Gießen | Weltdrogentag am 26. Juni – Schwerpunkt Gastroenterologie der Uniklinik Gießen und Deutsche Leberstiftung informieren
Gießen, 25. Juni 2012. Am morgigen Dienstag, 26. Juni, findet der alljährliche „Weltdrogentag“ statt. Dieser Aktionstag wurde im Dezember 1987 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen festgelegt und ist gegen den Missbrauch von Drogen gerichtet. Ähnlich wie der „Weltnichtrauchertag“ ist der „Weltdrogentag“ jedes Jahr Anlass für Aktionen und Informationsveranstaltungen. Bei den Vereinten Nationen ist das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) für den "Weltdrogentag" verantwortlich.
Der Gießener UKGM-Schwerpunkt Gastroenterologie und die Deutsche Leberstiftung informieren aus Anlass dieses Aktionstages über die Auswirkungen von Drogenmissbrauch auf die Leber: Der Missbrauch von Drogen kann die Leber auf vielfältige Weise schädigen. Unterscheiden kann man zwischen einer direkten Verursachung von Erkrankungen durch zum Beispiel Alkohol- und Medikamentenmissbrauch oder synthetische Drogen wie etwa Ecstasy und einer indirekten Möglichkeit, die Leber zu schädigen.
Werden Drogen
über die Vene in den Körper appliziert – etwa beim Spritzen von Heroin – kann so genanntes Nadel-Sharing indirekt für eine Lebererkrankung sorgen. Tauschen Drogenabhängige ihr Spritzbesteck untereinander aus, und einer von ihnen ist mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) infiziert, wird das Virus über das Blut an der nicht gereinigten Injektionsnadel an den nächsten weitergegeben und sorgt so für weitere Ansteckung, die die Leber grundlegend schädigt. Häufigste Ursache für eine Hepatitis C-Virusinfektion ist heute der intravenöse Drogenmissbrauch. Früher waren es einmal die Blutkonserven für Transfusionen zum Beispiel bei großen Operationen. Doch die sind heute extrem sicher, da alle Blutkonserven vor der Übertragung mehrfach getestet werden.
Ist jemand mit dem Hepatitis C-Virus infiziert, so entwickele sich daraus in 50 bis 80 Prozent der Fälle eine chronische Hepatitis, die wiederum zu einer Leberzirrhose führen kann. Wird die Leberzirrhose zu spät diagnostiziert, stehen am Ende Leberzellkrebs und Lebertransplantation. Es ist deshalb sehr wichtig, dass sich auch Personen, die früher mit Drogen in Kontakt waren, auf eine Infektion testen lassen, um eine eventuell bestehende HCV-Infektion erkennen zu können. Erhöhte Blutwerte (vor allem der GPT-Wert) können einen Hinweis auf eine Lebererkrankung geben.
Insgesamt sterben in Deutschland rund 50.000 Menschen jährlich an den Folgen einer Leberzirrhose und rund 8.000 an primärem Leberkrebs.
Die Droge Alkohol spielt bei den Lebererkrankungen ebenfalls eine Rolle. Der Alkoholmissbrauch hat einen Anteil von etwa 30 Prozent bei Lebererkrankungen. Es ist deshalb notwendig, schon früh mit der Aufklärung über die Gefahren des Alkohols und anderer Drogen für die Leber hinzuweisen, da schon viele Jugendliche in Deutschland regelmäßig Alkoholkonsumieren oder mit Drogen in Kontakt kommen.
Aktuelle Daten aus dem Drogen- und Suchtbericht 2012 der Bundesregierung zeigen: Bei knapp 40 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren ist es üblich, regelmäßig Alkohol zu trinken. In Deutschland werden pro Jahr durchschnittlich pro Kopf zehn Liter reiner Alkohol konsumiert. Rund 1,3 Millionen Menschen gelten in Deutschland als alkoholabhängig und über 73.000 sterben jährlich an den Folgen des Alkoholmissbrauchs. Experten schätzen, dass jährlich 26,7 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Kosten durch Alkohol und den Missbrauch dadurch in Deutschland entstehen.
Die Leber entgiftet den menschlichen Körper und ist gleichzeitig Depot für Vitamine, Zucker, Folsäure und Fette – sie ist also ein Multitalent, das Einzigartiges vollbringt. Wird sie durch zum Beispiel eine Virusinfektion oder Alkohol- und Medikamentenmissbrauch krank, kann sie sich chronisch entzünden und schließlich Leberzellkrebs entwickeln. Im Gegensatz zu anderen Organen schmerzt eine kranke Leber nicht, sie leidet still und nur eine regelmäßige Überprüfung der Leberwerte z.B. durch den Hausarzt gewährleistet eine frühzeitige Diagnose von entstehenden Lebererkrankungen.
In Deutschland gibt es jedes Jahr mehr als 5.000 neue Fälle von Leberzellkrebs. Das kann sich nur ändern, wenn eine Hepatitis-Virusinfektion beziehungsweise eine andere Lebererkrankung rechtzeitig erkannt wird oder erst gar nicht entsteht. So kann beispielsweise eine Impfung gegen Hepatitis B vor einer entsprechenden Infektion schützen.
Der Schwerpunkt Gastroenterologie am Universitätsklinikum in Gießen befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Gemeinsam mit der Deutschen Leberstiftung arbeitet das UKGM am Ziel, die Patientenversorgung zu verbessern und die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen zu steigern, damit diese früher erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige in medizinischen Fragen.
Weitere Informationen
Link zur Klinik:
http://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_pne/8058.html
Link zur Deutschen Leberstiftung: www.deutsche-leberstiftung.de
Kontakt
Prof. Dr. Elke Roeb
Schwerpunkt Gastroenterologie
Telefon: 0641-985-42338
E-Mail: elke.roeb@innere.med.uni-giessen.de
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM)
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Innere Med. / Pneumologie und Intensivmedizin und den weiteren SP Gastroenterologie, Infektiologie, Nephrologie
Direktor: Prof. Dr. Werner Seeger
Klinikstraße 33
35392 Gießen
Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg ( UKGM ) mit seinen 80 Kliniken und Instituten an den beiden Standorten Gießen und Marburg ist das drittgrößte Universitätsklinikum Deutschlands. Seit Februar 2006 trägt die RHÖN-KLINIKUM AG zu 95 Prozent die Verantwortung als Betreiber dieses ersten privatisierten Universitätsklinikums in der bundesdeutschen Geschichte und hat seitdem über 367 Millionen Euro dort investiert. Die rund 9.700 Beschäftigten versorgen jährlich rund um die Uhr 92.000 stationäre und über 334.000 ambulante Patienten. In Gießen und Marburg stehen 2.230 Betten und 57 Operationssäle für modernste Diagnostik und umfassende Therapie und Behandlung auf internationalem Niveau zur Verfügung. Mehr dazu unter
http://www.ukgm.de