Gießen | von Frank R. Stockton (1834 – 1902)
Übersetzung: Bernd Zeun
Kapitel 17
Eine Menschenkennerin
Ich war dabei, in die Richtung von Walford abzubiegen, aber dann erinnerte ich mich mit meinem problemgeplagten Hirn daran, dass ich, egal was passierte, vor meiner Heimkehr die Larramies besuchen wollte. Ich war es ihnen schuldig und in diesem Augenblick schien mir ihr Haus wie ein Zufluchthafen.
Die Larramies empfingen mich mit erstaunten Augen und offenen Armen. Sie waren verblüfft, mich vor Ende meiner Ferien wieder zu sehen, denn kein Mitglied dieser Familie war je zurück gekommen, ehe der Urlaub vorbei war; aber sie zeigten, dass es sie freute, mich bei sich zu haben, sei es früher oder später als sie es erwartet hatten, und ich war keine zehn Minuten im Haus, ehe ich nicht drei verschiedene Einladungen hatte, ihr Haus zu meinem zu machen bis die Schule wieder anfinge.
Im Haus ging es noch lebhafter zu als vor meiner Abreise. Ein Ehepaar war zu Besuch, begeisterte Golfanhänger; einer von Walters Collegefreunden war da und, zu meiner Überraschung, auch wieder Fräulein Amy Willoughby.
Genevieve empfing
mich aufs Wärmste und ich konnte sehen, ihre Hoffnung auf einen erwachsenen Freund war wiederbelebt. Klein Clara wollte von mir geküsst werden, kaum dass sie mich gesehen hatte, und ich glaube, sie betrachtete mich jetzt als einen permanenten Onkel oder etwas in der Art. Sobald wie möglich wurde ich vom größeren Teil der Familie zu dem Bären eskortiert.
Fräulein Edith hatte mich wie einen alten Freund willkommen geheißen. Ihr offener und herzlicher Händedruck wärmte mir das Herz. Sie sagte sehr wenig, aber ihre Augen hatten einen gewissen fragenden Ausdruck, der mir verriet, sie hatte viel zu fragen, wenn die Zeit käme. Was mich betraf, hatte das keine Eile. Mir war nicht danach, Fragen zu beantworten, und so lebhaft wie möglich unterhielt ich mich mit allen, während wir zu dem Bär unterwegs waren.
Dieses Tier war fett und höchst zufrieden geworden, aber ich fand, die Familie war sich sehr unschlüssig, was sie mit ihm anstellen sollte.
„Wissen Sie“, rief Percey, der die Hauptrolle übernommen hatte, „die Nachbarn sind seinetwegen ganz schön aufgeregt. Seit die McKenna Schwestern verbreitet haben, dass Orso die Angewohnheit hat, sich unter Betten zu verkriechen, gibt es niemand im Umkreis von fünf Meilen, der zu Bett geht, ohne darunter nachzuschauen, ob auch kein Bär drunter liegt. Ungefähr eine Meile die Straße runter stehen zwei Häuser zum Verkauf und der einzige Grund, der uns einfällt, weshalb die Leute weg ziehen sollten, ist der Bär. Fast alle Hunde hier herum sind angekettet, aus Angst, der Orso könnte sie erwischen und es herrscht eine allgemeine Unruhe, kann ich Ihnen versichern. Erst war es ja ziemlich lustig, aber jetzt wird es ein bisschen lästig. Wir haben darüber gesprochen, ihn zu erschießen und dann bekäme ich sein Skelett und könnte es aufstellen, und meiner Meinung nach sollten Sie das Fell bekommen.“
Jetzt gab es mehrere Einwände, denn niemand schien zu glauben, dass ich so ein scheußliches Fell könnte haben wollen.
„Scheußlich!“ rief Percey, der offenbar sehr darauf aus war, seinen Studien vergleichender Anatomie nachzugehen. „Es ist ein prächtiges Fell. Schaut euch die langen, dichten Haare an. Also, wenn man das Fell nimmt und auskämmt und säubert und in einer hübschen Farbe färbt, kann man es in jedes Zimmer legen.“
Genevieve war dafür, das Fell zu kämmen und säubern, es zu ölen und färben, ohne es dem Bär abzuziehen.
