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Evzonen - etwas kurios und altmodisch, aber sehr fotogen!

Wachwechsel am Grab des unbekannten Soldaten
Wachwechsel am Grab des unbekannten Soldaten
Gießen | Jeder junge Grieche, der gut aussieht, mindestens 1.80m groß und dem Militär zugeneigt ist, träumt davon, einmal Evzone zu werden.

Wörtlich übersetzt sind sie die "Leichtgegürteten". Sie sind Soldaten einer Eliteeinheit, die früher die königliche Leibgarde stellte. Heute nennt man sie offiziell Präsidialgarde. Am Syntagma-Platz in Athen bewachen sie das Grabmal des unbekannten Soldaten, nehmen grundsätzlich nur Wach- und Repräsentationsaufgaben wahr.

Während des Unabhängigkeitskrieges 1824 wurde diese Einheit gegründet und fungierte ab 1864 als hoch angesehene Elitetruppe der griechischen Armee.

Ihre Uniform stammt aus der Zeit des Königs Otto (1832 - 1862 erster König von Griechenland) und wurde angeblich von dessen Frau Amalia entworfen.

Ungewöhnlich wirken auf uns der kurze weiße Faltenrock (fustanella), die bestickte Weste (fermeli), eine Art Schürze (krossia), die hölzernen Schnabelschuhe mit Pompon (tsarouchia), dicke Wollstrümpfe und die Mütze mit Quaste.
Die Uniform wird von den Soldaten selbst gepflegt. Die Fustanella hat 400 Falten, so erzählte man mir, und muss ständig neu aufgebügelt werden.
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Sonntags tragen die Evzonen weiße Röcke, sonst sind sie blau - die Röcke ;-) !
Warum sie auf einem Teil meiner Fotos beigfarbene Kleidung tragen, weiß ich leider nicht.
Bei 30 Grad und mehr im Schatten in diesen Klamotten und dem Verbot, sich bewegen zu dürfen, ist es für die ca. 200 Männer dieser "Armee" wahrlich nicht immer ein leichter Job, selbst wenn sie immer nur eine Stunde lang dort wachen müssen. Meist gibt es einen Gehilfen, der darauf achtet, dass die Falten des Röckchens auch immer richtig sitzen, der lästige Fliegen verscheucht oder auch aufdringliche Touristen, die dem Evzonen zu nahe kommen.

Der Syntagma-Platz ist das Zentrum der Stadt Athen.
Im Jahr 1843 riefen hier das Volk und die Garnisonsoffiziere den Aufstand aus. Sie forderten von ihrem König Otto eine Verfassung (syntagma). Hier ist immer Leben. Hotels säumen den Platz, griechische und ausländische Banken, Ministerien und Bürohochhäuser. Am imposantesten heraus erhebt sich jedoch das Parlamentsgebäude, ursprünglich der Palast für Otto von Bayern, den ersten König Griechenlands. Seit 1924 sitzt hier das griechische Parlament. Auf dem Syntagmaplatz vor dem Parlament fanden in letzter Zeit die großen Demonstrationen der Menschen gegen die Sparmaßnahmen statt. Dabei gingen auch die Wachhäuschen der Evzonen in Feuer auf.

Seit 1932 befindet sich zu Füßen des Parlamentsgebäudes das "Grabmal des Unbekannten Soldaten" . Diese Gedenkanlage besteht aus der Reliefdarstellung eines gefallenen Hopliten (schwerbewaffneter Soldat in der griechischen Antike) mit Teilen aus der Grabrede des Perikles. Auf den Marmorwänden links und rechts davon sind die wichtigsten Schlachten der griechischen Armee seit 1821 verzeichnet. An hohen Feiertagen und bei Staatsbesuchen legen griechische und ausländische Würdenträger ihre Kränze am Grabmal ab. Dieses wird Tag und Nacht von zwei Evzonen bewacht.

Wachwechsel am Grab des unbekannten Soldaten
Große Zeremonie am Sonntag 11 Uhr vor dem Parlamentsgebäude
Im Paradeschritt zur Wachablösung
Gewehre geschultert
Bestickter Wams und Mütze mit Quaste
Die "fustanella" - das Faltenröckchen
1
Bei 30 Grad im Schatten kein Vergnügen!
Schwierige Schrittfolge ist einzuhalten
Wachablösung
Werktags-Ablösung
1
1
Vor dem Grabmal
Oft geübt ...
Gute Choreografie
Holzschuhe mit Pompons
1
Und so stehen sie da ...
... rühren sich nicht ...
Das Grab des unbekannten Soldaten, 1928
Begehrter, aber schwerer Job!
Blick auf das berühmte Luxus-Hotel "Bretagne"
Jeder Tourist will sich mit einem Evzonen fotografieren lassen ...
Geschafft! Diese drei dürfen heim ...

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Kommentare zum Beitrag

Ingrid Wittich
20.821
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 30.12.2011 um 18:07 Uhr
Da ist er ja schon der Artikel. Toll!
H. Peter Herold
28.416
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 30.12.2011 um 18:16 Uhr
Schöner Beitrag. Na Ingrid, da haben wir ja schon die Armee, von der ich heute schrieb ;-) http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/60353/der-standhafte-zinnsoldat/
Ingrid Wittich
20.821
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 30.12.2011 um 18:41 Uhr
Das ist eine sehr malerische Armee. Was bin ich damals (1975) gerannt, um die zu sehen.
Astrid Patzak-Schmidt
3.417
Astrid Patzak-Schmidt aus Gießen schrieb am 30.12.2011 um 19:47 Uhr
Wirklich beeindruckend: Seit 1972 kenne ich Athen sehr gut (damals noch unter dem Diktator Papadopoulos, der ein Jahr später gestürzt wurde). Seitdem war ich sehr oft in dieser interessanten Stadt (eigentlich jährlich) und werde auch demnächst wieder da sein.
Die Evzonen sind faszinierend - ich muss immer wieder hin und den Wachwechsel ansehen.
Die "Armee" der Evzonen besteht übrigens aus nur 200 Leuten!
Bernd Zeun
11.407
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 30.12.2011 um 22:13 Uhr
Stechschritt und Bügeln - nichts für mich ! Außerdem hätte mir selbst zu meinen besten Zeiten 1 cm gefehlt.
Ilse Toth
37.718
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 30.12.2011 um 22:31 Uhr
Der Artikel und die Bilder haben mir sehr gefallen!
H. Peter Herold
28.416
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 31.12.2011 um 13:10 Uhr
.. Warum sie auf einem Teil meiner Fotos beigfarbene Kleidung ...
Werktags beige und Sonntags in Paradeuniform weiß
Gertrud Hirthe
176
Gertrud Hirthe aus Gießen schrieb am 31.12.2011 um 18:55 Uhr
Wie immer, schöner Bericht und tolle Bilder. Etwas kurios kommen die Uniformen schon rüber. Bei uns könnte man sich so etwas gar nicht vorstellen.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Astrid Patzak-Schmidt

von:  Astrid Patzak-Schmidt

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Astrid Patzak-Schmidt
3.417
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