Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

2. Segeltörn 1980 - Ab Athen große Kykladenrunde Teil 2

Apollon-Tempel auf Palatia
Apollon-Tempel auf Palatia
Gießen | Ausbildungs- u. Prüfungstörn Ägäis / Kykladen 2. Teil

Freitag 3. Oktober Heute wollen wir über Delos nach Naxos segeln. Der Wetterbericht verheißt Wetter wie am Vortag, also Windstärke lokal bis 6, See rau, Sicht 4 – 6 Seemeilen. So setzen wir nach dem Auslaufen aus dem Hafen wieder die Sturmfock und das 2-fach gereffte Groß. Sofort werden wieder alle Manöver gefahren, denn die müssen am Prüfungstag perfekt sitzen. Insbesondere das Beiliegen, also das Schiff ohne Fahrt nahezu auf der Stelle zu halten, muss auf Anhieb klappen. Wichtiges Manöver bei Starkwind und Sturm, um mit dem Schiff möglichst ruhig zu liegen, um beispielweise zu kochen, zu essen oder Segel zu reffen. All diese Manöver werden geübt, auch das Ein-und Ausreffen des Großsegels.

Nach dem Wachwechsel um 12 Uhr nehmen wir wieder Fahrt auf Richtung Delos. Fast wären wir dort gestrandet. Der Skipper ließ den Wachführenden Ortwin solange den eingeschlagenen Kurs halten. Ortwin hatte die Himmelrichtung verwechselt und suchte Delos immer hinter uns.

Es wäre zur Klärung doch nur ein einfacher Rundumblick vonnöten gewesen. Delos wird dann süd-östlich umfahren, um von Süden her in den Stenon Dilon einzufahren. Wir sind der Meinung, wir haben noch Zeit mit dem Besuch der Insel, also wird zuerst gebadet. Aber dann, als wir gegen 17 Uhr auf die Insel wollen, lassen uns die Wächter nicht mehr an Land. Schade, denn wir hätten diese alte Stätte mit ihren Kunstwerken gerne gesehen. So bleiben wir weiter vor Anker liegen, essen eine Kleinigkeit und holen um 19 Uhr den Anker auf. Die 17 Seemeilen bis Naxos fahren wir unter Maschine, denn der Wind reicht nicht mehr zum Segeln. Die Ansteuerung klappt wie am Schnürchen, die Lichter des Hafens und der Ansteuerung sind gut auszumachen. 22:30 Uhr fällt der Anker und wir in die Kojen.
Samstag 4. Oktober Für heute ist wieder eine Nachtfahrt geplant. An einem Stück durch bis Santorin etwa 90 Seemeilen. Also muss ich jetzt los, um etwas von Naxos zu sehen. Da gibt es doch diesen bekannten Tempel der Apollon geweiht war und von dem nur noch ein Torbogen steht. Ein weiteres Zeugnis liegt im Norden der Insel, da wollen wir heute hinsegeln. Eine überlebensgroße(10 Meter) Figur den Apollon darstellend soll dort liegen. Aber vorher hätte es beinahe eine Katastrophe gegeben. Morgens als ich an Deck kam hatten mir wegfahrende Segler etwas zugerufen
Morgensonne über Naxos
Morgensonne über Naxos
was ich nicht verstanden hatte. Als jetzt aber die Fähre einläuft und sich beim Drehen ein hoher Schwell bildet, weiß ich was sie gemeint haben. Sie haben beim Anker auf gehen unseren losgerissen und nun hält er nicht mehr. Das Schiff schlägt daher mit dem Heck an die Kaimauer. Wir versuchen abzuhalten, was aber nur eingeschränkt klappt. Dabei wird Werner, der nicht rechtzeitig die Reeling los ließ mitgerissen und kann sich gerade noch hochziehen als das Schiff wieder hinten an die Mauer schlägt. Also, jetzt ist „Besanschot an“, ein Ouzo für alle notwendig.
Auch für heute gibt der Wetterbericht die gleiche Lage wie vom Vortag bekannt. Um 8 Uhr Maschine an und Leinen los. Wir verlassen den Hafen von Naxos und setzen dann gleich die Segel, wobei heute das Groß ausgerefft gefahren wird. Kurz vor 14 Uhr, der Wind hat aufgefrischt wird die Genua gegen die kleinere Fock getauscht. Wir können jetzt um die Nordspitze von Naxos herum und im „Ormos Apollon“ einlaufen und werfen um 15 Uhr dort den Anker. Während die anderen an Land gehen um nach der Statue zu schauen bleibe ich an Bord, mache ein paar Aufnahmen, beschäftige mich mit nautischen Unterlagen und bereite mich auf die heutige Nachtfahrt vor. Gegen 17:40 gehen wir „Anker
Von Hand geschossene Panoramaaufnahmen
Von Hand geschossene Panoramaaufnahmen
auf“ setzen Fock und das gereffte Groß und segeln in den beginnenden Abend hinein. Es weht ein frischer Nordwind mit 3 -4 Bft. Bei mäßig bewegter See. Gegen 19:45, kurz vor dem Beginn meiner Wache um 20:00 Uhr erreiche ich die für die Prüfung erforderlichen 300 Seemeilen.
„Vier Uhr aufstehen“ unsanft weckt mich Ortwin aus tiefem Schlaf. „Wachwechsel“, schon wieder! Schnell raus aus der Koje, rein ins Ölzeug und zum Kartentisch, kurz den momentanen Standort erklären lassen und dann hoch ans Deck, die Wache und das Ruder übernehmen. Sternenklarer Himmel über uns. Oben am Himmel eine ungewöhnliche Konstellation. Die schmale Mondsichel liegt flach und über ihr in der Mitte steht hell die Venus. So ähnlich schaut doch die Türkischen Flagge aus.

