Gießen | Nachdem von einigen Bürgerreportern der Wunsch geäußert wurde, mehr über meine Segeltörns zu erfahren, beginne ich hiermit mit meinem ersten im Jahr 1980. Es waren 30 an der Zahl, wobei einige zusammengefasst werden können, da es sich dabei jeweils um einwöchige Ausbildungstörns innnerhalb von zwei Wochen gehandelt hat. Dazu kam ein DSV Navigationstraining 1. bis 3. April mit der MS Hamburg auf der Nordseeroute Hamburg - Harwich - Hamburg und ein weiterer war die Überführung einer Neptun 22 von Kehlheim über Wasserwege nach Hannover vom 28.04. bis 13.05.2002.
Soviel als Einleitung und nun zum 1. Törn auf einer Contest 31 HT vom 8 bis 14. Juni 1980 in der nördlichen Adria bis nach Rovinj. Die Schilderung fällt mir relativ leicht, habe ich doch nahezu alle Törns bereits zusammengefasst unter der der Bezeichnung: "1000 und eine Geschichte" Die Qualität der Bilder bitte ich zu entschuldigen. Es sind eingescannte Bilder einer Pocket. Soviel zur Einleitung.
Der erste Törn sollte die erste Etappe zur Erlangung des BR-Scheins(Revierfahrt) sein, nachdem ich 1979 erfolgreich die Prüfung zum A-Schein(Binnenfahrt) unter Segeln bestanden hatte. Der Törn sollte ab Lignano, Marina Aprilia Marittia erfolgen. Die Anfahrt erfolgte mit dem Zug über Venedig, wo ich einen Aufenhalt beim Umsteigen zu einer Fahrt auf dem Canale Grande ausnutzte.
Dann erfolgte die Weiterfahrt mit dem Zug, Abholung am Bahnhof und Transfer zur Marina. Dort erledigen wir die Formalitätten beim Hafenmeister um am morgigen Tag die Segeltour nach Istrien - erster Hafen zum Einklarieren Umag - anzutreten.
Am nächsten Morgen dem 9. Juni um 09:45 wird abgelegt. Bei Winden aus NE, drehend auf E mit Stärke 2 - 4, später S 4 und Seegang bis Stärke 3 kamen wir gut voran und erreichten Umag gegen 16:30. Leinen fest gegen 16:45.
10. Juni, eine Ketch versuchte am Morgen abzulegen. Sie kamen zurück. Windstärke 7 draußen. Skpper Alex berät sich mit einem anderen Skipper unserer Segelschule, der hier ebenfalls angelegt hatte. Also wir versuchen es. Ablegen 11:10, Himmel bedeckt, Wind aus S mit Stärke 3 - 4 zwingt uns bei unserem Kurs nach Novigrad zum Aufkreuzen. Dabei werden Übungen mit Achterfahren und Reelingslog eingestreut. Zwischendurch werden durch Peilungen unsere jeweiligen Standorte ermittelt und in die Seekarte eingetragen. Dadurch haben wir immer den Überblick über gesegelten Kurs und den Standort. Nach etlichen Wenden erreichen wir nach 19 Seemeilen um 16:25 Novigrad, dort Leinen fest um 16:45.
11. Juni, heute soll es nach Rovinj gehen. Der Wind hat auf SW gedreht und etwas nachgelassen auf 1 - 2 Bft. Seegang vom Vortag her noch bei Stärke 3. Legen um 06:00 ab, da es ein langer Tag werden wird. Für Jürgen unseren Prüfling für den BR-Schein liegen einige harte Stunden vor ihm. Das ganze Programm: Wenden, Halsen, Segelmanöver, Beidrehen zum Beiliegen sowie natürlich das "Mann über Bord Manöver". Das muss besonders geübt werden, denn auf die richtige Ausführung wird bei der Prüfung großer Wert gelegt.
