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Freie akademische Studentenverbindung Geo-Giessensis zu Gießen feiert fünfjähriges Bestehen

Wappen der Geo-Giessensis. Im Schild oben links die Verbindungsfarben, rechts eine Harfe, unten links der Gründungstag, rechts das Logo der Universität Gießen.
Wappen der Geo-Giessensis. Im Schild oben links die Verbindungsfarben, rechts eine Harfe, unten links der Gründungstag, rechts das Logo der Universität Gießen.
Gießen | Studentenverbindungen hatten ihre Blütezeit im wilhelminischen Kaiserreich, existieren aber schon seit viel längerer Zeit. 1815 gründeten einige Studenten in Jena die Urburschenschaft mit dem Ziel, alle Studenten in den einzelnen deutschen Teilstaaten zu organisieren. Man erhoffte sich dadurch bessere Lebensbedingungen für sich selbst und das Volk, welches zur damaligen Zeit in verschiedene Klassen eingeteilt war. Ihre Ziele waren Demokratie, Fortschritt und die Einigung Deutschlands. Die komplette Entstehungsgeschichte, die regionalen Disparitäten (so waren die Gießener Studenten unter der Führung Karl Follens seit Beginn sehr radikal eingestellt) oder die heutige kritisch geführte Diskussion vom eingestaubten und überholten „Burschengeist“ sind aber nur eine Seite der Medaille.

Die Geo-Giessensis ist eine am 19. April 2008 gegründete Studentenverbindung, die sich zum Ziel gesetzt hat, einerseits alte studentische Traditionen zu wahren und andererseits gleichzeitig neue Wege zu gehen. Sie versteht sich als konfessionslos, als Institution unpolitisch, dachverbandsfrei und nicht-schlagend, aber bewusst farbentragend.
Eine kleine Gruppe von Geografiestudenten entschied sich, obwohl der allgemein dominierenden Vorurteile, bewusst dazu, an eine fast 150-jährige Blütezeit anzuknüpfen und eine neue Verbindung ins Leben zu rufen. Denn als sie sich 2008 dazu entschlossen, den Weg einer Neugründung zu wagen, waren sie selbst unsicher, ob dieses Experiment Erfolg bringen würde.

Heute, nach fünf Jahren, wissen wir, dass uns unser Ziel, auf diesem Wege den Kontakt auch nach dem Studium zu halten, geglückt ist. Ohne eine eigene Immobilie schafften wir es, auch in den Folgejahren stets begeisterte Neulinge für unsere Sache zu finden. Keine günstigen Zimmer, keine alteingesessene Altherrenschaft, sondern nur die Möglichkeit eines „Freundschaftsbundes“, der auf den gleichen Interessen der Mitglieder beruht, brachte uns stets Zuwachs. Dabei möchten wir betonen, dass wir zu mehreren Verbindungen in Gießen und mittlerweile sogar in Teilen Deutschlands Kontakt halten, da wir uns bewusst mit dem studentischen Korporationswesen identifizieren, uns aber eindeutig von Verbindungen/Burschenschaften am rechten Rand und darüber hinaus distanzieren!

Wir schätzen die studentischen Traditionen seit der Urburschenschaft. Das Singen zeitloser Lieder (auch Gießener Liedtexte), regelmäßige Zusammenkünfte, um den Beginn und das Ende eines jeden Hochschulsemesters zu feiern oder gemeinsame Ausflüge zu kulturellen und historischen Zielen in Deutschland gehören unter anderem dazu. Das Hambacher Schloss in Neustadt an der Weinstraße, Heidelberg am Neckar oder die Altstadt von Bamberg (UNESCO-Weltkulturerbe) sind nur einige Beispiele, die wir im Rahmen von sogenannten Couleurausflügen schon unternommen haben.

Die neuen Medien sind für uns ein viel diskutiertes Thema. Da bei vielen angehenden Akademikern das Lebensbundprinzip in Form einer Studentenverbindung durch die starke Verschulung der Universitäten und Fachhochschulen zugegebenermaßen „out“ ist, ist es umso wichtiger, das Web 2.0 nicht außer Acht zu lassen. Das Teilen unser Vereinsaktivitäten auf diesen Plattformen erscheint daher nur logisch und sinnvoll. So haben doch viele unserer Mitglieder Gießener, mindestens aber doch hessische Wurzeln. Auch facebook ist für uns seit einigen Wochen kein Fremdwort mehr. Wer uns „besuchen“ möchte, ist herzlich eingeladen, einmal bei www.facebook.com/giessensis vorbei zu schauen. Der Aufbau einer eigenen Homepage ist in Planung. Aber auch die Gießener Zeitung ist eine wunderbare Gelegenheit, hier künftig einige unserer Aktivitäten zu teilen.

Gerade beim Thema Studentenverbindungen gehen die Meinungen schnell sehr weit auseinander. Gerne stellen wir uns einer sachlichen Diskussion, wenn sie fair und unvoreingenommen geführt wird. Wir akzeptieren Kritiker, dafür sollten auch wir von den Kritikern akzeptiert werden.

Umso mehr freut es uns, das wir den fünfjährigen Stiftungstag der Geo-Giessensis bereits im Mai feiern konnten. Dazu wurde eine Festschrift herausgegeben, die unter anderem den Werdegang der ersten Jahre beschreibt. Dankenswerterweise haben uns auch einige regionale und überregionale Personen des öffentlichen Lebens mit einem Grußwort bedacht. Viele haben gezweifelt, die Geo-Giessensis werde das erste Jahr des Bestehens überleben. Aber auch sie freuen sich jetzt umso mehr, dass wir das spannende Experiment gewagt haben und uns nach und nach etablieren.