Hierzu aus Wikipedia eine kurze Erklärung: Hesperos(Abendstern) sowohl wie Phosphoros(Morgenstern) beides sind ja die Venus, werden in der Antike als empor- oder abwärtsfliegende Knaben mit Fackeln dargestellt, auch schwebt Hesperos öfters vor der Mondgöttin her.
Diesem liegt zu Grunde, dass die Konstellation Venus-Sichelmond relativ häufig vorkommt und ein sehr eindrucksvolles Bild darbietet. So ist z.B. ist auf der türkischen Flagge die Konstellation Morgenstern / abnehmender Sichelmond dargestellt.

von links nach rechts ganz links
von links nach rechts ganz links
Es weht nur noch ein leichter Wind aus Nordnordwest, so schütten wir erst mal die 2 Reffe aus dem Großsegel. Schon nehmen wir mehr Fahrt auf. Ja, ja die Backbordwache. Wir machen nach Möglichkeit alles alleine, brauchen dazu niemand zu wecken. Bei am Kurs anliegenden 226° peilen wir um 06:10 Uhr recht voraus Santorin. Mit 2 Kreuzpeilungen an 3 Feuern können wir unseren wahren Ort (OW) genau bestimmen und tragen diesen in die Seekarte ein. Dann wecken wir die andere Wache wobei wir sie über das was sich ereignet hat informieren. Also 2 Reff ausgeschüttet, Genua gegen Fock getauscht und Santorin um, in gepeilt, wir zeigen in der Seekarte den Standort. Dann gehen wir kurz in die Koje zum Aufwärmen, aber nur kurz denn gibt es Frühstück mit heißem Kaffee. Der tut und nach der kalten Nacht richtig gut. Solange alle bis auf Ortwin der am Ruder steht frühstücken, fährt uns dieser in die Nord-Einfahrt des ehemaligen Kraters. Die Segel werden geborgen und unter Maschine fahren wir zum Hafen und legen uns längsseits an die Pier. Es sind sonst keine Schiffe da, so haben wir genügend Platz. Die Freiwache hat jetzt Zeit für einen Landgang. Ich bleibe freiwillig an Bord und da auch Hubertus in der Nähe bleibt, kann auch der Rest der Mannschat an Land gehen. Sie reiten mit Eseln zur Chora hoch. Ich beschäftige mich wieder mit dem Logbuch und genieße die Ruhe an Bord.
Mitte
Mitte
Gegen 16 Uhr sind sie wieder zurück, so können wir ablegen und in einer südlich gelegenen Bucht ostwärts von Kap Akrotiri, die wir um 18 Uhr erreichen, in Ruhe vor Anker liegend Abendbrot machen und essen. 21:45 heißt es dann wieder Anker lichten, Fock und Groß setzen, klar zur Nachtfahrt nach Serifos. Als wir - die Backbordwache - um Mitternacht die Wache übernehmen, nehmen wir als erstes die Fock weg. Es hat fast keinen Wind mehr und so nur das Groß als Stützsegel stehend lassend, fahren wir unter Maschine weiter. Zwischenzeitlich hat der Wind ganz nachgelassen. Eine lange Nacht liegt vor uns.
Der Himmel ist klar und so können wir Sterne erkennen die wir sonst nicht sehen. So vergeht die Nacht. Wachwechsel, mehrfaches ändern der Segel(Fock, Genua und Groß)sowie Maschine an und aus, je nach Wind. Wieder Frühstück für alle bis auf den Mann am Ruder, der bekommt es später. Plötzlich die Maschine läuft unrund und geht schließlich aus. Was ist los? Mist! Tank leergefahren. Kein Diesel mehr. Das heißt jetzt aus Kanistern nachtanken und zur Strafe Diesel entlüften. Ist ja ein Ausbildungs-törn, da sollen wir wohl alles einmal mitbekommen. Schadet sicher nicht. Wer weiß ob wir das Wissen das wir hier erwerben bei späteren Fahrten nicht gut brauchen können.
Nach dem Entlüften ist Baden angesagt. Fender werden an langen Leinen nachgezogen, damit sich Mann und Frau daran festhalten können, denn trotz des leichten Windes machen wir immer noch Fahrt durchs Wasser.

