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Die tödliche Ampulle

Gießen | Natürlich kann man einen Mord nicht billigen, dachte Orf. Oder sollte ich meine Tat verklären?
-Eura starb, als wir uns leidenschaftlich liebten-
Das würde ich vor Gericht behaupten. Kann sich der Mensch etwas Schöneres vorstellen?
Die Liebe überwindet jeden Zwang und sei es der Tod.
Wer wollte da von meiner Schuld sprechen?
Zugegeben, oft drehte ich zwischen meinen Fingern die tödliche Ampulle und hielt sie gegen das Licht, wenn Eura schnarchte.
Sie muß sterben! dachte ich dann. Denn sie vereinigte alle Fehler in sich, die mein Leben blokierten.
Aber wollte ich sie wirklich für immer verlieren?
Ihr Atem roch nach kaltem Rauch und abgestandenem Wein.
Jetzt könnte ich alles beenden, dachte ich oft. Wäre sie doch endlich tot!
Es gibt Zeiten im Leben, da wird der Tod des Anderen zu einer Befreiung, dachte Orf.
Ich war diesen Theaterdonner so unendlich leid. Aber gleichzeitig erschreckte mich dieser Gedanke.
Ich kann den Tod zwar nicht begreifen, dachte Orf, aber er liefert doch begreifbare Bilder. Und immerhin, auf dem Friedhof rieche ich jede Jahreszeit:
Noch liegt Eura aufgebahrt in der Friedhofshalle
Mehr über...
und erwartet vielleicht ihren Engel. Denn immerhin, morgen erst wird der Bestatter ihren Sarg endgültig verschließen. Deswegen muß ich ihr noch schnell die Fingerabdrücke abnehmen, dachte Orf. Nur so kann ich mir sicher sein, dass hier keine Verwechslung vorliegt.
Daß sie auf ihrer letzten Reise kein schwarzes Kostüm trägt, dafür werde ich sorgen. Immerhin begibt sie sich zur letzten Ruhe und nicht zu einem Empfang.
Obwohl, eigentlich ist die eigene Beerdigung auch eine Art von Premiere, dachte er.
Immerhin wird ihre aufgebahrte Leiche von streng gewachsenen Kerzen bewacht. Die kleinen Flämmchen zittern feierlich und hüllen die Kapelle in ein schummriges Licht.
Zu ihren Füßen liegt das Blumenbukett in den giftigen Farben. Und der Trauerflor mit seinen Schleifen wird so trapiert, als seien sie Schärpen höherer Bedeutsamkeit.
Auf eine dramatische Orgelmusik, die sich aus dem Chorgebälk stürzt, werde ich allerdings verzichten, dachte Orf. Warum soll ich bei diesem mächtigen Klang meinen Kopf einziehen?

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Kommentare zum Beitrag

Peter Herold
14.158
Peter Herold aus Gießen schrieb am 06.08.2012 um 23:33 Uhr
Hüte dich vor Medizinern und ihren düsteren Gedanken ;-))
Hallo Lieber Leser
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von:  Dr. Mathias Knoll

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Dr. Mathias Knoll
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