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Von der Macht der Spekulanten

Blick ins Niemandsland
Blick ins Niemandsland
Gießen | Nachdem sich zunächst viele Gemüter über die Vollsperrung des unteren Teiles der Bahnhofstrasse rund um das alte Samen Hahn Haus erhitzt hatten, scheint jetzt eine gewisse Lethargie eingekehrt zu sein. Der Bereich ist nun hermetisch abgeriegelt. Anwohner und Kunden der letzten ums Überleben kämpfenden Geschäfte haben nur über die Westanlage Zugang. Ab und zu sieht man einige Mutige einfach über die hohen Absperrgitter klettern...so richtig ernst nimmt eigentlich niemand die Sofortmaßnahme der Stadt, um Leib und Leben ihrer Bürger vor einem möglichen Einsturz des alten Hahn Hauses zu schützen. Einerseits werden zwar alle möglichen Zugangswege weiträumig abgesperrt, andererseits sind aber die Bewohner und Geschäftsinhaber im direkten Nebenhaus permanent dem drohenden Einsturz ausgesetzt. Wenn es für Fußgänger nicht einmal erlaubt ist, auf der anderen Strassenseite das einsturzgefährdete Gebäude zu passieren, sollte dann nicht das unmittelbar angrenzende Wohnhaus unbedingt evakuiert werden? Und wie kommt es, dass keine der Personen, die mit den Absperrmaßnahmen oder den unmittelbaren Kontrollen an der Fassade betraut ist, einen Schutzhelm trägt? Ist die Gefahr doch nicht so groß, wie der Eigentümer den Verantwortlichen der Stadt gerne einreden möchte, um endlich - nach dreißig Jahren Verwahrlosung - die Genehmigung für einen Abriss zu bekommen? Anwohner und Geschäftsinhaber stehen der Situation weiterhin fassungslos gegenüber. Wie ist es möglich, dass ein einziger stadtbekannter Spekulant eine ganze Strasse lahmlegen kann, einzig und allein, um seine finanziellen Interessen durchzusetzen? Die Baufälligkeit hat schließlich der Eigentümer selbst verschuldet und die Allgemeinheit muss jetzt dafür büßen: Vollsperrung der Zufahrtswege, Umleitung der Stadtbusse und nicht zuletzt die immensen Umsatzeinbußen der Geschäftsanlieger - alles Kosten, die man - sollte es noch einen Rest von Gerechtigkeit in der Welt geben - den Eigentümern in Rechnung stellen muss! Interessant wäre es auch, eben diesen Eigentümern von jetzt auf gleich alle Zugangsmöglichkeiten zu einem ebenfalls im Besitz der
Familie befindlichen Brauhaus in der Innenstadt zu sperren. Ob das auch so geduldig hingenommen würde, wie man es offensichtlich von den betroffenen Anwohnern in der Bahnhofstrasse erwartet, das bleibt die große Frage...

Kommentare zum Beitrag

Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 20.04.2012 um 17:56 Uhr
Dieses Grunstück einst für 3,5 Millionen D-Mark gekauft soll nun einen Gewinn von ca. 15 Millionen € erbringen. Das hat sich dann rentiert.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 20.04.2012 um 19:08 Uhr
Das ist ja toll - diese Rendite. Kann man den Eigentümer nicht dazu zwingen, das Haus wieder Instand zu setzen? Er hat es ja schließlich verwahrlosen lassen. Eigentum verpflichtet - das gilt aber wohl nicht für jeden.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 21.04.2012 um 18:12 Uhr
Ab und zu sieht man einige Mutige einfach über die hohen Absperrgitter klettern...so richtig ernst nimmt eigentlich niemand die Sofortmaßnahme der Stadt, um Leib und Leben ihrer Bürger vor einem möglichen Einsturz des alten Hahn Hauses zu schützen.
Das kann ich nur bestätigen. Heute zwichen 12:30 und 13:00 passierte es unter den Augen zweier Polizisten die dort mit ihrem Streifenwagen unterwegs waren. Frauen, Kinder und Radfahrer, auch ein paar männliche erwachsene waren im "Sperrgebiet" unterwegs. Die Ordnungshüter machten keine Anstalten auszusteigen und die Leute zu ermahnen. Dabei soll doch akute Einsturzgefahr mit Gefahr für Leib und Leben gegeben sein!
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 21.04.2012 um 19:45 Uhr
Das nimmt ja wohl noch nicht einmal die Polizei für voll.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 22.04.2012 um 15:15 Uhr
Von der Macht der Spekulanten. Dazu sage ich nur: Haut den Spekulanten auf die fetten Pranken.
Steht am Gebäude von Samen.-Hahn und dann wird es wohl auch stimmen.
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.04.2012 um 00:11 Uhr
Absolut Herr Herold. Gute Worte die sie schreiben. Und auch die Fragen im letzten Absatz des Artikels sind gut.

