Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Das GZ-Interview: "Wir passen in keine Schublade" - Mit "Reezee" durch Raum und Zeit

Reezee zu Gast bei der GZ. (Foto: Melanie Schneider)
Reezee zu Gast bei der GZ. (Foto: Melanie Schneider)
Gießen | Es ist Donnerstag. Nachmittags. Das Radio dudelt im Hintergrund. Ein neues Lied wird vorgestellt. Da fallen die Wort "Reezee" und "aus Gießen". Ein Blick zu den Kollegen genügt und uns war klar, die Band laden wir ein zum Interview.

GZ: Für alle, die Euch noch nicht kennen, stellt Euch doch bitte mal kurz vor.
Marisa: Wir sind die Band Reezee. Wir bestehen aus Marek, das ist der Drummer, aus Basti, dem Bassisten, dem Flo und mir, der Risi. Und aus Andreas Pikos (24 Jahre, Gitarre), der auf Gran Canaria Urlaub macht.

GZ: Wie würdet Ihr jemandem eure Musik beschreiben, der sie noch nie gehört hat?
Marek (grinst): Ganz gut!
Florian: Ich beschreibe es immer gern als Power Pop. Mit Elektro-Einflüssen. Eben eine Mischung aus normaler Popmusik, jetzt sind wir jedoch mehr elektronisch geworden. Für Rock sind wir zu poppig.

GZ: Im Oktober erscheint jetzt Euer erstes Album "Durch Raum und Zeit". Wie seid ihr zur Musik gekommen? Wie ist Euer Werdegang?
Marisa zu Florian: Eigentlich hat es ja mit uns beiden angefangen.
Florian: Wir waren schon Ewigkeiten vorher zusammen in einer Schulklasse,
Mehr über...
Der Autor hat diesem Beitrag leider keine Tags (Stichwörter) zugeordnet!
als wir merkten, dass wir beide Musik machen. Ich hatte damals schon in einem Tonstudio gearbeitet, wo ich auch heute noch immer arbeite. Dadurch hatten wir recht früh schon die Möglichkeit professionell Aufnahmen zu machen. Da haben wir schon die ersten Songs geschrieben und aufgenommen. Von dort aus haben wir uns dann die Band zusammen gesucht. Ganz einfach über Bekannte und Freunde.

GZ: Ihr habt einen Plattenvertrag mit Bellaphon. Wie kam Ihr dazu? Und wie unterstützt Euch das Label?
Florian: Bellaphon war in den Achtziger Jahren das größte Independent Label in Europa. Die sind eigentlich auch gar nicht mehr aktiv im Rock- und Pop-Bereich. Ein Newcomer-Förderer ist dazu gekommen, der etwas machen wollte, was potenziell erfolgreich werden kann. Er fand uns relativ cool. Weil wir eben superjung sind und extrem starke Songs machen. Und bei dem Deal mit denen, können wir einfach mitbestimmen.

GZ: Zuerst "20000 Meilen", jetzt "Nach Süden": Zum ersten Mal im Radio, wie war das?
Sebastian: "Nach Süden" lief jetzt innerhalb kurzer Zeit sechs Mal im Radio, glaub ich. Auf hr3 sogar mit Ankündigung und Infos dazu.
Marek: Auf SWR lief es auch schon. Und vor einer Weile schon auf Radio Bob und auf YouFM, aber ganz spät abends oder bei speziellen Newcomer-Sendungen. Jetzt laufen unsere Lieder tagsüber im normalen Programm. Deshalb ist es echt besonders.
Florian (grinst): Wir allen haben Ewigkeiten an diesem Lied gesessen und gearbeitet. Und wenn ich es im Radio höre, fange ich immer an, ganz verplant durch die Gegend zu laufen. Ich glaube, ich gewöhn mich da nicht mehr dran.
Marisa: Ich saß letzte Woche in einer Klausur an der Uni, als meine Schwester anrief und aufgeregt meinte: "Ihr lauft im Radio, hörst du es im Hintergrund?" Ich hab angefangen zu schreien. Das ist echt total cool, weil man es jetzt erst so richtig realisiert. Aber bis das so richtig auch bei mir angekommen war, musste ich es erst selber hören.
Florian: Wir haben eine Promo-CD gemacht mit verschiedenen Remixes, die momentan bei den Radiosendern herum geht. Ich glaub, Montag hat die Plattenfirma es vorgestellt und Donnerstag haben sie es bei hr3 bereits gespielt.

