Gießen | Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgte diese Woche für eine hitzige Diskussion, als Sie die Gerechtigkeitsdebatte um einen flächendecken Mindestlohn anstieß. Die Aufregung war groß, sei es auf Bundesebene oder in den einzelnen Kommunen.
Die Debatte ist emotional geladen. Auf der einen Seite stehen Arbeitnehmer, die teils so wenig verdienen, dass sie trotz einer Arbeitsstelle auf Geld vom Staat angewiesen sind. Der Mindestlohn, so Befürworter, soll Geringverdiener vor dem sogenannten Lohndumping schützen. Eine Vollzeitbeschäfitung soll schließlich ein gewisses Existenzminimum garantieren. Kurz: Arbeit soll sich lohnen.
Auf der anderen Seite argumentieren die Kritiker, dass ein Mindestlohn die Armut nicht mit Sicherheit bekämpft. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) etwa warnt davor, dass viele Arbeitsplätze, beispielsweise für Geringqualifizierte, schlicht wegfallen würden. Die Junge Union Grünberg merkt außerdem an, dass ein flächendeckender Mindestlohn die Besonderheiten der Branchen und regionale Unterschiede nicht beachtet.
Wie sehen Sie das? Braucht Deutschland einen Mindestlohn? Und hat dieser nur positive/negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt? Diskutieren Sie mit!
Das ist doch keine Frage! Selbstverständlich ist eine solche Bezahlung erforderlich. Mann/Frau sollte von einer Vollzeitarbeit auch leben können, ohne Transferleistungen zu erhalten, die dann wiederum der Allgemeinheit angelastet werden.
Das Jammern der Arbeitgeber dient doch nur dem Erhalt dreren Gewinnspanne.
Dem Kommentar v. Peter Herold kann ich nur zustimmen.
Meiner Meinung nach kann nur eine flächendeckende, branchenunabhängige Festlegung funktionieren.
Derzeit sieht es doch wohl so aus, dass in einigen Branchen, in denen ein Mindestlohn schon festgesetzt wurde, wie z. Bsp. im Bereich 'Gebäudereinigung' vom Arbeitgeber die Mitarbeiter zu Servicekräften deklariert werden, um den Mindestlohn zu umgehen.
Diejenigen, die da behaupten, der Mindestlohn gefährde Arbeitsplätze, betreiben Volksverdummung. Das Kapital benötigt billige Arbeitskräfte, neue Absatzmärkte und Rohstoffe. Letzteres wird durch Kriege erreicht, die billigen Arbeitskräfte werden u.a. gefügig gemacht mit der Drohnung der Arbeitslosigkeit.
Der Kampf der Gewerkschaften für die Interessen der Lohnabhängigen (plus Rentner, Erwerbslose....) ist zu schwach. Ohne Gerwerkschaften wäre es noch schlimmer, deshalb bleibe ich auch nach 45 Jahren im DGB organisiert.
Wir brauchen dringend einen Mindestlohn, es kann nicht sein dass die ArbeitnehmerInnen 8 Stunden arbeiten und nur 18,70€ netto verdient haben. Wie sollen sie davon leben ohne dem Staat auf der Tasche zu liegen? Was ist mit der Altersversorgung und welche Chancen haben die Kinder?
Das Argument "dass viele Arbeitsplätze, beispielsweise für Geringqualifizierte, schlicht wegfallen würden" ist falsch, die Jobcenter vermitteln gerade die Geringqualifizierten auf Staatskosten, so wird der Lohn und der Arbeitgeber bezahlt.
der mindestlohn ist laengst ueberfaellig ! in europa sind wir da schlusslicht.
was bringen uns arbeitsplaetze wenn der lebensunterhalt nicht erwirtschaftet wird sondern ohne staatliche hilfe trotz vollzeitjob nichts geht ? Die arbeitgeber spoelen mit der angst der arbeitnehmer um immer weniger zahlen zu muessen. da immer weniger betriebe an tarife gebunden sind muss der staat einschreiten.
Nach meinem Wissen funktioniert das System der Mindestlöhne in reichlich anderen Ländern sehr gut.
Auch ich bin FÜR einen Mindestlohn, denn Arbeit muss ingesamt atraktiver werden.
Ich frage mich, wie lange es noch Menschen geben wird, die tagtäglich zur Arbeit rennen, während sie für geliches Geld zuhause bleiben könnten. Wie lange wird es noch Menchen geben, für die es für ihre Persönlichkeit wichtig ist, Arbeit zu haben.
Herr Lenz, ich freue mich, dass wir in dieser mit der Lebensqualität von Menschen zusammenhängenden Frage einig sind.
Dass Menschen, um ihre Existenz einigermaßen zu sichern, zwei oder drei "Jobs" annehmen müssen, ist eine Schande. Genau wie die Begriffe "Aufstocker", "Hartz-IV-Bezieher", "Geringverdiener" die Brutalität unseres Gesellschaftssysthems darstellen.
