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Die Frage des Lebens: Sind Sie schon auf Weihnachten vorbereitet?

Gießen | Vor einiger Zeit hat uns die GZ-Redaktion mit der Frage der Woche beglückt: „Sind Sie schon auf Weihnachten vorbereitet?“ Natürlich war es dahingehend gemeint, ob Sie schon mit diversen Einkäufen, Basteleien, der Vorbereitung lästiger Weihnachtsfeiern beschäftigt sind. Hat die Familie die polnische Weihnachtsgans schon abgesegnet? Oder sollte es doch besser eine deutsche vom Bio-Hof sein? ... und was dergleichen existenziellen Fragen mehr sind.
Handelt es sich bei Weihnachten, um eine andere GZ-Überschrift zu bemühen, um „Sparen, Schlemmen, Schenken“? War da nicht noch etwas anderes? Stille Nacht, ihr Kinderlein kommet, Hirten auf dem Felde, Waisen aus dem Morgenland? Die Kenner unter Ihnen werden jetzt aufmerken: Es waren die Weisen (!) aus dem Morgenland, die bei der ersten Weihnachtsgeschichte irgend eine signifikante Rolle spielten.
Über die gepflegten oder ungepflegten Traditionen an Weihnachten kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Die Ursache von Weihnachten aber ist, den Messias, den Erlöser zu feiern und seiner Geburt zu gedenken. Natürlich werden jetzt manche aus der atheistischen und/oder liberal-philosophischen Sparte gleich wieder sagen: Jahreszeit stimmt nicht, überhaupt ist das mit diesem Jesus gar nicht klar; wer weiß, ob er überhaupt gelebt hat, etc.
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Nun fragte einmal Dr. Jürgen Spieß vom Institut für Glaube und Wissenschaft in Marburg – er ist Althistoriker – was wohl der Pontius Pilatus im Apostolischen Glaubensbekenntnis zu suchen habe. (Dieses Glaubensbekenntnis eint 2,5 Milliarden Christen weltweit.) Ganz einfach: Schon der jungen Kirche war klar, die Berufung auf historische Ereignisse ist nur dann etwas wert, wenn diese belegbar in der Geschichte verankert sind. „Gelitten unter Pontius Pilatus“ heißt nichts anderes: Wie immer Jesus Christus vor reichlich 2000 Jahren zur Welt kam – in den Jahren 26 bis 36 n. Chr. war Pontius Pilatus Statthalter der Römer in Judäa, und er genehmigte die Kreuzigung Jesu. Wenn das historisch verbrieft ist, muss es auch stimmen, dass Jesus zur Zeit einer Volkszählung in der Ära von Landpfleger Quirinius geboren wurde. Weihnachten zu feiern heißt, einer geschichtlichen Tatsache zu gedenken, die alle damals bekannten Horizonte sprengt – und die an ihrer Sprengkraft nichts eingebüßt hat. Die Christen feiern Weihnachten deshalb als eine Weltenwende, als die Öffnung der Ewigkeit – des Reiches Gottes – für diejenigen, die diesen Erlöser für sich persönlich annehmen.
„Vertröstung auf's Jenseits“, werden die Atheisten wie üblich einwenden. Aber was haben die schon zu bieten – außer einer Vertröstung auf das Diesseits. Ihre Alternative ist ein Leben, „kurz wie ein Kinderhemd“, ohne rechten Sinn und Bedeutung.
Sind Sie wirklich schon auf Weihnachten vorbereitet? Die Christen glauben, dass Gott diese ganze Geschichte eingefädelt hat, damit es einen Weg gibt für jedermann und -frau in eine ewige, neue Welt. Das ist die eigentliche Botschaft von Weihnachten. Lichter, Geschenke, weihnachtliche Musik – das sind alles wunderbare Dinge, die ein kleines Abbild geben können von dem, wie Gott uns durch Jesus Christus beschenkt hat. Aber wenn „Sparen, Schlemmen, Schenken“ zum zentralen Inhalt von Weihnachten werden, lebt man am Wesentlichen vorbei.
Wenn Sie sich auf Weihnachten vorbereiten, dann sollten Sie sich auch dafür Zeit nehmen, einmal über Ihr Leben und Ihre Beziehung zu dem nachzudenken, dem dieses Fest eigentlich gilt. Vielleicht gibt es dann einiges zu justieren und zu erneuern, aber das lohnt sich schon wegen der neuen, Ewigkeits-bezogenen Lebensperspektive. Dann gibt’s wirklich was zu feiern.

 
 

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Kommentare zum Beitrag

Dr. Manfred Klein
1.398
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 12.12.2011 um 10:53 Uhr
Aber Herr Drechsel, Fragen über das Leben stellen tue ich das ganze Jahr über, teilweise auch hier, d. h. mit anderen.

Vielleicht könnte man Weihnachten teilen, einmal für die Religiösen, die an Jesus und Co. hängen (und jeden Tag glauben, es kommt jemand, obwohl sie genau wissen, dass keine kommt!) und eine WINTERSONNENWEND-Feier für die Säkularisierten, tiefgläubigen Atheisten, Agnostiker usw.

Historisch ist die Sache, das ist unbestritten, aber ein großer Teil gehört, wenn sie so wollen zu einem Anachronismus, also zu nicht Beweisbarem, da wo bestenfalls ein Glauben greift, darüber muss man sich klar sein.