GZ: Was hat sich seitdem verändert?
Florian (grinst): Tja, wir wurden sofort danach von der GIEßENER ZEITUNG angerufen.

GZ: Wie muss man sich den Prozess bei Euch vorstellen, wenn Ihr an einem neuen Stück arbeitet?
Marisa: Es entsteht ja viel im Studio. Florian ist da sehr kreativ und hat das Know-How. Und von da aus kommen die besten Ideen.

Marisa Adams (Gesang). (Foto: Melanie Schneider)
Marisa Adams (Gesang). (Foto: Melanie Schneider)
GZ: Ihr lebt und arbeitet hier in Gießen, zieht es euch wie viele andere Musiker auch in andere Städte wie Berlin? Oder seht ihr hier ebenfalls gute Chancen für euch?
Marek: Ich glaube eher, dass nicht die Musik uns folgen wird, sondern wir der Musik. Da wo unsere Schwerpunkte dann liegen, wird es uns auch hinverschlagen.
Sebastian: Ja, Berlin wäre schon ein Traum von uns.
Florian: Berlin wäre cool. Aber das Berliner Angebot an Musiker ist übermäßig dicht. Das stelle ich mir alles sehr schwer vor. Deshalb ist Gießen noch die sinnvollste Variante.

GZ: Was bedeutet Euch Gießen?
Marisa: Auf den ersten Blick ist Gießen überhaupt nicht cool. Aber, wenn man sich erstmal eingefunden hat und Gießen kennt, dann ist es schon sehr schön.
Sebastian: Gießen ist eher eine praktische Stadt. Es hat schöne Ecken und ist nicht so teuer.
Florian: Und auch von der genialen Musikszene her, obwohl es ist eine relativ kleine Stadt ist, ist es krass. Hier haben wir echt unzählige Fans. Im KiG (Kulturinitiative Gießen), wo wir auch proben, kennt jeder jeden. Extrem cool.

GZ: Habt Ihr vorher schon in anderen Bands gespielt?
Florian: Ja, das waren aber meistens Coverbands.
Florian Neuber (Gitarre/Keys). (Foto: Melanie Schneider)
Florian Neuber (Gitarre/Keys). (Foto: Melanie Schneider)
Jetzt ist nur endlich so, dass man mit dieser Band auch etwas erreichen kann und will. Das vorher waren mehr so Phasen. Aber dadurch, das man mit anderen zusammen spielt lernt man sehr viel. Man entwickelt sich weiter. Marek spielt auch immer noch regelmäßig in einer Coverband.

GZ: Eure Chance: Was würdet Ihr gerne einmal über Euch in der Zeitung lesen?
Marek (lacht): Einen Skandal um Marisa.
Florian: "Reezee gehen auf dicke Tour", aber am besten "Reezee gehen auf eigene dicke Tour".

GZ: Wolltet Ihr mit dem Melodischen Power Pop auf den Zug der neuen deutschen Bands aufspringen?
Marisa: Nicht bewusst. Es ist nicht so, dass wir jemandem nacheifern. Wir machen unser eigenes Ding. Es gibt auch bei uns einige Elemente, die sich ziemlich von den anderen Bands abheben. Wir passen in keine Schublade.
Florian: Wir sind eben noch sehr jung und da ist es selbstverständlich, dass man versucht den individuellen Weg zu gehen. Gerade in der Zeit unseres ersten Albums "Durch Raum und Zeit" haben wir uns sehr schnell weiter entwickelt.

GZ: Ihr schreibt nur deutsche Texte, gibt es dafür Gründe?
Marisa: Naja, wir sprechen alle Deutsch. Ich meine wir können alle auch Englisch, aber warum nicht auch auf deutsch? Es ist unsere Muttersprache.
Marek Haesler (Drums). (Foto: Melanie Schneider)
Marek Haesler (Drums). (Foto: Melanie Schneider)
Sebastian: Ich glaube auch, dass wir tun uns viel leichter damit, deutsche Texte zu schreiben.
Florian: Wir haben ganz, ganz, ganz am Anfang versucht zwei englische Songs zu machen, die dann aber eher banal und popelig. Da rollte es mir die Fußnägel hoch. Denn damit haben wir uns nicht identifizieren können.