Aber auch wenn in der Verfassung (u. a. 14 GG) eine Gemeinwohlverpflichtung bzgl. des Eigentumsgebrauchs steht, so leben wir nach wie vor im Kapitalismus, in dem der Profit über allem steht. Und klar, im BauGB gibt es Möglichkeiten wie z. B. ein Baugebot auszusprechen. Das wurde ja auch mehr oder weniger versucht, aber vom Eigentümer wurde der Ball geschickt wieder an die Stadt zurück gespielt, in dem er eine Planung präsentiert, hat, die die Stadt nicht genehmigen wollte und konnte. Und dann kommt ja noch dazu, dass die Frau des Eigentümers mal Stadtverordnete der CDU war.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 23.04.2012 um 10:43 Uhr
Aha, so lichtet sich so langsam das Dunkel! Alle sind vor dem Gesetz gleich, doch manche sind halt gleicher. - Ich war vor vielen Jahren in Ungarn. Bei einer Stadtrundfahrt durch Budapest wurden die schönen, alten Fassaden bewundert. Daraufhin hat uns der Reiseleiter erklärt, dass diese Häuser von innen auf das modernste renoviert werden dürfen, aber die Außenfassade muss im ursprunglüchen Zustand erhalten werden. Das müsste doch hier auch möglich sein, oder?
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.04.2012 um 22:45 Uhr
Möglich ja, aber es ist eine Frage der Kosten und der zu erzielenden Rendite. Was ist wenn mich ein kompletter Abriss und anschl. Neubau sagen wir 5 Mio. kostet und ein Erhalt der Fassenden bei Sanierung und Umgestaltung des Inneren 8 Mio. und ich beim Neubau mehr Möglichkeiten habe diesen zu vermarkten und Erträge zu erzielen, dann würde ich natürlich auch schauen, dass ich nur 5 Mio. ausgebe. Zu mindestens dann wenn ich im Kapitalismus lebe, wo nur der Profit zählt und diese Denkweise völlig legal ist. ;-) So einfach ist das.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 24.04.2012 um 09:47 Uhr
Das ist richtig, Herr Momberger. Aber mit dem Erhalt der alten Fassaden bleibt auch die Ansicht des alten Stadtkerns erhalten.
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 24.04.2012 um 21:15 Uhr
Ich denke wir haben uns falsch verstanden. Auch ich bin für einen Erhalt der Fassaden und Gebäude, wenn sie, wie z.B. im Fall Samen Hahn denkmalgeschützt sind! Ich habe lediglich beschrieben, wie das im Kapitalismus, d.h. in unserem Land/System so läuft. Und da eben der Profit über allen steht.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 25.04.2012 um 09:42 Uhr
Ja, leider, da haben Sie vollkommen Recht.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 25.04.2012 um 11:25 Uhr
Lieber Herr Momberger, wenn gleich vor Jahren gehandlt worden wäre, dann wäre es damals sicher nicht so teuer gewesen und jetzt sicher ein großer Teil der Investition wieder hereingeholt. Alles nur eine Frage des rchtzeitigen Handelns. Aber hier war sicher nur darauf spekuliert worden, dass ein Geschäfte, sei es auch was immer für eines, Geld bringen würde. Dieser Spekulation hätte von Seiten der Stadt vorgebeugt werden müssen
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 25.04.2012 um 18:01 Uhr
Das stimmt. Aber Herr S. hat halt darauf spekuliert, dass es so kommt wie es jetzt wohl kommt und daher nicht investiert.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.04.2012 um 11:07 Uhr
Mit Unterstützung der Stadtverordneten?
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 26.04.2012 um 12:42 Uhr
Und wieder geht ein altes Stück Gießen verloren. - Schade, sehr schade.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.04.2012 um 12:53 Uhr
Um das Volksbad macht keiner so einen Aufwand, leider;-(
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 26.04.2012 um 23:14 Uhr
Sie meinen das Ende der 60er abgerissene alte Volksbad?
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 27.04.2012 um 10:12 Uhr
Das kenne ich gar nicht.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 27.04.2012 um 10:18 Uhr
Ja wie so viele. Meine Frau hat dort noch das Schwimmen gelernt. War vor kurzem eine ganze Seite im Gießener Anzeiger über das Volksbad mit guten Bildern.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 27.04.2012 um 10:24 Uhr
