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Radtour in den Westerwald

Der?, die? oder das? Backes
Der?, die? oder das? Backes
Gießen | Dem Wetterbericht nach sollte es keinen Regen geben, also brach ich am Samstag um 11:30 zur ersten längeren Radtour in diesem Jahr auf. Von Gießen ging es zunächst den Lahnradweg entlang nach Wetzlar. Dort gut anderthalb Stunden Fotopause auf dem Hessentag, ehe es auf dem Radweg rechts der Lahn weiter über Leun nach Biskirchen ging. Das Wetter war zum Radfahren ideal, nur der das Lahntal hoch kommende, ziemlich kräftige Wind bremste. Aber als Radfahrer kennt man das, der Wind kommt immer von vorn.

In Biskirchen wollte ich ins Ulmtal einbiegen, bin aber fälschlicherweise gleich am Anfang in den Ort eingefahren. Die Straße führte statt sanft ansteigend durch das Tal des Ulmbachs immer steiler bergan; als mir der Verdacht kam, ich könnte die falsche Abzweigung genommen haben, war es schon zu spät und ich fuhr das kurze Stück weiter bis Bissenberg. Da aber in jedem Irrtum auch eine Chance liegt, entdeckte ich so oberhalb Biskirchens einen kleinen jüdischen Friedhof, der mich veranlasste, zuhause mal ein bisschen im Internet über die jüdische Geschichte der Gegend nachzulesen. Das soll aber hier nicht vertieft werden.

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Westerwald (17)Ulmbachtalsperre (1)Ulmbachtal (1)Ulmbach (2)Kallenbachtal (1)Beilstein (1)Arborn (1)
Nach der Durchfahrt von Bissenberg ging es dann endlich eine schöne Abfahrt ins Ulmtal hinunter. Der Ulmbach, nach dem das Tal heißt, ist mit 23km etwa so lang wie die Wieseck, sein ganzer Verlauf geht aber durch ein viel engeres Tal. Nach kurzer Fahrt im Tal, etwa ein Kilometer, kam ich am Outdoor-Zentrum Lahntal an, in das ich aber nur mal kurz einen Blick warf. Es scheint mir in erster Linie für Kinder und Jugendliche interessant, die dort u. a. in verschiedenen Workshops und Kursen Naturerfahrungen machen und sich sportlich betätigen können. Für Familien mit Kindern sicher auch interessant.

Für mich war in dem Moment wichtiger, dass ich einen Fahrradwegweiser dort sah. Ich überlegte zwar, es schien mir steil bergauf zu gehen, ob ich nicht auf der Talstraße bleiben sollte, die nur von wenigen Autos befahren war, entschied mich aber doch für den Radweg. Unter einem Miniviadukt hindurch ging es eine kurze Rampe hoch und plötzlich befand ich mich auf der stillgelegten und in einen Radweg umgewandelten Trasse der einstigen, im Volksmund Balkanexpress genannten, Ulmtalbahn, die mit einer Länge von 15 km Stockhausen an der Lahn mit Beilstein verband. Die Bahn wurde 1922 eröffnet und beförderte bis 1976 Personen, danach
Wetzlar und der Hessentag liegen hinter mir
Wetzlar und der Hessentag liegen hinter mir
noch Güter, bis sie 1988 ganz stillgelegt wurde. Der Radweg ist leider noch nicht durchgehend und reicht im Moment erst vom Outdoor-Zentrum bis hinter Ulm, lässt sich aber wie ehemalige Bahnstrecken immer wegen der maximalen Steigung von 2,4% wunderbar entspannt fahren.

Es ging weiter über Allendorf, Ulm, Holzhausen zur Ulmtalsperre. In Allendorf wollte ich eigentlich in das „Künstleratelier Zum Grünen Bären“ von GZ-Bürgerreporter Dr. Scharf., aber da ich erst mittags los gefahren war, und noch einiges vor mir lag, unterließ ich es dann doch. Das war jetzt schon der zweite Fehlversuch, letztes Jahr hatte mich ein Gewitter schon einmal zum Umkehren gezwungen.

