Gießen | Gerade gehen die Bremslichter aus, an der schwarzen S-Klasse. Vorne über der Motorhaube ist gut ein Schild zu erkennen. Weißer Rollstuhl auf blauem Grund. Nimmt man noch die geringe Entfernung in Metern zum Eingang des Supermarktes könnte man bei reichlicher Überlegung zum Schluss kommen dass es sich hierbei um einen Behindertenparkplatz handelt.
Der agile Mann Mitte 30 macht nun nicht Eindruck an einem körperlichen Gebrechen zu leiden. Mehr noch, die Absenz eines amtlichen Behindertenausweises legt die Erkenntnis nahe das sich hier einer einfach den Weg sparen möchte.
Eilig fummele ich mir also einen Streifen weißes Papier in den schwarzen Kragen meine Hemdes und trete auf Ihn zu. „Entschuldige bitte mein Sohn, darf ich sie kurz zu ihrer wundersamen Heilung befragen. Alleine Heute sind sie der dritte Lahme den diese Parkbucht wieder zum gehen brachte. Die Kunde der Wunder dieses Parkraumes ist bereits bis nach Rom gedrungen. Wir erwägen eine Marienstatur dort aufzustellen. Wären sie bereit den Glaubensbrüdern in Rom von ihrer Heilung zu berichten?“
Diese dummen Gesichter sind einfach preis los. Aber im Ernst, wieso ist es scheinbar so schwierig einen Behindertenparkplatz einfach mal frei zu halten für die Menschen die wirklich drauf angewiesen sind.
Mich packt die kalte Wut, angesichts der Arroganz dieser Autofahrer. Ich jedenfalls bin heilfroh, die paar Schritte laufen zu können. Ich wollte mir ja schon Zettel machen, und denen hinter die Windschutzscheibe klemmen, mit dem Text, dass sie hoffentlich nie auf so einen Parkplatz angewiesen sein werden.
Aber ihre Argumentation ist unschlagbar. Leider wird kein Supermarktbetreiber so ein Auto abschleppen lassen, er will ja keine Kunden verlieren und bis ein Abschleppunternehmen da ist, sind die auch meist wieder weg.
Das Parken auf einem Behindertenparkplatz kostet gerade mal € 35,00, zu wenig, um abschreckend zu wirken, und die Gefahr erwischt zu werden ist auch gering, teurer wird es nur, wenn auch abgeschleppt wird. Das gilt aber nur für den öffentlichen Parkraum. Supermarktparkplätze sind aber privat und da gibt es nur wenig Handhabe.
Beim Toom müssen die Angestellten auf den Behindertenparkplätzen parken, da diese nah beim Eingang sind und die Verkäuferinnen um ihr Leben am Abend bei Dienstschluß bangen!
Im Dönerdreieck parken zu 90 Prozent Nichtbehinderte auf den Behindertenparkplätzen, wenn man sie darauf anspricht sagen diese sie haben genug Geld und sind ja auch nur kurz am behindern!
Sehr schön, Herr Schmidt. Es gibt sehr niedlich Aufkleber mit der Aufschrift: Parke nicht auf unseren Wegen.
Vor ein paar Wochen sah ich ein Auto, das mit derartigen Aufklebern verschönt worden war.
Ein Fall für die documenta!!!
Frau Wittich, das mögen zwar ignorante Arschlöcher sein aber ich glaube nicht das sie an einem einschränkendem Gebrechen leiden. Es gibt zwar auch geistige Behinderungen aber die Definition greift hier weniger. Würden sie tatsächlich an einer Behinderung leiden, wäre das Verhalten ja eventuell entschuld- oder erklärbar.
Die meisten sind allerdings einfach faule Säcke die ihren Hintern nicht mehr als nötig bewegen wollen und geistig so limitiert sind dass sie den Bedarf an diesen Parkmöglichkeiten nicht begreifen.
