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2. Segeltörn 1980 - Ab Athen große Kykladenrunde Teil 3

Plötzlich kommt Nebel auf
Plötzlich kommt Nebel auf
Gießen | Der Bericht ist doch umfangreicher geworden als gedacht, daher habe ich einen dritten Teil angehängt.

Der zweite Teil endet mit Windstille, so dass wir nun mit Maschine weiterfahren müssen. Gegen 15 Uhr erreichen wir Serifos unser heutiges Tagesziel. Dort steuern wir den sicheren Hafen Leivadion an, wo als erstes vollgetankt wird. Anschließend werden im Hafen ausgiebig Manöver unter Segel und unter Maschine gefahren. Zur Sicherheit lassen wir bei den Segel-manövern die Maschine Standby mitlaufen. Es klappt alles tadellos. Gegen 18 Uhr machen wir Feierabend. In diesem Hafen bleiben wir heute Nacht liegen. So eine Nacht im Hafen schlafen ist nicht zu verachten.
Dienstag 7. Oktober. Nach dem Abhören des Wetterberichts, es soll heute bewölkt und regnerisch werden, dabei Wind aus allen Richtungen mit 2 - 3 Bft. ruhige See bei 4 - 6 Seemeilen Sicht. Nach dem Frühstück werden ab 8 Uhr wieder Manöver gefahren. Diesmal mit Ankern. Der geräumige Hafen bietet sich hierfür an. Ab 12 bis 15 Uhr Mittagspause, dann geht es weiter mit üben bis 18 Uhr. Dann kurze Pause, etwas essen und dann auf die nächste Nachtfahrt vorbereiten. Anker auf 20 Uhr, nächstes Ziel der Hafen Hydra auf der gleichnamigen Insel. Dort ganz in der Nähe werden wir unsere Prüfung ablegen.
Bei Wind SSO Stärke 2 und leichtem Seegang geht es flott vorran. Immer wieder werden aus dem Leuchtfeuerverzeichnis herausge-suchte Feuer gepeilt und der ermittelte Standort in die Seekarte eingetragen. So wissen wir immer wo wir gerade stehen und der ablösenden Wache oder dem Skipper jederzeit zeigen können, wo wir gerade sind.
Unser Skipper ist dann beruhigt und kann sich wieder hinlegen, nicht ohne uns zu sagen, wenn etwas los sein sollte, ihn sofort zu rufen. Aber in unserer Wache bis 24 Uhr bleibt es ruhig.
Mittwoch 8. Oktober. Wachwechsel, fast kein Wind mehr, also Segel bergen und weiter unter Maschine. So geht es bis 7 Uhr, dann rührt sich ein leichter Wind und wir können wieder Genua und Groß setzen. Gegen 13 Uhr kreuzen wir vor Hydra und dem Hafen. Bis 16:30 Uhr machen wir noch vor dem Hafen diverse Segelmanöver, dann laufen wir in den Hafen ein. Direkt rechts neben der Einfahrt finden wir einen freien Platz, an dem wir unter Buganker, Heck zum Land anlegen. Um 18 Uhr ist unser Schiff festgemacht und wir haben Landgang. Dieser führt uns in ein Lokal in der Nähe, in dem wir den Abend bei Essen und Trinken beschließen.
Insel und Hafen Serifos in Sicht
Insel und Hafen Serifos in Sicht
Donnerstag 9. Oktober. Es ist freundliches Wetter angesagt. Wir werden im Laufe des Tages zum Festland segeln, zu einer Ferienanlage mit kleinem Hafen, wo am Freitag die Prüfung stattfinden soll. Vorher wird jedoch noch eingekauft, da wir am Freitag von Bordverpflegung leben müssen. Dann segeln wir gegen 10:55 Uhr los. Hoch am Wind segeln wir nach Metochion, dabei werden wieder verschiedene Segelmanöver gefahren, u. a. mit Beidrehen und Beiliegen. Um 14:15 Uhr stehen wir vor kleinen Hafenanlage des Clubgeländes von "NUR". Die Einfahrt ist ausreichen tief, so laufen wir ein und machen dort fest. Unser Skipper sucht den Prüfer um ihm zu sagen, dass wir da sind und um den Zeitpunkt der Prüfung zu erfahren.
Wir legen dann nochmals ab und machen zuerst einige Anlege-manöver im Hafen, denn das wird Morgen auch Bestandteil der Prüfung sein. Da alles zur Zufriedenheit unseres Skippers klappt, fahren wir nochmals raus um weitere Segelmanöver zu üben. Da gegen 18 Uhr der Wind einschläft fahren wir in den Hafen zurück, notieren uns für die Ansteuerung einige Daten. 300 Meter vor der Mole muss auf einen Kurs von 010 -020 ° gegangen und eingelaufen werden. Dann machen wir fest und kochen, denn heute wird an Bord gegessen. Es geht dann früh schlafen, denn Morgen heißt es früh aufzustehen.