Auch an der Talsperre zwischen Holzhausen und Beilstein eine kleine Enttäuschung. Sie war ohne Wasser, da die Staumauer abgedichtet wurde. Trotzdem war der daran liegende Campingplatz recht gut besucht, vielleicht waren die Leute auch froh, einmal nicht ins Wasser zu müssen. Immerhin war das dortige „Wirtshaus im Ulmtal“ geöffnet und ich gönnte mir eine Torten- und Kaffeepause.

Beilstein war danach schnell erreicht, am imposantesten die dortige Burgruine, die durch einen futuristischen Glasanbau auffällt. Leider ist die Anlage nur von außen zu besichtigen, da sie ein
Lahnschleuse Altenberg bei Oberbiel - hier heißt es Selbstbedienung
Lahnschleuse Altenberg bei Oberbiel - hier heißt es Selbstbedienung
Heim für behinderte Menschen beherbergt. Der Ort wurde nicht ganz durchfahren, hinter der Apotheke kürzte ich links den Berg hoch ab. Der Weg führte am Basaltsteinbruch vorbei und wurde bald so schlecht, dass er schon bald selbst wie Steinbruch wirkte. Zum Glück musste ich ihn nicht bergab fahren.

Aber bald stieß ich wieder auf die Ortsumgehung und es ging flott nach Arborn. Auf dem Streckenstück merkte ich auch, dass der Westerwald auch beliebte Motorradstrecken enthält, etliche Jedi-Ritter passierten mich von vorn und hinten auf ihren PS-starken Maschinen. Die Aussicht auf der Höhenstraße war, wie auch schon an einigen Stellen des Ulmtalradweges großartig, bis zum Feldberg im Taunus. Nach 60 km war dann Arborn erreicht, in der Ortsmitte hübsch restauriert das ehemalige Schulhaus, heute Heimatmuseum, aber leider wie viele kleine Museen nur am ersten Sonntag im Monat geöffnet. Wieder Pech. Daneben das kleine Backhaus, auch zu, aber backen wollte ich sowieso nicht, obwohl, essen hätte ich schon wieder gekonnt. Damit musste ich aber noch warten, bis ich nach 15 km fast durchgehender Abfahrt durch das Kallenbachtal auf wieder meist tadellosem Radweg in Löhnberg wieder auf Lahnniveau war und ein paar Kilometer weiter mir in einem „Netto“ eine Rosinenschnecke holen konnte. Dann ging es diesmal auf der anderen Lahnseite zurück nach Gießen. Der Wind hatte zum Glück nicht gedreht und schob jetzt.

Noch ein paar Fotos unterwegs, aber keine längere Pause mehr und um viertel vor zehn war ich nach 119 km zurück. Dann schnell 250g Spaghetti gekocht, eine Flasche Rosé geköpft und das war wieder ein Samstag gewesen.

Der?, die? oder das? Backes
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Wetzlar und der Hessentag liegen hinter mir
Lahnschleuse Altenberg bei Oberbiel - hier heißt es Selbstbedienung
Leider nicht Zeuns sondern Leuns schöne Fachwerkhäuser
Am Berg oberhalb Biskirchens ist gut ruhn
... da liegt ein kleiner jüdischer Friedhof.
Seltsames Getier hier: Wer kennt die Schlange ohne Kopf am Straßenrand ?
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Westerwaldbär am Outdoorzentrum von Allendorf
Klettern im Outdoorzentrum bei Allendorf
Radfahren auf der Trasse der alten Ulmtalbahn
Die Ulmtalbahn verband Beilstein mit Stockhausen an der Lahn
Mal nur Böschung neben der Trasse
... dann wieder Sicht bis zum Feldberg im Taunus
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Was Krähen bloß gegen Bussarde haben, der arme Kerl fand keine Ruhe
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Ulm
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und seine Kirche
Leider ohne Wasser, die Ulmbachtalsperre
Auch ohne Wasser, der Campingplatz ist gut besucht
Der  Schein trügt, ich war nur draußen allein
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Das musste sein: Westerwälder Kirsch, Kalorien für die nächsten 40 km
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Orangefarbenes Habichtskraut am Straßenrand
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Nicht Dornröschens Schloss ...
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... sondern Burg Beilstein
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Blick über die Westerwaldhöhen in den Taunus
Die alte Schule von Arborn, heute Heimatmuseum
Das Backhaus
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Ab Arborn ging es 15km bergab durch das Kallenbachtal. Hier Blick auf Nenderoth.
Das Kerkerbachtal musste diesmal ohne mich auskommen
Der Kallenbach
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"Autobahn" für Radler im Kallenbachtal
Heilquelle in Biskirchen
Auch wenn mit ihm geworben wird, Goethe kann es noch nicht getrunken haben - der Brunnen wurde erst 1896 erbohrt
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Biker mit und ohne Motor werden zur Rast geladen
Mohnschein, wie bestellt
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Fast zuhause
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Das Beste nach so einer Tour, Spaghetti und eiskalter Rosé
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Teil 5: Sie kam in ein Tal mit ganz viel Wasser, welches ihren Durst löschte. Die Sonne blitzte hinter den Wolken hervor.

Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
5.128
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 16.06.2012 um 08:43 Uhr
Wem so eine Strecke insgesamt zu lang ist, der kann mit der Bahn bis Stockhausen, 1 km vor Biskirchen, fahren. Die Rundstrecke allein sind etwa 35 km.
Ingrid Wittich
12.008
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 16.06.2012 um 10:26 Uhr
119 km mit dem Rad. Alle Achtung!!
Mathias Engelhart
5.038
Mathias Engelhart aus Gießen schrieb am 16.06.2012 um 11:00 Uhr
119, Respekt! Und ein schön geschriebener Bericht, der mich sofort veranlasste, mehr über den Balkanexpress zu recherchieren.
Jutta Skroch
5.002
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 16.06.2012 um 11:30 Uhr
Dank deiner tollen anschaulichen Berichterstattung war ich nun auch dabei. Ich bin seit fast 5 Jahren nicht mehr Rad gefahren, kann mich nicht aufraffen. Meine weiteste Strecke früher waren mal ca. 60 km. Da tat mir hinterher mein "Brötchen" ganz schön weh. Nach einem bösen Sturz vor etlichen Jahren mit 1 1/2 Jahren Schulterschmerzen hinterher hält sich mein Ehrgeiz in Grenzen.
Birgit Hofmann-Scharf
2.412
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 16.06.2012 um 12:38 Uhr
Das ist aber ein sehr schön kommentierter und bebildeter Reisebericht !
Peter Herold
14.249
Peter Herold aus Gießen schrieb am 16.06.2012 um 14:39 Uhr
.....ziemlich kräftige Wind am 9. Juni. Da war ich auf zum MoGo in Solms-Albshausen und es hat mich fast vom Bike geblasen.

Schöner beitrag. Hat mich jetzt doch über 20 Minuten beschäftigt.

Teilweise müsste ich diese Tour auch mit dem Bike fahren können.
Ilse Toth
18.423
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 16.06.2012 um 17:29 Uhr
Gut trainiert bist Du , Bernd! Wirklich beachtliche Leistung. Sehr schöner, anschaulicher Bericht mit schönen Fotos.
Bernd Zeun
5.128
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 16.06.2012 um 23:43 Uhr
Ihr überschätzt die Leistung, ist alles halb so wild. Wenn ich morgen früher los komme, wird's sicher mehr.
Ingrid Wittich
12.008
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 17.06.2012 um 08:44 Uhr
Noch mehr! Waaahnsinnnnnnn
Bernd Zeun
5.128
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 18.06.2012 um 22:37 Uhr
So alt wie Sie, Herr Sauter. Nein, stimmt nicht, ein Jahr jünger. Gerade noch mal nachgeschaut.
Peter Herold
14.249
Peter Herold aus Gießen schrieb am 19.06.2012 um 19:01 Uhr
X 2 = ?
Bernd Zeun
5.128
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 19.06.2012 um 20:16 Uhr
Die Gleichung ist mir ein Rätsel.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Bernd Zeun

von:  Bernd Zeun

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Bernd Zeun
5.128
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