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Rede gegen das Auftreten der Nazis - Stadtparlment 11.10.2012

Nazi-Demagogie am 15. 9. 2012 in Gießen
Nazi-Demagogie am 15. 9. 2012 in Gießen
Gießen | Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
meine Damen und Herren

Es beunruhigt mich doch, dass hier in unserer Stadt Gießen Nazis geradezu unbehelligt unter dem Schutz der Polizei auftreten können. In anderen Städten Deutschlands gibt es massiven Protest und Bürgermeister gehen bei antifaschistischen Demonstrationen in der ersten Reihe.

Nach diesem unrühmlichen Versagen ist es nur logisch und konsequent, wenn ich für die unsere Fraktion die Ihnen vorliegenden Fragen stelle.

In anderen Städten wurden und werden die Menschen von geplanten Naziauftritten informiert und haben die Möglichkeit, gegen die Nazis und ihre Hintermänner aus Verfassungsschutz und anderen Interessenten sich zu wehren.

Soll hier in Gießen den Rassisten, den Sympathisanten der Mörder von NSU usw. die Straße freigemacht werden? Wie haben die Vorgänger einst gerufen:

Wir werden weiter marschieren,
bis alles in Scherben fällt.
Heute hört uns Deutschland,
morgen die ganze Welt.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, liebe Dietlind, Du hast erklärt, in verantwortlicher Position die Dinge anders zu bewerten. Auf Deutsch gesagt, werte Frau Oberbürgermeisterin, Sie machen eine Kehrtwendung und finden nicht die Courage wegen eines möglichen Urteils des Verwaltungsgericht gegen die Nazis vorzugehen.

Mehr über...
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Vor wenigen Wochen noch haben Sie vor der Goetheschule im Gedenken an die Deportation der Juden völlig richtig gesagt:

"Gießen sah zu oder half dabei."

In Deutschland herrscht weder Faschismus noch sind nur Ansätze zu sehen, das einmalige Verbrechen der industriellen Vernichtung von Menschen zu wiederholen.

Aber es sind genau diese Nazis und ihre Kumpane, die den Holocoast leugnen, die antisemitische Parolen rufen und antisemitische und rassistische Überfälle durchführen, die hier in Gießen ihre menschenfeindliche Propaganda verbreiten dürfen und dem Faschismus den Weg bereiten wollen.

Es gilt nach wie vor: wehret den Anfängen.

Aus der Geschichte lernen, erfordert von uns, die Nazis nicht zu verharmlosen und nicht noch einmal dem Glauben zu unterliegen, sie würden schon abwirtschaften.

Auch wenn die NPD mit ihrer neuen Strategie, nun häufig derart kleine Kundgebungen durchzuführen, Aufmerksamkeit erreichen will, dürfen die Verantwortlichen der Stadt hierzu nicht schweigen. Rechtzeitige Information sollte dafür sorgen, dass alle, die sich zu Gießen bleibt bunt und Gießen nazifrei bekennen, gegen rechtsradikale und damit antidemokratische Bekundungen auftreten können.

Es kann doch nicht ausreichen, dass in erster Linie Antifa R4, die Autonomen, die DKP und die Partei Die Linke die bürgerliche Demokratie verteidigen, weil es die Bürgerlichen nicht mehr schaffen.

Wenn ich hier gesagt habe, dass die Nazis unter dem Schutz der Polizei auftreten konnten, dann kann der Polizei nicht Schuld zugewiesen werden. Die Polizei hat nicht den Weg frei geknüppelt, die Polizei ist in der Vergangenheit schon wirkungsvoll gegen die Nazis vorgegangen. Die Kritik muss in erster Linie der Politik gelten.

Meine Damen und Herren, wenn wir heute in ganz Europa das Aufkommen faschistischer Organisationen und Parteien beobachten und feststellen müssen, dann sollten doch die Alarmglocken klingeln. Vor dem Hintergrund der von den Banken und ihren politischen Marionetten hervorgerufenen Finanzkrise, also der Bankenkrise, werden rechtsradikale Tendenzen zunehmen.

