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Der Druck steigt, das MuK schreit

Gießen | 550 schwitzende Fans erwarteten am Dienstag sehnlichst den Beginn des seit Wochen ausverkauften Konzerts von Rapper Casper. Um halb zehn ist er endlich da und entsteigt mit einer Wolfsmaske dem perfekt choreographierten, nebeligen Pathos. Casper betritt mit einer aus den Augen leuchtenden Wolfsmaske die Bühne und eröffnet mit der modernen Revolutionshymne „Der Druck steigt“ seine umjubelte Show.

Lasst die Spiele beginnen, fordert der Shootingstar und bringt mit ungestümer Freude an seinem Auftritt die Menge zum Springen. Alarm in Gießen! „Ich bin unzerbrechlich, unverletzlich“ heißt es in einem der älteren Songs die Casper neben seinem aktuellen Nummer-1-Album präsentiert und die zumeist minderjährigen Fans ebenso mitzusingen wissen. Es war nicht Caspers erster Auftritt im MuK, bereits 2009 unterstützte er Prinz Pi, damals brauchte es noch keine Absperrgitter. Trotz des unglaublichen Erfolgs des Albums „XOXO“ sollte es erst einmal eine Clubtour sein. Aus der Zeit vor dem Album stammt auch „Mittelfinger hoch!“, mehr Obszönitäten sind von dem sogenannten Emo-Rapper nicht zu hören, die Bezeichnung stört ihn schon lange nicht mehr.

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Muk (163)Konzert (808)HIP HOP (39)
Die älteren Fans, eigentlich eher Hörer von Gitarrenmusik, haben sich ganz hinten an der Bar versammelt und fühlen sich alt, die wartenden Eltern drehen ihre Runden um den Block. Bei Casper muss niemand Angst haben, dass die Kinder auf die falsche Bahn geraten. Obwohl sein T-Shirt „mit Verachtung“ sagt, erkundigt er sich bei seinen Zuhörern zwischendurch besorgt nach dem Befinden. Seine Stimme ist dabei so voller Reibeisen, dass die Ansagen manchmal gar nicht verstanden werden. Seine Botschaft ist, sich selbst treu zu bleiben, an die Freundschaft zu glauben, nachzudenken über sich und die Gesellschaft. Der Chartstürmer mit Hardcorevergangenheit ist ganz offensichtlich eine eierlegende Woll(f)milchsau, er bedient alle Stile, ist ein charmanter Interviewpartner und kritisiert öffentlich die Homophobie im Hip Hop. Und doch bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Die Wirkung von Caspers Band ist gleich in zweifacher Hinsicht blass, die jungen Musiker bleiben hinter der Dichte des überproduzierten Album zurück. Und der Star des Abends, wie ein Prophet in Stoffturnschuhen auf seinem von unten angestrahlten Sockel stehend, scheint die anderen Akteure auf der Bühne gar nicht wahrzunehmen.

Mit dem einem verstorbenen Freund gewidmeten Lied „Michael X“ beginnt der ruhige Teil des Konzerts. Mobiltelefone und Digitalkameras sorgen für ein postmodernes Kerzenmeer. Die Enttäuschung wird jedoch greifbar, als der Wolf seinem Rudel bereits nach einer Stunde das Ende der großen Party ankündigt. Aber Casper weiß, was er tut. Der Kracher „So perfekt“, unterlegt mit Technobeats wie von der Kirmes bringen alle nochmal zum ausrasten. Schon zwölf Stunden später steht der erste Zusammenschnitt auf Youtube mit dem Kommentar: „Es war so unglaublich gut.“

 
 
 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 06.10.2011 um 15:59 Uhr
Top! Schade, dass es hier keinen Gefällt mir-Button gibt. Schöner, treffsicherer Text.
Fiona Sara Schmidt
762
Fiona Sara Schmidt aus Gießen schrieb am 06.10.2011 um 16:10 Uhr
Dankesehr!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Fiona Sara Schmidt

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Interessensgebiet: Gießen
Fiona Sara Schmidt
762
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