„Wenn ihr das macht“, erklärte sie, wäre es ein hübscher Bär und wir würden ihn weg geben. Im Central Park wären sie froh, wenn sie ihn hätten.“
Die Larramies wollten nichts davon hören, dass ich am selben Tag weiter wollte. Es waren allerhand Leute im Haus, aber für mich gäbe es genügend Platz und nachdem wir den Bär verlassen hatten, ohne das Problem gelöst zu haben, was endgültig mit ihm geschehen sollte, gab es so viel zu tun und so viel zu erzählen, dass es später Nachmittag wurde, ehe Fräulein Edith die lang erwartete Gelegenheit fand, mit mir zu sprechen.
„Nun“, sagte sie, während wir zusammen von den Golfbahnen weg, aber nicht zum Haus hin gingen, „was haben Sie zu berichten?“
„Berichten?“ wiederholte ich ausweichend.
„Ja, Sie haben das versprochen, und ich erwarte immer, dass Leute ihre Versprechen mir gegenüber erfüllen. Sie kamen auf Ihrem Weg hierher am STECHPALMWEDEL vorbei, stimmt’s?“
Ich bestätigte es. „Ein ziemlicher Umweg“, sagte sie. „Es wäre sieben Meilen kürzer gewesen, wenn sie an der Kreuzung die andere Straße genommen hätten. Aber ich vermute, sie dachten, Sie müssten zuerst dort hin.“
„Das ist es, was ich gedacht habe“, antwortete ich.
„Haben Sie die ganze Zeit an sie gedacht, als Sie weg waren?“
„Fast die ganze Zeit.“
„Und haben Ihre Ferien tatsächlich um ein großes Stück verkürzt, um sie zu sehen?“
Ich erwiderte, dass das genau der Fall war.
„Aber, am Ende, hatten Sie keinen Erfolg. Sie brauchen mir nichts darüber sagen – ich wusste es, sobald ich Sie heute morgen gesehen habe. Aber ich bitte Sie, mir eines zu beantworten: Ist die Entscheidung endgültig?“
Ich seufzte – ich konnte nicht anders; aber sie lächelte nicht einmal. „Ja“, sagte ich, „die Sache ist ein für alle Mal entschieden.“
Eine Minute oder so gingen wir schweigend weiter, dann sagte sie: „Ich will nicht, dass Sie denken, ich wäre hartherzig, aber ich muss sagen was in mir ist. Ich beglückwünsche Sie und gleichzeitig tut sie mir leid.“
Bei dieser erstaunlichen Rede drehte ich mich ihr plötzlich zu und wir blieben beide stehen.
„Ja“, sagte sie, während sie vor mir stand und mich mit ihren klaren Augen anschaute, „man kann Ihnen gratulieren. Ich glaube, sie ist wahrscheinlich die bezauberndste junge Frau, der Sie wohl begegnen können – und ich weiß eine Menge mehr über sie als Sie, denn ich kenne sie seit langem, während Ihre Bekanntschaft mit ihr nur sehr kurz ist – sie hat Eigenschaften, über die Sie nichts wissen; sie ist liebenswert! Aber trotzdem wäre es sehr falsch für Sie, sie zu heiraten und ich bin froh, dass sie vernünftig genug war, Ihnen das nicht zu gestatten.“
„Warum sagen Sie das?“ fragte ich, etwas scharf.
„Natürlich gefällt Ihnen das nicht“, erwiderte sie, „aber es stimmt. Sie mag so liebenswert sein, wie Sie glauben – und ich bin sicher, sie ist es. Sie mag aus einer guten Familie kommen, von feiner Erziehung und jede Menge mehr. Aber all das zählt nicht neben der Tatsache, dass sie über fünf Jahre die Wirtin eines kleinen Gasthofs war.“
„Das kümmert mich kein bisschen!“ rief ich. „Dafür mag ich sie um so mehr. Ich -“
„Das macht es schlimmer“, unterbrach sie und während sie sprach, konnte ich nicht anders und ich musste mich an eine ähnliche mir gegenüber gemachte Bemerkung erinnern. „Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass Sie vollkommen willens wären, sich als Betreiber eines kleinen Hotels niederzulassen. Aber wenn nicht – selbst wenn Sie den Weg beschritten hätten, den Vater für Sie vorgezeichnet hatte, und Sie sollten ihn über Sie sprechen hören – wären Sie vielleicht berühmt geworden, reich, oder wer weiß was, vielleicht Präsident eines College, aber trotzdem hätte jeder gewusst, dass Ihre Gattin die junge Frau war, die den STECHPALMWEDEL geführt und ankommende Gäste gefragt hatte, ob ihnen auch ein rückwärtiges Zimmer recht wäre und ob sie Kaffee oder Tee zum Frühstück wollten. Natürlich hielt Frau Chester zu viel von Ihnen, um Sie solch eine Torheit in Betracht ziehen zu lassen.“
Ich gab auf die Bemerkung keine Antwort. Ich dachte, die junge Frau mischte sich ziemlich ein.
