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Mystik - ein altes Thema, so aktuell wie nie

Gießen | Ein Termin jagt den nächsten. Immer schneller scheint die Zeit vorbei zu rasen. Vorbei an uns und durch uns hindurch, der Strom reißt uns mit. Ein Ausstieg aus dieser Hetzjagd scheint kaum möglich, doch je schneller alles um uns herum vorüber eilt, desto größer wird die Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit. ‚Entschleunigung’ heißt das Zauberwort und es gibt zahllose Mittel, die uns versprechen, dass wir durch sie dieses Ziel erreichen werden. Es gibt Tees, die Entspannung verheißen und besseren Schlaf, fern-östliche Lehren wie Feng-Shui sollen Energien besser fließen lassen, überall findet man Angebote für Yoga- oder Meditationskurse. Es ist ein regelrechter Wirtschaftszweig, der um unsere Seelenruhe entstanden ist.
Doch wie war es im Mittelalter? Wie war es, als Asien noch unerreichbar fern schien und die Produkte, die uns heute als so wohltuend angepriesen werden entweder noch unbekannt – oder aber für die meisten Menschen unerschwinglich teuer waren? Gab es damals keine Sehnsucht nach innerem Frieden, keine Wege danach zu streben?
Doch, natürlich gab es das! Das Bedürfnis nach Entschleunigung und innerer
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Teresa von Avila (1)Stille (7)Mystik (3)Johannes vom Kreuz (1)Johannes Tauler (1)Charles de Foucault (1)
Ruhe ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Im Mittelalter vermischte sich dieses Bedürfnis dabei oft mit einer tiefen und spirituellen Sehnsucht nach Erkenntnissen über Gott, die über die Lehren einer universitären Theologie hinaus gehen sollten. In jahrelanger Einsiedelei und in Klöstern versuchten sowohl Mönche als auch Ordensschwestern zu tiefen Erkenntnissen über das Wesen Gottes zu gelangen.
Die Texte, die von diesen später so genannten ‚Mystikern’ hinterlassen wurden, zählen bis heute zu dem schönsten und tiefgründigsten, was an theologischen Schriften existiert. Deshalb ist es umso weniger verwunderlich, dass in einer Zeit, in der mystisches Gedankengut wieder große Aktualität erlebt, auch über diese Denker wieder gesprochen wird.
Jeweils am 27. November, am 15. Januar sowie am 5. Februar finden in der katholischen Hochschulgemeinde Gießen deshalb auch Veranstaltungen zu diesem Thema statt. In jedem der abendlichen Gespräche (Beginn ist jeweils 19 Uhr) wird der inhaltliche Schwerpunkt auf der Besprechung der Lehren eines der Hauptvertreter der Mystik liegen. In chronologischer Reihenfolge sind dies zunächst noch Johannes vom Kreuz und schließlich Charles de Foucauld. Eine Veranstaltung zu Johannes Tauler fand bereits am 30. Oktober statt, eine weitere zu Theresa von Avila am 27. November. Zu den noch folgenden Terminen ist jeder und jede Interessierte herzlich eingeladen.

Kommentare zum Beitrag

Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 10.01.2012 um 14:11 Uhr
Na ja, aber viele der wirklichen christlichen Mystiker sind im Mittelalter von der "offiziellen" römisch katholischen Kirche als Häretiker verbannt, verfolgt, verurteilt und zum Teil auch getötet worden (wie z.B. Meister Eckehardt, einer DER christlichen Mystiker)... ein Schicksal, dass sie sich mit den islamischen Mystikern von damals und heute teilen.
Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 11.01.2012 um 08:20 Uhr
Es ist wirklich interessant, welches Interesse plötzlich an der Mystik, gerade auch durch die Theologie besteht (s. auch Beitrag Frau Schepp). Die mystischen Erlebnisse der genannten Personen sind allerdings die je ihrigen, das heißt NICHT intersubjektiv mitteilbar. Sie waren/ sind dadurch nicht fähig als Lehre übernommen zu werden. Dies ist der Grund, dass sie nicht in einem theologischen Kanon auftauchten.

Meister Eckhart ist in der Tat einer der bedeutendsten Vertreter dieser Zunft und beeinflusste selbst Luther und viele Philosophen und Theologen bis in die Gegenwart (auch mich!).

Ich finde es gut, dass die Theologie die Schätze zu erkennen lernt (die E. Hochschulgemeinde hat auch einige Veranstaltungen zu diesem Thema unternommen).

Ich bin zwar kein aktiver "Kirchen-Kunde", stehe aber der Theologie und Religion so gut es mir möglich ist, objektiv gegenüber.
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von:  Siegfried Karl

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