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Lebensraum Hauberg - WegErfahrungen in einer traditionellen Kulturlandschaft

von Thomas Weberam 06.11.20122918 mal gelesen3 Kommentare
Ein wunderschöner Rundumblick über die Hauberge
Ein wunderschöner Rundumblick über die Hauberge
Gießen | Naturerlebnisführung durch die Oberroßbacher "Hauberge"
Lebensraum Hauberg - WegErfahrungen in einer traditionellen Kulturlandschaft
In Zeiten stetig steigender Energie- und Heizkosten rückt vielerorts wieder Holz als traditioneller
Heiz- und Brennstoff in das Bewusstsein der Bürger.

Kaminöfen und seit einigen Jahren auch Pelettöfen erfreuen sich dadurch stetig steigender Beliebtheit.

Vorbildhaft für eine nachhaltige Form der Brennholzgewinnung ist die Bewirtschaftungsform der „Hauberge“ im Lahn-Dill-Kreis und im Siegerland, eine seit dem 16. Jhdt. genossenschaftlich geregelte Form der Holzgewinnung.

Am 27.10. fand dazu in Haiger-Oberroßbach die erste Naturerlebnisführung "Unterwegs im Hauberg" mit Regina Weber (zertifizierte Naturparkführerin) statt.
Bei strahlendem Herbstwetter trafen sich über 30 angemeldete Besucher, darunter auch viele auswärtige Gäste am Backhaus in Oberroßbach. Nach der Begüßung durch die Naturparkführerin wurde das Backhaus besichtigt. Eine Schanze aus Birkenreissig zum Anheizen des Backofens war das Bindeglied zum Hauberg. Die Gruppe machte sich
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auf den Weg durchs Dorf in die Hauberge. Vorbei am Naturdenkmal "Dicke Eiche" ging es zur " Bellershell". Dort gab es die ersten Informationen über den Hauberg. Der Hauberg ist eine Form der Niederwaldbewirtschaftung aus Birken und Eichen. Die Bewirtschaftung folgt dem Nachhaltigkeitprinzip, es wird jedes Jahr nur so viel abgeholzt wie in 25 Jahren wieder nachwachsen kann. Aus den Wurzelstöcken der gefällten Bäume entwickeln sich sogenannte "Schößlinge" und der Wald forstet sich ohne menschliches Zutun von alleine wieder auf. Durch diese Bewirtschaftungform des Waldes ist die Versorgung der Dorfbevölkerung mit kostenlosem Brennholz für die nächsten Generationen sichergestellt. In Zeiten ständig steigender Engergiekosten können die Besitzer von Haubergsanteilen ihren Energiebedarf minimieren. Einnahmen der Haubergsgenossenschaft werden durch die Jagdpacht und Holzverkauf erzielt. Am Jahresende wird eine Dividende pro Anteil durch den Haubergsrechner ausbezahlt. Die Haubergsgenossenschaft Oberroßbach verfügt über 398 ha Waldfläche, aufgeteilt in 450 Anteile (Pfennige). Zirka 140 Anteilseigner sind grundbuchmäßig erfasst. Jeweils Mitte Oktober wird die in einer Haubergsversammlung bestimmte Fläche vermessen und an die Anteilseigner entsprechend ihrer Anteile verlost.
Haubergswanderung bei schönstem Wetter
Haubergswanderung bei schönstem Wetter
Danach ging es weiter zum "Viehstand", wo heute noch alte Hutebuchen an die Viehhirten des Dorfes erinnern. Eine schöne Kuhschelle konnte bestaunt werden und interessante historische Informationen über die Nutzung der Hauberge in früherer Zeit (z.B: Lohe schälen) wurden gegeben. Danach ging es steil bergan über den Exerzierplatz zum höchsten Punkt der Führung dem "Lohkopf" Eine grandiose Rundumsicht bis auf den Westerwald bot sich den Besuchern. Windräder wurden gezählt, Bilder vom Hauberg betrachtet und altes Werkzeug wie Lohschäler und Häben erläutert. Eine Haubergsvesper mit Kaffee, Apfelglühwein, Schmalzbroten und selbst geschmierten Pflaumenmusbroten erfreute alle Besucher. Nach dieser Stärkung führte der Weg durch den aktuellen Hauberg "Schönbach" . Dort wurde die Haubergsteilung erläutert und die aktuellen Arbeiten konnten besichtigt werden. Zum Abschluss der Führung ging es zu einem alten Kohlenmeilerplatz, wo noch heute Schlacken zu finden sind. In sogenannten Rennöfen wurde Eisenerz geschmolzen. Für einen Wagen Eisenerz wurden sieben Wagen Holzkohle benötigt. Aus diesem Grunde wurde das Eisenerz zum Schmelzen in die Hauberge gebracht. Nach fast vier Stunden führte der Weg am Jagdhaus vorbei über die "Hager" zurück zum Backhaus. Dort endete für die Gäste ein schöner und informativer Nachmittag. Im nächsten Jahr sind weitere Themenführungen (Fingerhut im Hauberg, Lohe schälen und Schanzen binden) geplant.
Der Naturpark Lahn-Dill-Bergland hat in diesem Jahr 24 Naturparkführer ausgebildet. 2013 wird ein Veranstaltungskalender mit allen Terminen und Führungen der Naturparkführer erscheinen. Nähere Informationen finden Sie unter www.lahn-dill-bergland.de

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Fachkundige Erklärungen der Naturparkführerin
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Bearbeiteter Hauberg im Frühjahr
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Kommentare zum Beitrag

Kalle Noll
443
Kalle Noll aus Gießen schrieb am 06.11.2012 um 10:23 Uhr
Ein sehr schöner Beitrag Herr Weber!
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 06.11.2012 um 17:16 Uhr
Schöner Bericht!

Vielleicht noch zu ergänzen, das in der Lahn-Gegend bis hin nach Siegen schon von den alten Kelten Roheisen aus Eisenerz erschmolzen wurde, das, wenn man den Römern glauben kann, zu hervorragenden Waffen taugte. Kein Wunder, sind viele der hier ergrabenen Eisenerze doch sehr manganhaltig und damit schlagzäh. Eine natürliche Legierung.

In der Siegener Gegend wurde zeitweise soviel Eisen erschmolzen, dass man auf weite Strecken keine Siedlungsreste mehr findet, nur Meiler und Rennöfen. Sozusagen ein frühgeschichtlicher Vorläufer des Ruhrgebiets...
Thomas Weber
111
Thomas Weber aus Gießen schrieb am 07.11.2012 um 12:21 Uhr
Hallo Frau Schepp, sehr interessante und richtige Ergänzung ! Die Form der nachhaltigen Waldbewirtschaftung / Hauberg wurde im 16. Jhdt eingeführt, da durch die fortgeschrittene Verhüttung der Baumbestand fast vollständig abgeholzt wurde.
Hallo Lieber Leser
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