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Kunsthalle: Bäume, Biwaks und Bleistiftkunst von Johannes Speer

Gießen | Mülltüten und Biwaks, provisorische Schlaflager aus Plastikplanen, hängen seit einigen Tagen an groben Seilen von der Decke der Gießener Kunsthalle. Am Boden liegt eine Ansammlung von groben Ästen, an den Wänden Zeichnungen in schwarz-weiß. Die Kunsthalle Gießen zeigt bis Weihnachten die Ausstellung „Windeinschlag/Siedeln in den Lüften“ von Johannes Spehr, für die sich es lohnt, ganz nah an die unauffälligen Rahmen heranzutreten. Denn hinter Glas verbergen sich Bilder von Revolution und Gewalt.

Johannes Spehr wurde1965 in Schotten/Vogelsberg geboren, lebt in Frankfurt und lehrt an der Kunsthochschule Kassel. Seit kurzem hat er dort eine Professur inne, für Kuratorin Ute Riese ein Beweis für die Qualität des Künstlers. Eine Klassenausstellung ist der Grund, warum er nicht am Pressetermin teilnehmen kann. Dafür berichtet die Kuratorin von der Zusammenarbeit und lobt die „spröde, lapidare Poetik, die bestehende gesellschaftliche Aspekte anreißt“, die akribische Arbeit, die die Zeichnungen auch handwerklich herausragend machen. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Natur- und Gebrauchsmaterialien des angedeuteten Urwalds
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in der Mitte der Halle. Eigens für Gießen hat Spehr die Installation geschaffen, mit dem Fahrrad brachte er Holz aus dem Wald in den Ausstellungsraum und fügte so aus Elementen die Äste erst zusammen, das Holz erinnert bei genauerem Hinsehen an verschraubte Prothesen.

Aus 200 Metern Seil und einigen Haken wurde das Netzt der Biwaks über den Köpfen geknüpft. Das Motiv dieser „imaginierten Zufluchtsorte“ findet sich auch bei der Darstellung der umherziehenden Berber auf den klein- und mittelformatigen Werken an den Wänden wieder. Die monochromen, exakten Zeichnungen und Aquarelle sind entweder Bildergeschichten oder düstere Szenerien, in denen Umbruchsituationen dargestellt werden. Häufig sind Figuren zu sehen, die im Büro arbeiten oder absurde Tätigkeiten verrichten. Andererseits finden sich Gewaltszenen voller Überraschungen oder düstere Revolutionsszenarien.

Johannes Spehr entstammt Beuys‘ Enkelgeneration, die politische und soziologische Fragestellungen in die die Kunst integrieren und auch in begehbaren Installationen umsetzen. Dabei spannt er den Bogen von Comic bis Arte Povera.

Eröffnung ist am Samstag um 18 Uhr in Anwesenheit von Johannes Spehr. Neben einer Führung durch die Kuratorin und speziellen Angeboten für Senioren, Familien und Gehörlose startet die Reihe „Prominent geführt“ mit Politikwissenschaftler Claus Leggewie. Bis 23. Dezember, Dienstag bis Sonntag 10.30 bis 17.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen www.kunsthalle-giessen.de

 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
28.194
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 07.10.2011 um 14:47 Uhr
Ich werde erst die Führung abwarten und mich dann hier dazu äußern
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Fiona Sara Schmidt

von:  Fiona Sara Schmidt

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Interessensgebiet: Gießen
Fiona Sara Schmidt
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