„Natürlich“, fuhr sie fort, „wäre es für Frau Chester eine große Sache gewesen, und ich ehre sie dafür, dass sie sich unnachgiebig hinstellte und tat, was sie tun sollte. Ich weiß zwar nicht, was sie sagte, als sie Ihnen ihre endgültige Antwort gab, aber was es auch war, es war das beste Kompliment, das sie Ihnen geben konnte.“
Ich lächelte grimmig. „Sie hat mich mit einem Bären verglichen“, sagte ich. „Nennen Sie das ein Kompliment?“
Edith Larramie schaute mich mit funkelnden Augen an. „Sagen Sie mir eines“, sagte sie. „Als sie so mit Ihnen sprach, versuchten Sie nicht heraus zu finden, wie sie über die Angelegenheit dachte, wenn es das Gasthaus nicht gegeben hätte?“
Ich konnte nicht anders und musste lächeln, als ich zustimmte.
„Na, bitte!“ rief sie aus. „Ich fange an, vor meinen Fähigkeiten, vorherzusagen, wie Menschen sich wahrscheinlich verhalten werden, höchsten Respekt zu empfinden. Es sah Ihnen ähnlich zu versuchen, das heraus zu finden und es sah ihr ähnlich, Sie abblitzen zu lassen. Aber gehen wir weiter. Soll ich Ihnen einen Rat geben?“
„Ich fürchte, Ihr Rat taugt nicht viel“ antwortete ich, „aber fahren Sie nur fort.“
„Nun, denn“, sagte sie, „ich rate Ihnen, sich so schnell wie möglich wieder in jemand zu verlieben. Das ist die beste Möglichkeit, diese Sache aus dem Kopf zu bekommen, und solange Sie das nicht tun, werden Sie zu nichts zu gebrauchen sein.“
Ich hatte das Gefühl, dieses Mädchen jetzt so gut zu kennen, dass ich ihm alles sagen konnte. „Na, schön“, sagte ich, „nehmen wir an, ich verliebe mich in Sie?“
„Das hört sich nicht sehr nett an“, sagte sie. „Da klingt ein kleines bisschen Gehässigkeit durch. Aber das spielt auch keine Rolle. Ich bin nicht im Wettbewerb, und das ist der Grund, dass ich so offen mit Ihnen sprechen kann. Ja mehr noch, deshalb verstehe ich so viel davon. Ich bin nicht befangen. Aber für Sie bestünde keine Not – da gibt es Amy.“
„Hören Sie mir auf mit Amy, ich bitte Sie!“ rief ich aus.
„Warum denn?“ blieb sie dabei. „Sie ist hübsch. Sie ist so gut, wie man nur sein kann. Sie ist reich. Und wenn sie Ihre Frau wäre, würden Sie sie mehr reden hören wollen, als sie es tut, Sie würden ihr so gern zuhören. Ich könnte mehr über Amy sagen, aber ich tu’s nicht.“
„Wäre es sehr unhöflich, wenn ich jetzt pfeife?“ sagte ich.
„Ich weiß nicht“, sagte sie, „aber Sie können es lassen. Ich betrachte es als erledigt. Jetzt werde ich von Bertha Putney sprechen. Ich musste erst Amy erwähnen, weil sie meine liebe Freundin ist, aber Fräulein Putney ist ein großartiges Mädchen. Und ich sage Ihnen gern, dass sie sich sehr für Sie interessiert.“
„Woher wissen Sie das denn?“
„Ich habe sie getroffen, nachdem Sie bei uns waren – sie hatte Lunch mit uns. Sobald sie Ihren Namen hörte – und das war zu erwarten, denn in dieser Familie spricht man über Sie, seit man Sie kennen gelernt hat – begann sie Fragen zu stellen. Natürlich war der Bär Thema, und sie wollte jede Einzelheit wissen von dem, was geschehen war. Aber sobald sie hörte, dass Sie den Bär beim STECHPALMWEDEL bekommen hatten, änderte sich ihre Haltung und sie sprach bei Tisch nicht weiter von Ihnen.
