Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Trailerpark am Weltfrauentag im MUK - Menschenverachtende Texte kein Problem?

von Lena Rotham 05.03.20135045 mal gelesen2 Kommentare
Gießen | Am 9. März 2013 tritt das Projekt „Trailerpark“ in den Räumlichkeiten des Musik- und
Kunstvereins e.V. (MuK) auf. „Trailerpark“ zeichnen sich vor allem durch sexistische und
gewalt- sowie drogenverherrlichende Texte aus. Die Band machte außerdem nicht davor
Halt, den Holocaust in einigen Liedern zu verhöhnen. Auf den Konzerten der Gruppe wird
das Publikum mit diversen Körperflüssigkeiten bespritzt und sogar zum Trinken dieser
animiert. „Berühmtheit“ erlangten „Trailerpark“ durch ihre CD-Release-Party (27.10.12,
Berlin), für welche sie drei Sexarbeiterinnen engagierten. Diese Sexarbeiterinnen
penetrierten sich nicht nur gegenseitig auf der Bühne, auch ein Rapper wurde von ihnen
während seiner Performance oral befriedigt. Außerdem durften drei Konzertbesucher (18-20
Jahre, männlich) auf der Bühne in sexuelle Interaktion mit den Frauen treten. Sie wurden
wissentlich bei ungeschütztem vaginalem sowie analem Geschlechtsverkehr gefilmt, gingen
jedoch rechtliche Schritte ein, nachdem ihre Gesichter sowie Geschlechtsteile im Musikvideo
zu dem Titel „Wall of Meth“ zu sehen waren. Die unzensierte Version dieses Musikvideos ist
Mehr über...
ausschließlich auf der pornografischen Internetplattform www.youporn.net zu sehen.
Das Konzert von „Trailerpark“, welches in Gießen stattfinden soll, ist freigegeben ab 16
Jahren und kann mit elterlicher Einwilligung von 14-jährigen besucht werden.
Auch wenn nicht davon auszugehen ist, dass es zu einer derartigen Eskalation wie bei der
Release-Party kommen wird (diese war ab 18 Jahren freigegeben), ist die Duldung eines
Auftritts von Trailerpark auf Grund der sexistischen, gewalt- und drogenverherrlichenden
Texte und der „Showeinlagen“ mit Erbrochenem, Urin und Ejakulat mehr als nur fragwürdig.
Wenn Proteste gegen das Projekt „Trailerpark“ laut werden, berufen sich Fans und
Unterstützer_innen darauf, dass dies eine Kunstform und eine satirische Gesellschaftskritik
sei. Dass diese Argumente haltlos sind bestätigen „Trailerpark“ selbst: „K.I.Z. sind politisch.
Und wir sind Drogen“, ist ihr Statement zu einem Vergleich mit oben genannter Band. Weiter
ist z.B. auf der Homepage der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien nachzulesen,
dass die Kunst zwar viele Freiheiten genießt, ihre Wirkung auf Minderjährige jedoch zu
beachten sei. So kann eine Kunstform allein dadurch jugendgefährdend sein, dass ihre
Konsumenten sie nicht verstehen. „Trailerpark“ geben kein für Jugendliche aufklärendes
Selbstverständnis heraus, sondern beschreiben sich als „das Sprachrohr für eine Jugend
geprägt vom Komasaufen, Youporn-Clips und exzessiven Nihilismus.“.
Neben der Tatsache, dass ein Verein für Musik und Kunst für diese Form der Unterhaltung
ein fragwürdiger Veranstaltungsort ist, ist es als besonders kritisch einzuordnen, dass dieser
Verein das Konzert von „Trailerpark“ Jugendlichen unter 18 Jahren zugänglich macht. Mit
einer Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten, deren Echtheit nicht zu
überprüfen ist, können Jugendliche ab 14 Jahren das Konzert besuchen.
Der Musik- und Kunstverein e.V. macht Jugendlichen somit ohne jegliche Aufklärung Inhalte
zugänglich, welche laut Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien unter Betrachtung
von §131 StGB, §184 Abs1 sowie §184 a, b & c StGB als schwer jugendgefährdend
angesehen werden können.
Erwachsene mögen den satirischen Charakter der Texte verstehen. Ob diese Form der
Unterhaltung seinen Platz in einem Verein für Kunst und Musik finden muss bleibt fraglich.
Jugendliche jedoch werden von den Veranstalter_innen sowie von „Trailerpark“ selbst völlig
allein gelassen mit der Interpretation der Inhalte. Jungen Menschen wird vorgelebt, dass eine
stark vulgäre, sexistische und gewaltverherrlichende Sprache, wie sie in Texten von
„Trailerpark“ zu finden ist, normal sei. Mädchen kann so suggeriert werden, dass sexistische
Äußerungen und Handlungen ihnen gegenüber in Ordnung sind. Auf der anderen Seite wird
Jungen suggeriert, dass das sexistische und abwertende Verhalten gegenüber Frauen und
Mädchen eben so legitim sei wie ein stark von Gewalt geprägtes Verhalten.
Die Stadt Gießen wirbt auf ihrer Homepage mehrfach mit dem Kunst und Musik Verein e.V.
als eine der empfehlenswertesten kulturellen Adressen in Gießen und unterstützt den Verein
durch projektbezogene Fördergelder. Wir fragen uns, wie eine Stadt einen Verein
unterstützen kann, welcher solche Inhalte mit seinem Selbstverständnis vereinbart.
Schon einmal wurde beim Musik- und Kunstverein e.V.
im Zusammenhang mit einer
anderen sexistisch zu verortenden Band um Aufklärung gebeten. Wieso diese in den
Räumlichkeiten des Musik- und Kunstvereins e.V. auftreten durfte, wurde nicht beantwortet.
Es wurde schlicht auf die künstlerische Freiheit verwiesen. So entging der Verein einer
inhaltlichen Auseinandersetzung. Auf der Homepage des Musik- und Kunstvereins e.V. ist
bis heute keine Beschreibung ihres Selbstverständnisses zu finden.
Wir, als Bündnis gegen Sexismus, wollen nicht akzeptieren, dass ein Verein für Kunst und
Musik solche menschenverachtenden Inhalte Jugendlichen ab 14 Jahren zugänglich macht.
Wir fordern die entsprechend zuständigen Beauftragten auf, sich mit der Problematik zu
befassen und möchten darauf hinweisen, dass die Stadt Gießen ironischerweise zur gleichen
Zeit Veranstaltungen zum internationalen Frauentag durchführt.

