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Schritte gehen. Versöhnung leben. Die Friedenskonferenz von Yei – dritter und letzter Tag.

Das Serviceteam vom Gästehaus begrüßt die Konferenzteilnehmer nach der Mittagspause mit einem Lied
Das Serviceteam vom Gästehaus begrüßt die Konferenzteilnehmer nach der Mittagspause mit einem Lied
Gießen | Die Friedenskonferenz von Yei, Südsudan, ging heute in ihre Endrunde. Wie in den vergangenen Tagen berichtet, fanden sich auf dem Gelände der Evangelical Presbyterian Church in Yei rund 100 Vertreter der Murle, Lou Nuer, Anyuak und Dinka Bor zusammen. Diese Stämme, die mehrheitlich in Jonglei State angesiedelt sind, haben sich in der Vergangenheit blutige Kämpfe geliefert, in denen Tausende zu Tode gekommen sind – insbesondere Frauen und Kinder – und Hunderttausende in die Flucht getrieben wurden.
Nachdem in den vorangegangenen Plenar- und Gruppensitzungen nun alle wirklichen und vermeintlichen Ursachen dieses Konfliktes zusammengetragen wurden, ging es heute um die praktische Gestaltung eines Friedensprozesses in Jonglei State. Neben der Organisation von Versammlungs- und Bildungsstrukturen, durch die eine Art Friedens-Bewegung in Gang kommen kann, ging es um erste Schritte, der Armut zu entkommen.
Immer wieder war von den Sitzungsleitern darauf hingewiesen worden, dass es sich bei dieser Veranstaltung nicht um um eine Geberkonferenz handelt – wie manche Teilnehmer missverständlich angenommen hatten. Bischof Elias Taban sagte heute: „Es ist eines der größten Missverständnisse unter uns Afrikanern und unter uns Sudanesen insbesondere, dass wir glauben, wann immer jemand mit weißer Haut auftaucht, die Dollarmillionen zu fließen beginnen.“
Nun werden morgen früh vielleicht einige der Teilnehmer enttäuscht nach Jonglei State zurückkehren, weil sich diese finanziellen Erwartungen eben nicht erfüllt haben. Ob der andere Teil der Konferenz zum Erfolg wird – Vergebung, Versöhnung, Entwaffnung - lässt sich erst in ein paar Wochen oder Monaten sagen. Sudanesen lieben es, Komitees zu gründen und stundenlang zu wiederholen, was die Vorredner auch schon dreifach durchgekaut haben. Das wiederum könnte eine Chance sein, denn es wurde der Beschluss gefasst, die Ergebnisse der Friedenskonferenz von Yei auf geordnete Weise eben durch Komitees unter die Leute zu bringen. Erstaunlicherweise kam nicht einmal die Frage auf, ob, von wem und auf welche Weise solche Komitees finanziell entschädigt werden. Normalerweise läuft im Südsudan nichts, wenn es nicht ein „Insentiv“ dafür gibt, also eine Art von Prämie oder Taschengeld. Und man darf auch gespannt sein, ob die Projektvorschläge aus den Reihen der Konferenzteilnehmer wirklich umgesetzt werden, denn auch
Bischof John von Duk bei seiner Abschiedsrede
Bischof John von Duk bei seiner Abschiedsrede
dafür werden nur minimale Mittel fließen. Es handelt sich dabei um jeweils ca. 8.000 Dollar, die Vertretern der vier – ehemals – verfeindeten Stämmen ausgehändigt werden sollen. Was wollen sie damit anfangen? Die einen wollen eine Grundschule bauen, die anderen eine medizinische Einheit, und wieder andere ein landwirtschaftliches Projekt starten. Dass die Südsudanesen allesamt schwach in Mathematik sind lernt man daraus, dass unser Bischof ihnen heute früh vorgerechnet hat, wieviel ein 4-Klassen-Grundschulgebäude in Yei kostet – nämlich ca. 38.000 Dollar. Da die Preise für Baumaterial in Jonglei State ungefähr das Fünffache von denen in Yei betragen, ist es eigentlich ein Witz, mit 8.000 Dollar einen Schulbau zu starten. Aber vielleicht bekommen sie es hin – viel Eigenleistung und Material aus dem eigenen Busch. Und wer gemeinschaftlich Werte schafft, verlernt hoffentlich bald, sich gegenseitig diese Werte und manchmal sogar das Leben zu nehmen.

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Kommentare zum Beitrag

Peter Herold
14.190
Peter Herold aus Gießen schrieb am 04.04.2012 um 12:57 Uhr
Willkommen in der realen Welt
Michael Beltz
2.723
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 04.04.2012 um 13:22 Uhr
Freut mich, dass Sie wieder über Ihre interessante Arbeit berichten.
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Ullrich Drechsel
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