Perspektivwechsel
An alle selbsternannten Hilfspolizisten: Haltet die Bälle flach, seid barmherzig. Ich kann euch gut verstehen, hab früher selbst so gedacht wie ihr. Durch die oberlehrerhafte Einstellung von uns regeltreuen Deutschen kann auch für die Behinderten das Parken auf ihrem Parkplatz zum Spießrutenlauf werden. (Übrigends: Das Hauptproblem für Behinderte ist ja nicht die Entfernung sondern wenn die Fahrertür zugeparkt wird, so daß man mit dem Stuhl nicht ran kommt, wie Frau Stapf oben schon geschildert hat) Ich kenn eine junge Frau, die durch einen Unfall querschnittsgelähmt ist. Neulich hab ich gehört, daß sie jetzt wegen der vielen Hilfspolizisten die es ja ach so gut mit den Behinderten meinen, beim Supermarkt immer ganz weit hinten auf einem freien Parkplatz parkt und den Behindertenparkplatz lieber frei läßt. Wenn sie mit ihrem VW vorfährt sieht sie aus wie eine gesunde junge Frau. Wenn sie auf den Behindertenparkplatz zusteuert ändern sich die Gesichter der Passanten, sie werden böse vor Neid: Was wird das? Die wird doch nicht etwa auf diesen Parklatz fahren? Noch bevor sie die Gelegenheit hat den Rollstuhl hinten heraus zu holen wird sie mitunter schon angepöbelt, ob sie denn etwa behindert sei, ob sie keine Schilder lesen könne, daß es eine Unverschämtheit sei und so weiter. Wenn die Pöbler dann merken daß sie mit Tränen in den Augen den Rollstuhl rausholt machen sie betretene Gesichter und gehen weg ohne sich zu entschuldigen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ist es wirklich die Sorge um die Behinderten, die mich antreibt jeden argwöhnisch zu beobachten, der einen solchen Parkplatz ansteuert? Oder ist es vielleicht nur die pure Missgunst weil ich selbst mit dem Parkplatz geliebäugelt hab aber dann doch die Zehn Schritte mehr gelaufen bin bis zum Eingang. Könnte es vielleicht sein daß den Behinderten diese Art von Fürsorglichkeit eher peinlich ist? Wäre es vielleicht besser wir würden einfach freundlich bleiben auch wenn jemand mal einen Fehler macht. Ich gebe zu, es fällt mir manchmal auch schwer...
Nee, Herr Etzelmüller.Bei der Art respektlosen Verhalten gehe ich von Vorsatz aus. Und wenn dann auch noch solche dummen Kommentare kommen wie von Frau Amstein beschrieben werde ich wirklich sauer. Ich habe es auch schon erlebt das so ein Masturbant (Wixer zu schreiben verbietetet die Netiquette) eine wirkliche auf den Parkplatz angewiesene junge Frau verhöhnt hat. Da hört es dann irgendwo auf.
Und wenn man hier keine Zivilcourage zeigt wo dann? Das hat mit Oberlehrer oder Hilfspolizist nichts zu tun.
Ich habe es mir inzwischen abgewöhnt, die Leute darauf aufmerksam zu machen, denn denen ist ja bewusst, dass sie sich auf einen Behindertenparkplatz stellen. Ausnahmen bestätigen, wie immer, die Regeln, wenn ich merke, der hat das nicht richtig mitbekommen, dann sage ich schon mal was. Meist wird sich dann auch entschuldigt und ein andrer Parkplatz gesucht.
Ich habe ein "G" im Ausweis, ich würde nie auf die Idee kommen, diesen an die Frontscheibe zu legen. Genausowenig wie ich in einem öffentlichen Verkehrsmittel damit einen Sitzplatz beanspruchen würde, auch dazu fehlt die Berechtigung.
Ich habe aber schon Bekannte testweise befragt, ob sie aufgrund meines Ausweises aufstehen würden, das hätten alle gemacht, weil sie nicht Bescheid wussten.
Christine,
hast du deine Parkgenehmigung nicht immer sichtbar an der Frontscheibe liegen?
Wer als Betroffener auf einen ignoranten Verkehrsteilnehmer trifft, sollte dem Falschparker lieber einen kleinen Denkanstoß verpassen.
Hierfür bietet beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. auf ihrer Webseite eine Initiativkarte zum Download an. Darauf liest der unachtsame Autofahrer dann: „Sie haben meinen Parkplatz! Möchten Sie auch meine Behinderung?“
""Nur" Inhaber eines Schwerbehindertenausweises zu sein, berechtigt nicht automatisch dazu, auf den ausgewiesenen Behindertenparkplätzen zu parken. Man benötigt auf jeden Fall den besonderen Parkausweis." http://vdk.de/cgi-bin/cms.cgi?ID=de9229
Frau Skroch, die Plätze im Bus sind nicht nur für Behinderte sondern auch für Schwangere oder Menschen die sich unwohl fühlen. Solange noch Plätze im Bus vorhanden sind gibt es keinen Anspruch auf den Sitzplatz mit dem Rollstuhl.
> Sie haben meinen Parkplatz! Möchten Sie auch meine Behinderung?“ <
Den Satz finde ich gut, nur kann ich ihn als Nichtbetroffener nicht verwenden.