Die aktuelle Forderung heißt: Gegen die Bankenherrschaft, gegen die weitere Verelendung der Menschen - und gegen die Faschisten, die entsprechend dem Potsdamer Abkommen, dem Grundgesetz und der Hessischen Verfassung nicht nur zu verbieten sind, sondern gar nicht hätten zugelassen werden dürfen.

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Kommentare zum Beitrag

Michael Beltz
6.900
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 12.10.2012 um 13:24 Uhr
Die Rede bezieht sich auf die Anfrage, die ich hier in der GZ am 18.09. eingestellt habe.
Michael Beltz
6.900
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 12.10.2012 um 13:36 Uhr
Wie in Gießen üblich, veranstalten einge Abgeordnete großes Geschrei, wenn zum Protest gegen Nazis argumentiert und aufgerufen wird.
Kurze Zeit vorher war ein Antrag der Piraten zum "internet streaming" abgelehnt worden. Die Mehrzahl der Parlamentarier hat gewiss Angst davor, im Internet brüllend beobachtet zu werden.

Der Kollege M.Tanriverdi entgegnete der Oberbürgermeisterin, dass er es für richtig halte, das Auftreten von Nazis publik zu machen.

Michael Janitzki (Linkes Bündnis) stimmte als einziger unserem Antrag zu
Michael Beltz
6.900
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 12.10.2012 um 16:43 Uhr
Herr Büttel, die OB hat sich nicht an der Diskussion beteiltigt. Im Prinzip vertritt sie, soweit ich bisher gehört habe, die Auffassung einholen, man wolle sich keine Niederlage vor dem Verwaltungsgericht einholen.
Sinvoller ist es, sie selbst zu fragen. Dann komme ich Ihrer Aufforderung gerne nach.
Peter Herold
26.306
Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.10.2012 um 20:02 Uhr
Ich habe mir sagen lassen, dass gerade Gießen einst eine braune Hochburg war.
Martin Wagner
2.309
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 12.10.2012 um 22:14 Uhr
Hut ab Herr Beltz ....

.... ich habe schon Reden von ihnen gehört (weniger zu diesem Thema), welche mit Abstand die Missstände weniger deutlich zur Sprache gebracht haben.

Besonders gut gefallen hat mir der Satz: "Es kann doch nicht ausreichen, dass in erster Linie Antifa R4, die Autonomen, die DKP und die Partei Die Linke die bürgerliche Demokratie verteidigen, weil es die Bürgerlichen nicht mehr schaffen."

Wir dürfen der politischen Führungsebene im Rathaus nicht durchgehen lassen, dass sie sich weigert die Anmeldungen von Informationsständen bzw. Demonstrationen bei der Stadt nicht öffentlich zu machen.

Wir brauchen diese Informationen rechtzeitig um den Widerstand zu organisieren: denn es gilt ohne jegliche Abstriche - Kein Handbreit Boden den Rechten in Giessen oder anderswo! Gießen ist und bleibt nazifrei!

Was die Bürgerlichen bereit bzw. in der Lage sind im Abwehrkampf gegen Rechts auf die Beine zu stellen, das ist eine Sache - wir Linken müssen auf der Strasse präsent sein unabhängig, ob die Bürgerlichen (lassen sie mich das volkstümlich sagen) "den Hintern hoch bekommen". Wohlgemerkt immer dann, wenn Rechtsradikale auftreten.

