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DIE AUSSAGE

Gießen | Der Kommissar beugte sich über den Schreibtisch und sah Orf über seine Bi-fokale –Brille an:
„Ich lese Ihnen jetzt das Protokoll vor…dann können sie nach Hause gehen,“ sagte der Kommissar und räusperte sich: „Also…: Mittwochabend sass ich mit unserer Tochter Jane am Bett meiner Frau. Wir sahen im Fernsehen einen Dokumentarfilm: Laichende Lachse. Meine Frau fühlte sich seit Tagen unwohl. Nein, sie fühlte sich krank. Denn eine Woche zuvor hatte man ihr den Blinddarm entfernt. Aber Eura verließ gegen den Rat der Ärzte schon frühzeitig das Krankenhaus.
In der letzten Zeit war unsere Stimmung oft bedrückt. Eura litt unter ihren Depressionen. Das war unerträglich.
Aber trotzdem las sie unserer Tochter jeden Abend etwas vor. Am liebsten Wilhelm Busch. Jane war begeistert, wenn ihre Mutter gestenreich die Streiche von „Max und Moritz“ vortrug. Und jedesmal fieberte Jane aufs Neue dem Schluß der Moritat entgegen. Dann endlich konnte sie laut lachend mit ihrer Mutter im Duett den Schlußakkord setzen:
„Jeder legt noch schnell ein Ei, und dann kommt der Tod herbei.“
Aber an jenem Abend war Eura nicht in der Lage unserer Tochter vorzulesen. Deshalb sahen wir uns diesen Dokumentarfilm an: Laichende Lachse. So hofften wir unser Kind etwas abzulenken.
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Danach brachte ich Jane zu Bett. Ich musste mich noch beeilen, weil wir abends eine Dienstplanbesprechung hatten.
„Bleib doch nur heute einmal zu Hause…!“
„Sei doch nicht kindisch!“ kanzelte ich sie ab. Aber wenn ich es recht bedenke lag unter ihren Augen schon ein feuchter Schleier.
„Ich kann mir nicht mehr aussuchen, ob ich kindisch bin oder nicht,“ flüsterte Eura mit dem jämmerlichen Blick eines ungeliebten Kindes.
Der Kommissar löste sich kurz von seinem Protokoll und sah Orf verständnisvoll an:
„Das klingt ja so, als hätte sie sich mit einer Art von Jämmerlichkeit abgefunden?!“
„Wie hätten Sie reagiert?“ sagte Orf noch immer ratlos.
„Das weiß ich allerdings auch nicht…,“ sagte der Kommissar und stand auf, um das Kippfenster zu schliessen. Hinter seinem Schreibtisch hing ein raumhoher Stadtplan.
„Also,“ sagte der Kommissar, nachdem er sich wieder in seinen Sessel fallen ließ, „ hören wir uns noch einmal Ihre Aussage an. Wenn Sie etwas korrigieren möchten, unterbrechen Sie mich…“

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von:  Dr. Mathias Knoll

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Interessensgebiet: Gießen
Dr. Mathias Knoll
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