„Aber am Nachmittag hatte sie mir viel zu erzählen. Ich wusste nicht genau, worauf sie hinaus wollte, und ich habe ihr vielleicht zu viel erzählt. Wir sprachen eine Menge – an einiges erinnere ich mich, an anderes nicht – aber ich bin mir sicher, ich habe nie eine Frau getroffen, die sich mehr für einen Mann interessierte als sie sich für Sie. Es ist deshalb meine Meinung, wenn Sie auf dem Rückweg bei den Putneys halten könnten Sie eine Menge dafür tun, Ihre jetzigen Probleme los zu werden. Ich komme mir ein bisschen wie ein Spion im gegnerischen Lager vor, so mit Ihnen zu sprechen, aber ich habe Ihnen gesagt, dass ich Ihre Freundin bin und die will ich bleiben. Spione sind in Ordnung, wenn sie loyal zu ihrer eigenen Seite sind.“
Ich war sehr froh, so ein Mädchen auf meiner Seite zu haben, aber es schien mir keine sehr gute Zeit, über die Vorteile eines Besuchs bei Fräulein Putney zu sprechen.
Trotz allen Drängens der Larramie-Familie blieb ich bei meiner Absicht, am nächsten morgen nach Walford zu fahren. Und als Antwort auf ihre Versicherungen, ich würde es furchtbar langweilig in dem kleinen Dorf während des Rests meiner Ferien finden, sagte ich ihnen, ich sollte sehr beschäftigt sein und keine Zeit für Langeweile haben. Ich würde ernsthaft mit der Arbeit beginnen, um mich auf meine akademische Laufbahn vorzubereiten. Ein, zwei Jahre hatte ich diese wichtige Angelegenheit hinausgeschoben und gewartet, bis ich genug Geld zurück gelegt hatte, um das Unterrichten an der Schule aufzugeben und mich ganz den nötigen Studien zu widmen. All das würde mir genug zu tun geben und die Ferien wären die Zeit dafür. Die Ablenkungen der Schulstunden waren der angemessenen Vertiefung in meine eigenen Angelegenheiten im Wege.
„Das klingt sehr schön“, sagte Fräulein Edith, als niemand dabei stand, „aber wenn Ihnen der STECHPALMWEDEL nicht aus dem Kopf geht, glaube ich nicht, dass Sie sehr viel zu ‚angemessener Vertiefung’ kommen werden. Folgen Sie meinem Rat und halten Sie bei den Putneys. Es kann Ihnen nicht schaden und hilft vielleicht, den Kopf frei zu bekommen von Ablenkungen, die schlimmer sind als die der Schule.“
„Indem ich ihn mit anderen Ablenkungen fülle, meinen Sie sicher“, antwortete ich. „Sie müssen mich für eine flatterhafte Person halten. Aber es gefällt mir, dass Sie so großes Interesse an mir nehmen, dass ich keinen Ihrer Ratschläge bedaure.“
Sie lachte. „Ich gebe gern Ratschläge“, sagte sie, „aber ich muss zugeben, dass ich manchmal mehr von einer Person halte, wenn sie ihn nicht annimmt. Aber lassen Sie mich sagen – und damit höre ich auf, Ihnen weitere Ratschläge zu erteilen – wenn Sie Erfolg in der Liebe haben wollen, müssen Sie Ihre Methoden ändern. Sie können nicht erwarten, sich einem Mädchen in den Weg zu stellen und sie aufhalten, als wäre sie ein durchgegangenes Pferd. Ein Pferd mag das nicht und ein Mädchen auch nicht. Ein durchgegangenes Mädchen fügt keinem Schaden zu, und wenn Sie rege genug sind, können Sie ihr nachspringen und die Zügel ergreifen und sie langsam zum Stehen bringen, ohne ihre Gefühle zu verletzen, und dann, höchst wahrscheinlich, können Sie sie für den Rest Ihres Lebens führen.“
„Sie sollten diese Rede in Schmuckbuchstaben in Stein meißeln lassen“, sagte ich, „jedes Museum wäre froh, die Platte in seinen Besitz zu bekommen.“
Ich hatte - außer dem genannten - zwei Gründe für den Wunsch, dieses gastliche Haus zu verlassen. Zuerst, Edith Larramie irritierte mich. Ich mochte es nicht, wenn jemand so viel über meine geistige Verfassung Bescheid weiß – oder zu wissen glaubt. Ich mochte das Gefühl nicht, dass man über mich verfügt. Ich war der festen Meinung, wenn jemand in ein Gefährt sprang, das sie steuerte, würde er merken, es geht dahin, wohin sie will und sie würde keine Einmischung zulassen. Ich mochte sie sehr gern, aber ich war mir sicher, nicht in ihrer Nähe würde ich mich im Kopf freier fühlen.
