Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Weg vom Herd: Mit Prämien zurück in den Job

Familie und Beruf sind vereinbar, wenn die Voraussetzungen im Unternehmen stimmen. Foto: Salih Ucar/pixelio
Familie und Beruf sind vereinbar, wenn die Voraussetzungen im Unternehmen stimmen. Foto: Salih Ucar/pixelio
Gießen | Berufstätige Mütter gibt es im Landkreis Gießen viele – und das ist auch gut so. Für die meisten Frauen ist es kein Widerspruch, ein Kind zu bekommen und trotzdem weiter arbeiten zu gehen. In einem familienfreundlichen Unternehmen wie beispielsweise der Schunk GmbH mit Sitz in Wettenberg und Heuchelheim, ist dies auf jeden Fall möglich. Das Unternehmen unterstützt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seit Beginn des Jahres 2011. Die Personalführung bietet Betreuungsplätze in den Kindergärten der Kommune Heuchelheim für die Kinder ihrer Beschäftigten an. Darüber hinaus besteht seit diesem Jahr die Möglichkeit, Kinder zwischen sechs und 13 Jahren in einer speziellen Ferienbetreuung anzumelden. Denn gehen wir von einem Jahresurlaub von 30 Tagen aus – und Schulferien, die im Jahr gut drei Monate umfassen, merkt man schnell, wo die Diskrepanz liegt. Selbst wenn Eltern sich den Urlaub aufteilen, bleibt ein fader Beigeschmack, denn ein gemeinsamer Urlaub ist dann nicht drin.

Die Ferienbetreuung geht von 7.45 bis 16.30 Uhr. Die Kinder werden am Unternehmen abgeholt und mit dem Bus zum Veranstaltungsort gebracht.
Mehr über...
Der Autor hat diesem Beitrag leider keine Tags (Stichwörter) zugeordnet!
Dort erhalten die Kinder eine sinnvolle Beschäftigung mit viel Spaß sowie eine „all inclusive“-Betreuung, die auch ein Mittagessen einschließt. Das heimische Unternehmen bietet diese Ferienbetreuung nicht nur zwei Wochen in den Sommerferien, sondern auch je eine Woche in den Herbst- und Weihnachtsferien für seine Beschäftigten an. Der Unkostenbeitrag pro Tag von zehn Euro zahlen die Eltern, den restlichen und größeren Anteil übernimmt die Schunk GmbH. Die Eltern können sich in aller Ruhe auf die Arbeit konzentrieren und müssen nicht umständlich die Betreuung der Kinder organisieren.

Auf Anfragen der GIEßENER ZEITUNG sagte Beate Hammerla, Geschäftsführerin Bereich Unternehmensförderung der IHK
Gießen: „Die IHK schätzt sehr, dass Unternehmen sich mit diesem Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschäftigen und nach individuellen Lösungen suchen. Die meisten Firmen setzen diese Probleme mit Gleitzeitmodellen um, denn nicht alles lässt sich mit Geld lösen.“

Elterngeld soll ab 2013 gezahlt werden

Der Gesetzentwurf von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sieht vor, dass Eltern in Zukunft ein Betreuungsgeld erhalten, wenn Sie ihr Kind nicht in einer staatlich geförderten Einrichtung betreuen lassen, sondern mit dem Kind zu Hause bleiben. Schröder plant ab 1. Januar 2013 monatlich 100 Euro für Kinder, die im zweiten Lebensjahr sind, an Eltern zu zahlen. Ab 2014 soll das Geld auch für Kinder im dritten Lebensjahr gezahlt werden. Der Betrag wird auf 150 Euro pro Monat aufgestockt. Aus drei skandinavischen Ländern – Finnland, Norwegen und Schweden – gibt es bereits Erfahrungen mit Betreuungsgeld. In diesen Ländern erhalten meist Frauen mit geringem Bildungsstand, niedrigem Einkommen oder Migrationshintergrund diese Leistungen.

Hierzulande befürchten Gegner des Betreuungsgeldes, dass genau dies auch hier so sein wird. Die sogenannte „Herdprämie“, wie Kritiker das Betreuungsgeld spöttisch nennen, könnte schwerwiegende soziale Folgen nach sich ziehen. Die frühkindliche Bildung und Erziehung in den Kindergärten ist für die Kleinsten eine wichtige Station im Leben. Auffälligkeiten im Lernverhalten, in der sprachlichen Entwicklung und anderen Bereichen können im Kindergarten frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

Am Ausbau der Kindergarten- und Betreuungsplätze für unter-Dreijährige wird kontinuierlich gearbeitet. Bis Ende 2013 sollen für 35 Prozent aller Kinder aus dem Landkreis Gießen Betreuungsplätze bereitstehen. Derzeit liegt die Quote bei 25 Prozent und liegt damit im Schnitt aller Kreisgemeinden im Hessenvergleich weit vorne.

