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Fahrsicherheitstraining für Einsatzkräfte des DRK

Gießen | „TatüTata...“ man hört es schon von Weitem. Einige Fußgänger halten sich schon die Ohren zu, die Autofahrer blicken nervös zur Seite oder den Rückspiegel, in Kinderaugen zeigt sich Vorfreude. Und dann sieht man den Rettungswagen endlich auch. Scheinwerfer blinken, das Blaulicht blitzt, und das Martinshorn macht ordentlich Krach. Die Rettungsgasse, die von den Autofahrern an der roten Ampel gebildet wird kann schon ganz schön eng sein, doch gekonnt manövriert der Fahrer hindurch. Über die rote Ampel, noch einmal ganz langsam, um sich zu vergewissern, dass ihn auch alle gesehen haben und Vorfahrt gewähren. Dann wieder aufs Gas und weiter geht`s. Zum Patienten der jetzt dringend und schnell professionelle Hilfe benötigt.
Die Autos reihen sich wieder in den Verkehr ein, die Fußgänger können die Hände wieder von den Ohren in die Tasche nehmen, und die Kinder berichten immer noch aufgeregt vom „TatüTata-Auto“. Und viele fragen sich: Wie ist das eigentlich für die Person hinter dem Steuer eines RTW? Sind die nicht auch aufgeregt bei so einer Fahrt? Haben die das gelernt oder trainiert, so zu fahren?

Für den DRK Rettungsdienst
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Mittelhessen lautet die Antwort: Ja. Seit über 10 Jahren kooperiert das Unternehmen mit dem ADAC Hessen-Thüringen. Man hat sich zusammen gesetzt und ein spezielles Trainings- und Übungskonzept erarbeitet, welches den Mitarbeitern Sicherheit geben soll im Umgang mit den Einsatzfahrzeugen. Inzwischen findet mehrmals pro Jahr ein Fahrsicherheitstraining auf dem Gelände des ADAC Hessen-Thüringen in Gründau statt. Jeder neue Mitarbeiter, egal ob hauptamtlich, studentische Aushilfe oder junger Mensch im Freiwilligem Sozialen Jahr (FSJ) oder im neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD) absolviert zu Beginn seiner Tätigkeit dieses Training. Darauf legt die Betriebsleitung des DRK Rettungsdienst Mittelhessen Wert und lässt sich das auch einiges kosten. Doch das rechnet sich: die Unfälle mit Bagatellschaden zum Beispiel beim Rückwärtsfahren oder Rangieren sind deutlich gesunken.

Am letzten Mittwoch war es wieder für eine Gruppe so weit. Zwölf FSJ-ler und BFD-ler trafen sich an der Rettungswache in Gießen in der Eichgärtenallee, um von dort aus gemeinsam mit einem Lehr-Rettungsassistenten nach Gründau zu fahren. Nach einer kurzen Begrüßung vor Ort durch einen Fahrlehrer des ADAC und einer kleinen Vorstellungsrunde ging es direkt nach draußen auf das große Übungsgelände.

Wichtig ist die richtige Sitzposition und die Einstellung der seitlichen Rückspiegel, lernen die neuen Mitarbeiter hier als Erstes. Nicht zu dicht am Lenkrad, aber nah genug um mit dem angewinkelten Bein das Bremspedal im Falle eines Falles voll durchtreten zu können. Die Spiegel so einstellen, dass der tote Winkel eigentlich keiner mehr ist. Und den Gurt nach dem Anlegen richtig festziehen, damit das Becken bei einer Gefahrenbremsung nicht nach vorne rutschen kann.

Jetzt starten die Motoren und der eigentlich praktische Teil beginnt. Mit Pylonen und Stangen wurden vom Fahrlehrer drei Stationen aufgebaut, an denen es gilt, das Fahrzeug mit seinen Abmessungen kennen zu lernen und das Kommunizieren mit einem Einweiser zu üben. Station 1 bilden verschiedene Pylonen, die eine große 8 ergeben. Hier sollen die Teilnehmer erst vorwärts und dann rückwärts Ihr Auto durchmanövrieren. Kommt es beim ersten Durchlauf durchaus auch einmal vor, dass ein Warnkegel unter dem Reifen seine Form verliert, stellt sich der Erfolg bei den darauffolgenden Durchgängen schnell ein. Sicher wird von allen die 8 durchfahren.
An der zweiten Station gibt es vier Parkbuchten aus Verkehrsleitkegeln und Stangen. In
diese sollen die Teilnehmer die großen Rettungswagen jeweils vorwärts und dann rückwärts einparken. Auch hier übernimmt eine Person wieder die Funktion des Einweisers. Die neuen Mitarbeiter lernen so sehr schnell und effektiv die Dimensionen eines so großen Fahrzeuges kennen. Am heutigen Tag haben die jungen Männer und Frauen alle noch nicht lange ihren Führerschein, und ihre praktischen Erfahrungen im Straßenverkehr haben sie meist im PKW der Eltern gemacht. Da ist es dann schon etwas Anderes, einen RTW in eine enge Lücke zu stellen.
An der dritten Station wird es besonders knifflig. Der Trainer vom ADAC hat eine enge S-Kurve aus Pylonen gestellt. Dieses S vorwärts zu bewältigen, ist schon eine Herausforderung, aber hat man das geschafft, heißt es: Rückwärts wieder zurück! Aber auch hier zeigen die Teilnehmer schnell, dass sie verstanden haben, worauf man achten muss und nach ein paar Mal hin und her stellt sich auch an dieser Station schnell ein beachtlicher Erfolg ein.

