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Landrätin besichtigt zentralen Neubau des Universitätsklinikums

Dr. Ulrich Grandel, Prof. Dr. Christian Heiß, Dr. Simon Little, Dr. Christian Höftberger, Landrätin Anita Schneider, Horst Jeckel, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Reinhard Schnettler, Dr. Gabor Szalay und Marco Weber.
Dr. Ulrich Grandel, Prof. Dr. Christian Heiß, Dr. Simon Little, Dr. Christian Höftberger, Landrätin Anita Schneider, Horst Jeckel, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Reinhard Schnettler, Dr. Gabor Szalay und Marco Weber.
Gießen | Die Aussicht vom Landeplatz für Rettungshubschrauber hinunter auf die Stadt ist beeindruckend. Landrätin Anita Schneider erlebte das exklusive Panorama während eines Rundgangs auf dem Dach des zentralen Neubaus der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM). Wer über Gießen zur zentralen Notaufnahme geflogen wird, kämpft schlimmstenfalls um das Überleben. Wie Schwerverletzte in der privatisierten Uni-Klinik der Rhön-Klinikum AG versorgt werden, darüber konnte sich die Landrätin zusammen mit Dr. Simon Little (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst) und Horst Jeckel (Sachgebiet Rettungsdienst) im Rahmen eines Informationsbesuchs ein eigenes Bild machen. „Ich habe sehr viel Beeindruckendes gesehen und es ist beruhigend zu wissen, im Fall der Fälle hier gut aufgehoben zu sein“, sagte Anita Schneider danach.

„Der Umzug bei laufendem Betrieb im April vergangenen Jahres war eine Glanzleistung“, sagte Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Reinhard Schnettler in seiner Funktion als Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie. Gleichzeitig dankte er Simon Little für die reibungslose Abwicklung. Insgesamt wurden damals
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durch die Rettungsdienste vom DRK Mittelhessen und der Johanniter-Unfall-Hilfe durch interne Verlegungen von Altgebäuden in den Neubau über 300 Patientinnen und Patienten umgezogen. Die Vorbereitungszeit dazu betrug gut zwölf Monate. Die Arbeitsbedingungen seien nun ideal. Der 32 Meter hohe Gebäudekomplex besteht insgesamt aus sechs, durch Achsen miteinander verbundenen Teilen und umfasst bis zu zehn Etagen, die zum Teil unter der Erde liegen. Die Bruttogeschossfläche beträgt 95000 Quadratmeter, was einer Fläche von 13 Fußballfeldern entspricht. Die Kosten belaufen sich auf rund 170 Millionen Euro.

Landrätin Schneider war mit den Mitarbeitern des Sachgebiets Rettungsdienst gekommen, um sich über die Schnittstelle zur zentralen Notaufnahme UKGM zu informieren. Als Träger des Rettungsdienstes sei der Landkreis in der besonderen Verantwortung, dessen Qualität sicherzustellen, sagte sie. „Ich konnte mich in beeindruckender Weise davon überzeugen, dass die zentrale Notaufnahme nicht nur eine reibungslose und schnelle Übergabe der Patienten ermöglicht, sondern eine hohe Qualität bei der Versorgung der Patienten“, unterstrich Landrätin Schneider ihre Eindrücke im Gespräch mit den Ärzten und der Klinikleitung.

Zuvor hatte Dr. Christian Höftberger, der Kaufmännische Geschäftsführer für den Standort Gießen, gesagt: „Als wir 2006 hierhergekommen sind, bestand das Klinikum aus über 100 verschiedenen Gebäuden.“ Eine Vernetzung untereinander sei sehr schwierig gewesen. „Stichwort: Interdisziplinarität“, ergänzte er. Das hat sich seit April grundlegend geändert. In dem zentralen Neubau und der Anbindung an den Neubau Chirurgie sind nun fast alle somatischen, also körperlichen oder organischen, Disziplinen mit rund 900 Betten untergebracht, die zuvor auf dem weitläufigen Klinikumsgelände verteilt waren. Die bauliche Konzentration hat auch atmosphärische Auswirkungen. „Durch den Neubau und die Möglichkeiten, die sich damit ergeben, hat sich auch die Einstellung der Mitarbeiter geändert“, sagte Prof. Dr. Christian Heiß, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie und leitender Oberarzt.