Schon einmla hat das MUK einer Band eine Bühne gegeben die durch Sexistische Texte von sich reden gemacht hat:
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/66142/eskimo-callboy-keine-boese-buben-keine-netten-jungs/

Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.455
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 06.03.2013 um 10:01 Uhr
Die Artikeleinstellerin schrieb:

"Wir, als Bündnis gegen Sexismus, wollen nicht akzeptieren, dass ein Verein für Kunst und Musik solche menschenverachtenden Inhalte Jugendlichen ab 14 Jahren zugänglich macht. Wir fordern die entsprechend zuständigen Beauftragten auf, sich mit der Problematik zu
befassen und möchten darauf hinweisen, dass die Stadt Gießen ironischerweise zur gleichen Zeit Veranstaltungen zum internationalen Frauentag durchführt."

Ich denke es dürfte unstrittig unter den allermeisten Lesern sein, dass das beanstandene Konzert (zumindest nicht für Mernschen ab 14 Jahren) nicht in Giessen stattfinden sollte.

Wäre schön, wenn die Artikeleinstellerin vom Bündnis einen praktischen Vorschlag, in welcher Form die Leser dabei behilflich sein könnten, formuliert.
Martina Lennartz
5.492
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 08.03.2013 um 19:56 Uhr
Ja, Verbotenes wird interessanter. Aber wenn man es nicht verbietet, macht man dieses ekelhafte und menschenverachtende Programm salonfähig. Und dass die Stadt Gießen wohl gut damit leben kann- spricht für sich.

Ich stelle mir das Programm in der Tat übel vor, die Gedanke sind widerlich.
Letzten Endes hilft nur konsequente Erziehung mit entsprechendem Aufklärungscharakter.
Solche Veranstaltungen spiegeln nun Mal unsere Gesellschaft wieder und jede Leserin und jeder Leser dieses Artikels und dann die Besucher dieses "Konzerts" sind ein Teil davon.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Lena Roth

von:  Lena Roth

offline
Interessensgebiet: Gießen
Lena Roth
93
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Zum 90sten Geburtstag von Esther Stern
Veröffentlichung der "Initiative gegen das Vergessen" anlässlich des...
Goetheschule Gießen - war da noch mehr als eine zerstörte Turnhalle?
Am 9.11.2014 wurde im Rahmen des Mahngangs zum Jahrestag der...

Weitere Beiträge aus der Region

Das Pharmaserv-Team um Paige Bradley fährt am Sonntag als Tabellenführer zum Deutschen Meister.
Als Spitzenreiter beim Meister
„Wir fangen nicht an zu träumen“ Damen-Basketball-Bundesliga:...
FREITAG, 19.10.2018, 20.00 UHR - „PAUL-SIMPSON-PROJEKT“ in der Vitos-Kapelle Gießen
Soul trifft Gitarre ! Mit ihrer warmen tiefen, unendlich...
Bernd Jedlitschka
Blau-Weiß Gießen trauert um seinen Jugendleiter Bernd Jedlitschka
Die Spielvereinigung Blau-Weiß Gießen beklagt den Tod eines jahrelang...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.