Nachdem jetzt alle die Dimensionen eines Rettungswagens kennen gelernt haben, geht es zum nächsten Teil des Trainingstages beim ADAC in Gründau. Bremsen und Ausweichen steht auf dem Programm. Auf nassem Asphaltuntergrund sollen die Teilnehmer Gefahrenbremsungen
Rettungsassistent Sebastian Brucker und Lehr-Rettungsassistent Martin Aslan
Rettungsassistent Sebastian Brucker und Lehr-Rettungsassistent Martin Aslan
(umgangssprachlich die Vollbremsung) ausführen. Zuerst bei 30, dann bei 50 und schließlich bei 70 km/h. Wie lange braucht so ein Fahrzeug, bis es zum Stehen kommt und wie bremse ich richtig? Was macht eigentlich das ABS? Das sind hier die Ziele, die zu erlernen sind. Die Teilnehmer legen sich aber auch mal auf die Trage und werden festgeschnallt, um am eigenen Leib zu spüren, wie sich ein Patient wohl in so einer Situation fühlt. Beeindruckt lassen wir auch diesen Punkt hinter uns, und es geht aufs Glatte.

Durch eine spezielle weiße Beschichtung auf dem Asphalt erhält der Untergrund die Charakteristik von Aquaplaning oder Reifglätte. Wie werden sich die Fahrzeuge wohl hier verhalten, und kann da nicht auch was passieren? Man merkt den Teilnehmern vor dieser Station den Respekt wirklich an. Jeder von Ihnen bekommt einen kleinen Pylon in die Hand. Das Bremsen auf nassem, aber griffigem Asphalt haben sie ja gerade erst kennen gelernt. Wie sieht es jetzt auf diesem rutschigem Untergrund aus? Jeder Teilnehmer soll den Bremsweg bei 50 km/h abschätzen und seinen Warnkegel dort positionieren. Das Erstaunen ist groß, als der Rettungswagen bei der Gefahrenbremsung, an allen Kegeln vorbei, erst spät zum Stehen kommt. Und das doch bei „nur“ 50 km/h die man in der Stadt ja ganz normal fährt...

Das richtige Ausweichen wurde nun simuliert. Dafür mussten die Teilnehmer mit 50 km/h auf die weiße Fläche auffahren. Von Computer und Lichtschranke gesteuert, tauchen nun Wassersäulen vor den Einsatzfahrzeugen auf, die nur eine Lücke zum Durchfahren lassen. Hier heißt es jetzt richtig reagieren. Fuß vom Gas und mit sanften Lenkbewegungen nach links oder rechts durch die Lücke, danach das Fahrzeug wieder abfangen, um seine Fahrt sicher fortzusetzen. Auch hier passiert es bei den ersten Versuchen, dass es nicht ganz zum gewünschten Ergebnis kommt und die Rettungswagen fahren durch die Wasserwand. Doch der Erfolg stellt sich schnell ein, und die Teilnehmer manövrieren geschickt die Rettungswagen auf dem glatten Untergrund.

Inzwischen ist es später Nachmittag geworden. Der Tag beim ADAC in Gründau nähert sich dem Ende. In der Nachbesprechung zum Abschluss des Tages ist die Rückmeldung eindeutig: Alle Teilnehmer waren begeistert, jeder gab an, sich nun viel sicherer zu fühlen im Umgang mit den Einsatzfahrzeugen. Und Spaß hat das Ganze auch noch gemacht. Jeder bekommt noch eine Urkunde über die erfolgreiche Teilnahme an dem Training, bevor es wieder zurück nach Gießen und Marburg geht.
Am nächsten Tag sitzen sie dann schon wieder im regulären Dienst auf einem der vielen Einsatzfahrzeuge in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Gießen. Und wenn Sie das nächste Mal einen Rettungswagen vom Deutschen Roten Kreuz mit Blaulicht und Martinshorn im Einsatz sehen, dann wissen sie jetzt: Ja, die haben das Fahren in besonderen Situationen gelernt und trainiert.

 
 
 
Rettungsassistent Sebastian Brucker und Lehr-Rettungsassistent Martin Aslan
Rettungsassistent... 

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