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Knapp drei Millionen Euro für langfristige und nachhaltige Integrations- und Demokratieprojekte in Mittelhessen

Sie alle freuen sich über die XENOS-Gelder. Projektbeteiligte aus dem Landkreis Gießen und der Wetterau.
Sie alle freuen sich über die XENOS-Gelder. Projektbeteiligte aus dem Landkreis Gießen und der Wetterau.
Gießen | „Den Kampf gegen rechtsradikale Netzwerke und Rassismus haben wir seit langem auf der Agenda. Jetzt können wir dank der großzügigen finanziellen Unterstützung durch XENOS und die Sozialarbeit an Schulen endlich zusätzliche Projekte für Jugendliche und junge Erwachsene in die Tat umsetzen“, sagte Dirk Haas, Integrationsdezernent des Landkreises Gießen mit Zustimmung des Ersten Kreisbeigeordneten, Dirk Oßwald, gestern (Mittwoch, 23. 11.) anlässlich der Pressekonferenz zur zweiten Förderrunde von „XENOS – Integration und Vielfalt“ in Friedberg. Nachdem im Wetteraukreis über dieses Förderprogramm seit drei Jahren Workshops und Aktionen, die allesamt ein demokratisches Verständnis fördern, umgesetzt werden und diese sichtbare Erfolge verbuchen, ist jetzt auch der Landkreis Gießen in dieses Programm eingestiegen.

Durch eine Kooperation mit dem südlichen Nachbar-Landkreis sowie dem Amt für Lehrerbildung Frankfurt und den Vereinen „Produktionsorientierte Aus- und Weiterbildung im Europäischen Rahmen“ und der „NachSchule Wetterau“ konnte dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales bei der Antragstellung ein überzeugendes
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Gesamtkonzept vorgelegt werden, dem die Fördersumme von drei Millionen Euro über drei Jahre zugesprochen wurde. Von der Gesamtsumme kommen dem Landkreis Gießen etwa 800.000 Euro zugute. Den geforderten Eigenanteil bringt der Landkreis über die Personalkosten der Sozialarbeiter an Schulen auf, wie der Erste Kreisbeigeordnete, Dirk Oßwald, erklärte.

Denn bei den XENOS-Projekten sollen die rund 20 Sozialarbeiter an Schulen miteinbezogen werden, weil sie vor Ort und im Umgang mit den jungen Leuten Probleme kennen und benennen können. Außerdem wird die Zusammenarbeit mit Schülervertretungen, Schulelternbeiräten, Vereinen, Organisationen und anderen Gremien angestrebt. „Fünf Gesamtschulen kommen in den Genuss der Förderung, wir werden dazu eine Ausschreibung machen“, sagte Oßwald und betonte, dass die Kreisberufsschule zusätzlich beteiligt wird. „Wenn das Schulpersonal signalisiert, dass sie gute Ideen haben und motiviert sind, rechte Strukturen zu entlarven und zu bekämpfen, dann sollen sie auch die Möglichkeit bekommen, über XENOS das demokratische Miteinander zu festigen“, versicherte der Erste Kreisbeigeordnete und erntete Zustimmung seiner Mitstreiter.

Der Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten, Dirk Haas, ergänzte, dass neben den weiterführenden, kreislichen Schulen auch andere Organisationen beteiligt werden sollen: „Es gibt im Landkreis einige Institutionen, die sich dem Kampf gegen rechte Gefahren verschrieben haben und die auch gut zusammenarbeiten. Von diesen Netzwerken können wir auch im Rahmen von XENOS profitieren.“ Als konkretes Projekt nannte er den „Atlas gegen Rassismus“, dessen Idee beim Aktionstag „Gießen bleibt bunt“ entstanden ist. Er soll aufdecken, welche rechtsorientierten Gruppen es im Landkreis gibt, wie sie miteinander vernetzt sind, und auch Wege aufzeigen, diese Gefüge aufzubrechen. Außerdem bestehe nach wie vor großer Aufklärungsbedarf über rechte Symbolik und Codes, mit denen rechtsgesinnte Gruppen kommunizieren, erklärte Haas mit Hinblick auf weitere konkrete Projekte, die ihm vorschweben. „Wir müssen das auch den Lehrern und den Eltern näher bringen“, machte er ein Ziel deutlich.