Mindestlöhne....keine Frage.
Aber wie sollen die denn aussehen ?
Ein paar Euro mehr als Hartz 4 ?
Unlängst sagte mir jemand "wenn ich mit der Schule fertig bin, dann Hartze ich. Einen Beruf lernen...für was"
Ich finde, arbeiten soll sich lohnen.
Sich für eine Ausbildung zu entscheiden und diese durch zu zeihen, auch wenn einem mal kalter Wind ins Gesicht weht, soll sich lohnen.
Sich weiter zu bilden soll sich lohnen.
Lohnen, aber nicht nur für den Arbeitgeber.
Wenn die Auftragslage schlecht ist, soll jeder den Gürtel enger schnallen. Ist die Auftragslage gut, soll jeder Überstunden machen. Aber mehr netto im Geldbeutel......fehlanzeige.
Das Wort Mindestlohn.....für mich schon eine Diskriminierung, für die, die den Mindestlohn erhalten sollen.
Wie Herr Beltz schreibt...die Brutalität unserer Gesellschaft.
Mindestlohn ja, aber so, dass die die nur das bekommen, auch mal Geld haben um sich einen zumindest kleinen Wunsch zu erfüllen.
Lieber Volker, schön wieder was von Dir zu lesen. Mindestlohn, ja wie hoch sollte der sein?
Armutsgrenze liegt glaube ich bei mtl. 913 Euro. Das wäre sicher zuviel, oder?
Jeder sollte mit seiner Arbeit (40 h in der Woche)soviel verdienen, dass er davon eine angemessene Wohnung, ausreichen Kleidung und Essen sowie die notwendigsten sonstigen Ausdgaben bestreiten könnte.
Es dürfte Einigkeit bestehen, dass Arbeitgeber (Unternehmer) Menschen nicht einfach aus Liebhaberei und zum Zeitvertreib als Arbeitnehmer beschäftigen oder deshalb, weil sie halt Gutmenschen sind und nicht anders können. Selbst wenn es so wäre, würden sie es nicht lange durchhalten, sobald sich das als Zuschussgeschäft herausstellt.
Daraus kann man mit etwas Nachdenken schließen, dass jede Arbeit ihr Geld verdienen muss, indem etwas geschaffen wird, wofür andere Leute bereit sind, soviel Geld auszugeben, dass der Lohn bezahlt wird und auch für den Arbeitgeber/Unternehmer etwas übrig bleibt. Wenn nicht, wird der im Allgemeinen rasch die Finger davon lassen. Ich an seiner Stelle täte das jedenfalls.
Es ist keine Frage, dass es eine trübe Zone gibt, in der offenbar nicht Wenige im Verhältnis zu der Leistung und dem Ertrag der Arbeit ungerechte Löhne zahlen und sich eine goldene Nase damit verdienen, dass sie ihre Mitmenschen übervorteilen und ausbeuten. Vermutlich gibt es aber auch manche, die schlecht zahlen und trotzdem z.B. in ihrem Tante-Emma-Laden ohne goldene Nase leben müssen, weil sie entweder mit ihrem Geschäft schlecht wirtschaften oder beispielsweise mit ihrem Prudukt in einem Wettbewerb etwa aus Fernost stehen, der keine besseren Preise erlaubt und für höhere Lohne nicht genug Geld bringt. Der Ausweg ist Betriebsstillegung; vielleicht reicht auch "Rationlisierung", "Umstrukturierung", im Klartext Personalabbau vorzugsweise auf den "billigen Plätzen" mit minderer Qualifikation.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert im Namen der Arbeitnehmerschaft einen Mindestlohn für alle per Gesetz von 8,50 € ohne wenn und aber; bis zur nächsten Wahl werden es vielleicht 9,-- € oder auch mehr sein. Weiß wer, wieviele Arbeitgeber dann sagen werden, dass dies und das sich dann nicht mehr lohnt und wieviele Beschäftigte dann ausgemustert werden? Die Antwort "keine" wäre nicht akzeptabel.
Man kann natürlich sagen, dass besser sei, garnicht zu arbeiten als für nur billiges Geld. Nicht wenige sagen allerdings, dass es für an Körper und Geist gesunde, erwerbsfähige Menschen geradezu grausam sei, keine nutzbringende Arbeit zu haben. So wird es auch von den Langzeitarbeitslosen ("Hartz IV") immer wieder vermittelt, dass subjektiv mit der Zeit die Arbeit an sich geradezu wichtiger ist als die Bezahlung; es gibt freilich nicht den geringsten Grund, das auszunutzen!
Es soll allerdings auch vorkommen, dass Arbeit einfach Freude macht, weil ihr Inhalt Sinn ergibt - auch wenn "der Markt" keine hohen Preise einbringt.