Fortsetzung folgt demnächst

Apollon-Tempel auf Palatia
Morgensonne über Naxos
Von Hand geschossene Panoramaaufnahmen
von links nach rechts ganz links
Mitte
von links nach rechts ganz rechts
Sonnenaufgang über Santorin
Wir laufen in den ehemaligen Krater ein
Kraterwände
Da liegt ein untergegangenes Schiff
Da oben liegt die Stadt
1
Die typischen weißen Häuser
7
Stolz wehen die Flaggen
Was will uns der Skipper mit dieser Geste sagen?
Ortwin wieder guter Dinge. Delos vergessen?
Skipper geht mit gutem Beispiel voran.
Wie fangen alle Märchen an? Es war einmal!
Karte mit Verlauf des Törns von Anfang bis Ende

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Der seit zwei Jahren am Internationalen Tarsus-Marathon teilnehmende Philosoph-Athlet Chrysippos (Erhan Üvey)
Der Philosoph und Athlet Chrysippos (Erhan Üvey), aus Tarsus, hat im Namen der Zeitschrift "aratos" am Kölner Marathon teilgenommen!
Der Philosoph und Athlet Chrysippos (Erhan Üvey) aus Tarsus, der in...
Poseidon-Tempel, 440 v. Chr. erbaut
Faszinierendes Griechenland: Kap Sounion
Kap Sounion liegt etwa 75 km südöstlich von Athen und gilt als...
Bildungsreise der DGB-Jugend nach Athen
Pressemitteilung der DGB-Jugend Mittelhessen Am kommenden Sonntag...
DGB-Jugend zu Besuch im Komitee „Solidarität für alle“
Soziale Krise wird zu humanitärer Krise
Gewerkschaftsjugend zu Besuch in Griechenland Ein Bericht von...
Thessaloniki heute (Vergleich zu 1983). Es hat sich nichts verändert!!
Antennen von Thessaloniki
Flyer zur Veranstaltung des Griechenland-Solidaritätskomitee am 20.06.2013 im Versailles-Zimmer der Kongresshalle
Griechenland vor dem Kollaps - Was tun?
Thessaloniki - ein Rückblick auf das Jahr 1983
22 Tage Griechenland-Türkei-Rundreise mit 4tägiger Kreuzfahrt auf dem...

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Peter Herold

von:  Peter Herold

offline
Interessensgebiet: Gießen
Peter Herold
14.669
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Jiddische Musik vom Feinsten
Gestern 20 Uhr in der VITOS Kirche Licher Straße
Es spielte und sangen das Ensemble: Bakad Kapelye Titel aus...
Klingt gut - Zeitlos, dazu Café -  das kann nur stimmen
Ausflug nach Gonterskirchen und Schotten - Motto Zeitlos
Früher beliebte Motorradfahrten in den Vogelsberg,heute muss ich mit...

Veröffentlicht in der Gruppe

Binnen und Buten. Segeln in aller Welt, wer segelt mit?

Binnen und Buten. Segeln in aller Welt, wer segelt mit?
Mitglieder: 3
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Ich bin ein ganz lieber Kerl
ich bin nicht Störtebeker
Einpacken meiner Unterlagen  und Gepäckstücke in München
12./13. Segeltörn 1988 - Je eine Woche Ausbildung nördliche Adria Teil 1
Hier fasse ich zwei Ausbildungstörns zusammen, die je- weils ab Umag...

Weitere Beiträge aus der Region

Sommerferienbeginn im Norden
Der Norden startet in die Sommerferien
Am Wochenende fällt der Startschuss für die verkehrsreichste...
Panzertransporte auf der Bahn. Wo geht`s hin ??
Mit Besorgnis sehe ich heute den 3. Güterzug, der mit unseren...
Schallplattenaufnahme im Theater Altes Hallenbad Friedberg
Bastian Korff wird das Konzert, welches er gemeinsam mit dem...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.