Wenn wir den Kampf um die Straße verlieren, dann "gute Nacht Deutschland". Wir Linken "dürfen dann" in Lagern "einmarschieren", aber auch die Bürgerlichen werden auf Dauer keinerlei Freude am Faschismus haben.
Thorsten Lux
903
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 12.10.2012 um 23:47 Uhr
Fein formuliert, Michael - wichtig und notwendig, dass dieses Thema immer wieder angesprochen wird. Gerade im letzten Jahr haben sich viele Akteure unserer Stadt zusammengefunden um gegen Hass und Menschenverachtung Gesicht zu zeigen. Solches darf aber kein "einmaliger Event" bleiben, wenn uns unsere Gesellschaft und die demokratischen Werte etwas wert sind. Und gerade die "Bürgerlichen" würde ich doch sehr gerne beim Wort nehmen, damit da etwas mehr herumkommt als "warme Worte"...
Peter Herold
26.306
Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.10.2012 um 23:55 Uhr
Bin ich ein Bürgerlicher oder muss man dazu einer Partei angehören? Ich mag die Nazi auch nicht, kann aber auch mit keiner anderen politischen Gruppe. Ich höre immer noch meinen Vater der mir sagt, geh in keine Partei.
Thorsten Lux
903
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 13.10.2012 um 09:12 Uhr
"Bürgerlicher" ist meiner Einschätzung zufolge eine Eigenbezeichnung. Ich bin Bürger und manche mögen eben Bürgerlicher sein. Von mir aus gerne - dann aber auch die Verantwortung dafür übernehmen, dass man Bürgerlicher als die Bürger sein will...
Stefan Walther
4.192
Stefan Walther aus Linden schrieb am 13.10.2012 um 23:36 Uhr
Was ist das denn für eine Definition Thorsten? Bürgerliche Parteien vertreten die Interessen des bürgerlichen Klasse, und das sind keineswegs die Interessen von dir Peter! Also, das hat nichts damit zu tun ob du / ob man in einer Partei organisiert ist oder nicht, entscheidend ist die Klassenlage.
Als ehemaliger abhängig Beschäftigter und heutiger Rentner bist du vielleicht vieles aber mit Sicherheit kein Bürgerlicher!
Für die Verhinderung eines neues Faschismus, dazu braucht es ein breites Bündnis - das hat die Geschichte gelehrt - bis hinein in bürgerliche Parteien, denn auch große Teile des Bürgertums wurden ( und würden ) im Faschismus ruiniert, verfolgt und zu Gegnern erklärt.
Thorsten Lux
903
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 14.10.2012 um 00:05 Uhr
"Was ist das denn für eine Definition Thorsten?"
- eine seltsame oder auch eigenwillige Definition ;o)
Michael Beltz
6.900
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 16.10.2012 um 11:18 Uhr
Im marxistischen Sinn hat Stefan Recht. Andere Definitionen und Fragen wie von Peter Herold und Thorsten Lux sind erstens nicht ungebräuchlich und zweitens fügen sie mir keinen Schaden zu.
Stefan Walther
4.192
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.10.2012 um 17:38 Uhr
Hm Michael, Peter habe ich ganz anders geantwortet als Thorsten, ohne jedoch von der - meiner Meinung nach - richtigen und wichtigen Definition wegzukommen. Ich hatte halt von Thorsten, aufgrund seiner politischen Funktion, etwas anderes erwartet, okay... im Einzelfall nicht so wichtig.
Sie fügen keinen "Schaden" zu? Doch, nur deshalb habe ich Thosten die Frage gestellt, wobei ich ihm persönlich natürlich gar nichts unterstellen will!
Wenn man dies nicht eindeutig definiert dann passieren mitunter teilweise schwere Fehler = ( ich übertreibe jetzt mal etwas ) dann werden plötzlich alle, die nicht Hartz IV beziehen und/oder etwas mehr Geld als einen durchschnittlichen Arbeiterlohn verdienen als "Bürgerliche" bezeichnet. Kleinbürgerliche Zwischenschichten - wie z.B. kleine Selbständige oder auch Intellektuelle ... - werden dann gar als "Gegner" und nicht als mögliche und notwendige Verbündete angesehen ( ich meine jetzt nicht dich Thorsten oder jemanden persönlich, sind nur gemachte Erfahrungen )... und das "schadet" dann nicht, nur weil es "gebräuchlich" ist?
Thorsten Lux
903
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 16.10.2012 um 23:38 Uhr
@Stefan

Du unterschätzt meiner Ansicht die Fähigkeit von Lesern selbst zu Denken und ihre Gedankengänge eventuell sogar niederzuschreiben, um so zu einer themenorientierten Diskussion zu gelangen.