Anti-Herdprämie für Zwillings-Eltern doppelt

Ganz anders geht die Firma Siemens, die ihren Hauptsitz in München hat, an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie heran. Der internationale Konzern zahlt Müttern, die nach der Geburt schnell zurück in ihren Beruf kommen, eine sogenannte „Anti-Herdprämie“. Dem Unternehmen ist wichtig, dass gute und qualifizierte Mitarbeiter frühzeitig zurückkommen, damit sie den Anschluss nicht verlieren. Siemens baut auf drei Säulen. Nämlich das Betreuungsgeld, auf betriebseigene Kitas mit insgesamt 900 Plätzen deutschlandweit und auf flexible Arbeitszeiten. Zehn Millionen Euro kostet den Konzern das Betreuungsgeld im Jahr 2011. Mehr als 1 000 Anträge gingen von Müttern wie Vätern ein.

Eltern, die während der 14-monatigen Elternzeit bereits wieder in Teilzeit arbeiten wollen, erhalten einen Nachschlag von 500 Euro monatlich. Zwillingseltern das Doppelte. Ist das Kind bereits älter, verringert sich der Bonus auf 100 Euro monatlich. Diese monatliche Prämie wird steuerfrei mit dem Gehalt ausgezahlt.

Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
2.417
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 16.07.2012 um 11:22 Uhr
Liebe Frau Schneider,
wunderbare (!) Beispiele, wie realitätsfremd diese " Herdprämie" in Wahrheit ist.
Beneidenswert, die Mitarbeiter/innen der genannten Firmen,
wenn das doch bitte Schule machen würde - diese Familienfreundlichkeiten in den Betrieben !
Melanie Schneider
2.335
Melanie Schneider aus Gießen schrieb am 16.07.2012 um 12:34 Uhr
Liebe Frau Hofmann-Scharf,
der Meinung bin ich auch, vielen Dank.
VG
Melanie Schneider
Stefan Walther
2.814
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.07.2012 um 23:58 Uhr
Natürlich machen dies die Unternehmen nicht aus reiner Nächstenliebe oder Unterstützung der berustätigen Mütter... auch hier zählt "was bringt uns mehr, die gut eingearbeitete Fachkraft zu unterstützen, oder ggf. eine neue Fachkraft einzuarbeiten / anzulernen".
Aber das Ergebnis, das kann sich durchaus sehen lassen, und nur das zählt erstmal für diese berufstätigen Mütter!
Birgit Hofmann-Scharf
2.417
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 17.07.2012 um 12:11 Uhr
@ Herr Sauter
es gibt auch Damen im Management, die nur an Profit denken und dabei den Mensch / die Familie vergessen

@ Stefan
aber endlich eine gute und sinnvolle Art, wie man Profit und Familie verbinden kann, so geht es also auch.

( Die vorbenannte Fa. Schunk ist in Sachen "Mitarbeiterfreundlichkeit" sowieso eine Vorzeige-Firma - und bleibt dabei gesund )
Birgit Hofmann-Scharf
2.417
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 17.07.2012 um 13:51 Uhr
Herr Sauter, ganz so "knallhart" und explosiv habe ich das jetzt aber nicht gemeint.
Es gibt z. B. auch Frauen für (!) Frauen.
Frauen, die sich gegenseitig helfen und unterstützen.
Stefan Walther
2.814
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.07.2012 um 16:42 Uhr
da muss ich doch ein wenig Wasser in den Wein schütten Birgit :-)
allein schon vom Prinzip lehne ich das Wort "Mitarbeiter" ab, wer arbeitet und wer macht den Profit? Es handelt sich immer um "abhängige Beschäftigte" und "Unternehmer", aber das nur nebenbei....
weisst du wieviele Leiharbeiter bei Schunk beschäftigt sind und für welchen Stundenlohn?

