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Der Tote bei der Passkontrolle

Gießen | Auch dieses Ereignis ist schon ca 14 Jahre her. Doch vergessen ist es nicht

Die Schlange vor der Passkontrolle im Bahnhof von Guangzhou / China war sehr lang, naturgemäß auch die Wartezeit.
Plötzlich kippte der 3. Mann vor mir um und verdreht die Augen und blieb liegen. Offensichtlich Herzprobleme war meine laienhafte Diagnose, die sich später als richtig herausstellte. Keiner kam ihm zu Hilfe, alle sahen nur zu. Ich habe mit der Ersten Hilfen begonnen und sein Herz massiert und "gepumpt"
Nur ein einziger von vielleicht 50 kam um zu helfen.
"Einen Arzt, schnell einen Arzt" rief, nein schrie ich, um gehört zu werden. Nichts bewegte sich, obwohl ich nicht nur einmal nach dem Arzt rief sowohl auf Englisch als auch auf Chinesisch.
Also erst mal pumpen und pumpen. Während dessen wurde die Passkontrolle weiter durchgeführt. Da ich mir meinen Platz des Helfens nicht aussuchen konnte, wurde mir während meiner Bemühungen um den Mann zweimal auf meinen Fuss getreten. Einer hat sich wenigstens entschuldigt, auch ein menschiches Zeichen.
So nach ca 50 oder 60? Minuten kamen dann immerhin 3 Ambulanzhelferinnen recht
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langsam in Kitteln, die früher mal weiss gewesen sein müssen. So richtig wussten sie eigentlich nicht, was sie tun sollten. Lange zu überlegen brauchten sie nicht, denn der Mann starb kurz nach der Ankunft der drei Heilferinnen. Die verschwanden dann auch sehr, sehr schnell.
Was nun? Wir "übergaben" den Mann zwei Beamten von der Bahn, haben vorher doch noch nach Papieren gesucht und fanden seine Visitenkarte. Er war Amerikaner und für ein amerikanisch - chinesisches joint venture tätig.
Ich wurde schnell bei der Passkontrolle abgefertigt und konnte zu meiner Frau gehen, die ich mit der 4 jährigen Tochter gebeten hatte, hinter der Barriere zu warten, damit die Tochter das alles nicht mit bekommen sollte.
Es war für mich eine Selbstverständlichkeit geholfen zu haben.Auch wenn meine Hilfe keinen Erfolg hatte. Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass da etwas bei mir zurück blieb, das mir heute noch zu denken gibt und etwas zu schaffen macht. Mein Fax an die Witwe, in der ich ihr von dem Vorfall genau berichtete, wurde bis heute von ihr nicht mit einem einzigen Wort beantwortet. Immer wieder frage ich mich: Ist das normal?

Kommentare zum Beitrag

Marion Wallenfels
2.050
Marion Wallenfels aus Gießen schrieb am 08.01.2009 um 02:24 Uhr
Ich finde es sehr bemerkenswert, dass Sie sofort geholfen haben und das die Witwe sich noch nicht mal bei Ihnen gemeldet hat verstehe ich eigentlich nicht ! Vielleicht war sie von der Trauer einfach so überwältigt, dass sie nicht reagieren konnte und ihr alles gleichgültig war, jeder reagiert im einem Trauerfall anders ! ! !
Tara Bornschein
7.282
Tara Bornschein aus Reiskirchen schrieb am 08.01.2009 um 12:23 Uhr
Das ist ja unglaublich! Ich hoffe, dass ich niemals in einer öffentlichen Einrichtung umfalle oder mir sonst irgendetwas zustößt! Die Hoffnung auf Hilfe ist nach Ihrer Geschichte her zu beurteilen bedauerlicher weise fast null!
Peter Herold
26.329
Peter Herold aus Gießen schrieb am 17.01.2009 um 16:44 Uhr
Eventuell war die Witwe froh ihn los zu sein, wer weiß.
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von:  manfred mengewein

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manfred mengewein
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