische Medizin" genannt, nach dem berühmten römischen Arzt Claudius Galenus (2. Jh. n. Chr.).
Der griechische Arzt Hippokrates (468-377 v. Chr.) führte die Entstehung von Krankheiten auf den Einfluss der Jahreszeiten zurück. Zu seiner Zeit glaubte man, das alles Belebte und Unbelebte auf 4 Elemente zurückzuführen sei: Erde, Luft, Feuer und Wasser.
Die Natur dieser Elemente beeinflusst die Jahreszeiten und das Leben, es gibt Hitze, Trockenheit, Kälte und Feuchte. Die Elemente dominieren auch die 4 Körpersäfte: Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle. Alle müssen im Gleichgewicht sein, damit man gesund bleibt.
Die Kräuter dieser Zeit waren eine Mischung aus heimischen und importierten Pflanzen, die teuersten darunter Ingwer und Basilikum.
In früher Zeit nahm der Arzt auch das Priesteramt wahr, die Heilung eines Kranken wurde nicht nur auf die verabreichten Kräuter zurückgeführt, sondern auch auf die Besänftigung böser Geister. Noch heute ist in traditionellen Kulturen der Schamane ein Mittler zwischen körperlicher und seelischer Heilung.
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westliche Medizin (1)Geschichte (134)
Nach Hippokrates wurde Galen der einflussreichste Arzt in der westlichen Welt. 2000 Jahre lang bestimmten die griechischen Ideen den Verlauf der westlichen Medizin. Die Lehre von den 4 Körpersäften wurde zum Allgemeingut. Die Säfte wurden durch drastische Methoden wieder ins Gleichgewicht gebracht: dem Aderlass, um den ungehinderten Blutfluss zu ermöglichen, der Verabreichung von Brechmittel, um Schleim und gelbe Galle zu regulieren und der Einnahme von Abführmitteln, um den Überfluss schwarzer Galle abzubauen.
Man glaubte, dass die 4 Säfte nicht nur für Gesundheit und Krankheit zuständig waren, sondern auch für Gefühle und Persönlichkeit. Depression und Trauer galten als Überschussreaktion der schwarzen Galle, die daraus resultierende "Melancholie" (was übersetzt "schwarze Galle" bedeutet) wurde durch Gabe von Abführmittel wie Feigen oder Lakritze bekämpft.
Selbst William Harvey (1578 - 1657), der Entdecker des Blutkreislaufs, war noch ein Anhänger der galenischen Medizin.
Die 4 Säfte wurden auch mit Temperatur und Trockenheit in Verbindung gebracht, sie wurden mit dem gegensätzlichen Heilmittel bekämpft, z.B. Schleim ist kalt und feucht, man behandelt ihn mit heißen und trockenen Kräutern.
Heutzutage ist die galenische Medizin im islamischen Kulturkreis noch sehr verbreitet (Unani oder Tibb), und auch in unserer modernen Sprache findet man noch den "Phlegmatiker" (eine träge, zögerliche Person - nach dem Schleim benannt) und den "Sanguiniker" (eine optimistische Person - nach dem Blut benannt).
Mit dem Fall Roms im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung verschob sich dann das Zentrum der Medizin nach Osten, nach Konstantinopel und Persien. in der arabischen Welt wurde zur Zeit des Propheten Mohammed der Galenismus eingeführt und mit der Volksüberlieferung vermischt.
Im 11. und 12. Jahrhundert kam mit der Eroberung Spaniens durch die Araber die galenische Sichtweise zurück nach Europa. Das Buch des arabischen Arztes Avicenna wurde im 12. Jahrhundert ins Lateinische übersetzt und bildete die Grundlage der abendländischen Klostermedizin. Die Araber führten viele exotische Kräuter und Gewürze in die europäische Medizin ein, wie z.B. Muskatnuss, Gewürznelken, Safran und den chinesischen Rhabarber.
Im 17. und 18. Jahrhundert entdeckte man die menschliche Anatomie und wissenschaftliche Vorgehensweisen ersetzten die galenische 4 Säfte Theorie. Die modernen Ärzte bevorzugten moderne, künstlich hergestellte Drogen, zuerst aus giftigen Mineralien, später aber aus alten Heilpflanzenrezepten.
1803 wurde Morphin aus Mohnkapseln von F.W.A. Sertürner extrahiert. 1850 gewann man aus Weidenrinde Salicylsäure, die 1899 von der Firma Bayer als erstes modernes patentiertes Arzneimittel vermarktet wurde: Aspirin.
Während der Kräuterkundige die Drogen zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte benutzt, werden die modernen pharmazeutischen Drogen zur Linderung von Symptomen hergestellt. Für den traditionellen Heiler sind die Krankheitssymptome sehr wichtig, denn sie zeigen, was mit dem Körper nicht stimmt. Unterdrücken Drogen diese Symptome, kann man die zugrunde liegende Krankheit schlechter erkennen. Schmerzmittel lindern nur die unangenehmen Begleiterscheinungen, beheben aber nicht die Ursache.

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