Meiner Ansicht unterschätzt Du ebenfalls meinen Hang durch spielerischen Umgang mit dem Medium Sprache meine Mitmenschen zu Gedankengängen zu provozieren. Hierbei handelt es sich um meine individuelle Verschmelzung zweier grundlegender Gedanken, die mich persönlich sehr geprägt haben: Der Mäeutik, wie wir sie bei Sokrates finden und Freuds Überlegungen zum Zusammenhang von Pädagogik und Humor. Auch wenns im vorliegenden Fall (zugegebenermaßen) keine Eigenkreation war, sondern lediglich eine Abstraktion deren Ursprung "alle Tiere sind gleich - manche sind gleicher" bei mir zu "alle Menschen sind Bürger - manche sind Bürgerlicher" wurde...
Thorsten Lux
903
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 16.10.2012 um 23:53 Uhr
Die Gefahr, dass bloß noch Hartz-Opfer Beachtung finden, sehe ich übrigens nicht. Zum Einen natürlich weil viele dieser Menschen längst völlig desorientiert und isoliert sind (die kapitalistische Gesellschaft funktioniert grundsätzlich auf dem Gedanken, dass jegliche in ihr lebende Person eine dem kapitalistischen System dienende Funktion hat - darauf wiederum zielt die kapitalistische Erziehung ab, baut der kapitalistische Diskurs auf - und hieraus resultiert ein Großteil des Eigenbewußtseins). Hier muss sicherlich etwas getan werden wenn man Artikel1 GG ernst nimmt. Verbündete sind jeweils dort zu suchen wo die "Verbündeten" sich in der Lage und Willens zeigen "im Anderen ihren Bruder zu erkennen". Dazu bedarf es Respekts aber auch der Fähigkeit auf den Anderen einzugehen - ihn als Person Ernst zu nehmen. Falls das gelingt, kann man sicherlich über Bündnisse und gemeinsame Ziele nachdenken. Dass in diesem Sinne bereits "viel Porzellan zerschlagen" wurde, ist (glaube ich) nachvollziehbar, ohne dass Namen und Beispiele angeführt werden müssen.
Stefan Walther
4.192
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.10.2012 um 00:40 Uhr
Jetzt überforderst du mich etwas Thorsten, geht es hier um Pädagogik, Humor oder Philosophie, ein bisschen intellektuelle Spielereien? Gut, ich finde es ziemlich weit hergeholt wie du das hier begründest ( die Definition der Bürgerlichen ). Peter Herold hatte eine konkrete Frage gestellt und wollte meines Erachtens eine konkrete Antwort!? Und da ist es bei ihm nicht anders wie bei anderen, das Sein ist entscheidend. Ich unterschätze ihn ( als Beispiel ) keineswegs, die Frage was ist entscheidend, die Klassenlage oder das was z.B. - du nennst es die kapitalistische Erziehung ( ich sage die kleinbürgerliche Denkweise ) - der Kapitalismus mit den Menschen macht? - diese Frage ist von bedeutender Rolle.
Doch, meines Erachtens unterschätzen sehr viele die Bedeutung der Bündnispartner. Von welchen Bündnispartnern spreche ich, wer ist überhaupt gemeint = von den Bündnispartnern der Arbeiterschaft, nur darum geht es.
Das hat auch dann sehr wenig mit Moral zu tun, sorry das klingt ja schon fast "pastoral" = jeder, der im anderen seinen Bruder erkennt... ihn als Person ernst nimmt usw. Das verstehe wer will, es geht um die Erkenntnis der kleinbürgerlichen Zwischenschichten, dass sie im Kapitalismus keine Zukunft haben, dass ihre Zukunft ausschliesslich im gemeinsamen Kampf mit der Arbeiterschaft liegen kann...
Das hat auch für mich gar nichts mit der Situation in Gießen zu tun, da wollte ich überhaupt keine Verbindung ziehen, darum ging es meiner Ansicht nach bei der Frage von Peter ( und meiner Antwort ) nicht... es ging um die grundsätzliche Klärung = was ist die bürgerliche Klasse, welche Verbündete hat die Arbeiterklasse, welche Fehler macht man wenn man dies nicht beachtet... eine Auswirkung hat dies oft, man neigt zum Sektierertum, ist isoliert ( manchmal sogar von den Arbeitern, dann hat man alles falsch gemacht ) und denkt nicht mehr über das eigentliche strategische Ziel nach und wie es zu erreichen ist.
Ist es nicht so, dass in jedem Gesellschaftssystem ( nicht nur im Kapitalismus ) jede Person eine dem jeweiligen System dienende Funktion hat(te), ist das typisch für den Kapitalismus? Ich denke, das war schon immer so und das wird auch zukünftig immer so sein.
Aber wenn du schon die sache mit dem "viel Porzellan zerschlagen" anführst = das interessiert mich überhaupt nicht, ich hatte und werde auch nie einen Anteil daran haben, wenn es um gemeinsame Ziele geht, dann muss mit jedem, der dieses Ziel auch hat, eine gemeinsame Arbeit möglich sein, Personen spielen für mich persönlich da eine völlig untergeordnete Rolle, es geht immer um die Sache ( oder auch nicht, dann bin ich persönlich auch nicht dabei, denn dies interessiert dann auch keinen einzigen Arbeiter, und da sind wir wieder am Ausgangspunkt = nur das ist wichtig! ).
Thorsten Lux
903
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 17.10.2012 um 09:30 Uhr
@Stefan