Glauben heißt aber auch ein stückweit stehen zu bleiben, nicht mehr zu fragen, nicht mehr zu zweifeln, keine Neugier mehr zu haben...
Antje Amstein
6.024
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 12.12.2011 um 12:36 Uhr
Ein sehr schöner Kommentar, dass gefällt mir sehr gut und damit ist alles gesagt.
Nicole Schmidt
724
Nicole Schmidt aus Heuchelheim schrieb am 12.12.2011 um 12:41 Uhr
Die sogenannte Heilige Nacht oder auch Weihe-Nacht wurde ursprünglich am 21 .12 als Wintersonnenwende, der heiligsten Sonnenfeier begangen. In dieser Nacht wird das Sonnenkind wiedergeboren, als Symbol der nun kürzer werdenden Dunkelheit, was tot schien, erwacht wieder zum Leben.
Schon lange vor dem Christentum findet sich in fast allen Kulturen ein Mythos zur Wiedergeburt. So z.B. der Mithras-Kult oder in Ägypten Isis und die Geburt des Horuskindes. Bei uns etablierte sich der Kult als Weihnachten und die Geburt des Christkindes.
Erst als sich das römische Reich immer mehr vergrößerte, wurde die Wintersonnenwende zu einem römischen Staatsfeiertag bestimmt, der "Wiedergeburt der unbesiegbaren Sonne".

Erst im Jahr 217 wurde von Papst Hippolytos der 25.12 als Tag der Christgeburt bestimmt.
Kaiser Konstantin ernannte 330 das Christentum zur neuen römischen Staatsreligion. Der bis dahin verehrte Sonnengott wurde durch Konstantin in den neuen Christengott, der als "lux mundi" - als Licht der Welt - gefeiert wurde umgewandelt.
813 wurde dieser Tag in Deutschland zum Feiertag erhoben.

Das Fest der Wiedergeburt hat einen uralten Ursprung und ist nun wirklich keine Erfindung des Christentums!

Auch waren es in der Ursprünglichen Fassung keine drei Weisen oder gar Könige, sondern Sterndeuter bzw. Magiere. Auch von der Anzahl war keine Rede. Die sogenannten drei Könige wurden erst viel später etabliert, aufgrund der Anzahl der Geschenke. Auch die heutigen Namen sind eine reine Erfindung der Kirche.
Bernd Zeun
11.445
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 12.12.2011 um 12:48 Uhr
Lieber Herr Drechsel, zu den Glaubensfragen muss ich mich ja nicht mehr äußern, da kennen wir ja unsere gegenseitigen Ansichten, deshalb wünsche ich Ihnen aber zumindest erholsame Feiertage und die Zeit, für ein paar mehr weltliche Informationen aus Yei und dem Südsudan. Da ich mich von der Tradition des Schenkens noch nicht ganz befreit habe, will ich Ihnen aber auch etwas "schenken", von Pilzfreund zu Pilzfreund sozusagen. Da Sie ja Ihren Michael, Hennig, Kreisel nicht bei sich haben, hier wenigstens der Link zur Online-Ausgabe des Ur-Michael von Edmund Michael aus dem Jahr 1895, die weitestgehend mit dem 1. Band der heutigen sechsbändigen Ausgabe übereinstimmt http://www.gutenberg.org/files/31856/31856-h/31856-h.htm
Von den drei Herausgebern ist übrigens keiner an einer Pilzvergiftung gestorben (Sie vermuteten es einmal), Edmund Michael starb mit 71, Bruno Hennig mit 78, und Hanns Kreisel ist inzwischen 80, vermutlich meinten Sie den Mykologen Julius Schäffer, der studierte übrigens Theologie, hat aber als Lehrer für Biologie und Chemie gearbeitet (s. Wikipedia). Hat ihm alles nichts genützt, 1944 wurde ihm der Kahle Krempling zum Verhängnis.
Es grüßt
Bernd Zeun
Ullrich Drechsel
1.786
Ullrich Drechsel aus Gießen schrieb am 12.12.2011 um 14:13 Uhr
Das finde ich ja total nett, lieber Herr Zeun, herzlichen Dank für das nützliche Weihnachtsgeschenk! Bei gutem Internet-Wetter werde ich mir den Ur-Michael bestimmt herunterladen. Das mit den (weltlichen) Berichten habe ich mir schon lange zu Herzen genommen, aber wie Sie schon richtig vermuten: Es fehlt oftmals die nötige Zeit. Allerdings sei zu ergänzen: Bei mir ist das Weltliche und Geistliche nicht so richtig zu trennen. Ganzheitlichkeit nennt man das auch, und es macht das Wesen eines Christen aus. Es gibt ja schon genug andere gespaltene Persönlichkeiten ...
Ullrich Drechsel
1.786
Ullrich Drechsel aus Gießen schrieb am 12.12.2011 um 14:26 Uhr
PS.: Gestern habe ich übrigens ein neues Luftbild von unserem Kirchengelände in Yei eingestellt. Darauf kann man gut erkennen, wie (christliche) Ganzheitlichkeit hier gelebt wird: Schule, Kirche, Clinic nebeneinander; Handwerk, Verwaltung, Gästehaus (Business) integriert. Deswegen ist es mit einem rein weltlichen Bericht aus Yei gar nicht so einfach - weil die Leute hier Glauben und Alltag grundsätzlich miteinander verbinden.
Hermann Menger
2.364
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 12.12.2011 um 18:03 Uhr
Liebe Frau Schmidt, bei Ihrem letzten Absatz stimme ich Ihnen zu. Aber weiter vorne sehe ich einiges anders.
Trotzdem fröhliche Weihnachten!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Ullrich Drechsel

von:  Ullrich Drechsel

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