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Barbies und Bitches, vereinigt euch!

Gießen | Wie leben Mädchen und junge Frauen Sexualität heute? Welchen Einfluss haben neue Medien auf sexuelle Identitäten, Beziehungen und Lebensentwürfe? Wie kann eine aktive, feministische und parteiliche Mädchenarbeit und Mädchenpolitik aussehen? Im Mittelpunkt eines Fachtages der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik in Hessen in Kooperation mit der Jugendförderung des Landkreises und dem Gießener Jugendbildungswerk standen diese Fragen am Donnerstag in der Justus-Liebig-Universität. Unter dem Titel „Barbie oder Bitch? Der öffentliche Diskurs um Sexualität: Neue Freiheit oder konservative Wende? Positionen und Perspektiven feministischer Mädchenarbeit“ tauschten sich 90 Wissenschaftlerinnen, Jugendpflegerinnen, Studierendenvertreterinnen und andere Fachfrauen (Männer hatten sich nicht angemeldet) aus dem gesamten Bundesgebiet aus.

Am Vormittag zeigte Christin Sager von der Universität Hildesheim in ihrem Vortrag „Zwischen Aufklärung und sexueller Verwahrlosung. Aktuelle Diskurse und Befunde zur sexuellen Sozialisation“ die Diskrepanz in der öffentlichen Wahrnehmung von Jugendsexualität auf. Anschauliche Beispiele
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bewiesen, wie problematisch die Darstellung von Weiblichkeit und den damit verknüpften Rollenerwartungen nach wie vor bereits in Aufklärungsschriften manifestiert wird. Einerseits wird eine sexuelle Verwahrlosung und die Allgegenwärtigkeit von Pornografie beklagt und medial ausgeschlachtet, andererseits zeigen Studien seit den frühen 70er Jahren kaum Änderungen im Verhalten der Jugendlichen, Teenagerschwangerschaften sind rückläufig, gewünscht werden von beiden Geschlechtern eine eigene Familie sowie stabile Freundschaften.

Mädchen bewegen sich heute in einem Spannungsfeld zwischen scheinbaren sexuellen Freiheiten und gesellschaftlichen Erwartungen, die faktisch viel konservativer sind als zunächst angenommen. Die Aufforderung „sei ganz du selbst!“ gilt oft nur so lange, wie die Mädchen den Ansprüchen einem von Sexismus geprägten Umfeld entsprechen, bei dem Heilige und Hure (oder eben Barbie und Bitch) nach wie vor zwei sich ausschließende Identifikationsfiguren sind. Mithilfe von feministischer Mädchenarbeit sollen die Jugendlichen in der Fähigkeit, Widersprüche zu entdecken, unterstützt werden und sich trauen, ihr Recht auf Widerstand wahrzunehmen.

Wiebke Dierkes, Jugendbildungsreferentin des Landkreis Gießen, stellt
in der Praxis fest, dass Mädchen durchaus ein Bewusstsein für Fragen der Gleichberechtigung haben und in manchen Themenbereichen Angebote wünschen, bei denen sie unter sich bleiben und sich ausprobieren können. Die Tagung sollte den Teilnehmerinnen den Blick öffnen, um vermeintliche Wahrheiten zu hinterfragen. Auch Pornografie, ein vieldiskutiertes Thema in den letzten Jahren, sei ein Abbild von Gesellschaft, mit dem man sich im Arbeitsalltag auseinandersetzen müsse. In Gießen hat die Mädchenarbeit auch durch die Präsenz von Frauen in politischen Positionen lange Tradition, betonte auch Landrätin Anita Schneider in ihrem Grußwort: „Gießen ist ein gutes Pflaster für selbstbewusste Frauen“.

Mit konkreten Fragen aus der Praxis setzten sich die Teilnehmerinnen in den vier Nachmittagsworkshops auseinander. Clarissa Bachmann vom Frauen- und Mädchengesundheitszentrum Dresden zeigte sexualpädagogische Methoden für die Arbeit mit Mädchen in der Pubertät, die die Entwicklung einer selbstbestimmten Sexualität unterstützen. Elke Kreß von der Frankfurter Lesben Informations- und Beratungsstelle informierte die Teilnehmerinnen über Heteronormativität (Heterosexuallität als gesellschaftliche Norm) und die Folgen für die Identität von lesbischen Mädchen. Medienpädagogin Christine Weiss leitete die Arbeitsgruppe zum Thema Neue Medien, Mädchen und Pornografie. Sookee, Rapperin aus Berlin zeigt in ihrem Workshop „Bitches und Barbies vereinigt euch!“ welche Geschlechterbilder im HipHop transportiert werden und wie sich in der Praxis der Jugendarbeit weibliche Solidarität statt Konkurrenz ermöglichen lässt.

 
 
 
 

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Kommentare zum Beitrag

Heike Nocker-Bayer
330
Heike Nocker-Bayer aus Gießen schrieb am 27.09.2011 um 00:23 Uhr
Wenn eine Fachtagung schon unter einem solch provokanten Titel "Bitch oder Barbies" diskutiert, dann hätte ich mir mehr Qualität der Inhalte gewünscht. Wie kann man im dritten Jahrtausend, wo "Integration anderer Kulturen und Religionen mit höchster Priorität " in unserer Gesellschaft vorangetrieben werden, losgelöst und ohne Berücksichtigung des Mädchenbildes z. Beispiel der Muslime, diskutieren? ( Gewalttätige Ehemänner, Vergewaltigung, Ehrenmorde, ist das den Verantwortlichen fremd? ) Das grenzt schon fast an Steuerverschwendung!
Lukas Tebbe
44
Lukas Tebbe aus Gießen schrieb am 28.09.2011 um 14:45 Uhr
Ich gebe Frau Bayer recht!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Fiona Sara Schmidt

von:  Fiona Sara Schmidt

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Interessensgebiet: Gießen
Fiona Sara Schmidt
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