Ob das schon immer so war, kann ich so nicht sagen. Auch ist Gießen keine in sich isolierte Stadt mit Menschen die unabhängig vom Umfeld agiert. Wir müssen nicht glauben, dass die Menschen in Gießen besonders klug oder dumm wären, besonders umgänglich oder unausstehlich wären - es hängt alles zusammen.

Zeitgleich muss man aber auch bemerken, dass parallel zur Einführung der Hartz-Gesetzgebung ein gewaltig anmutender Niedriglohnsektor eingeführt wurde und man es hiermit nicht bloß mit dem "Ausselektieren" großer Bevölkerungsteile zu schaffen hat, sondern ebenfalls mit einem großangelegten Angriff auf die Löhne.
Gleichsam springt es natürlich ins Auge wie bereitwillig das Feindbild des "typischen Hatz-Empfängers" angenommen wird, wie bereitwillig manche Mitmenschen sich daran stören wenn sie irgendwo augenscheinlich gestrandete Menschen im öffentlichen Leben sehen - wohlgemerkt nicht daran, dass unsere Gesellschaft Menschen "selektiert" und perspektivlos aufs "Abstellgleis" schiebt und sie lediglich noch als Druckmittel für Lohnempfänger missbraucht werden, sondern daran, dass diese Menschen nicht vollzählig zuhause herumsitzen, sondern sich wagen sich im öffentlichen Leben blicken zu lassen, auch wenn sie dort nicht gerne gesehen werden.

Auch hierüber muss man nachdenken wenns es um Ideologien der Ungleichwertigkeit geht: Denn Feindblider sind nicht etwas dass einer kleinen dumpfen Minderheit anhängt. Sie kommen im täglichen Leben vor, werden von manchen als "normal" oder gar als "gesund" deklariert und eher selten hinterfragt. Und man muss sich fragen wo soetwas herkommt, wie es funktioniert, wem es nutzt, usw. - womit wir mit unserer Diskussion auch wieder bei Thema dieses Artikels angekommen sind.

Natürlich liegt es mir fern Dich zu überfordern. Bloß habe ich in der Vergangenheit festgestellt, dass Du in marxistischer Theorie recht sattelfest bist. Worauf ich mich bezog, findet sich hier nochmals zu Ende verhandelt: http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/86/86_12/ausbild.htm