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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
11.115
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 26.06.2013 um 23:30 Uhr
Sehr interessanter Beitrag. Als Alumni der Gießener Geographie hatte ich bislang noch nichts davon gehört. Aber skeptisch bin ich schon, denn ich stehe dem ganzen Burschentum schon extrem kritisch gegenüber. Sicher nicht alle, aber die meisten Verbindungen sind doch sehr reaktionär in ihren Ansichten. Daher wäre es interessant einmal mehr zu erfahren, über diese neue Verbindung. Wer kann denn alles mitmachen? Auch Frauen? Und zu welchen anderen (Gießener) Verbindungen wir denn der Kontakt gepflegt? Und wo beginnt für Sie der rechte Rand, bzw. wo ist die Toleranzgrenze?
236
Thomas Knecht aus Gießen schrieb am 27.06.2013 um 00:32 Uhr
"Man erhoffte sich dadurch bessere Lebensbedingungen für sich selbst und das Volk, welches zur damaligen Zeit in verschiedene Klassen eingeteilt war. "

Gibt es heute etwa keine Klassen mehr?
Christian Momberger
11.115
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 27.06.2013 um 07:17 Uhr
Sehr guter Hinweis, Herr Knecht.
Kurt Wirth
1.540
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 27.06.2013 um 08:39 Uhr
Zu dem Nebenschauplatz Klassen: Es ist schon ein gewisser Unterschied, ob die herrschende Meinung (Meinung der Herrschenden) die ist: es gibt verschiedene Klassen, und zwar ganz offiziell und richtiger- und gerechterweise, oder ob es eine solche ist: Es gibt keine Klassen, das ist Unsinn aus dem 19.Jahrhundert - aber bei genauem Hinsehen gibt es sie doch.
Christian Momberger
11.115
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 27.06.2013 um 18:44 Uhr
Danke für Ihre Hinweise Herr Hilpers.
Aber 1. Wer hat Sie überhaupt angesprochen? Meine Fragen gingen an die Studentenverbindung Geo-Giessenis in der Hoffnung von dieser Zeitnah eine Antwort zu bekommen.
Und 2. Wenn Sie etwas gefunden haben, warum lassen Sie und nicht alle an Ihrem Wissen teilhaben und posten hier den Link. ;-)

So und jetzt sollten wir vielleicht mal den Autor dieses Artikels hier zu Wort kommen lassen. ;-)
Freie akademische Verbindung Geo-Giessensis
129
Freie akademische Verbindung Geo-Giessensis aus Gießen schrieb am 27.06.2013 um 22:53 Uhr
Zunächst freuen wir uns über die Resonanz hier.
Daher @alle: Der Aufhänger mit den politischen Klassen ist auf jeden Fall interessant. Um uns selbst vorzustellen, haben wir den Abschnitt als gute Einleitung empfunden, die Diskussion darüber ist sicherlich einen eigenen Beitrag wert.
@Herr Momberger: Wir sind ein Männerbund. Dies ist neben der Imatrikulierung an einer der Gießener Hochschulen das einzige Beitrittskriterium. Hautfarbe, Religion oder politische Ansicht (sofern nach normalem demokratischen Verständnis) spielen keine Rolle. Sicher fördert das eines von einigen Vorurteilen. Wir haben zu Beginn auch lange darüber diskutiert, ob wir einen gemischten Bund aufbauen wollen, haben dann aber per Mehrheitsbeschluss für einen Männerbund gestimmt.
Aber, und damit kommen wir gerne auf die zweite Frage von Ihnen, pflegen wir unter anderem seit Kurzem gerne Kontakt zur einzigen Gießener Damenverbindung. Sie sehen, auch das gibt es und erfreulicherweise bundesweit in deutlich wachsender Zahl.
Fern halten wir uns vom Großen Steinweg, denn wir denken, dass niemand wirklich in Erwägung ziehen kann, solches Gedankengut zu fördern oder sich in dessen Nähe zu aufzuhalten.

In unregelmäßigen Abständen sind weitere Beiträge über unser Tun und unsere Geschichte geplant. Es würde uns freuen, wenn Sie alle dabei bleiben.
Christian Momberger
11.115
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 27.06.2013 um 23:38 Uhr
Danke schon mal für die Info. Freut mich, dass hier geantwortet wird. Ist leider hier nicht bei allen selbstverständlich.

Aber auch einige andere Gießener Verbindungen sind ja nicht gerade liberal, von Fortschrittlich ganz zu schweigen. Daher meine Frage.

Wäre schön, die ein oder andere gesellschaftspolitische Einstellung bzw. da ein oder andere entsprechende Statement zu aktuellen Fragen hier zu lesen.
Freie akademische Verbindung Geo-Giessensis
129
Freie akademische Verbindung Geo-Giessensis aus Gießen schrieb am 28.06.2013 um 09:16 Uhr
Wir tasten uns langsam heran. Aber antworten muss schon sein, denn wir möchten uns nicht verkapseln.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Freie akademische Verbindung Geo-Giessensis

von:  Freie akademische Verbindung Geo-Giessensis

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Interessensgebiet: Gießen
Freie akademische Verbindung Geo-Giessensis
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