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KULTURGARTEN der KOLIBAKTERIEN

Gießen | Der Krieg leistet nicht nur eine physische Vernichtungsarbeit, sondern er zerstört auch den Seelenkompass der Völker. Oder das, was man vielleicht einen Volkscharakter nennen könnte.
In der Zeit um den 1. Weltkrieg herum hielt sich vor allem die politische Klasse an die sakrosankten Worte Moltkes, dass sich die „edelsten Tugenden eines Volkes“ immer erst im Krieg entfalten könnten. Im Übrigen sei der Krieg das „Erholungsbad für kränkelnde Völker“. Auch Hindenburg verglich den Krieg mit einer „Badekur“. Soweit der Orginal Ton des „wilhelminischen Reiches.“
Aus dieser Perspektive grenzte es geradezu an unterlassene Hilfeleistung, wenn man den Völkern eine derartige „Kur“ verweigerte.
Also ermahnte die politische Klasse die Soldaten an ihr feierliches Gelöbnis für „Gott“ und „Vaterland“ einzutreten. Aber diese jungen Menschen ahnten noch nicht, dass sie gerade durch ihre Jugend alt geboren wurden, um jung zu sterben.
Denn diese jungen Menschen, die Soldaten, konnten sich nicht vorstellen, dass der direkte Weg zu „Ruhm“ und „Ehre“ meistens im Kulturgarten der Kolibakterien endete. Also im Tod.
Denn noch glaubten die Soldaten vielleicht an die Worte, die auf ihrem Koppel stand:
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Gott mit uns!
Aber diesen Slogan, den Schlachtruf Gottes, durchzog auch die nonverbale Aufforderung:
Fürchte Dich nicht!
– selbst wenn Du die Hosen voll hast, bist Du bei mir! - möchte man da ergänzen.
In diesem Zusammenhang ist es für mich immer wieder unverständlich, dass eines der Hauptprobleme des Menschen sein angeblicher Glaube ist, den er dazu noch religiös umrankt, um dabei das eigene Leben zu vergessen, das nur darauf wartet gelebt zu werden.
Oder ist für diese Menschen das Leben nur eine Illusion, hinter deren Realität sich die Ideen u.a. von „Gott“, „Heldentum“, „Volk“ und „Vaterland“ verbergen?
Eine passende Bibelstelle, die die entsprechende Gesinnung unterstützt, ist immer zu finden.
Mit derartigen „Segen“ ausstaffiert, wird da manche Haut billig zu Markte getragen.

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von:  Dr. Mathias Knoll

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Interessensgebiet: Gießen
Dr. Mathias Knoll
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