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Ein Geschenk fürs Leben: Ulrike Laub hat ihre eigenen Hilfsmittel – So kann die junge Frau mit Asperger Syndrom und Sehbehinderung unbehindert arbeiten

(v.l.) Ulrike Laub an ihrem Arbeitsplatz mit Burkhard Stertmann (Geschäftsführer proWerk), Marcus Erb (Fachdienst Verkehr), Landrätin Anita Schneider, Ina Blodig (MAASarbeit), Edwin Frei (Fachdienst Verkehr) und Anke Froitzheim (Integrationsfachdienst).
(v.l.) Ulrike Laub an ihrem Arbeitsplatz mit Burkhard Stertmann (Geschäftsführer proWerk), Marcus Erb (Fachdienst Verkehr), Landrätin Anita Schneider, Ina Blodig (MAASarbeit), Edwin Frei (Fachdienst Verkehr) und Anke Froitzheim (Integrationsfachdienst).
Gießen | In riesigen Lettern projiziert eine Kamera das Dokument auf einen der großen Bildschirme. Ulrike Laub schiebt das Blatt routiniert unter dem „technischen Auge“ hin und her. Die handgeschriebenen Zeilen werden so für die sehbehinderte Mitarbeiterin der Führerscheinstelle problemlos lesbar – eine Voraussetzung für die Archivierung der Akten. „Ohne diese Kamera hätte ich große Mühe beim Lesen“, bekennt die junge Frau, die neben ihrem Asperger Syndrom zusätzlich durch eine starke Sehbehinderung im Arbeitsalltag beeinträchtigt wird. „Dabei arbeite ich wirklich gern. Und jetzt fällt es mir wegen der neuen Geräte nicht mehr so schwer, die Dokumente zu entziffern“, sagt sie und präsentiert stolz ihre neue Errungenschaft.

Ulrike Laub hat Geräte im Wert von gut 8000 Euro bekommen, die es ihr ermöglichen, ihre Arbeit mühelos zu erledigen. Dazu gehören zwei große Monitore mit Schwenkarm, eine sehbehindertengerechte Tastatur und eine helle Bürotischlampe. Zudem die erwähnte Kamera, die mit dem PC verbunden ist, um handgeschriebene Akten auf dem Bildschirm lesen zu können, und eine Vergrößerungssoftware ZoomText, die ebenfalls beim Lesen hilft. All dies bedeutet einen Meilenstein für die 27-Jährige: „Endlich kann ich Schreibtischarbeiten erledigen wie alle anderen Kollegen auch!“

Möglich waren diese Anschaffungen, weil Ulrike Laub über das Programm MAASarbeit den Weg ins Arbeitsleben gefunden hat und so bestens gefördert werden konnte. Finanziert wurden die technischen Hilfen von der Agentur für Arbeit – als persönliche Arbeitsunterstützung für Ulrike Laub. Das heißt, sie kann sie unabhängig vom Arbeitgeber für den Rest ihres Lebens benutzen. Landrätin Anita Schneider freut sich sehr, dass die Mitarbeiterin nun besser arbeiten kann: „Die Kreisverwaltung legt Wert darauf, ein aufgeschlossener und familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein. Deshalb ist es für uns auch selbstverständlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzubinden, die aufgrund von Handicaps Probleme haben, einen Arbeitsplatz zu finden“. Der Kreistag habe mit seinem Beschluss für mindestens zwei weitere Personen mit Behinderungen oder Einschränkungen jeglicher Art eine sinnvolle Arbeitsmöglichkeit in der Kreisverwaltung geschaffen, meint Anita Schneider weiter und so auch die Türen für Ulrike Laub geöffnet. „Das eine solche Beschäftigung mit bestmöglicher Unterstützung verwirklicht wird, ist für uns Programm.“

Seitens der Kreisverwaltung wurde für Ulrike Laub eine geeignete Tätigkeit gefunden. Diese weist keinen Publikumsverkehr auf und besteht aus sich wiederholenden Tätigkeiten. Wichtig war auch, dass Frau Laub ein Einzelbüro beziehen konnte, um die Ruhe zu haben, die sie zum Arbeiten braucht. Die Agentur für Arbeit unterstützt nun mit den entsprechenden Hilfsmitteln. Die Mitarbeiter von MAASarbeit, einem Projekt der Lebenshilfe zur beruflichen Integration von Menschen mit hochfunktionalem Autismus/Asperger-Syndrom, hatten zuvor den Weg geebnet und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Führerscheinstelle – also die neuen Kollegen von Ulrike Laub – auf die neue Situation eingestellt und geschult. „Diese Vorbereitung war wichtig für uns, weil Frau Laub aufgrund ihrer Persönlichkeit ungewohnt arbeitet und wir zunächst einige Dinge lernen mussten“, sagt Marcus Erb, stellvertretender Fachdienstleiter Verkehr.

„Umso mehr ist es zu bedauern, dass MAASarbeit jetzt ausläuft“, betont Landrätin Anita Schneider. Denn ohne dieses Programm gibt es kein gezieltes Angebot mehr für Menschen mit Autismus oder Aspergersyndrom, die auf der Suche nach einer Arbeit sind. Drei Jahre lang hatte die Aktion Mensch das Programm zur beruflichen Integration von Menschen mit hochfunktionalem Autismus/Asperger-Syndrom gefördert, weitere sechs Monate hat die Lebenshilfe MAASarbeit aus Eigenmitteln getragen. In dieser Zeit konnten zahlreiche Menschen vermittelt werden. In der Kreisverwaltung Gießen haben dank MAASarbeit drei Menschen eine Arbeitsstelle gefunden.

MAASarbeiterin Ina Blodig lobt den Landkreis Gießen und in diesem Fall speziell die Führerscheinstelle für das außerordentliche Engagement, Ulrike Laub und die anderen geduldig eingearbeitet zu haben und immer wieder motiviert und unterstützt zu haben. „Frau Laub hat sich in den vergangenen Monaten weiterentwickelt. Die regelmäßige Arbeit tut ihr gut und jetzt arbeitet sie dank der neuen Gerätschaften selbstständiger als vorher“, sagt sie und weiß ihre Klientin in guten Händen.

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