Exemplarisch für die veränderten Arbeitsbedingungen stehen die sogenannten Schockräume. Schwerverletzte beziehungsweise in Lebensgefahr schwebende Patienten werden dort erstversorgt. Pro Schockraum steht ein Team von bis zu 14 Ärzten, Pflegefachkräften sowie Radiologen bereit.
Die Aufgabenbereiche sind bereits im Vorfeld genau festgelegt und mit dem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst des Landkreises Gießen genauestens abgestimmt. So wird ein reibungsloser Ablauf gewährleistet.

„Der Zeitfaktor spielt bei einem Schwerverletzten eine sehr große Rolle“, sagte Christian Heiß weiter. Das UKGM verfügt seit dem Neubau insgesamt über fünf Schockräume. Zwei von ihnen zählen zu den bundesweit modernsten. Je nach Bedarf kann ein mobiler Computertomograph (CT) in dem einen oder dem anderen Raum mit bildgebenden Verfahren für medizinische Klarheit sorgen, indem er über den Schwerverletzten hinwegfährt. Das heißt, nicht nur die direkte Landung der Rettungshubschrauber auf dem Dach spart im Gegensatz zu der einstigen Situation wichtige Minuten im Kampf um Leben und Tod. „Früher dauerte es eine Stunde. Jetzt sind wir bei 15 Minuten, bis wir wissen, was der Patient hat“, erläuterte Dr. Gabor Szalay, Oberarzt in der Unfallchirurgie und Schnittstellenbeauftragter für die Belange des Rettungsdienstes zum Landkreis.

Die Bewährungsprobe ließ nicht lange auf sich warten. Eine Unfallserie am 18. September 2011 auf der A5 bei Homberg/Ohm hatte die Einsatzkräfte der Rettungsdienste, Feuerwehren aber auch die Uni-Klinik vor große Herausforderungen gestellt. Über 30 Menschen wurden verletzt, darunter 15 schwer. Ein Kind starb. „Innerhalb von 15 Minuten haben wir über 40 Mitarbeiter aus dem Sonntag geholt“, sagte Christian Heiß. Sieben Schwerverletzte konnten dadurch zeitgleich aufgenommen werden. Das habe gezeigt, dass der ganzheitliche Ansatz funktioniere und habe demonstriert, wie handlungsfähig das Personal einerseits und wie funktional das Gebäude andererseits seien. Sogar in den Branchenmedien habe das für Aufsehen gesorgt. Für Reinhard Schnettler und seine Kollegen steht fest: „Das wäre vor dem Neubau niemals möglich gewesen.“ Was früher die Höchstgrenze war, ist heute Alltag. „Wir bekommen mehrfach in der Woche zeitgleich zwei Schwerverletzte“, berichtete Gabor Szalay.

Der Start im April allerdings, das räumt der Kaufmännische Geschäftsführer Christian Höftberger rückblickend ein, sei nicht unproblematisch verlaufen. Wegen langer Wartezeiten war der zentrale Neubau in die Schlagzeilen geraten. „Was uns Schwierigkeiten machte, ist, dass ein so großes Haus nicht von heute auf morgen ohne Anlaufschwierigkeiten in Betrieb gehen kann“, sagte er. Hierzu zählt er eben jene Wartezeiten, „die auch aus unserer Sicht nicht okay waren“. Die Negativmeldungen seien ernst genommen worden, betonte Gabor Szalay. „Wir haben an uns und den Umständen gearbeitet.“ Die Abläufe seien optimiert worden, sodass sie sich im Bereich der Feinabstimmung befänden.

„Das Gute und Schlechte zugleich ist, dass die fußläufigen Patienten nicht mitbekommen, wenn Notfälle eingeliefert werden“, so Gabor Szalay. Diese Bereiche arbeiten übergreifend, sind aber optisch voneinander getrennt. „Dadurch können sie aber auch nicht wissen, was hier los ist, wenn Schwerverletzte versorgt werden müssen.“ Gegen den Vorwurf des Personalabbaus wehrt sich Reinhard Schnettler jedoch vehement: „Das stimmt in der jetzigen Situation einfach nicht.“ Privatdozent Dr. Ulrich Grandel, Oberarzt Medizinische Klinik IV/V innere Medizin, stimmt ihm zu: „Die personelle Ausstattung ist gut.“ Das Pflegepersonal in der Notfallaufnahme sei sogar fast verdoppelt worden.

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