Fängt jetzt hier die Diskussion auch an zum "Geschlechterkampf" hin zu führen? Wäre sehr schade, denn das ist nicht das Problem, ob nun ein Mann oder eine Frau im Management sitzt, das Resultat ist das gleiche, da werden lediglich Unternehmensziele formuliert und umgesetzt....und natürlich gibt es auch die Solidarität und Unterstützung von Frauen für Frauen, von Männern für Frauen, Frauen für Männern.... das ist typisch für die Arbeiterschaft, sie lernt schon an der Arbeit, dass es nur miteinander funktioniert!
Klaus Stadler
1.876
Klaus Stadler aus Reiskirchen schrieb am 17.07.2012 um 20:17 Uhr
Lieber Herr Walter,so harmonisch wie sie die Arbeiterschaft beschreiben,wie es in ihrem letzten Satz steht, ist es wohl doch nicht. Auch dort gibt es Neid und Mißgunst.Nach langjähriger Betriebsratsarbeit habe ich feststellen müßen,daß nicht alles Gold ist was was im Miteinander der abhängig Beschäftigten so untereinander glänzt.
Stefan Walther
2.814
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.07.2012 um 00:05 Uhr
ja Herr Stadler, gut dass Sie das erwähnen!
Ich selbst bin Personalratsvorsitzender und ver.di Vertrauensmann, kann also ein wenig mitreden...
Natürlich gibt es dies auch innerhalb der abhängig Beschäftigten, sie leben ja nicht außerhalb der restlichen "Welt"...
Ich wollte damit etwas anderes ausdrücken = die Arbeiterschaft ist es gewohnt gemeinsam zu arbeiten, vor allem in Großbetrieben läuft vieles "Hand in Hand", da ist der eine auf den anderen angewiesen, eine gewisse Disziplin und auch Solidarität gehört einfach zum tagtäglichen arbeiten und leben. Ich gehe auch - versuche es zumindest - von der grundsätzlichen Seite aus an eine Sache heran um sie zu beurteilen. Einzelbeispiele, die eine These / Aussage widerlegen, die findet man immer. Aber Sie haben recht, hinweisen muss man schon darauf, das ist bei mir an der Arbeit auch wahrscheinlich nicht viel anders wie anderswo... aber die große Mehrheit, die verhält sich sehr kollegial und solidarisch!

Herr Sauter, je größer der Konzern, je größer ist die Gefahr, dass sich die ( angeblichen ) Vertreter ( z.B. Betriebsratsvorsitzende ) der abhängig Beschäftigten zum Co - Manager der Unternehmer entwickeln ( sicher gibt es auch da wieder Ausnahmen ). Sie reden mehr über die Entwicklung des Unternehmens, über gewinnbringende Maßnahmen und Konkurrenzfähigkeit usw. , anstatt sich um die Belange der Beschäftigten zu kümmern. "Arbeiteraristrokratie", so der für mich passende Begriff dazu, andere drücken es einfacher aus = Handlanger der Unternehmer. Und nicht selten wechseln diese Leute dann sogar irgendwann die Seiten, vom Gewerkschaftsfunktionär zum Manager.
Im Endeffekt - natürlich brauchen wir die Gewerkschaften, das ist klar! - sind sich die abhängig Beschäftigten selbst überlassen, vertrauen können sie nur auf die eigene Kraft!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Melanie Schneider

von:  Melanie Schneider

offline
Interessensgebiet: Gießen
Melanie Schneider
2.335
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
TSG Wieseck – Vereinsgeschichte seit 150 Jahren
Der jetzige Verein – Turn- und Sportgemeinschaft Wieseck (TSG...
Mediaberater der GZ Fabian Jungkunz (links) und Rüdiger Kowalsky mit den glücklichen Gewinnern.
Baby des Jahres 2012 gewählt - Gewinnübergabe bei foto-com
In Zusammenarbeit mit foto-com Gießen und der GIEßENER ZEITUNG wurde...

Weitere Beiträge aus der Region

Was wohl in deren Köpfen vor ging?
Wenn die Tiere freiwillig zum Fotografen kommen, kann der eigentlich nicht so schlecht sein ;-)
Als ich um neun in mein Arbeitszimmer ging, wollte ich meinen Augen...
Oberbürgermeister aus Frankfurt, Kassel, Offenbach, Gießen, Hanau und Marburg zur Entscheidung des Staatsgerichtshofes in Sachen Kommunaler Finanzausgleich
Die Oberbürgermeister der großen hessischen Städte Frankfurt, Kassel,...
Southside Festival 2013 ist Ausverkauft
In rasender Geschwindigkeit haben die 5.000 Southside-Tickets, die...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.