Im Hafen von Leivadion
Im Hafen von Leivadion
Freitag 10. Oktober. Um 7 Uhr gibt es Frühstück. Nach dem Wetterbericht ist heute mit Bewölkungszu-nahme, Wind aus Süd mit 3 - 4, nachmittags auffrischend auf 5 - 6 Bft., dabei mäßig bewegte bis rauhe See. Sicht 3 - 5 Seemeilen zu rechnen.
Um 9:30 Uhr kommt ein Prüfer an Bord, wir legen ab. Zuerst müssen wir drei Prüflinge Anleger mit Buganker im Hafen fahren. Ich bin nervös, der Skipper schaut mich schon wieder so an, wie die ganzen Tage vorher. Ich bin verunsichert. "Bitte einer das Ruder übernehmen", "ich steige aus der Prüfung aus!" Ist mir doch alles egal, sch.... Prüfung, will doch vom Fahren unter Maschine nichts wissen. Ich will segeln! Der Prüfer meint nur. " Ganz ruhig bleiben. Wir fahren jetzt raus zu den Segelmanövern." Draußen kommt dann noch ein zweiter Prüfer an Bord und beginnt sofort mit einigen theoretischen Beispielen und Fragen. Dann geht es los. "Bitte Herr Herold, beginnen Sie", so spricht mich der Prüfer an. Endlich darf ich zeigen was ich wirklich kann. Die Manöver gelingen alle ganz hervorragend, auch bei den anderen zwei Prüfligen ist nichts zu beanstanden. Der Wind hat inzwischen zugenommen, die Genua wird gegen die Fock ausgewechselt und wir dürfen auch zeigen, dass wir das Reffen gelernt haben. "Sehr gut", sagt der Prüfer zu mir. "Warum haben Sie denn solche Angst gehabt?" "Ich gratuliere, alle haben bestanden."
Hydra, Insel und Hafen
Hydra, Insel und Hafen
Wir nehmen wiederKurs auf den kleinen Hafen und legen uns mit Buganker an den Kai. "Dürfen wir Sie zum Essen einladen?" fragt unser Skipper den Prüfer, der mit uns hinausgefahren war. Ich stehe gerade unten und belege geschnittene Brote mit Wurst und Käse, als es losgeht.
"Alle Mann an Deck", "klarmachen zum Ablegen!" so höre ich plötzlich unseren Skipper rufen. Schnell verstaue ich die Brote im Spülbecken und stürze nach oben. Schrill pfeift der Wind in den Wanten, das Wasser in dem kleinen Hafenbecken ist aufgewühlt. Schnell verabschieden wir uns vonm Prüfer. Nichts wie raus hier. Wir müssen ablegen, denn in der Hafeneinfahrt haben wir nur 20 cm Wasser unter dem Kiel und bei den auflaufenden Wellen könnten wir Grundberührung bekommen. Eventuell sogar auf-sitzen und nicht mehr freikommen, querschlagen. Im Hafen können wir nicht bleiben, wir müssen am Sonntag in Athen das Schiff abgeben, unser Flug wartet.
Kaum aus dem Hafen raus, wird die Sturmfock gesetzt und es werden 2 Reff ins Großsegel gebunden. Es weht mit Windstärke 6
In Hydra
In Hydra
bis 7 Bft. und das bei strahlendem Sonnenschein. Jetzt mir dem BR-Segelschein in der Tasche machte es gleich nochmal soviel Spaß. Das geht ab wie die Post!! Immer wenn wir an einer Durchfahrt zwischenzwei Inseln vorbeisegeln verstärkt sich der Wind bis auf Stärke 8 Bft. und wir werden in die Gischt überkommender Wellen getaucht. So geht es mit voller Fahrt unserem heutigen Ziel Poros entgegen.18:05 Wachwechsel, wir machen eine letzte Kreuzpeilung zur genauen Ortsbestimmung, bevor es dunkel wird. Von diesem aus können wir dann weiterkoppeln. Gegen 19 Uhr werden die Fahrtlichter eingeschaltet. Kurz darauf wird die Maschine gestartet und die Segel eingeholt. Wir laufen in den Hafen von Poros ein, finden einen guten Platz und ankern um 20 Uhr mit Buganker und Heckleinen fest an der Kaimauer. Plötzlich geht der Motor aus. Dicker beißender Qualm kommt von unten aus dem Maschinen-raum. Skipper Hubertus geht auf Fehlersuche."Da" sagt er. " Anlasser durchgebrannt", aber warum? Oben an Deck können wir es sehen. Der Schlüssel mit dem die Maschine gestartet wird springt nicht mehr automatisch in Runstellung zurück und gestern Abend wurde vergessen ihn von Hand zurückzu-stellen. Er blieb also in Startstellung, dreht mit und ist durchgebrannt.
Wir gehen erst mal zum Essen von Bord, machen alle Lucken auf, damit sich der Qualm verziehen kann.