"Jeder schließt von sich auf andere und vergisst, dass es auch anständige Menschen gibt." Hier vermutete Heinrich Zille die Ursache weshalb es vielen Menschen so nahe liegt, anderen Menschen schlechte Eigenschaften zuzuschreiben. Das mag nicht ganz falsch sein, ist jedoch auch nicht ganz richtig. Denn wie wir andere Menschen bewerten und wie wir uns selbst bewerten hat sehr viel mit der gesellschaft zu tun in der wir aufwachsen, mit den Wertgefügen mit denen wir täglich konfrontiert werden und auch mit den Meinungen und Vorurteilen mit denen wir es in unseren Alltagen zu tun haben.
Stefan Walther
4.192
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.10.2012 um 18:10 Uhr
hallo Thorsten, ist das jetzt Ernst gemeint, dann müsste ich mich ärgern, oder ne Satire, dann kann ich es mit Humor nehmen?
Ich nehme es mal mit Humor: du hast zwar sehr ausführlich geschrieben, aber auf meine Kritik bist du mit keinem Wort eingegangen. Die "Überforderung" bestand übrigens darin, dass man meines Erachtens nicht die Klassengegensätze, die Notwendigkeit von Bündnispartnern ( und nochmal, was hat das mit Gießen und den Linken in Gießen zu tun? = nichts! ) mit moralischen Argumenten untersuchen kann, das überlassen Marxisten den Humanisten!

Der Gegenstandpunkt? Die Ergüsse der selbsternannten intellektuellen Führer der MG? Och nee Thorsten, jetzt enttäuschst du mich aber wirklich, das lese ich nicht ( mehr ). Wie würde Lenin jetzt sinngemäß evt. sagen = vergesst nicht sie aus ihren Studierstuben heraus zu holen wenn die Arbeiter den Aufstand proben, sonst verschlafen sie noch die Revolution....
Na ja, Lenin ist ja wahrscheinlich für die Leute der MG gar kein ( richtiger ) Marxist, der kannte ja die Arbeiter auch nicht nur "vom Hörensagen", der hat ja sogar Praxis gemacht, der wusste ja "Theorie ohne Praxis ist keinen Pfifferling wert"
man sollte als erstes das "Original" ( die Klassiker ) studieren bevor man etwas "über" die Klassiker liest, das macht immer Sinn! Nicht dogmatisch anwenden, ja das ist ein großer Fehler, aber die Grundsätze über Bord schmeissen, das ist ein noch größerer Fehler!
Die Feindbilder? was heisst hier "Mehrheit und Minderheit", es geht um den Klassenkampf Thorsten, um was denn sonst? Die entscheidende Klasse ist die Arbeiterklasse, der Kern das Industrieproletariat, zur weiteren Arbeiterklasse gehören natürlich auch die Erwerbslosen, das ist doch alles logisch, das ist das "Ein mal eins des Marxismus/Leninismus". Ja, da darf es keine Spaltung geben zwischen Hartz IV - Beziehern und Beschäftigten, da dürfen auch die Zwischenschichten nicht zu Gegnern erklärt werden usw., das zu vermitteln, dafür zu streiten, das ist Aufgabe der Linken, und das bedeutet dann auch Bündnisarbeit... und nicht ob sich ein paar Linke gut oder schlecht verstehen, miteinander auskommen oder nicht, das interessiert die Arbeiterschaft ( und ihre Verbündeten ) soviel wie der berühmte "Sack Reis in China!"
Michael Beltz
6.900
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 17.10.2012 um 18:30 Uhr
Die Geschichte ist nun mal die Geschichte von Klassenauseinandersetzungen. Unsere schwierige Aufgabe besteht nun darin, den Menschen, in erster Linie der Arbeiterklasse, dies klar zu machen. Und das muss geschehen, ohne viele Fremdwörter zu benutzen.
Ich gebe Dir ja Recht, Stefan, wir dürfen nicht zur Vernebelung beitragen oder sie gar mit diffusen Begriffen fördern. Dennoch muss ich in der Diskussion jeden Gedanken zunächst aufnehmen und dann versuchen, dem Gesprächspartner seine OBJEKTIVE Lage deutlich zu machen.
Das heißt auch, gegen Spaltungsversuche durch die Herrschenden anzugehen, die Rolle der Medien einzuschätzen.

Seien wir ehrlich. Wei oft höre ich: Sie haben ja Recht, aber die Ausländer kriegen das Geld hinten reingeschoben usw bis hin zu den bösen Muslimen.

Ob die Linken miteinander auskommen, ist schon eine Frage, die in der Öffentlichkeit von Interesse ist. Streiten sich Linke solidarisch über den Weg zu einer Umgestaltung der Gesellschaft und auch um eine revolutionäre Veränderung solidarisch oder artet der Streit in persönliche Gefechte aus.