Wo stand es denn. Ich habe die Gießener Allgemeine.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 27.04.2012 um 10:29 Uhr
Es war im ersten Teil auf der letzten Seite. Habe es leider nicht aufgehoben.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 27.04.2012 um 12:37 Uhr
Wo war das Volksbad eigentlich?
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 27.04.2012 um 18:19 Uhr
Etwa da wo das Parkhaus von Karstadt steht
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 28.04.2012 um 09:42 Uhr
Aha, Anfang der 60er Jahren war ich noch nicht so oft in der Innenstadt von Gießen. Ich habe dann zwar 1962 angefangen bei Tapeten-Täubert im Seltersweg mit meinem Berufsleben. Aber an das Bad kann ich mich trotzdem nicht erinnern.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.04.2012 um 11:05 Uhr
Es wurde abgerisen, als das Bad an der Ringallee eröffnet wurde
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 28.04.2012 um 11:06 Uhr
Und die Eröffnung der Ringallee war 1968.
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 28.04.2012 um 11:19 Uhr
In dem Bad an der Ringallee war ich öfter zum Schwimmen nach meiner Bandscheiben-OP. Damals hatte noch nicht jedes kleine Örtchen ein Hallenbad, so wie heute.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 29.04.2012 um 14:26 Uhr
Abwarten. Bei der LaGa werden sie sich schon sehen und feiern lassen ;-(
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 30.04.2012 um 13:01 Uhr
Ist er denn das nicht immer. Frei nach dem Motto: "Den letzten beißen die Hunde!"
Martina Lennartz
6.339
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 02.05.2012 um 10:49 Uhr
Aber die Hoffung stirbt zu letzt und immer mehr Menschen- auch dank des Internets- beginnen sich zu informieren und dann zu protestieren.
Im Optimalfall zu organisieren ;)
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 02.05.2012 um 13:41 Uhr
Gegen Spekulanten! Hier in Gießen? Wer glaubt denn noch an Märchen;-(
Christine Weber
7.496
Christine Weber aus Mücke schrieb am 02.05.2012 um 13:45 Uhr
Aber träumen darf man doch ab und zu oder?
Stefan Walther
4.889
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.05.2012 um 16:40 Uhr
Tja, das waren noch Zeiten, als die Bots in Gießen "Aufsteh`n" gesungen haben :-))
Geht es heute, vor allem den Studierenden, nur noch um Karriere, Abschluss und Individualität? Ich kann und will es nicht glauben... also träumen sollte man schon noch dürfen!
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 02.05.2012 um 18:07 Uhr
Stimmt, Stefan. Das waren noch Zeiten. Und ich denke leider geht es den meisten Studis nur noch um ihr persönliches Fortkommen.
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 23.05.2012 um 10:12 Uhr
Das Ende, der Abriss wurde vom Magistrat beschlossen
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.05.2012 um 18:08 Uhr
:-(
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 23.05.2012 um 19:50 Uhr
Kommentar sehr sparsam aber aussagefähig
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.05.2012 um 23:28 Uhr
;-)
Christoph Schäfer
796
Christoph Schäfer aus Gießen schrieb am 24.05.2012 um 21:23 Uhr
Der Grundsatz "Eigentum verpflichtet" gilt offenbar in Gießen nicht, oder wie ist es zu erklären, dass es der Magistrat dieser Stadt vor aller Augen viele Jahre zugelassen hat, das der Eigentümer dieses Gebäude, ob historisch wertvoll oder nicht, vorsätzlich verrotten ließ. Andererorts hat man schon das Ordnungsamt auf dem Hals, wenn man vergisst samstags die Straße zu kehren!
H. Peter Herold
29.209
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 24.05.2012 um 21:37 Uhr
Manche sind halt besonders geschützt ;-( Oder in Gießen gelten manche Gesetzé nicht
26
Silvia Burgert aus Gießen schrieb am 28.06.2012 um 05:47 Uhr
und alle schauen entsetzt zu....einer gewinnt
ist das Macht?
mich schaudert es gewaltig
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Birgit Hohmann

von:  Birgit Hohmann

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Interessensgebiet: Gießen
Birgit Hohmann
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