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Chance oder Ausbeutung ?

von Klaus Weberam 07.02.20131053 mal gelesenkein Kommentar
Gießen | B e t r i e b s p r a k t i k u m
Chance oder Ausbeutung ?

„So, Sie sind also der neue Praktikant. Gut. Da muss ich erst einmal nachfragen. Warten Sie doch bitte einen Moment“. Ich stehe da mit meiner Jacke und meiner Tasche und schaue mich in dem Büro um. Die drei Angestellten haben kurz aufgesehen und sind weiter mit ihrer Arbeit beschäftigt. Da ich keinen Sitzplatz sehe, stehe ich irgendwie verloren im Raum. Nach etwa 10 Minuten kehrt der freundliche Herr, der sich bisher nicht vorgestellt hat, zurück. „Tja, Sie sollen wirklich in unserer Abteilung eingesetzt werden. Was machen wir denn dann mit Ihnen? Sie sehen ja, hier ist kein Arbeitsplatz frei. Eventuell könnten Sie nachmittags ab 14.00 Uhr dort arbeiten. Der Kollege hat nur eine 70%-Stelle. Nein, kommen Sie mit in die Postabteilung. Dort hat man sicherlich Arbeit für Sie. …“
Alternative zwei: „Schönen guten Tag Herr Schmidt. Sie sind also der neue Praktikant. Wir haben Sie bereits erwartet. Mein Name ist Meier. Ich stelle Sie kurz den Damen und Herren in unserer Abteilung vor und später, so in einer Woche, wenn Sie sich etwas besser auskennen, können
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wir gerne eine Betriebsbesichtigung vornehmen. Dort befindet sich Ihr Arbeitsplatz. Wir haben Ihnen eine Liste mit den wichtigsten Telefon-Nr. und e-mail-Adressen zusammengestellt. Herr Schulz wird Ihr direkter Ansprechpartner sein. Er wird Ihnen zunächst Ihr derzeitiges Arbeitsgebiet erklären. Hier haben wir einen Zeitplan für den Aufenthalt in unserem Unternehmen.“
Mit diesen beiden Varianten ist das mögliche Spektrum eines Praktikums umrissen. Die Deutsche Angestellten Akademie (DAA) hat im Rahmen einer Auswertung ihrer ‚Umschulungen zum Industriekaufmann/-frau‘ aktuell auch eine Analyse der Betriebspraktika vorgenommen. Nach 10 Kursen dieses Ausbildungsganges wurde der prinzipielle Aufbau, die Struktur der Ausbildung neu reflektiert. Im Verlauf der Ausbildung zum Industriekaufmann absolvieren die Schüler zwei Praktika. Das erste (längere) Praktikum dauert hierbei sechs Monate. Viele Schüler gehen mit einer gewissen Skepsis in diese Praktika, da in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit der Thematik ‚Generation Praktikum‘ in der Regel primär negative Aspekte diskutiert werden.
Rückblickend auf die vergangenen Ausbildungen bei der Deutschen Angestellten Akademie lässt sich jedoch sagen, dass im Durchschnitt ca. 25% der Schüler, nach dem Abschluss ihrer Ausbildung von den Praktikumsbetrieben übernommen wurden. Die Praktika bieten den Unternehmen die Möglichkeit, den potentiellen Arbeitnehmer sowohl von der Seite der Qualifikation als auch von der sozialen Seite kennen zu lernen. Ebenso erhält der Schüler einen guten Einblick und kann beurteilen, inwiefern er sich ein Arbeitsverhältnis vorstellen kann. Allein die Übernahmequote ist ein gutes Argument für die Praktika.
Darüber hinaus wurde fest gestellt, dass einige Unternehmen regelmäßig Praktikanten beschäftigen und damit ihre Arbeitnehmerschaft entlasten bzw. Arbeitnehmer ersetzen. Auch dies ist zunächst aus der Sicht der Qualifizierung nicht negativ zu sehen, wenn der Praktikant nicht ausschließlich einfache Routinearbeiten ausführt. Soweit das Tätigkeitsspektrum groß ist, ist es durchaus zu begrüßen, wenn die Praktikanten stark in den täglichen Arbeitsprozess eingebunden werden. Dann können beide Seiten profitieren. „Eine solche Win-Win-Situation“ ist ideal, führt der Lehrgangsleiter Dr. Heinz Görich aus.
Allerdings musste man bei der Deutschen Angestellten Akademie auch feststellen, dass etwa 20% der Praktikumsgeber lediglich billige Arbeitskräfte suchen. Solche Unternehmen hat man im Laufe der Zeit aussortiert. Insgesamt konnten die Schüler ihre theoretischen Kenntnisse durch die Praktika gut ergänzen und sammelten sehr positive Erfahrungen. Die Deutsche Angestellten Akademie wird daher die bisherige Verteilung der Ausbildung auf Theorie und Praxis auch in ihrem neuen Lehrgang, der Anfang Februar begonnen hat, beibehalten (Es sind noch einige Plätze frei). Eine regelmäßige Überprüfung der Ausbildungsorganisation wird auch weiterhin stattfinden.

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von:  Klaus Weber

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