Als weitere Idee und Aufgabe nannte er das präventive Eingreifen bei schulmüden Mädchen und Jungen, mit dem Ziel, solche Jugendlichen rechtzeitig für eine Berufsausbildung fit zu machen. „Wenn sie die Schule beendet haben und die Sommerferien beginnen, ist es zu spät. Wir müssen ihre Persönlichkeit vorher stärken und ihnen den Übergang ins Berufsleben ermöglichen“, sagte Dirk Haas. Dazu brauche es auch einen toleranten Arbeitsmarkt. Deswegen müsse im Rahmen von XENOS übergreifend gedacht werden und möglichst viele Gesellschaftsschichten und -bereiche sensibilisiert werden. Das bestehende Netzwerk OLOV, das die Aktivitäten der Schulen mit dem Arbeitsmarkt bereits jetzt abstimmt, wird deswegen ebenfalls eingebunden, versprach Haas.

Auch dass das Amt für Lehrerbildung als Partner mit im mittelhessischen XENOS-Boot sitzt, ist sinnvoll und als Multiplikator nicht zu ersetzen. Über die gezielte Schulung von Lehrkräften sei bereits in den vergangenen Jahren im Wetteraukreis und auch hessenweit viel erreicht worden, versicherte Frank Sauerland, der Leiter des Amts für Lehrerbildung in Frankfurt. Auch für die zweite Phase, die mit Jahresbeginn 2012 startet, seien wieder Seminare für Schulleiter und Lehrer geplant, die auch so genannte Soft-Skills wie Demokratiebewusstsein auf Seite der Schülerschaft fördern sollen.

Für die inhaltliche Ausgestaltung der ersten Projektphase war Aaron Löwenbein als Projektkoordinator verantwortlich, wie Helmut Betschel-Pflügel als Erster Kreisbeigeordneter des Wetteraukreises erklärte. Gemeinsam mit Jörg Glasenhardt-Freymann, der zwischenzeitlich zum Landkreis Gießen gewechselt hat, hatte Löwenbein seinerzeit das XENOS-Projekt in die Wetterau geholt. Da das Programm ganzheitlich Früchte trägt, konnten mit der Zeit neue Kooperationspartner gewonnen werden. Mit dem Landkreis Gießen als großer Partner werde XENOS nun überall in Mittelhessen Fuß fassen, waren sich die Beteiligten einig. Dass über Jörg Glasenhardt-Freymann und seine Kontakte auch personelle Verbindungen zwischen den Landkreisen bestehen, könne sich nur förderlich auswirken, verdeutlichte der Kollege aus der Wetterau.

Um auch die langfristige Bedeutung und Wichtigkeit von guten Aktionen für eine bessere Integration und Stärkung der Persönlichkeiten hervorzuheben, versicherte Dirk Haas, dass mit Auslaufen der Förderperiode in drei Jahren erfolgreiche Projekte nicht auf Eis gelegt werden müssen: „Auch nach der Förderphase wird der Landkreis Gießen erfolgreiche Projekte in Eigenregie fortführen, um nachhaltig gegen bestehende Problematiken wirken zu können.“

Dirk Oßwald stellte neben der inhaltlichen Wichtigkeit auch die Ansiedlung innerhalb der Kreisverwaltung in den Vordergrund: „Besonders stolz sind wir darauf, dass es uns gelungen ist, das XENOS-Projekt auf der Ebene der Kreisspitze zu etablieren. Die Maßnahme wird von allen betroffenen Dezernenten getragen, was zeigt, wie wichtig wir den Kampf gegen Rassismus und für mehr Demokratie nehmen und dass wir in dieser Frage uneingeschränkt an einem Strang ziehen.“ Auch Projektkoordinator Aaron Löwenbein betonte voller Freude die ausschließliche sachdienliche Bearbeitung über bestehende Strukturen hinweg, die er bislang erlebt hat. Dass Staatsminister Jörg-Uwe Hahn die Schirmherrschaft für dieses Projekt übernommen hat, verdeutliche dies zusätzlich.

XENOS-Projekte im Wetteraukreis sowie eine Beschreibung des Projekts im Internet: http://www.interkulturelle-wetterau.de.

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