Im Hafen von Hydra
Im Hafen von Hydra
Samstag 11. Oktober. Wir müssen zuurück nach Athen. Also 7 Uhr frühstücken und Schiff klar zum Ablegen machen. 9:30 Uhr Anker auf, auslaufen unter Segeln. Die Maschine lässt sich ja nicht mehr starten. Skipper Hubertus steht selber am Ruder, als wir gegen den Strom der hier in der Durchfahrt steht, ankreuzen. Gegen 12 Uhr sind wir aus der engen Durchfahrt raus und haben nun Platz im "Ormos Poros". Unser Kurs führt uns nach Sicht rund um N. Modhi. Nach dem Wetterbericht sollen wir Wind W-NW der Stärke 5 - 6, später SW mit 4 - 5 Bft. bekommen, bei mäßig bis rauher See. Haben tun wir aber ENE 1 - 2, auf NNE drehend und auf 0 - 1 abflauend. Bei wolkenlosem Himmel geht es bei dem schwachen Wind fast nicht vorwärts. Es ist sehr warm. So vergeht der nachmittag, es wird Abend. Nun kommt der Wind aus Osten. Als es dunkelt werden die Lichter angemacht und die Genua gegen die Fock getauscht. Gegen Mitternacht hat der Wind auf NW zurückgedreht und bläst nun mit 3 Bft., bei Seegang Stärke 2. Da der Himmel fast gänzlich bedeckt ist,ist es sehr dunkel. Wir können N.Feres in 130° und Leuchtfeuer Ormos Kouliag-menos in 110° peilen. Die Hafeneinfahrt peilen wir anhand der Lichter des Flughafens von Athen und ermitteln daraus den zu laufenden Kurs aus der Seekarte. Ansteuerung demnach 020°. Die Feuer der Hafeneinfahrt waren bei den ganzen Lichtern der Stadt nicht auszumachen.

Da wir jedoch im Dunkeln nur unter Segeln nicht in den Hafen einlaufen wollen, kreuzen wir bis zum Sonnenaufgang vor der Hafeneinfahtrt. Dann laufen wir ein, bergen in der Einfahrt die Segel und paddeln mit den Padeln des Schlauchboots die Segelyacht zu ihrenm Liegelatz ganz am Ende des Hafens. Dort machen wir um 5:30 an Leinen und Murings fest an unserem Platz.

Unser BR-Prüfungstörn durch die Griechische Inselwelt den ich nicht vergessen werde ist zu Ende. In zwei Wochen haben wir 477 Seemeilen zurückgelegt.

Plötzlich kommt Nebel auf
Insel und Hafen Serifos in Sicht
Im Hafen von Leivadion
Hydra, Insel und Hafen
In Hydra
Im Hafen von Hydra
Ruhetag vor der Prüfung
Gaby und Klaus beim Shoppen
Weiße Traumyacht
Einheimische Transportmittel
Was ist wohl in all den Fässern drin?
Auf hoher Kante. Sturmfock gesetzt, 2. Reff im Groß.  6 -7 Bft.
Windstärke 7 bis 8. Überfahrt nach Poros
Blick auf Poros
Hafenansicht von Poros
Fest vor Anker in Poros
Jetzt gilt es! Segeln im Fahrwasser. Das macht der Skipper selber
Bei leichtem Wind verlassen wir Poros unter Segeln
Und wo ist jetzt der Wind?
Abendstimmung im Saronischen Golf
Begegnung vor Ägina
Wir haben es geschafft
Zurück in Athen-Kalamaki
Das Taxi wartet. Wir gehen von Bord
Damals Zahlungsmittel. Die Drachme! Kommt sie wieder?
Übersicht über den gefahrenen Törn

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
6.134
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 25.06.2012 um 21:00 Uhr
schöne Foto`s, doch Ihre Zeichnungen zwischendurch sind die Sahnehäubchen - wenn Sie mir die Bemerkung gestatten.
Peter Herold
20.130
Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.06.2012 um 08:48 Uhr
Ist es vermessen wenn ich sage, ja ich weiß es ;-)
Leider küsst mich zur Zeit die Muse nicht so wie es erfodrlich wäre ;-(
Birgit Hofmann-Scharf
6.134
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 26.06.2012 um 09:22 Uhr
auf diese "Gabe" können Sie auch stolz sein !!!!!!!
Peter Herold
20.130
Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.06.2012 um 14:11 Uhr
Aber, wie gesagt. Die Muse ....
Ingrid Wittich
15.438
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 27.06.2012 um 09:41 Uhr
Das ist nicht vermessen, wenn Du sagst: "Ich weiß es". Du kannst es wirklich und vielleicht kommt eines Tages die Muse zurück.
Peter Herold
20.130
Peter Herold aus Gießen schrieb am 27.06.2012 um 10:00 Uhr
Danke, noch kann ich auf die Muse und den Kuss warten.
Wenn meine Hausrenovierung endlich abgeschlossen ist, dann habe ich wieder Muse. Da wird sich doch dann auch der Kuss wiederfinden ;-)
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Peter Herold

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Peter Herold
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