Immer wieder werden zur Ortsbestimmung markante Land-marken gepeilt und mit Uhrzeit und Loggestand in Seekarte und Logbuch eingetragen. Gegen 13:15 erreichen mir den Limski Kanal, werfen dort Anker und machen eine ausgiebige Mittagspause. Es hat zwischenzeitlich aufgeklar, die Sonne scheint und wir gehen Anker auf um 16:10. Kurs Rovinj. Wieder werden Boje(Mann) über Bord Manöver gefahren. Die müssen im Notfall einfach klappen! Gegen 18:55, der Wind hat nachgelassen, wird die Maschine gestartet, die Segel eingeholt und wir laufen die letzten Seemeilen nach Rovinj unter Motor. Dotrt kommen wir bei schon leichter Dunkelheit gegen 20:00 Uhr an und machen an der Aussenmole fest. Das wird eine unruhige Nacht werden, da die nachts ein-laufenden Fischer mit ihren Booten erheblichen Schwell verursachen werden.
Aber wir machen ohnehin in der Nacht so gegen 03:30 die Leinen los und laufen unter Maschine aus, Kurs Nord. Bei dem achterlichen Wind empfiehlt es sich einen Bullenstander anzu-schlagen, damit das Großsegel nicht auf die andere Seite über-schlägt. Es können dabei böse Unfälle geschehen. Darüber doch später bei einem anderen Törn.
Gegen 7 Uhr erreichen wir Porec. Dort wollen wir frühstücken und die leere Gasflasche gegen eine volle tauschen. 10:30 Leinen los, wir laufen aus Richtung Novigrad, wo wir im äußeren Hafenbecken An- und Ablegemanöver üben. Gegen 16 Uhr hören wir damit auf und segeln weiter nach Cervar Porat. Um 17:25 laufen wir dort in die Bucht ein. Mit Leinen an der Pier und der Murring liegen wir eine viertel Stunde später fest in der Marina. Hier sollen wir den Prüfer zur Abnahme des BR-Scheins treffen. Dieser liegt dort mit seinem Schiff und wartet auf uns.
Freitag 13. !!! Juni ist die Mannschaft um 08:15 bereit mit Jürgen die Prüfung zu fahren. Der Prüfer kommt um 10:30 Uhr an Bord, Jürgen legt ab wir absolvieren
in der Bucht die erforderlichen Manöver unter Segel und Maschine, insbesondere das "Mann über BVord" wird sorgfältig ausgeführt. Zum Abschluss dann in der Marina noch Anlegen unter Maschine mit Vor- und Achterleine. Dazwischen stellt der Prüfer immer wieder ergänzende Fragen zu den einzelnen Manövern. Dann das Ergebnis: Prüfung bestanden! Alle gratulieren einem erleichterten Jürgen zu seinem Erfolg. Dann legen wir schnell ab. Es geht zurück nach Porec. Die Woche ist vorbei und ein Teil der Crew will dort von Bord gehen. Es kommen neue Mitsegler. Bei schwachem Wind, aber abwechslungsreicher Fahrt erreichen wir den Hafen von Novigrad. Hier will Alex für die Segelschule einige Manöver filmen um so ein entsprechend aussagefähiges Lernmaterial zu haben. Um 16 Uhr wird es dann Zeit in Richtung Porec weiterzusegeln. Dort kommen wir gegen 17 Uhr an und machen vor Buganker liegend, mit dem Heck zum Land "Römisch-katholisch" fest. D. h. die Achterleinen liegen dabei über Kreuz und verhindern so ein Hin- und Herschwojen des Schiffes.
In dieser Woche haben wir insgesamt 119 Seemeilen zurückgelegt. Nicht schlecht dafür, dass wir doch viel geübt haben. Nebenbei haben wir die Tage genossen, beim Grillen am Strand, intensives Meresleuchten eingeschlossen. Immer wenn wir Steine ins Wasser warfen, versprühte das aufspritzende Wasser ein intensives Leuchten.
Am Samstagsmorgen verließen Jürgen, Josef und ich das Schiff, klarierten beim Zoll ordnungsgemäß aus und fuhren mit dem Küstendampfer nach Triest um von dort mit dem Zug nach München, meinem damaligen Domizil zurückzufahren.
Das ist jetzt nahezu 32 Jahre her. Trotzdem in meiner Erinnerung noch so parat., als sei es erst letztes Jahr gewesen. Es sind solche intensive Erinnerungen die einem ein Leben lebenswert machen.