Ein Dilemma ist auf jeden Fall, wenn Billiglöhner trotz Beschäftigung noch mit Sozialleistung aufstocken müssen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Dabei kann auf der einen Seite eine kurze Arbeitszeit den Ausschlag geben wie bei den typischen "400 -Euro-Jobs", auf der anderen Seite ein besonders hoher Bedarf bei z.B. großer Familie oder hohen Wohnkosten. Dass ein Alleinstehender mit voller Arbeitszeit auch bei einfachen Anforderungen an das Können ohne staatliche Unterstützung auskommen sollte, ist bestimmt eine selbstverständliche Erwartung. In den anderen Fällen am Rande der Skala wird auch ein Mindestlohn keine Garantie dafür bieten.
Ist es erstrebenswert, jemandem durch Mindestlohnauflage einen Billigarbeitsplatz unrentabel zu machen und ihn stattdessen voll in die Staatsfürsorge zu übernehmen? Im Fall des Falles gefiele mir die Alternative mit Aufstockung besser.
Ist es notwendig, auch jemanden, der nicht auf Hilfe aus dem Staatstopf angewiesen ist, zwangsweise auf den Mindestlohn festzulegen auch dann, wenn der Arbeitgeber sagt: "Nein danke"?
Wäre es nicht sinnvoller, nur dann mit Vorschriften einzuschreiten, wenn der Bezug von Leistungen trotz Beschäftigung nicht beendet wird und der Stundenlohn einen zu bestimmenden unteren Grenzwert nicht erreicht? Dann wäre vom Arbeitgeber beispielsweise Rechenschaft zu fordern, dass die geringe Lohnhöhe sachlich erklärt werden kann. Wenn er das nicht kann, soll er zahlen! Ist nicht eigentlich nur dann ein Eingreifen des Staates nötig, wenn der Missbrauch staatlicher Leistungen zur Debatte steht? Da ist allerdings Pflicht, genauer hinzuschauen. Das macht zwar Umstände und Arbeit und strengt an - vielleicht passiert nur deshalb nichts.
Ein einheitlicher Mindestlohn auf hohem Niveau, das klingt toll und ist so schön einfach! Dazu weiss ich die alte Lehre, dass die ganz einfachen Lösungen genial sein können - das ist aber eher selten. Meistens haben sie mindestens einen Pferdefuß und sind am Ende Illusion. Immerhin könnte das Modell von branchenbezogenen "Lohnuntergrenzen", die durch Tarifkommissionen festgesetzt werden, durch ausreichende Differenzierung eine reelle Annäherung an "gerechten" oder angemessenen oder betriebswirtschaftlich begründeten Lohn denkbar machen.
Ich habe selber die letzten Jahre vor Rentenbeginn in einer Firma gearbeitet, in der mit der Angst der Mitarbeiter gespielt wurde. Daher kann ich die ganzen Kommentare nur bestätigen. Auch den Mindestlohn finde ich in Ordnung. Es kann doch nicht sein, dass ich Stütze vom Amt bekomme und mir geht es besser, als manchem Berufstätigen, der sich dann noch von den Faulenzern auslachen lassen muss. Ich bin froh, dass ich mein Berufsleben (45 Jahre) hinter mir habe.
Ich finde die Politiker haben, beim Mindestlohn, auf die Menschenwürde eines Arbeitnehmers zu achten.
Der Arbeitnehmer, der in Lohnverhältnis steht, MUSS so viel verdienen um ohne eine staatliche Unterstützung und Hilfstellung auszukommen, leben zu können.
Der Arbeitnehmer - Mensch - muß belohnt werden und damit als würdiger Menschen behandelt/ gewürdigt zu werden.
Dazu gehört aber eine politische Gesetzmäßigkeit.
'Sonst macht jeder was will ich!!'
Ohne das 'Maß' eines, von der 'Politik' beschlossenen/verabschiedeten, 'Gesetzes' setzt sich jeder Arbeitgeber nur mit dem Hintern auf die Menschenwürde und einen Mindestlohn.
Das meinte ich mit 'Gesetzmäßigkeit'! -
Und ich hoffe die machen sich mal in die Strümpfe, die Politiker.
Lieber Herr Weise, es war nicht so ernst mit der Frage gemeint. Aber es gab Ihnen die Gelegenheit den schönen Spruch mit
Und ich hoffe die machen sich mal in die Strümpfe, die Politiker.
anzubringen.
Fand ich ganz zutreffend, danke.
Hallo Herr Herold,
ich hoffe das die Damen und Herren die richtigen 'Strümpfe' erst mal finden.
Über diese Metapfer 'Strümpfe' könnte man noch eine lange Abhandlungen machen. Das lasse ich dann aber.
Die Haupsache ist doch, daß sie nicht nur rechten finden "!°
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Dies war das Thema des Vortrags von Coach Kerstin Schmidt-Beck und...
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