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Ausbau der frühkindlichen Betreuung im Landkreis bietet Eltern wertvolle Alternative

Betreuung der unter dreijährigen Kinder. Foto: Thortsen Richter
Betreuung der unter dreijährigen Kinder. Foto: Thortsen Richter
Gießen | "Ist es nicht heutzutage "in", sein Kleinstkind, just der Mutterbrust entwöhnt, in die Kita zur Aufbewahrung abzugeben?", fragt ein Bürgerreporter in einem vieldiskutierten Beitrag auf dem Portal der GIEßENER ZEITUNG. Angestossen von den Plänen des Betreuungsgeldes der Bundesregierung, sowie dem kommunalen Ausbau der KiTa-Plätzen für Unter-Drei-Jährige (U3), ist die Frage nach der frühkindlichen Förderung in den Fokus öffentlicher Diskussion gerückt. Dort prallen Lebenswelten aufeinander: Aufgebrachte Eltern, die die Entfremdung der Kinder von der Familien befürchten, stossen auf alleinerziehende Mütter, die ohne die Unterstützung der Tagesstätte den finanziellen Ruin fürchten. Sich eine pauschale Meinung über den Sinn oder Unsinn der frühkindlichen Betreuung zu bilden, erscheint problematisch, da sich Familiensituationen und regionaler Bedarf stark unterscheiden. Dagegen steigt der Druck auf die Kommunen angesichts der Vorgabe des Bundes und der Länder, der zu Folge alle U3-Kinder Anspruch auf einen KiTa-Platz haben.
In der Gießener Region stellen sich die Kommunen bereits seit Längerem auf die neue Versorgungslage
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um: "18 Monate vor dem Rechtsanspruch stehen in den Kommunen des Landkreises für 34,5 Prozent der Kleinkinder Betreuungsplätze zur Verfügung. Damit liegt der Kreis im hessenweiten Vergleich weit vorne, denn Zielvorgabe sind 35 Prozent. Der Bedarf ist aber bereits heute teils höher", so Jugenddezernent Dirk Oßwald vom Landkreis Gießen in seinem letzten Bericht vom Februar 2012. Die zuständige Sachbearbeiterin Gabriele Arnold nennt konkrete Zahlen hinsichtlich der Frühbetreuung:"In einigen Kommunen, wie Buseck lag das Angebot zum Stichtag 1. September 2011 mit einer Quote von rund 50 Prozent sogar weit über dem angestrebten Ziel." Dagegen gebe es noch Defizite in Pohlheim, Lollar, Lich, Reiskirchen, Linden und in der Rabenau, hier seien die vorhandenen Betreuungsangebote jedoch noch ausreichend. Akuter Bedarf müsse in Fernwald, Wettenberg oder Grünberg gedeckt werden. Bei der frühkindlichen Betreuung spiele auch die private Tagespflege eine Rolle: Der hessische Ausbauplan sehe vor, dass ein Drittel der Betreuungsplätze über Tagespflegepersonen abgedeckt würde. Dieser Balanceakt sei Laubach besonders gut gelungen: "Nahezu optimal stellen sich die Zahlen in Laubach dar, wo mit fast 35 Prozent die Gesamtquote dem Soll entspricht und auch die Aufteilung zwischen Kita und Tagespflege mit dem geforderten Zielen übereinstimmt.", erläutert Arnold.
In Laubach gibt es neben der Tagesstätte der Kommune auch die Kindereinrichtung „Adolf-Wieber-Straße“, die vom Oberhessischen Diakoniezentrum getragen wird. Neben der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und Behinderung liegt ein weiterer Schwerpunkt der Einrichtung in der Betreuung von U3-Kindern. Elke Bär, Leiterin des Abteilung Kinder- und Familienarbeit der Diakonie sieht bei der frühkindlichen Betreuung diverse Vorteile. Abhängig von der Familiensituation sei die Betreuung der Kinder in einer Einrichtung oder durch eine Tagesmutter sinnvoll. Allen voran berufstätige Frauen, oder Alleinerziehende seien auf diese Entlastung angewiesen. Kritisch seien jedoch die Rahmenbedingungen der Betreuung zu prüfen. Diese müssten den spezifischen Anforderungen der U3-Betreuung entsprechen. Hierfür finden in der KiTa Weiterbildungsmaßnahmen für Erzieher regelmäßig statt.
Trotz unterschiedlicher Lebensansichten ist das Modell der frühkindliche Betreuung und Förderung aus unserer Leistungsgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Kinder und Eltern können hieraus Vorteile ziehen, sowohl bei der Interaktion mit anderen Kindern, als auch bei der Flexibilität der Tagesgestaltung. "Eine echte Wahl zu haben", sei bereits ein großer Gewinn, so eine Mutter aus Reiskirchen, die sich über das regionale Betreuungsangebot für ihren zweijährigen Sohn informiert.
Neben dem Angebot muss das "Vertrauen" in die Einrichtungen durch Fachkunde, Professionalität und altersgerechten Betreuungskonzepten weiter gestärkt werden. Laut der hessischen Landesregierung soll „jedes Kind in Hessen [...] möglichst früh, möglichst optimal und nachhaltig" gefördert werden. Ob dieses Ziel auch in und rund um Gießen erreicht wird, zeigt sich spätestens 2013. Ebenso wichtig ist es der aktuellen Kontroverse mit einem offenen Dialog zwischen Eltern auf der einen Seite und Trägern von Kindertagesstätten, Kommunen, wie auch den zuständigen Landesfachbereichen auf der anderen Seite zu begegnen, denn es gibt noch viele Fragen über die Förderung und Weiterentwicklung geeigneter Betreuungsmaßnahmen, die nicht vollends geklärt sind. Letztlich soll das Modell Krippe für eine zeitgemäße und anerkannte Form zur Unterstützung der Eltern bei der Pflege und Erziehung ihrer Kinder stehen

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Kommentare zum Beitrag

Nadine Custer
96
Nadine Custer aus Pohlheim schrieb am 29.06.2012 um 21:45 Uhr
Alle beschweren sich über die mangelnden u-3 Plätze. es gibt Ganztagskindergärten ab 3 und Ganztagsschulen ab der der 5. Klasse. Was aber ist mit den 4 Jahren Grundschule und der mehr als quantitativ schlechten und geringen Nachmittagsbetreuung da? Unser Ort in Pohlheim bietet gerade einmal 15 Plätze für die "Nachmittagsbetreuung". Diese findet dann auch nur von 11-14 Uhr statt. Um überhaupt die Chance auf einen Platz zu haben muss das Kind eigentlich schon nach der Geburt auf der Warteliste stehen - später Zugezogene haben so gut wie keine Chance mehr.
Also darf Frau dann während der Grundschulzeit schon wieder zu Hause bleiben, weil sich Job und Grundschule nicht vereinbaren lassen, nachdem man endlich während der Kindergartenzeit wieder ins Berufsleben einsteigen konnte? Vielleicht sollte man sich besser mal da um einen Ausbau bemühen statt sich immer nur um die U-3 Betreuung Gedanken zu machen. Noch einmal vier Jahre Auszeit während der Grundschulzeit des Kindes nehmen zu müssen stellt sich dann doch wesentlich schwieriger dar.
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von:  Michael Nudelmann

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Michael Nudelmann
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