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Fast 7000 Kinder in Stadt und Kreis Gießen leben in Armut

Gießen | Fast 7000 Kinder in Stadt und Kreis Gießen leben in Armut
Deutscher Kinderschutzbund fordert Chancengerechtigkeit für Kinder

Kinderschutzbund Gießen, 15. September 2008
Bereits seit Jahren weist der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) auf die Situation der armen Kinder in Deutschland hin. Heinz Hilgers, Präsident des DKSB stellt fest: “Trotz einiger Schritte in die richtige Richtung, fehlt es nach wie vor an einem schlüssigen, vollständigen und umfassenden Konzept zur Bekämpfung der Kinderarmut.“
Kürzlich bestätigten der 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung und ein Bericht des BMFSFJ zu den “Armutsrisiken von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ die hohe Anzahl armer Kinder. Nach SGB II-Statistik leben etwa 1,8 Millionen Kinder bis 15 Jahre auf Sozialhilfeniveau. Betrachtet man zusätzlich die Jahrgänge der 15 bis 18Jährigen und den hohen zu erwartenden Anteil derjenigen Familien mit Kindern, die ihren Anspruch auf Sozialleistungen aus Scham oder Unkenntnis nicht geltend machen, so ist zu erwarten, dass heute circa 2,5 Millionen Kinder auf Sozialhilfeniveau leben.
In Stadt und Kreis Gießen leben fast 7000 Kinder in Armut oder an der Grenze zur Armut (Kinder in Bedarfsgemeinschaften, Stand März 2008). Dies sind rund 600 Kinder mehr als in den beiden Jahren zuvor.
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“Die negativen Folgen eines Aufwachsens in Armut sind seit langem bekannt. Arme Kinder haben geringere Chancen auf einen guten Bildungsabschluss und oftmals einen schlechteren Gesundheitszustand als ihre Altersgenossen aus wohlhabenden Verhältnissen. Finanziell benachteiligten Kindern droht der Ausschluss aus weiten Teilen des kulturellen und sozialen Lebens“ so Heinz Hilgers. Die Lebenssituation armer Kinder ist hierbei auch deshalb sehr belastend, da sie ständig von “Wohlstand“ umgeben sind, was den eigenen Mangel allgegenwärtig macht.
Vor diesem Hintergrund ist bisher eindeutig zu wenig geschehen. Heinz Hilgers fordert: “Die dem tatsächlichen Bedarf nicht gerecht werdenden Hartz IV-Regelsätze für Kinder müssen erhöht werden. So sind z.B. die hohen Kosten für Bildung in keiner Weise ausreichend durch die Hartz IV-Sätze abgedeckt, beachtet man die Ausgaben für Schulhefte und -materialien, das Mittagessen sowie die Betreuung in Ganztagsschulen oder die Fahrtkosten zur Schule“.
Diskutiert wird derzeit auch eine gestaffelte Kindergelderhöhung. Dies käme vor allem kinderreichen Familien zu Gute, die tendenziell ein hohes Armutsrisiko haben. Die meisten Familien in Deutschland, hierunter auch die häufig von Armut betroffenen Alleinerziehendenhaushalte, haben aber nur ein bis zwei Kinder. Für sie würde eine Kindergelderhöhung um 10€ pro Kind bei weitem nicht ausreichen.

Deshalb fordert der Kinderschutzbund:
· endlich einen eigenen, bedarfsgerechten Hartz IV-Regelsatz für Kinder
· einen bedarfsgerechten Kinderzuschlag für einkommensschwache Familien
· mittelfristig die Einführung einer Kindergrundsicherung
· Gesundheit, Schutz, Förderung, Bildung und Beteiligung sind nach der UN-Konvention Grundrechte aller Kinder. Ein Aufwachsen von Kindern in Armut verletzt diese Rechte. Deshalb gehören die Kinderrechte ins Grundgesetz.

Motto des Weltkindertages am 20.September 2008 ist daher: Chancengerechtigkeit für Kinder - wir bleiben am Ball !

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