Der andere Grund für meine Abreise war Amy Willoughby. Während meines kurzen Besuchs in ihrem Haus war meine Bekanntschaft mit ihr sehr rasch gewachsen. Jetzt schien ich sie sehr gut zu kennen, und je mehr ich sie kannte, desto mehr mochte ich sie. Es mag Eitelkeit sein, aber ich glaube, sie wollte, dass ich sie mag und ein Grund das zu glauben war die Tatsache, dass sie, wenn sie bei mir war – und ich sah sie ziemlich lange an dem Nachmittag und Abend, die ich bei den Larramies verbrachte – nicht so viel sprach, und wenn sie sprach, sagte sie unweigerlich etwas, das ich hören wollte.
Mich an die Bemerkungen ihrer Freundin Edith über sie erinnernd, konnte ich nur zugeben, dass sie ein sehr feines Mädchen war, das eine Menge anziehender Eigenschaften in sich vereinte, aber ich rebellierte gegen jede meiner Überzeugungen in Bezug auf sie. Ich wollte nicht über ihre bewundernswerten Eigenschaften nachdenken. Ich wollte nicht glauben, dass sie mich im Laufe der Zeit noch stärker beeindrucken würden als jetzt. Ich wollte nicht, dass Leute sich ausmalten, dass ich so beeindruckt sein würde. Wenn ich dort bliebe, könnte es sein, dass ich sie im Lichte einer Pflicht betrachtete.
Der Abschied von der Familie am nächsten Morgen war tumultartig. Einladungen, während meiner Ferien wieder her zu fahren, Samstage und Sonntage bei Ihnen zu verbringen, wurden unterbrochen von Genevieves ernsthaften Aufforderungen bezüglich einer Korrespondenz, die sie zu ihrem Seelenwohl mit mir beginnen wollte und Mitteilungen Perceys, dass er mir alles über den Bären mitteilen wollte, sobald entschieden wäre, was am besten mit ihm geschehen würde. Dazu bettelte die kleine Clara, dass ich nicht fahren dürfe, ohne ihr einen Abschiedskuss zu geben.
Aber inmitten des Durcheinanders fand Fräulein Edith die Gelegenheit zu einem Schlusswort für mich. „Versuchen Sie nicht“, sagte sie, als ich im Begriff war mein Rad zu besteigen, „diese Stechpalmwedel bis Weihnachten in ihrem Hirn zu behalten. Sie verhaken sich nur zu leicht, sie sind nicht beständig und außerdem gäbe es kein Weihnachten.“
„Und was ist mit Neujahr?“ fragte ich.
„So sollten Sie denken“, sagte sie. „Denken Sie daran und Sie kommen klar.“
Als ich so dahin fuhr, konnte ich nicht vergessen, dass ich zwangsweise an dem Gasthaus vorbei müsste. Ich erkundigte mich, aber es gab keine mir dienlichen Umleitungen. Ich konnte nur weiter fahren und das tat ich. Ich sollte so gräuschlos und flott daran vorbei fahren, dass meiner Meinung nach mich niemand bemerken sollte, es sei denn, dieser Junge vielleicht. Ich hoffte inständig, ich würde ihn nicht sehen.
Ob ich oder ob ich nicht gesehen wurde, als ich vorbei fuhr, weiß ich nicht. Kein Ruf unreifer Teufelei drang an mein Ohr, kein Zitronenduft in meine Nase und ich sah nichts als die gerade Straße direkt vor mir.
Fortsetzung hier
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Erstes Kapitel hier:
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