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Zentrum selbstbestimmt Leben stellt Arbeit vor

Gießen | Auf Einladung des Linken Bündnisses stellte das Zentrum selbstbestimmt Leben Gießen e.V. die aktuelle behindertenpolitische Arbeit des Vereins im Rahmen des Plenums der Wählervereinigung vor. Projektmitarbeiter Alex Busam erklärte nach der Vorstellung der geschichtlichen Hintergründe der Sellbstbestimmt-Leben-Bewegung die wichtigsten Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention auch im Hinblick der Kommunen. Dabei erklärte Busam, dass die wichtigsten Bereiche des alltäglichen Lebens, das Wohnen, die Arbeit, Schule und Bildung, Barrierefreiheit und das selbstbestimmte Leben in der Konvention berücksichtigt wurden und für die Behindertenbewegung als Meilenstein in der Arbeit als Interessenvertretung gewertet wurde. Wichtiger Bestandteil der Konvention wie auch die Forderungen der Bewegung der Behinderten ist, dass man sich selbst vertritt, dass die Interessen durch Betroffene selbst gegenüber Institutionen, staatlichen Einrichtungen, der Wirtschaft und anderen vertreten werden.
"Nicht über uns ohne uns" wurde zwar schon vor rund 30 Jahren als Slogan der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung geboren, gelte aber immer noch
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und werde noch nicht gänzlich umgesetzt, kritisierte Busam. Vor über 40 Jahren begannen us-amerikanische Behindertenaktivisten sich in so genannten Independent-Living-Centers zusammenzuschließen und forderten damals schon Teilhabe und Inklusion und kämpften gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Schon zu Anfang der Bewegung war der Kampf gegen Sondereinrichtungen und damit die Ausgrenzung aus dem täglichen Leben ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Bewegung.
Seit rund 30 Jahren gibt es in Deutschland Zentren der Bewegung. Das so genannte "Krüppeltribunal" jährte sich im Dezember zum 30. Mal und setzte den Startpunkt der politischen Bewegung in Westdeutschland. In den 1980er und 1990er Jahren gründeten sich zum Beispiel in Kassel, Mainz, Nürnberg, Hamburg, Jena oder Köln Zentren. Diese haben unterschiedliche inhaltliche Ausrichtungen, die Betroffenen vor Ort entscheiden selbst, wo sie den größten Handlungsbedarf sehen und dementsprechende Projekte oder Einrichtungen initiieren. Teilweise arbeiten Zentren nur in inhaltlichen Projekten und bieten Beratung an, manche Zentren organisieren einen ambulanten Hilfsdienst, wo selbstbestimmte Assistenz, auch im Pflegebereich, dargestellt wird.

Das Gießener Zentrum habe sich als 21. deutsches Zentrum im August gegründet, erklärte Busam. Kurz nach der Gründung wurde es vom Dachverband Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. anerkannt und als Mitglied aufgenommen. weiterhin will sich das Zentrum vor Ort in vorhandenen Strukturen engagieren und damit für ein noch bessere Vernetzung sorgen. Aktuell läuft bereits das erste Projekt, der Aufbau der Beratungsstelle nach der so genannten Peer-Counseling-Methode. Diese Methode beinhaltet unter anderem die Beratung durch Betroffene, die Begleitung und Hilfe in sämtlichen Bereichen des Lebens, die Anleitung zum selbstbestimmten Leben und die Selbststärkung von Menschen mit Behinderung. Seit Anfang Februar bietet das Zentrum zweimal wöchentlich, Dienstags und Donnerstags, von 16 bis 19 Uhr, Sprechzeiten an und berät Betroffene.
Hinsichtlich der aktuellen Themen der Behindertenpolitik in Stadt und Landkreis Gießen wurde unter anderem die Einrichtung der Behindertenbeiräte angesprochen. Nusam erklärte dazu, dass das Zentrum die Einrichtung der Beiräte grundsätzlich begrüßt, gebe es doch in anderen Kommunen dies schon teilweise seit sehr langer Zeit. Allerdings müsste darauf geachtet werden, dass der Selbstvertretungsanspruch der Behinderten gewahrt werde.
Hier gebe es Bedenken, etwa bei dem aktuell vorliegenden Satzungsentwurf des städtischen Beirats. Mindestanforderung
für ein zumindest annährend inklusiv aufgestelltes Gremium wäre, dass mindestens die Hälfte der stimmberechtigten Mitglieder Menschen mit Behinderung sind. Eine Stellvertreterfunktion wird seitens des Zentrums abgelehnt. Natürlich sei man auch enttäuscht, dass das Zentrum nicht berücksichtigt werden soll. Allerdings gehe es vor allem darum, dass tatsächlich die Menschen selbst über ihre Belange entscheiden und nicht so genanntes professionelles Personal oder Stellvertreter erklären, was das Beste für die Menschen sei.

Am Ende der Debatte dankte Busam für die Einladung und äußerte die Hoffnung, dass auch andere Parteien, Fraktionen und Wählervereinigungen und politische Verantwortliche noch mehr als bisher Gesprächsbereitschaft über behindertenpolitische Themen zeigen.

Kommentare zum Beitrag

Michael Beltz
7.740
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 17.02.2012 um 19:09 Uhr
Die "Fraktion Die Linke" hat auf der Sitzung desSozialausschusses am 8. Februar beantragt, das "Zentrum für selbstbestimmtes Leben" in den Beirat "für die Belange von Menschen mit Behinderungen" aufzunehmen. Das wurde mit Wohlwollen aufgenommen mit dem Hinweis, erst einmal die theoretische und praktische Arbeit des Zentrums kennenzulernen. Ich habe dem nicht widersprochen.
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