Prinzipienfestigkeit ist die Grundlage, ohne in Sektierertum zu verfallen oder die Organisationsfrage mit immer neuen Angeboten zu unterhölen. Wer z.B. die Gewerkschaften schwächen oder gar abschaffen will, ( s. bedingungsloses Grundeinkommen), der spielt dem Gegner in die Hände.
Stefan Walther
4.192
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.10.2012 um 00:33 Uhr
ja Michael, sicherlich ist das richtig "jeden Gedanken aufnehmen..." = und genau so hatte ich Peter Herold geantwortet und nicht anders!
Nur, wenn mir ein Linker ( schon etwas überheblich und nichtssagend ) antwortet, indem er mir angebliche fehlende "Sattelfestigkeit in marxistischer Theorie" vorwirft.... und dabei selbst kein Wort über die Geschichte, also die Geschichte von Klassenkämpfen, verliert... und als "Beweis" dann die MG zitiert, dann kann man schon ein wenig verwundert und ironisch reagieren, oder nicht? Und was heisst schon "sattelfest" = "lernen, lernen, lernen", ein Leben lang, so lautet das Grundprinzip, in der Theorie und Praxis.
Linke haben sich schon immer um den "richtigen" Weg gestritten, auch sie sind nicht frei vom Einfluss der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Denkweise. Ja, dies sollte immer sachlich und kameradschaftlich erfolgen.
Diese ganze persönliche Kacke ( sorry für den Ausdruck ), das meinte ich damit = das interessiert keinen einzigen Arbeiter, die inhaltliche Auseinandersetzung um den richtigen Weg, das interessiert ihn zurecht sehr wohl.
Ach, und wer "die" Massenorganisation der Arbeiter, die Gewerkschaften, schwächen will, der hat gar nichts kapiert! Gleiches gilt für die Unterstützer des sogenannten "Bedingungslosen Grundeinkommens", ja, das spielt lediglich dem Gegner in die Hände.
Michael Beltz
6.900
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 18.10.2012 um 12:16 Uhr
Zu Peter Herold vom 12.10. Gießen war eine braune Hochburg, richtig. An der Uni produzierten und propagierten Professoren ihre Rassenlehre. In der Studentenschaft war überwiegend eine Rechte/faschistische Grundhaltung vorhanden.
Reste davon sind in einer Verbindung im großen Steinweg vorhanden. Hier besitzt sogar NPD-Gansel einen eigenen Schlüssel und kann dort, wenn er angereist kommt, übernachten.

Im Bereich der Justiz und bei der Polizei wurden die Nazis nach 1945 - teils mit kurzen Unterbrechungen - übernommen. Polizeipräsident Hofmann war einer von ihnen, andere Namen sind bekannt, gerade auch am Gericht.
Michael Beltz
6.900
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 21.10.2012 um 10:51 Uhr
Hallo Thorsten, da ich mit Deiner Definition "Bürgerlicher" mich nicht anfreunden kann, würde ich mich freuen, wenn Du auf Stefans Kritik eigehen könntest.
Ich habe bewusst ein paar Tage gewartet.
Thorsten Lux
903
Thorsten Lux aus Gießen schrieb am 26.10.2012 um 17:05 Uhr
Ach Michael, diese Diskussion ist mir im Grunde viel zu theoretisch - zumal ich derzeit meinenn Kopf ganz woanders habe. Vielleicht definieren wir lieber das Gegenteil und nähern uns so dem Begriff des "Bürgerlichen" an. Auch halte ich wenig davon dies hier zu tun - also unter einem Artikel, der eigentlich ein gänzlich anderes Thema hat.
Michael Beltz
6.900
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 27.10.2012 um 12:38 Uhr
Ja Thorsten, wir können die Diskussion hier erst einmal beenden und sie im anderen Zusammenhang weiterführen. Das praktische Leben erfordert manchmal Antworten.
Hallo Lieber Leser
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von:  Michael Beltz

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Michael Beltz
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