GZ: Ihr habt einige Einblicke in die Musikbranche bekommen. Welche Erwartungen haben sich erfüllt und welche nicht?
Florian: Da ich schon lange in der Musikbranche arbeite, und das sogar hauptberuflich. Reezee ist jetzt das erste Projekt, was es ins Radio geschafft hat. Was mich wiederum dazu gebracht hat, weiter zu machen, wie ich es jedoch sowieso getan hätte. Für diesen Weg habe ich mich schon lange entschieden. Jedoch: Wäre es anders gelaufen, wäre es auch okay.
Marek: Ich habe mir abgewöhnt, mir irgendwelche großen Hoffnungen zu machen und wenn gar nichts klappt, dann bin ich auch gar nicht enttäuscht. Ich versuche auch nicht durchzudrehen, wenn jetzt jeden Tag die Single im Radio läuft.

GZ: Vier Männer, eine Frau - funktioniert das?
Marisa: Das Glückliche ist, dass wir alle total gut miteinander befreundet sind. Das ist alles schon sehr demokratisch. Ich kann mich da ganz gut durchsetzen. Es ist alles ganz angenehm und ausgeglichen. Es kann nur gut werden, wenn wir alle zusammen einen Weg gehen.

Sebastian Rupp (Bass). (Foto: Melanie Schneider)
Sebastian Rupp (Bass). (Foto: Melanie Schneider)
GZ: Schule, Uni, Musikkarriere: Wie sehen Eure Zukunftspläne aus? Wie geht es weiter?
Florian: Momentan suchen wir nach einer fähigen Booking-Agentur. Da wir bisher alles selber machen, und irgendwie soll ja auch mal etwas reinkommen.

GZ: Ist eine Tour geplant?
Florian: In den Jahren, die es uns jetzt gibt, haben wir immer etwa 25 Gigs im Jahr gespielt. Das war schon gut und das müsste mehr werden. Eine Tour selbst zu organisieren ist sehr schwer. Und um das selbst zu organisieren, dafür fehlt uns leider die Zeit. Deswegen suchen wir eine Bookingagentur. Doch wenn wir jetzt täglich im Radio laufen, vielleicht klappt's ja doch. Zumindest eine kleine Tour ...

Reezee zu Gast bei der GZ. (Foto: Melanie Schneider)
Reezee zu Gast bei der... 
 
Marisa Adams (Gesang). (Foto: Melanie Schneider)
Marisa Adams (Gesang).... 
Florian Neuber (Gitarre/Keys). (Foto: Melanie Schneider)
Florian Neuber... 
Marek Haesler (Drums). (Foto: Melanie Schneider)
Marek Haesler (Drums).... 
Sebastian Rupp (Bass). (Foto: Melanie Schneider)
Sebastian Rupp (Bass).... 

Kommentare zum Beitrag

Melanie Weiershäuser
2.473
Melanie Weiershäuser aus Gießen schrieb am 17.02.2014 um 15:37 Uhr
Ein wirklich gutes Interview.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) KREATIVEs KA:OS

von:  KREATIVEs KA:OS

offline
Interessensgebiet: Gießen
KREATIVEs KA:OS
3.192
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
"moonages": Peter Nachtigall, Frank Sauer, Björn Mardorf, Thorsten Doerr, Stefan Herzig und Guido Pöppler. (Foto: privat)
Moonages stellen neuen Mann an ihrer Saite vor
Auch mit neuer Besetzung lassen es sich die sechs Marburger in diesem...
Frage der Woche: Was haben Sie in den Herbstferien gemacht?
Morgen ist der letzte Herbstferientag. Schade, denken sich wohl die...

Weitere Beiträge aus der Region

CNC Labor am MATC
Freundschaft zum amerikanischen Schulpartner vertieft.
(we) Oldtimer, Harley-Davidson, moderne Fertigungstechnologien und...
Tag der offenen Tür an der Theodor-Litt-Schule Gießen
WAS DU HIER LERNST, BRINGT DICH WEITER! Mit der...
29.05.2005 Das frühste Bild da ich habe.
Das Wäldchen - ein ehemaliger Bonsai
Das Wäldchen bestehend aus 5 Stämmen habe ich vor vielen Jahren...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.