Mir schon klar, ich würde selbst mit meinen 70 noch aufstehen, wenn ich sehe, dass jemand dringend einen Sitzplatz braucht. Mir ging es um das Wissen, wie damit umgegangen wird, wenn einem jemand so einen Ausweis unter die Nase hält. Da zeigt sich dann, dass viele überhaupt keine Ahnung haben. Wie denn auch, wenn sie selbst gesund sind.
Herr Sauter,
ihr Erlebnis ist typisch. Es ist aber nicht zu verallgemeinern und Auto fahren ist in erster Linie Charaktersache.
Ist doch egal um was es hier in Gießen/Hessen beim Autofahren geht. Da lernen sie es in der Fahrschule, habe ich heut erst beobachten können. Da überholte in der Lahnstraße ein Fahrschulwagen einen Radfahrer und setzte voher vorschriftsmäßig seinen linken Fahrtrichtungsanzeiger, ja so heißt der so genannte Blinker. Nach dem überholen dann wieder, auch vorschriftsmäßig den rechten Blinker. So weit so gut. Aber wann sehe ich so etwas mal von ganz normalen Verkehrsteilnehmern? Polizei eingeschlossen!
Vergisst man/frau nach der Prüfung alles was man/frau gelernt hat? Wozu dann die Prüfung ;-((
Das vorstehende soll einfach erläutern wie schlecht es um die Verkehrsmoral bestellt ist. Also warum soll es dann bei Behindertenparkplätzen anders sein?
Der Beitrag ist genau richtig. Nur leider stehen auf diesen Parkplätzen eine bestimmte Art Mensch unberechtigterweise. Ich zwinge mich immer dazu, nicht zu sagen. "Sie müssen es im Kopf haben, denn man sieht ihnen ihre Behinderung nicht an". Wenn mich nicht verschiedene Faktoren davon abhalten würden, wären die Reifen dieses Fahrzeuges alle 4 platt. Nur mit dem Kuli die Luft herauslassen. Der "Täter" kann ja nur einen Reifen wechseln. Er kann auch keine Polizei anrufen. Was wollte er denn sagen.
Jeder, der seine Bemühungen, das Fahrzeug wieder flott zu bekommen, sehen würde, wüßte bescheid. Wie peinlich. Schlimm ist für mich, dass auf einem Supermarktparkplatz kein Zugriff der Polizei möglich ist, da Privatgelände. Ein Filialleiter wird einen Teufel tun, einen Kunden zu verärgern, der auf dem verbotenen Parkplatz steht.
Also ich kann nur sagen, in vielen Fällen ist eine schwerwiegende Behindeung nicht immer körperlich nach außen sichtbar. Also Vorsicht bei der Be(Ver)urteilung.
@ Herr Petersen,
genau Ihr letzt genannter Satz hörte ich einmal von einer Mitarbeiterin eines großen Supermarktes in Dutenhofen, die an der "Information" tätig war.
" Wir wollen keinen Ärger mit unseren Kunden " !!
Diese Aussage mildernd ist allerdings die Tatsache, dass genau dort sehr viele Parkplätze für Behinderte und auch für Mütter mit Kind vorhanden sind.
Hallo Frau Hofmann-Scharf,
danke für Ihre Bestätigung. Genau diesen Markt habe ich gemeint. Vor lauter Gewinnstreben - Umsatz pro m2 - kann ein Kunde fast alles machen, was er will, so lange er um Gottes Willen nur kauft, kauft, kauft. Natürlich muss der Markt verdienen. Aber hoffentlich passiert nicht mal eine Situation, wo zwei Umsatzbringer gleichzeitig beteiligt sind.
Beim Lidl im Schiffenbergerweg sind die Behindertenparkplätze gleich ganz weit vom Eingang entfernt, so gibt es vor dem Eingang nur noch Streit um die Mutter Kind Parkplätze!
Beim Roller in Heuchelheim gibt es 4 Behindertenparkplaetze. Das ist nicht gerade viel. Einer der vier ist besonders breit da dort auch der Sammelpunkt fuer den Brandfall ist. Leider wird das Schild ( vier personen mit dem Punkt in der mitte gruen auf weiss) falsch verstanden. Wenn man die dort parkenden Familien anspricht kommt man ins schmunzeln. Ups wir dachten das sei ein Familienparkplatz. Wenn man die falschparker net anspricht und darauf aufmerksam macht das es wenige Behindertenplaetze gibt und den Grund erklaert ( breiter wegen der fahrertuer usw) machen sich einige doch die muehe und parken um. Manche sind und bleiben unverbesserlich. gerade wenn kinder dabei sind und der fehler erklaert wird zeigen die eltern meist den guten willen. Einer bleibt mit den kindern am eingang ,der andere parkt um. Gebt die hoffnung nicht auf und sprecht an , aber bitte freundlich !
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